James Bond. Diamantenfieber von Ian Fleming

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1956 unter dem Titel Diamonds are Forever, deutsche Ausgabe erstmals 1960 bei Ullstein.

  • London: Jonathan Cape, 1956 unter dem Titel Diamonds are Forever. 257 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Ullstein, 1960. Übersetzt von Günter Eichel. 190 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 1992. Übersetzt von Günter Eichel. 186 Seiten.
  • München: Heyne, 2003. Übersetzt von Günter Eichel. vollständig überarbeitete Ausgabe. 288 Seiten.
  • Ludwigsburg: Cross Cult, 2012. Übersetzt von Stephanie Pannen & Anika Klüver. 280 Seiten.

'James Bond. Diamantenfieber' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

James Bond wird in eine Verbrecherorganisation eingeschleust, die mit Diamantenschmuggel Millionengewinne verzeichnet. Von Holland aus führt die Spur nach Las Vegas, wo Bond auf seinen Erzfeind Blofeld trifft, der mit den Diamanten ganz spezielle Ziele verfolgt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kalter Mord um heiße Steine« 65°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Die Regierung ihrer britischen Majestät registriert schockiert einen enormen Schwund bei der Diamantenförderung in der westafrikanischen Kolonie Sierra Leone. Aus den Minen von Sefadu werden kostbare Steine für viele Millionen Pfund gestohlen. Dahinter steckt eine große Organisation. Das Leck ist so groß geworden, dass nun der Geheimdienst um Unterstützung gebeten wurde: Die »Pipeline«, d. h. der Schmuggel-Weg, den die Diamanten zwischen Förderung und Verkauf im Ausland nehmen, soll geschlossen werden. Im Verdacht sie zu betreiben steht die Handelsgesellschaft »House of Diamonds«. Sie wird mit der US-Mafia und hier mit der Spangled-Bande in Verbindung gebracht, der die Brüder Jack und Seraffino Spangle vorstehen.

James Bond, Agent mit der Dienstnummer 007, ergreift erfreut die Gelegenheit, der ungeliebten Schreibtischarbeit zu entfliehen. Er schlüpft in die Haut eines kleinen Kriminellen, der kürzlich von der Organisation als Kurier angeheuert wurde. In seinen Job eingeführt wird er von der ahnungslosen Spangled-Handlangerin Tiffany Case.

Die Pipeline führt über Afrika, Frankreich und London nach Los Angeles und weiter nach Las Vegas. Bond schmuggelt die ihm zugesteckten Diamanten erfolgreich in die USA ein und dient sich der Bande für weitere Aufgaben an. Man stellt ihn auf die Probe. Als er endlich Seraffino Spangle kennenlernt, ist Bonds Tarnung längst aufgeflogen. Seraffino lässt seine Killer Wint und Kidd auf ihn los. Gerettet wird Bond von Tiffany Case, die sich (natürlich) in ihn verliebt hat. Den wütenden Gangster-Mob auf den Fersen, flieht das Paar durch die nächtliche Wüste von Nevada &

Diamanten mögen für die Ewigkeit sein &

1956 war James Bond zumindest einem eingeweihten Kreis britischer Thriller-Freunde bekannt. Mit Diamantenfieber legte Autor Ian Fleming bereits den fünften Band seiner 007-Serie vor. Auf den Durchbruch wartete er indes weiterhin. Er stellte sich erst Anfang der 1960er Jahre ein, als James Bond die Kinos der Welt eroberte.

Dieses Diamantenfieber brach also noch vor dem großen Bond-Fieber aus. Der heutige Leser merkt es bald, zumal ihm in Deutschland mit der aktuellen Neuausgabe erstmals eine gänzlich ungekürzte Fassung zur Verfügung steht: Mit dem Film-007 hat dieser James Bond nur marginal zu tun.

Dies ist nicht unbedingt ein Nachteil. Der literarische James Bond ist deutlich ´realistischer´ als seine cineastischen Alter-Egos. Er bewegt sich in einer Welt, in der Hightech oder gar die beliebten Q-Gimmicks keine Rollen spielen. Bond ist ein Geheimagent, der Identitäten annimmt und Ermittlungen anstellt. Die Dienstnummer 007 weist auf den einzigen Unterschied zu einem schnöden Polizisten oder Detektiv hin: Bond darf und soll den festgestellten Schurken zum Wohle für Königin & Vaterland buchstäblich eliminieren.

Normalerweise setzt man ihn auf sowjetische oder chinesische Agenten und andere Kommunisten-Knechte an. In diesem Punkt ist Bond bereits bei sich: Den roten Teufeln, die Lenin & Mao in den freien Westen tragen wollen, gilt sein gerechter Zorn. Darüber ist er ein wenig betriebsblind geworden. Über das organisierte Verbrechen in den USA muss er sich erst informieren lassen. Dass er es mit einem Gegner zu tun bekommt, der es mit den Spionen des Ostens durchaus aufnehmen kann, überrascht Bond sehr. Trotzdem muss er erst in Lebensgefahr geraten, um die Gefahr wirklich ernst zu nehmen.

& aber diese Geschichte ist es nicht

Ian Fleming selbst war durch die zeitgenössische Berichterstattung auf das Mafia-Problem aufmerksam geworden. Mehrfach nennt er in Diamantenfieber den »Kefauver-Ausschuss«. US-Senator Estes Kefauver (1903-1963) leitete einen auf sein Bestreben 1950 eingerichteten Ausschuss zur Überprüfung des organisierten Verbrechens und seinen Einfluss auf Politik und Wirtschaft. Die Existenz einer Mafia war von Regierung und FBI bisher geleugnet worden. Kefauver kam zu gänzlich anderen Ergebnissen. Sie wurden in den »Kefauver-Hearings« 1951 öffentlich gemacht und sorgten für ein gewaltiges Medienecho.

Dies griff Fleming auf, ohne recht mit dem Herzen dabei zu sein. Jedenfalls gelingt es ihm nie, die Spangled-Brüder und ihre Lumpenbrut so unterhaltsam zu verteufeln wie die Killer-Agenten der Organisation »SMERSH«. Allzu deutlich wird die Herablassung spürbar, mit der Fleming den teuer aber geschmacklos gekleideten, Spagetti mit Fleischklößchen in sich hinein schaufelnden Mafiosi  das Wort fällt übrigens kein einziges Mal  begegnet. Sie tragen alberne Spitznamen, und das Verbrechen steht ihnen buchstäblich in die groben Gesichter geschrieben. Wirklich gefährlich wirken sie nie. Vor allem sind sie keine Gentlemen, und eine Mission haben sie auch nicht. Selbst verschlagene Spione dienen ihrem Land. Das organisierte Verbrechen scheffelt nur Geld.

Zudem ist Fleming außerstande, eine zündende Geschichte um die aufwändig eingeführte Diamanten-Pipeline zu erzählen. Es bleibt bei einer Reihe gelungener Episoden, die sich nicht zu einer ´runden´ Handlung fügen. Sie treiben in einem Meer ausführlicher Reisebeschreibungen. Tatsächlich ist James Bond vor allem damit beschäftigt, Nordamerika zu durchqueren und sich über Land und Leute zu wundern. Dies tut er stellvertretend für seine Landsleute, für die es 1956 mehrheitlich noch nicht üblich war, weite Reisen in oder gar durch die USA zu unternehmen. Dieser Exotik-Faktor ist freilich verflogen.

Wir lernen außerdem (zu) viel über:

 – Diamanten und ihren Schmuggel. Seit 1954 recherchierte Fleming über dieses Thema. Er besaß als ehemaliger Geheimdienstmann das Ohr der »International Diamond Security Organisation« (IDSO), die es sich zum Ziel gesetzt hatte, das organisierte Verbrechen aus dem Diamantenhandel zu drängen. Fleming erschien ihnen als geeigneter Kandidat, über den Arbeitsalltag der IDSO zu berichten. Das Sachbuch The Diamond Smugglers erschien ein Jahr nach dem Roman Diamantenfieber, denn 1957 wurde die IDSO aufgelöst.

 – Pferderennsport. Fleming liebte das Glückspiel. Schon in Casino Royale (1953), dem ersten Bond-Roman, schilderte er ein monumentales Baccarat-Duell zwischen 007 und dem Bösewicht Le Chiffre, in Goldfinger (1959) erteilte Karten-As Bond dem gleichnamigen Schurken eine teure Lektion im Canasta-Spiel. Für den weniger interessierten Leser erschließt sich die Faszination dieser jeweils seitenstark ausgewalzten Szenen nur bedingt oder gar nicht.

 – das Baden in Schlamm und Schwefel. 1954 unternahm Fleming eine ausgedehnte USA-Reise und besuchte u. a. den Kurort Saratoga Springs, der für seine Pferderennbahn (s. o.) und seine natürlichen, vulkanisch bedingten Heilquellen berühmt ist. Diesem Ort verdankt Diamantenfieber immerhin eine der besseren Szenen um einen Mordanschlag mit heißem Schlamm.

Story mit Sand im Getriebe

Dass James Bond als Figur inzwischen weit über ein halbes Jahrhundert alt ist, lässt sich in Flemings Original-Romanen nicht verhehlen. Anders als der Kino-007 bleiben sie ihrer Zeit verhaftet. Das liest sich oft nostalgisch amüsant, ist andererseits jedoch nur noch altmodisch oder sogar politisch unkorrekt. So mag sich Bond im Schlammbad nicht von einem »riesigen Neger« massieren lassen, und das »Homo-Pärchen« Wint & Kidd wird nicht nur mit allen einschlägigen Klischees, sondern auch optisch als ´Fehler der Natur´ gebrandmarkt.

Mit der Zeichnung der Bösewichte gibt sich Fleming dieses Mal wenig Mühe. Zwar frönt er seinem Faible für überlebensgroße Schurken: Die Spangled-Bande wird von Zwillingsbrüdern geleitet, von denen einer stilecht in einer Wild-West-Geisterstadt residiert. Nichtsdestotrotz leidet die theatralische Wirkung unter der bereits erwähnten Herablassung.

Tiffany Case ist nicht das übliche Bond-Girl der Kino-Filme. Ihre Kindheit und Jugend sind ebenso dramatisch wie tragisch; sie ist aufgrund grausamer Erlebnisse misstrauisch und vor allem mannsscheu, was sich  die Realität muss dem Effekt weichen  selbstverständlich dank und durch James Bond ändert (der ja auch in Goldfinger das Kunststück beherrscht, eine lesbische Schönheit ´umzupolen´).

Fleming kehrte mit dem sechsten 007-Roman »From Russia with Love« (dt. »Liebesgrüße aus Moskau«) in die Welt des Kalten Krieges und der darin verwickelten Geheimdienste und Agenten zurück. Es war der richtige Entschluss, denn was in Diamantenfieber aufgesetzt wirkt, entfaltet in dieser Kulisse die gewünschte Wirkung.

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Rolf Dafor zu »Ian Fleming: James Bond. Diamantenfieber« 27.05.2015
Meiner Meinung nach ist dieser Bond- Roman nicht so schlecht wie von den ersten Rezensionen dargestellt. Zwar sind die Verbrecher teilweise recht klischeehaft, doch bleibt das Buch sonst realistisch und sehr spannend. Eine Art Ausblick auf die Filme gibt es vor allem durch eine gut beschriebene Autoverfolgungsjagd. Insgesamt muss man sich vielleicht ein bisschen auf die Nostalgie einlassen, aber wenn man dies tut, kann man ein wirklich gutes Buch lesen.
Bruno... zu »Ian Fleming: James Bond. Diamantenfieber« 17.03.2008
"Diamantenfieber" ist zwar nicht der beste Bond, dennoch ist Spannung, wie immer bei 007, garantiert!
Im Vergleich zu den anderen Bond-Büchern sind die Antagonisten (hier ein Brüderpaar das eine amerikanische Gangsterbande anführt) nicht so stark ausgeführt. Auch die Schauplätze (im Wesentlichen die USA) haben nicht die gewohnte Exotik und Exklusivität.
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