Wolfsspinne von Horst Eckert

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 bei Wunderlich.
Folge 3 der Vincent-Veih-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2016. ISBN: 978-3805250993. 496 Seiten.

'Wolfsspinne' ist erschienen als Hardcover E-Book

In Kürze:

Der Mord an einer Düsseldorfer Promiwirtin führt Hauptkommissar Vincent Veih auf die Spur eines Dealerrings, der im großen Stil Crystal Meth vertreibt. Als Vincent bei seinen Ermittlungen Ronny Vogt, einem entfernten Verwandten, wiederbegegnet, gibt dieser vor, ihn nicht zu kennen. Vincent erfährt, dass Ronny mittlerweile als verdeckter Ermittler für das LKA arbeitet. Einige Jahre zuvor hat er für den Verfassungsschutz den «Nationalsozialistischen Untergrund» beobachtet. Was damals unter dem Codenamen «Aktion Wolfsspinne» geschah, belastet ihn bis heute. Als Vincent herausfindet, dass Handlanger des Drogendealers im Verdacht stehen, Anschläge auf Migranten verübt zu haben, weiß er nicht mehr, auf welcher Seite Ronny steht. Ist es nur Zufall, dass sich ihre Wege kreuzen? Und was passierte 2011 in Eisenach wirklich?

Das meint Krimi-Couch.de: »Schlapphüte, Drogen-Dealer und der braune Sumpf« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Melli Franck wird in ihrem Düsseldorfer Restaurant vergewaltigt und ermordet. Nach anfangs mühseligen Ermittlungen führt die Spur Vincent Veih und seine Kollegen in das Drogenmilieu der Rhein-Metropole. Dort trifft der Kommissar zufällig auf seinen entfernten Verwandten Ronny Vogt. Der war einst – was Veih nicht weiß – an der Aktion Wolfsspinne des thüringischen Verfassungsschutzes beteiligt. Als Undercover-Ermittler wurde Vogt in die rechtsextreme Szene eingeschleust, und drang sogar bis in den Dunstkreis des Nationalsozialistischen Untergrunds vor. Als die Gefahr zunahm, dass die Polizei die Aktion des Geheimdienstes aufdecken könnte, musste Ronny eine Lösung finden.

Vier Jahre später arbeitet er in einer Düsseldorfer Frittenbude – und ermittelt wieder für den Verfassungsschutz unter Neonazis. Vincent Che Veih muss ein ganzes Paket an Rätsel und Geheimnissen aufschnüren, um der Lösung des komplizierten Falls auch nur näher zu kommen.

Rezensenten loben authentische Charaktere und realistische Geschichte

Die Thriller von Horst Eckert werden mit Lobeshymnen förmlich überhäuft. Die Homepage des Autors sowie sein Facebook-Account sind voll mit positiven Rezensionen und Kommentaren. Gelobt werden vor allem die authentischen Charaktere und die realistisch anmutende Geschichte. Dem ist zuzustimmen, und mir gefallen auch noch ganz besonders die erstklassigen Dialoge.

Der private Hintergrund der Ermittler spielt diesmal wieder eine besondere Rolle, vor allem, weil Vincent Veih seiner Mutter aus dem Terror-Milieu und auch seiner Freundin wieder näher gekommen ist. Die weiterhin ungeklärte Frage, wer sei Vater ist, wird hier aufgelöst – allerdings nur in Andeutungen. Die privaten Dinge baut Horst Eckert immer recht geschickt in seine Romane ein, so dass sie kein lästiges Beiwerk sind, sondern für die eigentliche Geschichte durchaus wichtig.

Roman ist eine Anklage gegen die Verfassungsschutzbehörden

Den Titel des Buches liefert die fiktive Aktion des thüringischen Verfassungsschutzes im Jahr der Todes der beiden NSU-Protagonisten. Wolfsspinnen sind bekannt für ihre Schnelligkeit, Unnachgiebigkeit und ihre perfekte Tarnung. Sie warten, bis ein Insekt vorbei kommt, um dann blitzschnell zuzuschlagen. Ein solches Codewort für eine Geheimdienst-Aktion ist durchaus denkbar. Überhaupt hat sich Horst Eckert – wie man es bei seinen Büchern gewohnt ist – intensiv in die komplexen Vorgänge um den Nationalsozialistischen Untergrund eingearbeitet, und sein Roman ist eine einzige Anklage gegen die Verfassungsschutzbehörden.

Natürlich ist es reines Marketing, wenn Eckert auf seiner Facebook-Seite zum NSU-Prozess in München sinngemäß schreibt, Wolfsspinne gäbe Antworten auf offene Fragen. Aber wer das Buch »Heimatschutz« von Stefan Aust und Dirk Laabs gelesen hat, wird bei der Lektüre von Wolfsspinne so einige Male zusammenzucken. Ein Roman ist Fiktion, aber Horst Eckert ist es gelungen, seine ausgedachte Geschichte in Teilen wie einen Tatsachen-Roman wirken zu lassen. Das hat seine Polit-Thriller bisher schon ausgezeichnet, aber hier hat er sich fast selbst übertroffen – es ist starker Tobak, was er dem Leser präsentiert.

Rapide Szenenwechsel fordern die Aufmerksamkeit des Lesers

Wolfsspinne ist ebenso komplex aufgebaut wie die ersten zwei Bände mit Vincent Che Veih. Der Autor arbeitet mit zwei Zeitebenen und führt den Leser immer wieder zurück ins Jahr 2011, um die Rolle von Ronny Vogt beim Ende des NSU zu beleuchten. Das Bild der damaligen Vorgänge wird dadurch immer schärfer, und es werden auch – zumindest teilweise – Erklärungen für die aktuellen Vorgänge geliefert.

Zur Dramaturgie des Romans gehört selbstverständlich, dass dem Leser etliche Ereignisse bekannt vorkommen. Das ist zweifellos vom Autor so beabsichtigt. Eckert hat wieder einmal gut recherchiert, und erhöht die Glaubwürdigkeit seiner Geschichte durch das Einflechten realer Fakten, die er natürlich leicht verfremdet hat.

Dialoge mit schnellen Wortwechseln lassen den Leser die Seite überfliegen. Rapide Szenenwechsel fordern die Aufmerksamkeit des Lesers, und sorgen für Dynamik und Spannung. Das wird auch nicht durch die Abschweifungen zu Vincents Mutter und ihren Ansichten gemildert, und auch die Episode mit der Demo-Teilnahme des Kommissars rundet den Gesamteindruck positiv ab.

Intensive Recherche und gute Kenntnis der Fakten als Basis für den Plot

Horst Eckert ist Politikwissenschaftler und Journalist mit vielen Jahren Berufserfahrung. Und diese Kombination merkt man seinen brillanten Polit-Thrillern einfach positiv an. Intensive Recherche und gute Kenntnis der Fakten sind dabei offenbar die Basis für seinen Plot, den er dann flüssig und sehr lesenswert ausarbeitet. Es ist schon ein Lesevergnügen, Vincent Veih bei seinen Ermittlungen zu folgen – wobei der Protagonist in diesem Roman nach meinem Empfinden eine durchaus zurückhaltende Rolle spielt. Was sich aber positiv auswirkt, weil die Geschichte so noch glaubhafter wirkt.

Ein Roman als Anklageschrift gegen die fragwürdige Rolle der »Schlapphüte« in der rechtsextremen Szene ist schon ungewöhnlich genug. Die These lautet zusammen gefasst: Der Verfassungsschutz wusste vom NSU und hat sogar aktiv mitgemischt. Wenn das Buch dann noch so komplex und spannend ist wie Wolfsspinne, sollte man das Werk mehrfach lesen, um alle Nuancen zu erfassen. Im Fernsehen gab es schon eine mehrteilige Doku zum NSU – hier liegt das Drehbuch für einen Spielfilm vor. Ich würde mich darauf freuen.

Andreas Kurth, September 2016

Ihre Meinung zu »Horst Eckert: Wolfsspinne«

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Frank Siegmann zu »Horst Eckert: Wolfsspinne« 11.10.2016
Absolut lesenswert, Horst Eckert spielt definitiv in der ersten Liga! Ich habe bisher alle Bücher von Herrn Eckert gelesen, bzw. verschlungen. Obwohl die neue Reihe mit Vincent "Che" Veih politischer als die ersten Bücher von Eckert ist und sich ein wenig vom Genre Krimi entfernt hat, ist jede Zeile gut geschrieben.
dubh zu »Horst Eckert: Wolfsspinne« 19.09.2016
Der Düsseldorfer Kriminalkommissar Vincent Che Veih ermittelt im Fall Melli Franck. Die Wirtin eines Promilokals wurde brutal vergewaltigt und ermordet. Schon bald zeigt sich, dass es um ihr "Greens" nicht sonderlich gut steht und erste Spuren führen ins Drogenmilieu...
Veih, der gerade mit Seinesgleichen Probleme hat, da er als Privatperson eine Anti-Pegida-Demo besucht hat und in den Augen einiger Kollegen auffällig wurde, findet bei seinen Nachforschungen Verbindungen zu einer älteren Aktion, die "Wolfsspinne" genannte wurde. Sie stand in direktem Zusammenhang mit der rechtsextremen terroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund, die einige Jahre zuvor eine Mordserie begangen hat.

Parallel zu den Ermittlungen des KK 11 im Jahre 2015 gibt es einen weiteren Handlungsstrang, der 2011 mit einem Banküberfall startet und im angeblichen Selbstmord zweier männlicher Terroristen mündet. Hier steht ein V-Mann des Verfassungsschutzes im Mittelpunkt, der den NSU bereits geraume Zeit infiltriert hat.

Während die Rolle des Verfassungsschutzes und seiner V-Leute im Zusammenhang mit dem NSU und seinen Taten bis heute unklar ist, zeigt der vorliegende Krimi eine realistische Möglichkeit der Verstrickungen des Inlandsnachrichtendienstes auf. Gemeinsam mit den Ermittlungspannen, Widersprüchen und bis dato anhaltenden Verschleierungstaktiken wirft dies alles kein gutes Bild auf die entsprechende staatliche Einrichtungen und erzeugt auch zum jetzigen Zeitpunkt bei mir mindestens noch ein sehr mulmiges Gefühl.

Horst Eckert hat mit "Wolfsspinne" wieder einmal bewiesen, dass er nicht nur ausgezeichnet recherchiert hat, sondern ein brillanter Erzähler mit einem politischen Gewissen ist. Denn eines ist klar: dem Autor ist wichtig, dass seine Leser begreifen, was sich rund um den NSU zugetragen hat. Hier geht es nicht nur um kaltblütige Morde, sondern darum, wie der deutsche Staat lange Zeit geschlampt und Hinweise ignoriert hat. Obwohl in zumindest einer seiner Behörden genügend Wissen vorhanden sein musste... Da von dieser Seite bis heute geschwiegen wird, verbindet Horst Eckert hier harte Fakten mit Fiktion - in meinen Augen aber sehr glaubhaft und ebenso spannend wie intelligent verpackt!

Ganz nebenbei hat er mit Vincent Veih eine Hauptfigur geschaffen, die Ecken und Kanten hat und zudem keine ganz einfache Biografie. In diesem Fall handelt es sich aber nicht um die in vielen Krimis fast schon obligatorischen düsteren Stimmungen, sondern um eine interessante Familienkonstellation: mit einem überzeugten Nazi als Großvater und einer Mutter, die für ihre Taten als Mitglied der RAF lange Zeit ihres Lebens im Knast gesessen hat, hat sich Vincent Veih ausgerechnet entschieden, zur Polizei zu gehen. Dies führt nicht nur zur ein oder anderen Auseinandersetzung mit der nicht gerade reuigen Mutter, sondern beweist zeitgleich, dass es ihm ernst war und ist: er ist in meinen Augen ein Ermittler durch und durch.

Ich kann es kaum erwarten, neue Fälle von Vincent Veih zu lesen, denn für mich ist klar, dass Horst Eckert einer DER Krimiautoren überhaupt ist! Mich überzeugt seine Rechercheleistung - gepaart mit einer intelligenten Entwicklung der Geschichte, Authentizität, präzisen Schilderungen und der gekonnten Spannung einfach komplett.

Fazit: Lesen, unbedingt lesen!
PMelittaM zu »Horst Eckert: Wolfsspinne« 15.09.2016
Melli Franck, Wirtin eines Promilokals, wird bestialisch ermordet. Vincent Veih und sein Team ermitteln und stellen schnell fest, dass bereits die Frage nach dem Motiv nicht einfach ist. Mellis Lokal stand kurz vor der Pleite, die Wirtin hat nicht nur Drogen konsumiert, sondern womöglich auch selbst gedealt, ein Mitarbeiter war kurz vor der Tat gefeuert worden – doch die Art des Verbrechens deutet auch noch auf andere Motive hin.Vincent Veih hat private Probleme, die Teilnahme an einer Demonstration droht zu entgleiten, Vieles deutet darauf hin, als hätte er die gebotene Beamtenneutralität verletzt und in aller Öffentlichkeit Gewalt angewendet – seine Karriere steht auf dem Spiel und die Presse veröffentlicht Fotos.Ronny Vogt hat ganz andere Probleme. Nachdem er jahrelang für den Verfassungsschutz undercover im rechten Milieu unterwegs war, wird er nun auf vermeintliche Drogendealer angesetzt. Doch seiner Vergangenheit zu entkommen, ist nicht einfach – und da ist auch noch der gerade laufende NSU-Prozess, dessen Hauptangeklagte ihm nahe steht.Vincent Veih ermittelt bereits in seinem dritten Fall, für mich ist es jedoch der erste. Er ist ein sehr interessanter Ermittler, die Mutter, Brigitte Veih, ehemalige RAF-Terroristin, mittlerweile frei gelassen, ist nun als Künstlerin und in der Flüchtlingshilfe tätig, der Großvater, bei dem Vincent aufgewachsen ist, war nicht nur Nazi, sondern auch Täter im Dritten Reich, Vincents Vater hält Brigitte geheim, offenbar um ihren Sohn zu schonen – und trotz dieses nicht leichten Hintergrundes, wirkt Vincent sympathisch, integer und offen.Die Geschichte ist sehr komplex und wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt. Erst nach und nach verknüpfen sich die einzelnen Erzählstränge und ergeben erst im Laufe der Zeit ein zusammenhängendes Bild. Die Verknüpfungen sind teilweise überraschend, wirken auf mich aber durchgehend passend. Vor allem ist das Geschehen hochaktuell und sattelt auf reale Vorkommnisse auf. Der Autor liefert eigene und durchaus mögliche Erklärungen und bleibt nahe an der Realität. Seine Kritik an (manchen) Behörden, ihren Manipulationen und Klitterungen, und an der Presse ist groß, aber auch scheint Vieles möglich, ohne dass man gleich Verschwörungstheorien nachhängen müsste, an manchen Stellen möchte man lieber nicht wissen, wie nahe der Autor der Wahrheit gekommen ist. Insgesamt wird der Leser zum Nachdenken angeregt und das ist, schon wegen der brisanten Thematik, allemal gut.Horst Eckert erzählt flüssig und spannend, schnell wird der Roman zum Pageturner. Man bangt und hofft mit den Protagonisten, ärgert und ekelt sich mit ihnen. Nicht für alle gibt es ein gutes Ende, auch das ist realistisch. Die Auflösung des Mordfalles ist nachvollziehbar, ebenso wie die anderen Entwicklungen. Die Charaktere sind durchweg gelungen ausgearbeitet und wirken authentisch. Sehr gut dargestellt sind z. B. die Nöte eines Undercover-Ermittlers, der sich dem observierten Milieu anpassen, oft gegen seine Überzeugungen handeln, womöglich sogar töten, muss, dabei immer Gefahr läuft, der Beeinflussung zu erliegen, und sich zusätzlich in ständiger Lebensgefahr befindet.Sehr gut haben mir Prolog und Epilog gefallen, denn hier erhält ein Opfer Stimme – und das passt sehr gut zum Anhang, in dem die Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland seit dem 03.10.1990 aufgelistet werden: Mehrere Seiten lang!Mich hat der Roman sehr schnell gepackt, ich mag seine Komplexität und Aktualität und finde ihn ungeheuer spannend. Ganz sicher werde ich die beiden Vorgängerromane noch lesen und vergebe gerne volle Punktzahl und eine Leseempfehlung.
Nisnis's Bücherliebe zu »Horst Eckert: Wolfsspinne« 06.09.2016
Wenn ich Bücher lese, dann liegt stets ein Notizbuch neben mir, in dem ich all das notiere, was ich später in meine Rezension fließen lassen möchte. Als ich Wolfsspinne las, füllten sich meine Seiten im Hand umdrehen, so dass ich nun vor einer großen Flut von Notizen für diese Rezension sitze. Es sind so außergewöhnlich viele Notizen geworden, da Horst Eckert die Seiten seines intelligenten Polit-Thrillers auf jeder Seite mit Informationen garniert, die ich süchtig lesend in mich hineinsauge.

Er spielt mit mir als Leser, denn seine Geschichte tanzt auf Messers Schneide. Absichtlich drückt er den Leser in Selbstzweifel, denn was ist Realität und was Fiktion? Was ist Fakt oder was reales Zeitgeschehen und was ist Horst Eckerts Version, wie alles gewesen sein könnte?

Horst Eckerts glaubwürdige Version ist weit entfernt von einer Verschwörungstheorie, aber sie strotzt nur so vor brutaler Authentizität und das ist es was diesen hochspannenden Thriller so interessant und erschreckend zugleich macht. Selbst wenn man die NSU-Affären in der Presse aufmerksam verfolgt hat, kommt man trotzdem mit seinen abgespeicherten Informationen und den verbliebenen, unermesslich vielen Spekulationen arg ins Schleudern, denn wir alle wissen sicher, dass man uns Bürgern nicht die reine Wahrheit vorgesetzt hat. Wolfsspinne ist also nicht nur ein sehr spannender Thriller, sondern auch eine brisante Möglichkeit der Aufklärung.

Niemand braucht sich sorgen dass die Geschichte möglicherweise langweilt, weil man erneut und erneut von der NSU liest. Ganz im Gegenteil, spannender kann ein Polit-Thriller mit realem Bezug absolut nicht sein und der Spagat zwischen Fiktion und Realität ist genial gelungen.

Daneben hat Horst Eckert Protagonisten erschaffen, deren Legenden die Hauptrollen spielen. Er versucht aber auch mit Hilfe seiner schriftstellerischen Freiheit die damaligen Täter kennenzulernen bzw. aufzudecken was sie warum taten und beleuchtet wie sie heute leben könnten.

Die Lebensläufe der vielschichtigen Figuren weisen viele Parallelen zu Mundlos, Tschäpe, Böhnhardt & Co. auf, aber sie führen dennoch ein von ihnen unabhängiges Leben, dass immer wieder, dann authentisch, die Bundesregierung, BKA, LKA und vor allem den Verfassungsschutz angenehm taktlos und kritisch kreuzt. Es ist deutlich zu lesen, wie der Autor das Ergebnis der Bundesanwaltschaft anzweifelt, bei der sich die Widersprüche im NSU-Prozess, offensichtlich nicht verfolgte Spuren und merkwürdige Todesfälle von Zeugen summieren. Überhaupt wird beim Lesen erneut deutlich, wie wenig man als Bürger die Wahrheit kennt.

In Wolfsspinne ermittelt erneut der sympathische Vincent Veith, dessen Mutter einst selbst als Terroristin agierte. Daraus ergeben sich immer wieder interessant in Szene gesetzte Konflikte, die Veiths Polizistenlaufbahn kontinuierlich stören. Auch wenn dieser Ermittler bereits zum dritten Mal Geschichte schreibst, so meine ich, dass man Wolfsspinne auch ohne die Vorgänger vorher gelesen zu haben als „stand alone“ sehr gut genießen kann ohne etwas Vergangenes zu vermissen.

Host Ecket hat Wolfsspinne zwei Perspektiven geschenkt, die erfrischend im Wechsel harmonieren. Wendungen und Verstrickungen beleben den komplexen Thriller, den man sehr bewusst genießen sollte. Genuss ist darüber hinaus auch der Schreibstil des Autors. Knackig, faktisch, sehr gewissenhaft recherchiert, nüchtern, aber durchaus auch emotional und mit einem Hauch von Humor.
dorli zu »Horst Eckert: Wolfsspinne« 06.09.2016
Horst Eckert beginnt seinen Thriller „Wolfsspinne“ mit einem ergreifenden Prolog: Ein kleines Mädchen muss mitansehen, wie ihr Vater im Blumenladen der Familie von zwei Männern niedergeschossen wird…

Eisenach, 04. November 2011. Zwei Männer überfallen eine Sparkasse und flüchten auf Fahrrädern. Kurze Zeit später werden sie tot in ihrem Wohnmobil aufgefunden…

Zeitsprung in das Jahr 2015. Düsseldorf. Promiwirtin Melli Franck wird in ihrem Restaurant überfallen und brutal erschlagen. Vincent Veih und sein Team übernehmen die Ermittlungen. Die Kommissare vermuten den Täter im Drogenmilieu, da Melli eine größere Menge Crystal Meth besaß. Aber auch mehrere Personen aus Mellis näherem Umfeld geraten in das Visier der Ermittler…

Ronny Vogt ist schon viele Jahre undercover für den Verfassungsschutz tätig. Aktuell wird er in der Düsseldorfer Drogenszene als verdeckter Ermittler eingesetzt…

Horst Eckert wartet in seinem dritten Thriller rund um den Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent Veih mit politisch hochaktuellen Themen auf. Es geht um den NSU, die Rolle des Verfassungsschutzes bei der Überwachung dieser Gruppierung, um die Zuwanderung von Flüchtlingen, Pegida und Rechtsextremismus.

Der Autor versteht es hervorragend, den Leser in den Bann seiner Geschichte zu ziehen, indem er gekonnt Realität und Fiktion miteinander verknüpft. Er stellt den angeblichen Selbstmord der mutmaßlichen Haupttäter des NSU in Frage und weist dabei auf Widersprüche, Unklarheiten und Ermittlungspannen hin. Ich habe mich im Verlauf der Handlung mehrfach gefragt, ob Eckerts Version des NSU-Themas der Wahrheit nicht näher kommt, als es die offiziellen Darstellungen tun.

Horst Eckert versteht es auch, seinen Hauptprotagonisten unter Druck zu setzen. Nicht nur die Ermittlungen im Mordfall Melli Franck beschäftigen Vincent. Seine Teilnahme an einer Anti-Pegida-Demo und die Abwehr eines Angriffs werden falsch gedeutet und ihm zur Last gelegt. Schnell ist klar, dass Vincent von seinem Posten als Dienststellenleiter verdrängt werden soll, und er hat es nicht leicht, zu beweisen, dass er sich nichts zuschulden kommen lassen hat.

„Wolfsspinne“ hat mich durchweg begeistert. Die Handlung ist abwechslungsreich, glaubwürdig und von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Die Figuren sind ausdrucksstark, die Dialoge lebhaft. Vincent Veihs dritter Fall ist ein Thriller, der nicht nur kurzweilige Unterhaltung bietet, sondern durch die aktuelle, brisante Thematik besonders intensiv zu fesseln weiß. Absolute Leseempfehlung!
trollchen zu »Horst Eckert: Wolfsspinne« 05.09.2016
Mein absolutes Lesehighlight im Monat August 2016! Horst Eckert hat es geschafft, dass man die NSU und deren Folgen viel besser vertsehen kann und wie es hätte damals ablaufen können oder vielleicht ist es ja auch so abgelaufen? Jedenfalls eine absolute Leseempfehlung, so spannend und so voller neuer Wendungen! Und der Humor kommt auch wieder nicht zu kurz! Perfekt, wie " Schwarzlicht" und der "Schattenboxer"!
Janosch79 zu »Horst Eckert: Wolfsspinne« 05.09.2016
Mich konnte der 3. Band um Hauptkommissar Vincent Veih mehr als begeistern.

Inhalt: Eisenach, 2011: Zwei Männer liegen tot in ihrem Wohnmobil. Sie waren Teil eines rechtsextremistischen Terror-Trios, das Deutschland Jahre lang unerkannt in Angst und Schrecken versetzt hat.
Aber was passierte wirklich? Ein Mann hat den "Nationalistischen Untergrund" für den Verfassungsschutz beobachtet. Er kennt die Wahrheit. Doch er muss schweigen.

Jahre später ermittelt der Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent Veih im Mordfall der Promiwirtin Melli Franck. Die Spur führt ins Drogenmilieu. Aber als weitere Morde geschehen, stößt Vincent auf eine Fährte, die in die Vergangenheit weist: zur "Aktion Wolfsspinne", die eng mit dem NSU verknüpft ist…
Die Themen NSU, Pegida, die Flüchtlingsproblematik und der wiedererstarkte Rechtsradikalismus sind Themen, die die Zeitungen füllen und gefüllt haben. Horst Eckert hat diese Problematiken in seinem neuestem Thriller "Wolfsspinne" eindrucksvoll niedergeschrieben.


Das Buch zündet gleich zu Beginn und lässt den Leser bis zum Ende nicht mehr los. Besser gesagt, man kommt doch sehr ins Grübeln über unsere derzeitige Gesellschaft und ihre Entscheidungsträger. Horst Eckert besitzt eine klare Sprache und bietet eine ausdrucksstarke und bildhafte Figurenzeichnung an. Man kann sich hervorragend in die einzelnen Protagonisten hineinversetzen.


Gleichzeitig betritt er eine politisch brisante Eisfläche, auf der so mancher Protagonist in der Wirklichkeit gefährlich ausrutschen würde. Horst Eckert nimmt kein Blatt vor den Mund und legt die Finger tief in die Wunde der Machenschaften der Geheimdienste. Besonders macht diesen Thriller, dass dabei sehr viele verschiedene Themen aufgegriffen werden und in einen komplexen und schlüssigen roten Faden münden.


Insgesamt ein brisanter Polizei-Thriller, der das aktuelle politische Zeitgeschehen perfekt trifft. Ein Buch, das mehr als bewegt und über längere Zeit nachwirkt.
unclethom zu »Horst Eckert: Wolfsspinne« 05.09.2016
„Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“
So oder ähnlich könnte es einem durch den Kopf gehen nach der Lektüre dieses Buches. Insbesondere auch, wenn man weiß wie real das neue Buch von Horst Eckert tatsächlich ist.
Gerade die Undercovermitarbeiter der Behörden erschrecken den Leser, sind sie doch leider keine Fiktion.
Wer die Berichterstattung um die NSU Morde verfolgt hat wird einige Parallelen wiedererkennen, aber auch viel Fiktives wurde in die Story eingesponnen, so dass man letzten Endes wieder einen großartigen Thriller des Autoren in den Händen hält.
Wie man es von Horst Eckert kennt sind die Figuren sehr gut ausgearbeitet und wirken deshalb sehr authentisch. Für mich immer wieder besonders interessant und echt wirken die Dialoge der Protagonisten.
Auch sehr plastisch sind die Schauplätze beschrieben, so sehr das man das Gefühl hat vor Ort dabei zu sein und mit zu ermitteln.
Das Buch spielt auf mehreren Handlungssträngen die schon jeder für sich sehr interessant zu lesen sind und jeweils auch einen spannenden Roman abgeben würden. Jedoch diese zusammen genommen machen aus dem Buch eine runde und hochdramatische Sache. Wie jedes Mal wenn ich einen Thriller aus der Reihe um Vincent Che Veih lese rattert bei mir das Kopfkino und mir geht es durch den Kopf wie sich die Bücher auf der großen Kinoleinwand machen würden. Ich bin davon überzeugt, dass die Reihe wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes, ganz großes Kino sein könnte.
Wer Horst Eckert und seine Romane kennt, weiß genau dass er für dieses Buch wieder sehr genau recherchiert hat und das merkt man dem Buch auch an.
Die Fragen die sich im Verlauf des Buches aufgetan haben wurde weitestgehend alle schlüssig beantwortet, dennoch kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass da möglicherweise noch ein weiterer Band kommen könnte der sich mit diesem Thema beschäftigt.
Für mich war das wieder ein ganz großer Roman und so vergebe ich wieder die Höchstpunktzahl mit 5 von 5 Sternen und eine glasklare Leseempfehlung!
Baerbel82 zu »Horst Eckert: Wolfsspinne« 20.08.2016
Der dritte Mann

„Wolfsspinne“ ist der dritte Fall für den sympathischen Düsseldorfer Kommissar Vincent Veih und zugleich sein schwierigster und auch persönlichster. Doch worum geht es?
Es geht um Rechtsextremismus, um Strukturen, die Parallelen zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) haben, um NSU 2.0. Und es geht um die Rolle von Polizei und Verfassungsschutz. Was ist Fiktion, was ist Realität - oder krude Verschwörungstheorie?
Zwei Handlungsstränge gilt es zu verfolgen:
- 2011: Ein Banküberfall in Eisenach. Anschließend liegen zwei Männer tot in ihrem Wohnmobil. Im Gegensatz zur offiziellen Version, die von Selbstmord ausgeht, erzählt Horst Eckert die Geschichte eines dritten Mannes, der Max und Gerri erschoss.
- 2015: Melli Franck wird in ihrer Düsseldorfer Kneipe brutal vergewaltigt und ermordet. Hauptkommissar Vincent „Che“ Veih und sein Team ermitteln. Die Spur führt zunächst ins Drogenmilieu. Bald ist klar, dass auch Neonazis in den Fall verstrickt sind.
Über das Wiedersehen mit Vincent, seiner Mutter Brigitte und Freundin Nina, habe ich mich sehr gefreut. Gut gefallen hat mir auch, dass es für diejenigen Leser, die die Vorgänger nicht kennen, eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse gibt und das Personal vorgestellt wird.
Gekonnt springt Horst Eckert durch Zeit und Raum. Kurze Kapitel, und viele Perspektivwechsel sorgen für Dynamik. Auch wenn der Leser der Polizei oft einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut. Der Leser merkt sofort, dass dem Autor das Schicksal seiner Figuren sehr wichtig ist: Was ging in dem Mann vor, der Max und Gerri erschoss, deren Komplizin aber verschonte?
Die Vernichtung von NSU-Akten durch Verfassungsschützer, nur eine Panne? Auch dieser Frage geht der Autor in seinem brandaktuellen, bestens recherchierten Roman nach. Ein Buch mit Herzblut, fesselnd und bedrückend zugleich.
Mit „Wolfsspinne“ hat Horst Eckert nach „Schwarzlicht“ und „Schattenboxer“ erneut einen hochkomplexen und wirklich spannenden Politthriller geschrieben. Eine Lektüre, die einen klüger macht und lange nachhallt.

Fazit: Gelungene Mischung aus Dichtung und Wahrheit zum Thema NSU. Starker Stoff. So muss Thriller!
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