Königsallee von Horst Eckert

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.

  • Dortmund: Grafit, 2007. ISBN: 978-3-89425-654-8. 411 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2008. ISBN: 978-3-89425-350-9. 411 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2007. Gesprochen von Horst Eckert. ISBN: 383680168X. 10 CDs.

'Königsallee' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Kommissar Jan Reuter hofft, mithilfe eines Informanten die Hinterleute eines millionenschweren Gemälderaubs überführen zu können. Doch dann taucht das Bild wieder auf, das bestohlene Museum hat Lösegeld gezahlt. Ausgerechnet Reuters Bruder Edgar, ein erfolgreicher Anwalt, hat den Rückkauf eingefädelt – ist er ein Komplize der Artnapper? Bevor der Kommissar mehr erfahren kann, wird sein Informant erschossen. Einzige Zeugin des Mordes ist die Tochter des Richters Andermatt, der als »Richter Gnadenlos« bekannt und als zukünftiger Innenminister im Gespräch ist. Nach einer ersten Aussage voller Ungereimtheiten verschwindet die junge Frau – Reuter und seine Kollegen sind ratlos. Ratlos ist auch Oberbürgermeister Kroll: Der Investor eines prestigeträchtigen Bauvorhabens springt ab, eine peinliche Pleite droht. Da bietet sich ein russischer Milliardär als Ersatz an. Soll Kroll das Angebot trotz des Verdachts der Geldwäsche annehmen? Ein dubioser Kunstraub, brutale Morde, prominente Opfer und ratlose Politiker – Düsseldorf steht Kopf. 

Das meint Krimi-Couch.de: »Die ganze Welt schaut neidisch auf diese Stadt« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Alle Welt schaut auf Düsseldorf. Nirgendwo sonst ist unser blauer Planet so schön. Kein Fußballverein hat den Einzug in die Champions League (und natürlich anschließend den Sieg) mehr verdient als die Fortuna und in keiner anderen Metropole der Erde wird lieber in Bürogebäude und neue Arbeitsplätze investiert. Wunschgedanken? Nicht so für Dagobert Kroll, seines Zeichens Oberbürgermeister der Stadt am Rhein – zumindest im neuen Roman des Düsseldorfers Horst Eckert. Der heißt Königsallee, bietet wieder eine spannende Episode aus dem Alltag der Düsseldorfer Kriminalpolizei und ist außerdem angereichert mit einer süffisanten Nebenhandlung, einer Posse, die sich ein Karnevalist nicht besser ausgedacht haben könnte, die einfach zu absurd ist, um auch nur einen Hauch von Realität zu besitzen …Oder?

Jan Reuter kennen wir schon. Als Schützling von Kriminaldirektor Benedikt Engel war der junge Polizist ehemals im Inneren Dienst für Ermittlungen gegen Kollegen wegen vermeintlicher Dienstvergehen zuständig. Nun leistet er seit einem Jahr Dienst im KK 22, dem Bereich für Organisierte Kriminalität. Leider ist sein einst strahlender Stern inzwischen im Sinkflug, denn er verbeißt sich zusehends in einen Kunstraub, als dessen Hintermann er den Koksbaron Böhr vermutet. Dabei ist gerade das KK 22 vom Kostensenkungsprogramm betroffen und unnütze Aktion sind den Vorgesetzten und offenbar auch der Politik ein Dorn im Auge. Reuter hat seinen Platz im KK 22 von Norbert Scholz übernommen, gegen den er zuvor wegen Beweisunterschlagung in eben diesem Fall ermittelt hatte. Scholz wurde damals strafversetzt auf die Kriminalwache, wo er nun verwegen Nachtstreife fährt.

Mord an einem Informanten

Reuter und sein Kollege Koch bezahlen Robby, einen von Böhrs Türstehern, für heiße Informationen. Zu einem geheimen Treffen erscheint dieser mit einer jungen und attraktiven Verehrerin. Er berichtet davon, dass Böhrs Eltern entführt worden seien und Böhr alle seine Firmen verkaufen wolle, um das Lösegeld aufzutreiben. Beinah zeitgleich taucht das vor zwei Jahren gestohlene Gemälde wieder auf. Reuters Bruder, der Rechtsanwalt Edgar Reuter, hatte mit den Gangstern verhandelt und die Stadtkasse machte drei Millionen Euro für den Rückkauf des Kunstwerks locker. Kurz darauf wird zunächst Robby ermordet, tags darauf seine neue Freundin, während Edgar Reuter wiederum kurz später mit schweren Verletzungen auf die Intensivstation eingeliefert wird. In der Mordkommission treffen Reuter und Scholz wieder aufeinander. Sie müssen lernen, miteinander am gleichen Strang zu ziehen, denn nur gemeinsam können sie die Morde und vielleicht auch die Hintergründe des Kunstraubs vor zwei Jahren aufdecken.

Wer spannungsreiche, deutsche Polizeiromane von hoher Qualität sucht, der kann an Horst Eckert nicht vorbei kommen. Seit Jahren schon schreibt der Wahldüsseldorfer einen packenden Kriminalroman nach dem anderen. Eckerts Konzept, immer wieder neue Ermittler in den Mittelpunkt seiner Geschichten zu stellen, geht dabei auf: Die Figuren sind auch im neunten Roman frisch und unverbraucht. Die Helden aus den alten Romanen haben inzwischen entweder Karriere gemacht oder sind in die ewigen Jagdgründe eingegangen. In Königsallee laufen einem die Namen Ela Bach, Ben Engel und Thilo Becker nur ganz am Rande über den Weg. Einziges echtes Comeback: Bruno Wegmann, der harte Boxer mit dem weichen Herz aus Ausgezählt bekommt eine Nebenrolle.

Streitbarer Horst Eckert

Eckerts Helden sind so greifbar, weil sie und all ihre Probleme so liebevoll lebensecht beschrieben werden. Jeder Figur drückt der Schuh woanders und dies hat nicht selten Auswirkungen auf deren Handlungen. Kein anderer Autor strapaziert die Grenze zwischen Recht und Rechtsbeugung so schwer wie Eckert, wenn seinen Polizisten die Lösung eines Problems durch eine kleine Amtshandlung jenseits der Legalität so greifbar nahe scheint. Eigentlich ein Wunder, dass sich die echte Düsseldorfer Polizei noch nie beschwert hat, in einem derart schlechten Licht dargestellt zu werden. Aber solange die Unterhaltung stimmt – und das tut sie auch bei Königsallee – beschwert sich auch weiterhin kein Polizist, der zwischen Fiktion und Wirklichkeit unterscheiden kann.

Noch kurz zur Randhandlung: Hier präsentiert Eckert genug Futter für nachfolgende Krimis. Ein Clan aus der ehemaligen russischen Teilrepublik Transnistrien flieht mit einem ergaunerten Milliardenvermögen in die Stadt am Rhein und übernimmt mit Böhrs Discotheken auch die Vorherrschaft im Drogenhandel und der organisierten Kriminalität. Zeitgleich ist Oberbürgermeister Kroll ein wichtiger Investor für ein Bauprojekt im Düsseldorfer Hafen abgesprungen. Da kommen die Russen, die auch als Sponsor bei Fortuna Düsseldorf einsteigen wollen, gerade rechtzeitig. Nur Krolls Wachhund, die Referentin Simone Beck, ahnt nach einem ungewollten Ecstasy Trip, dass die Russen einen bösen Plan mit Düsseldorf im Schilde führen. Gerade auf diese Randhandlung dürfte sich Autor Eckert beziehen, wenn es sich bei Tippgebern aus Politik und Wirtschaft für die Einsicht bedankt, dass die Wirklichkeit der Autorenfantasie manchmal näher kommt, als man es glauben möchte. Die teils satirisch grotesk anmutende Kritik an Kommunalpolitik und russischen Oligarchen verleiht dem Roman somit sogar einen Hauch von Noir. Nur ein Hauch, aber ein ungemein angenehmer Hauch, der Königsallee zum bislang besten Roman aus Eckerts Feder macht.

Thomas Kürten, Juli 2007

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Schrodo zu »Horst Eckert: Königsallee« 29.06.2008
Wieder mal ein Eckert – Krimi über die Verbrechen in Düsseldorf. Diesmal sind die bösen Buben aus der ehemaligen Sowjetunion genauer aus einem Land Namens Transnistrien! Kannte ich bis dahin überhaupt nicht…na beim Horst kann man noch was in Erdkunde lernen. Der Krimi ist wie immer spannend, wie immer gibt es einige böse Buben, wie immer einen oder mehrere korrupte Bullen, wie immer einige nicht ganz koschere Politiker, wie immer einige heiße Mädels, wie immer Herr Eckert eben. Ist Königsallee besser oder schlechter als seine anderen Bücher?…mir egal. Ich les den Eckert einfach gerne. Ob dieser Krimi realistisch ist, weiß ich nicht…aber vorstellbar wäre das schon.
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Amon Tekath zu »Horst Eckert: Königsallee« 31.07.2007
Überall wird das neue Buch von Horst Eckert in höchsten Tönen gelobt, nur die Krimicouch tut so, als ob es sein schwächstes sei. Das ist falsch. Der Anspruch in Eckerst Büchern wächst von Fall zu Fall und er neigt dazu, seine Krimis ein wenig zu überfrachten. Aber ich finde mit Königsallee hat er sich selbst übertroffen. Es ist zwar keine Neuerfindung des Genres, aber die bisher reifste Darstellung seines Dauerthemas Polizeiroman. Noch mal eine Klaase besser als mein bisheriger Liebling "Finstere Seelen".
Herr Eckert ist seit Purpurland (bisheriges schwächstes Buch) politisch geworden. Nun hat er die Form gefunden, mit der er seine politische Dimension gut vermarkten kann.
Mir scheint, aufgrund der Renzensionen hier, dass einige politsche Freunde von Herrn Erwin, dem richtigen OB von Düsseldorf, bei den Renzessenten auf der Krimicouch sind, denn anders lässt sich die Bewertung meiner Meinung nach nicht begründen.
Ich war auch froh, als ich das Buch zuende hatte, denn ich hatte viel Spass beim lesen. Eckert ist der beste Kirmiautor, schade wie er im eigenen Land kritisiert wird.
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ryin26 zu »Horst Eckert: Königsallee« 30.07.2007
Waren die ersten Bücher, wie Aufgeputscht und Die Zwillingsfalle noch echte kracher, ziehen sich die heutigen Geschichten doch sehr zähflüssig dahin. Irgendwie ist man froh wenn man das Buch zu ende gelesen hat, und sich einem anderen Buch widmen kann.Schade!!!
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Wolfgang Herles zu »Horst Eckert: Königsallee« 09.07.2007
Ich finde die Lobhudelei (besonders von T. Kürten) unangebracht. Eckerts Krimi ist Hausmannskost, ein Durchschnittskrimi, nicht mehr. Dass es ein Autor nötig hat, sich auf Kosten anderer zu profilieren, spricht Bände. Keine eigenen Ideen und dann noch den Moralapostel spielen, natürlich mit erhobenem Zeigefinger. Finde ich wirklich sehr simpel!
K.-G.Beck-Ewe zu »Horst Eckert: Königsallee« 15.06.2007
Mmh, dann also mal rein damit:

In Düsseldorf ist allerlei los. Der OB Dagobert Kroll versucht den sandigen Biergarten Gekko-Beach am Rheinufer schließen zu lassen um hier ein großartiges Kongresszentrum erbauen zu lassen. Dafür hat er eine kanadische Finanzierungsgruppe an der Hand und auch für „seinen“ Fußballverein geht er über metaphorische Leichen. Mit einem unbedingten Willen zur Macht versucht er seine Vorstellungen für Düsseldorf durchzusetzen, was seiner neuen Mitarbeiterin Simone Beck extrem imponiert. Zumindest zu Anfang dieses Romans.

Eine der Lokalitäten, die Kroll und seine Parteigenossen – sowie viele andere Vertreter der Düsseldorfer Prominenz – gerne aufsuchen ist das Goldene Einhorn, dessen Inhaber Böhr immer mal wieder im Visier der Kripo steht, wegen Förderung der Prostitution, Drogenhandel und sogar wegen eines spektakulären Kunstraubes. Doch immer wieder gelingt es ihm, den Strafverfolgern durch die Lappen zu gehen, wobei bei dem Kunstraub sogar Edgar Reuter, der ältere Bruder eines der Ermittler, zu dessen Leidwesen stark beteiligt ist. Dieses Debakel, zusammen mit einigen anderen Vorfällen, hat zur Versetzung Reuters in einen ungeliebten Bereich geführt und dort wird er von Kollegen genauso misstrauisch betrachtet, wie von einem Teil seiner Vorgesetzten.

Da erweist es sich als ziemlich ungünstig, dass ein Informant aus Böhrs Kreisen zunächst eine überaus blinde Spur eröffnet und sich dann auch noch wenig später in Begleitung der Tochter eines angehenden Innenministers erschießen lässt. Dass diese den Leichnam dann auch noch direkt überaus medienwirksam direkt vor die Polizeiwache fährt macht die Sache noch unangenehmer. Aber die Ermittlungen werden dadurch finanziell und personell sehr schnell stark unterstützt und während OB Kroll sich um seine Stadtentwicklung kümmert, für die er nach dem Abspringen der Kanadier dringend neue Finanzierer braucht, die seiner Mitarbeiterin zunehmend suspekter werden, beginnt die MK Feuerwerk mit ihren Ermittlungen, die bei den verschiedenen Beamtinnen und Beamten dienstlich und auch privat allerlei bewegen – so dass Leserinnen und Leser auf jedem Meter mit neuen Überraschungen rechnen müssen.

Überhaupt werden die Leserinnen und Leser hier stark gefordert. Denn nicht nur haben wir eine Reihe von Handlungsebenen, die mehr oder minder stark miteinander verknüpft sind, sondern auch einen stetig anwachsenden Fundus an Charakteren, die sich zum einen ständig entwickeln und über die darüber hinaus auch noch regelmäßig Neues zu erfahren ist.

Menschen sind kompliziert und ihre Motive und Rationalisierung für ihre Handlungen sind manchmal sehr überraschend, was dieser Roman nur allzu klar verdeutlicht. Damit bekommt das Buch eine realistische Atmosphäre, die bedrückend bis zum letzten Wort ist, genau wie das Leben in Transnistrien, von dem viele Leserinnen und Leser auf diesen Seiten sicherlich zum ersten Mal erfahren werden. Und das Meiste, was sie hier erfahren ist leider wahr.

Wer außerdem noch gerne über die Düsseldorf Stadtpolitik herzieht, der hat neben Spannung und Realismus hier einen perfekten Roman gefunden, den man am Besten in aller Ruhe in einem Rutsch durchliest.
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