Aufgeputscht von Horst Eckert

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.

  • Dortmund: Grafit, 1997. ISBN: 3-89425-078-X. 412 Seiten.

'Aufgeputscht' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Hauptkommisar Nowak vom Betrugsdezernat hat einen dunklen Punkt in seiner jüngsten Vergangenheit und steht unter Druck. Sein Kollege Ben Engel von der Mordkommision hat einen Fall und möchte beim bevorstehenden Postenkarussell nicht zu kurz kommen. »Benjamin« Karl Thann hat einen neuen Aufgabenbereich und macht sich im Polizeipräsidium unbeliebt. Wahlen stehen an, ein Unterweltskrieg droht auszubrechen, und ein psychopathischer Mörder geht um – in Eckerts packendem Roman kommt eine ganze Stadt nicht zur Ruhe.

Das meint Krimi-Couch.de: »Zusammengerauft« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Spätestens seit der amerikanischen Comedy »Sledge Hammer« ist bekannt, warum Polizist der Traumberuf so manch junger Menschen sein muss: Man kann in der Öffentlichkeit mit seiner Pistole rumballern und es ist sogar legal …

Die Kollegen von Sledge Hammer bei der Düsseldorfer Polizei interpretieren ihren Beruf ebenfalls auf eine sehr gewöhnungsbedürftige Art. Jeder hat so seine Leiche im Keller, da gibt es einen Drogenfahnder, der selber Ecstasy schluckt und im Drogenrausch einen unbewaffneten Mann in einem Bordell erschießt. Andere Ermittler haben ihre Triebe nicht im Griff und zerren Frauen von Kollegen, aber auch Verbrechensopfer und Verdächtige in ihr Bett. Gegenüber der Presse werden für ein paar Hunderter Interna ausgeplaudert, bei Razzien in illegalen Spielcasinos zweigen sich die Beamten so manche Mark in die eigene Tasche ab und einst scheute auch ein Mordermittler nicht davor zurück, an vier Kriminellen Selbstjustiz zu üben und sie kaltblütig zu ermorden.

In der Kripo-Truppe liegt einiges im Argen

Kripochef Sonntag weiß, dass in seiner Truppe einiges im Argen liegt und beauftragt einen jungen, unverbrauchten Ermittler namens Thann, ein wenig gegen die eigene Truppe nachzuforschen. Im Zuge einer weitreichenden Strukturreform soll nämlich ein Dezernat für innere Delikte gegründet werden und dafür kommt Thann in Frage. Sonntag hat den Verdacht, dass jemand aus seiner Truppe mit einem hohen Drogenbaron zusammen arbeitet und genau das soll Thanns erster Fall sein.

Rolf Nowak ist im Dienst nicht mehr der Alte. Seit er mit seiner Dienstwaffe während eines Ecstasy-Trips einen Unschuldigen erschossen hat, hat er mehr mit sich selbst als seinem Beruf zu kämpfen. Zum Glück konnte Brauning vom Morddezernat damals Zeugenaussagen frisieren und nichts gelangt von Nowaks Sucht und den Kontakten ins Rotlichtmillieu an die Öffentlichkeit oder in die Kenntnis seiner Vorgesetzten. Nowak hat gerade einen Entzug hinter sich und wird auf den Posten des Hauptdrogenermittlers der Düsseldorfer Polizei gehoben. Ausgerechnet jetzt scheint Klatschreporter Alex Vogel aber wohl Infos über Nowaks Drogenvergangenheit zu haben. Oder blufft er nur?

Hinrichtung eines Disko-Königs

Jener Alex Vogel kann gut mit Ben Engel, dem Intimfeind von Nowak, seit Engel ihm seine Frau ausgespannt hat. Engel ermittelt in einem mysteriösen Mordfall in der Drogenszene, Diskokönig und Ecstasy-Dealer Witteczek ist regelrecht hingerichtet worden. Droht hier ein Bandenkrieg auf dem Düsseldorfer Drogenmarkt? Eine unangenehme Aussicht, wenn er zur Lösung des Falles vielleicht die Hilfe Nowaks benötigt. Als zwei Dealer auf bestialische Weise gefoltert und getötet werden, schließt sich der Kreis und auch Thanns Mitarbeit ist bei der Lösung des Falles gefragt.

Ein ansprechendes Netz von sozialen Konflikten, das Horst Eckert in seinem dritten Kriminalroman ganz hervorragend füllen kann. Jeder Charakter wirkt greifbar. Es gibt keinen Superhelden, der moralisch einwandfrei und politisch korrekt handelt. Und Eckert findet einen Weg, dass jeder auch seine finsteren Geheimnisse behalten darf. Manchmal schwierig für den Leser, der dann etwas mehr über einen gewissen N. weiß als der gerade handelnde E. oder T., dennoch wird der Leser keinesfalls mit Verstrickungen überstrapaziert.

Geradlinig, knallhart, kompromisslos und lebendig

Eckert erzählt sehr gradlinig, macht keine Umschweife und bemüht sich auch nicht um vermeintlich literarisch wertvolle Satzkonstruktionen oder nobelpreisverdächtige Metaphern. Eckerts Sprache ist wie der Beruf des Polizisten: knallhart und kompromisslos. Durch die vielen Szenen und Schauplatzwechsel wirkt der Roman lebendig und kann daher seine Leser fesseln. Was passiert wo als nächstes? Wer ist der große Verräter im Düsseldorfer Polizeipräsidium und wer stellt die gefährlichen, bunten Pillen her? Mit jeder gelesenen Seite will man es mehr wissen.

Was ebenfalls zu einem Eckert-Roman gehört sind die im Stil eines Artikels aus der Boulevardpresse geschriebenen Zwischenrufe. Leider baut Eckert sie ein, aber inzwischen kennt man das und hat sich daran gewöhnt. Sie sind die einzigen Elemente, die den Erzählfluss ein wenig stören, unterscheiden sich ganz deutlich von der Struktur des restlichen Textes. Wenn Eckert auf etwas hätte verzichten können, dann diese Artikel aus dem »Blitz«. Andererseits kann man sich gerade an solchen Stellen an seine eigenen Grundbedürfnisse entsinnen und mal das Buch beiseite legen, um zu essen, zu trinken, auf die Toilette zu gehen oder ein wenig zu schlafen. Vom Rest des Romans kann man nämlich nicht genug bekommen.

Das meinen andere:

»Horst Eckert, der ´harte Amerikaner´ unter den deutschen Autoren, hat spätestens mit diesem Roman dem deutschen Krimi Neuland erschlossen.« (Pforzheimer Zeitung)

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K.-G.Beck-Ewe zu »Horst Eckert: Aufgeputscht« 09.06.2007
Manchmal frage ich mich schon, wie die Düsseldorfer Polizei Eckerts Romane sieht, denn im Endeffekt lassen sie nie etwas Gutes an den Beamten - und auch an vielen der zuarbeitenden Hilfskräfte.

Auch ich fand diesen Roman sehr spannend und möchte den inhaltlichen Betrachtungen nicht unbedingt noch etwas hinzufügen. Zum Stil möchte ich allerdings sagen, dass ich die "Zwischenrufe", die oben kritisiert werden überaus interessant finde. Auch wenn ich nicht einer der Leser der Zeitungen mit den großen Bildern bin, kenne ich natürlich die plakativen Überschriften und finde es immer interessant zu spekulieren, wie sie die öffentliche Meinung beeinflussen - und welche "Realitäten" dahinter stecken könnten.

Die organisatorischen Probleme neben den zwischenmenschlichen Problemen der Beamten sind sehr glaubwürdig dargestellt und durchaus mit den Freuden des Arbeitens für eine Bezirks- oder Landesregierung in anderen Bereichen vergleichbar. Ich sage nur: Computerschulung.

Mit Recht ein preisbehafteter Roman.
mase zu »Horst Eckert: Aufgeputscht« 16.01.2006
So stelle ich mir den wirklichen Alltag im Leben der Ermittler vor. Intrigen, Neid, Korruption. Wirkt authentisch, wie eine Dokumentation. Ich glaube das macht den grossen Reiz dieses Buches aus. Es wirkt einfach echt, nicht erfunden.
Jedem, der dieses Buch lesen möchte, gebe ich die dringende Empfehlung, eine handschriftliche Liste anzulegen. Mit den Namen der Personen und den Abkürzungen aus dem Polizeiapparat.

Nach der Hälfte wird es ein richtiger Reisser, den ich kaum aus den Hand legen konnte und alle drei Handlungsstränge fügen sich nahtlos aneinander. Auch gibt es ein tolles realistisches Finale.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
T.Filme zu »Horst Eckert: Aufgeputscht« 10.02.2003
Dieser Krimi hat mich ins einer starken Passagen an Ellroy erinnert. Was will man mehr?
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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