Schwarzer Schwan von Horst Eckert

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland, 1990 - 2009.

  • Dortmund: Grafit, 2011. ISBN: 978-3-89425-667-8. 352 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2013. ISBN: 978-3-89425-413-1.

'Schwarzer Schwan' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Investmentbankerin Hanna Kaul sieht sich am Ziel ihrer Träume: Zum ersten Mal steuert sie den Übernahmepoker eines börsennotierten Unternehmens, ein Erfolg bedeutet den erhofften Karrieresprung. Dann aber sagt der RheinBank-Vorstand den Milliardendeal überraschend ab. Damit nicht genug: Hanna erfährt, dass sie ausspioniert wird. Was geht da vor? Dominik Roth ist für Betrugssachen zuständig und unzufrieden. Als eine Lobbyistin der Deutschen Börse auf offener Straße erschossen wird, darf er endlich bei den Mordermittlern aushelfen. Denn es gibt einen weiteren Fall: In einem ausgebrannten Polo wurde eine Leiche entdeckt. Prompt steckt Dominik in einem Dilemma. In der Wohnung des Toten findet die Polizei Papiere, die Hannah Kauls Observation dokumentieren. Dominik kennt das Material nur zu gut er selbst hat an der Beschattung der Bankerin mitgewirkt. Weil das eine nicht genehmigte Nebentätigkeit für die Firma eines Freundes war, verschweigt Dominik, was er weiß, und begibt sich auf verdammt dünnes Eis. Hannahs Welt zerbricht endgültig: Ihre Nichte Leonie verschwindet spurlos. Dominiks Kollegen vermuten in Leonie eine Ausreißerin, doch er findet Hinweise auf eine Entführung …

Das meint Krimi-Couch.de: »Mutti und der goldene Füller« 94°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Dominik Roth ist bei der Düsseldorfer Polizei für unendlich langweilige Betrugsdelikte zuständig – und deshalb total unzufrieden. Als eine langjährige Lobbyistin der Deutschen Börse auf offener Straße ermordet wird, darf er endlich in der Mordkommission mithelfen, denn dort bricht Personalmangel aus. Die Polizei hat nämlich einen weiteren Fall zu bearbeiten, als in einem ausgebrannten Polo eine Leiche gefunden wird. Zeitgleich sieht sich die ehrgeizige Investmentbankerin Hanna Kaul schon fast am Ziel ihrer beruflichen Träume. Endlich ist sie mit einem heißen Deal um die Übernahme eines börsennotierten Unternehmens beschäftigt. Als sie glaubt, alles in trockenen Tüchern zu haben, sagt der Vorstand der RheinBank das Geschäft ohne Begründung ab. Als Hanna auch noch erfährt, dass sie offenbar überwacht wurde, und ihre Nichte verschwunden ist, gerät sie in einen Kriminalfall hinein, der ungeahnte Dimensionen annimmt. Und der Dominik Roth in eine echte Zwickmühle bringt, denn er selbst hat an der Beschattung der Bankerin mitgewirkt. Weil das eine nicht genehmigte Nebentätigkeit für die Firma eines Freundes war, verschweigt Dominik zunächst, was er weiß, und begibt sich auf verdammt dünnes Eis.

Horst Eckert wird in Schwarzer Schwan seinem Ruf als perfekt recherchierender Schriftsteller erneut gerecht. Er liefert seinen Lesern eine Mischung aus Kriminalroman und gut geschriebenem Sachbuch. Zwar sind Personen und Institutionen geschickt verschlüsselt, aber wer sich nur ein wenig mit Politik und Wirtschaft in Deutschland beschäftigt, wird die Parallelen zur realen Welt mühelos erkennen. Es geht um Firmen-Übernahmen, die mit Insiderwissen gesteuert werden, um Fonds in Offshore-Steueroasen, und um Manager, die das ganz große Rad drehen – oder drehen wollen. Bei skrupellosen Managern sind korrupte Politiker, die vom Absahnen und der großen Karriere träumen, in der Regel nicht weit. Im zweiten Handlungsstrang, der mit dem ersten im Laufe der Geschichte immer mehr Berührungspunkte bekommt, geht es um brutalen Mord und kaltblütige Kindesentführung.

Der Titel des Buches ist dabei Programm. Der Begriff Schwarzer Schwan gründet auf der Annahme, dass Schwäne weiß sind. Schwarze Schwäne waren bis zum 17. Jahrhundert das Sinnbild für etwas das nicht vorstellbar ist. Mit der Entdeckung von schwarzen Schwänen im 18. Jahrhundert in West-Australien wurde diese Annahme über den Haufen geworfen. Der schwarze Schwan blieb als Metapher für extrem seltene Ereignisse, die kaum vorhersehbar sind, im Sprachgebrauch. Zu großer Bekanntheit gelangte der Schwarzer Schwan durch das gleichnamige Buch des Wertpapierhändlers und Essayisten Nassim Nicholas Taleb. Und so wie Horst Eckert den Titel des Buches bewusst gewählt haben dürfte, so scheint es ihm durchaus gewollt, dass man Figuren und Institutionen – trotz der pflichtschuldigen Dementis am Ende des Buches – bestens wiedererkennt.

Die Finanzkrise findet real statt, die große Bank mit der enormen Macht ist leicht identifizierbar, und selbst die prominenten Politiker können realen Personen zugeordnet werden. Zuweilen greift der Autor zu plakativ wirkenden Klischees, aber er setzt sie so gekonnt ein, dass sie der Geschichte noch mehr Authentizität geben. Denn es ist sicher ein Klischee, das die mächtigen Banker mit einem Mont Blanc-Füllfederhalter schreiben, der eine goldene Feder hat. Aber es passt in die Situation und in die Geschichte – und ist der Realität eben so nahe, dass man das Klischee schon wieder vergessen kann. Aber auch bei der Beschreibung seiner verschiedenen Protagonisten dürfte der Autor nahe an der Wahrheit liegen, schließlich kann er in Düsseldorf problemlos beobachten, wie sich Jung-Banker bei ihren Altbier-Partys so geben. Die Groupies, die die Anzugträger umschwirren, hat Eckert wahrscheinlich schon live erlebt – und das macht seine Geschichte so erfrischend lebensnah, bis hin zu den faden Dialogen, die an den Stehtischen in der Altstadt geführt werden.

Die bis zur Selbstverleugnung ehrgeizige Investmentbankerin Hanna Kaul verkörpert einen Typ der Managerin, wie er heute häufig zu finden ist. Um sich im Haifischbecken der Finanzwelt durchzusetzen, ist sie männlicher und perfider in ihren Methoden, als die Konkurrenten. Ihr geschicktes und knallhartes Pokern nützt ihr jedoch nichts, da sie in der Nahrungskette eben noch zu weit unten steht, und schlicht von größeren Fischen gefressen wird – zunächst sogar ohne es zu merken. In ihrer Hilflosigkeit wird sie dann wieder menschlich, was sie für den Leser sympathisch macht.

Der durch eine unabsichtliche Tötung im Dienst schwer traumatisierte Polizist Dominik Roth will mit allen Mitteln zurück in die nach seiner Auffassung richtige Polizeiarbeit. Seine nicht genehmigte Nebentätigkeit für seinen Ex-Kollegen bringt ihn an den Rand des Rauswurfs. Dennoch findet er zu absoluten Loyalität gegenüber den Menschen die ihm wichtig sind, und trägt schließlich maßgeblich zur Lösung der verschiedenen Fälle bei – und trifft dabei auf seinen persönlichen Schwarzer Schwan. Eine Art Politiker-Karikatur ist der überaus flexible MdB Mierscheid. Ein Hinterbänkler wie er im Buche steht, und doch als Lobbyist auf dem Sprung in die oberen Ränge. Aber er muss Wohlverhalten zeigen – sonst wird er nicht in den Club der Mächtigen aufgenommen.

Klasse ist die Szene, in der vom Chefbanker von Mutti – so nennen die Abgeordneten die Kanzlerin – gefordert wird, Mierscheid zum Staatssekretär zu machen. Mutti stellt knallharte Gegenforderungen, aber am Ende haben sich alle lieb. Ganz beiläufig wird bei all den Intrigen auch gemordet, verbrannt, verwanzt und ermittelt. Bankencrash und Rettungspaket, Atomausstieg und Griechen-Pleite werden vom Politikwissenschaftler Eckert en passant mit abgehandelt – und zwar auf wirklich gekonnte und spannende Art und Weise. Da braucht man keine Vorbildung, der Autor vermittelt auch so, warum die Finanzmarktkrise eben ein Schwarzer Schwan ist.

Perfide ist schon, dass die Schurken in Politik und Wirtschaft kein Unrechtsbewusstsein haben, sondern im guten Glauben handeln, sich das zu holen, was ihnen wirklich zusteht. So wie auch der Mörder und Entführer sich seiner Taten nicht wirklich bewusst ist. Im Grunde präsentiert Horst Eckert seinen Lesern ein modernes Sittengemälde – und jagt ihnen dabei reichlich kalte Schauer den Rücken hinunter. Ein überaus spannendes und zugleich lehrreiches Buch – eine Traumkombination wie eine Ballstafette von Ribery und Robben, wie sie dem Bayern-Fan Horst Eckert so sehr gefallen. Seinen Lesern wird das Buch gefallen, und wer es zweimal liest, versteht auch noch die letzte Nuance.

Andreas Kurth, November 2011

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walli007 zu »Horst Eckert: Schwarzer Schwan« 30.07.2015
Mutti und die Politik

Der Mitarbeiterin einer Bank platzt ein wichtiger Deal. Hanna Kauls Stellung ist nicht mehr wie vorher. In dieser Situation ist sie sogar froh, dass ihre Nichte für ein paar Tage bei ihr einzieht. In der Berliner Politik werden derweil die Fäden gezogen. Nicht nur Posten werden verschoben sondern auch Geld. Doch eine will aussteigen: Paula Busch. Und sie will sich mit einem alten Freund treffen. Lothar Mierscheid, der ebenfalls Politiker geworden ist. Nicht in Berlin soll das Treffen stattfinden. Bevor es jedoch soweit kommen kann wird Paula vor einem Café in Düsseldorf erschossen.

Der Polizist Dominik Roth möchte gerne zu den Mordermittlern, doch seit seine Frau vor einigen Jahren verstarb, hat er nur noch Aufgaben bekommen, die eher leicht zu lösen sind. Jetzt aber wittert er seine Chance. Und diese Chance beschert dem Leser einen packenden Krimi. Die Bankenkrise, welche vor einigen Jahren begann und uns auch heute, wenn auch in anderer Form, noch nicht loslässt, wird mit anderen Verwicklungen zu einem fesselnden Szenario kombiniert. Der gelangweilte Polizist Dominik Roth, der mehr will und dabei seine Kompetenzen sehr weit ausdehnt, wirkt dennoch sehr sympathisch. Immer noch versucht er den tragischen Tod seiner Frau zu verarbeiten, versucht sich abzulenken, indem er sich umso mehr in die Arbeit kniet. Nicht ahnend, dass er während der Ermittlung zum ersten Mal seit langem er Frau begegnen wird, die sein Innerstes berührt.

Nachdem schon die neueren Bücher überzeugten, ist dieser Roman eine weitere Empfehlung wert. Ein Autor, der mit seinen klug konstruierten Krimis ausgesprochen gut unterhält und über brisante Themen informiert. Mal wieder hat man es nicht geschafft, das Buch zu normalen zu-Bett-geh-Zeit aus der Hand zu legen.
Kblitz zu »Horst Eckert: Schwarzer Schwan« 31.07.2014
Es gibt einige gute Wirtschaftskrimis, aber dieser ist doch recht nahe an den vergangenen Ereignissen in unserem Land. Auch lassen sich einige Personen mit den realen Namen verknüpfen. Wenn man davon ausgeht, dass der Autor gut recherchiert hat, dann erfährt man mehr über die Verknüpfung der Wirtschaft,spez, die Banken, mit der Politik als es in den Medien wiedergegeben wird.
Der Schluss kommt mir etwas zu kurz.
Kati zu »Horst Eckert: Schwarzer Schwan« 13.10.2013
Nachdem ich die Rezension auf Krimi-Couch gelesen hatte, habe ich mir umgehend die E-Book Version des Buches gekauft ... und muss sagen, dass ich bereits nach dem ersten Drittel recht enttäuscht war. Ich habe ernsthaft überlegt das Buch nicht weiterzulesen, mich aber dann dagegen entschieden. Dass die Story durchaus nicht realitätsfern ist, kann ich mir in unserer heutigen Gesellschaft gut vorstellen. Enttäuscht war ich jedoch von der stilistischen/sprachlichen Aufarbeitung. Die Formulierungen sind oft zu nah am alltäglichen Umgangston und wirken daher zu platt und abgedroschen. Ich denke, aus unserer Sprache lässt sich viel mehr herausholen, ohne gestochen und hochtrabend zu formulieren ... aber eben doch mit etwas mehr Niveau ... wenn wir schon im Alltag nicht auf unsere Wortwahl achten, dann doch wenigstens in der Literatur. Daher leider nicht mehr als 65% von mir.
manni zu »Horst Eckert: Schwarzer Schwan« 25.02.2013
Solider Wirtschaftskrimi, flott geschrieben, aber mehr auch nicht. Richtig gefesselt hat mich das Werk nicht, trotz einiger brisanter Themen. Mir ist da zu viel Personal unterwegs, die Personen bleiben irgendwie blass und ohne scharfe Konturen. Das ganze Vehikel wirkt auch an manchen Stellen arg konstruiert, die Motive des Täters bleiben unerklärt. Zum Ende hin muß alles sehr schnell gehen, schade eigentlich. Die Bestbewertungen kann ich mal wieder überhaupt nicht verstehen. 70°!
kianan zu »Horst Eckert: Schwarzer Schwan« 10.04.2012
Wow! Super spannend und super realitätsnah aus dem Milieu Banken/Wirtschaft/Politik geschrieben. Die gegenseitigen Verstrickungen, die man aus Karriere- und Anerkennungsgründen oder purer Macht- und Geldgier eingegangen ist, sind schwer zu lösen - wenn man denn überhaupt möchte. Und wer dieses Geflecht stören möchte, wird gnadenlos auf die eine oder andere Art zerstört. Gehört ab sofort zu meinen Lieblingskrimis. Nur zu empfehlen! Zwar aus meiner Sicht keine 100, aber 95 %!
Andreas Kurth zu »Horst Eckert: Schwarzer Schwan« 29.11.2011
Lieber Rolf Wamers! Natürlich hoffen wir alle, dass "Mutti" im kleinen Kreis nicht auf Hausfrauenniveau daherplappert. Aber ich fürchte, diese Szene ist eine derjenigen, die an der Realität ziemlich dicht dran ist...
Wie auch immer, man will manchmal gar nicht wissen, wie lebensnah der Roman tatsächlich ist.
RolfWamers zu »Horst Eckert: Schwarzer Schwan« 25.11.2011
Superspannend wie alle Eckert-Bücher. Und erschreckend. Da soll ein Spitzen-Banker einen Mordauftrag erteilt, Helmut Kohl für einen von einem Ghostwriter verfassten Namensartikel gegen Merkel 100.000 Euro erhalten haben - man nickt nur: könnte möglich sein. Das ist die eigentliche Frage nach der Lektüre dieses Buches. Ist unsere wirtschaftliche und politische "Elite" tatsächlich ein solcher Sauhaufen ??

Im Gegensatz zum Rezensenten finde ich die Szene mit "Mutti" eher overwritten. Dass Frau Merkel sich ans Kanzleramt klammert, mehr als ihre Vorgänger, ist bekannt. Die Frau muss man dereinst da raustragen. Und dass sie alle potentiellen Konkurrenten wegbeißt, ist auch nicht neu. Nur dass sie, wie bei Eckert, so auf Hausfrauenniveau daher plappert, das glaube (hoffe!!) ich eigentlich nicht.

Eine absolute Leseempfehlung !
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