HerzKammerJäger von Hilmar Klute

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 bei Blanvalet.

  • München: Blanvalet, 2008. 384 Seiten.

'HerzKammerJäger' ist erschienen als

In Kürze:

Er kam nach München, um Kunstgeschichte zu studieren. Doch inzwischen verdingt Josef Celle sich als Privatdetektiv im Auftrag gehörnter Ehemänner. Und auch Celles jüngster Fall – ein siebzigjähriger Mann sucht seine leibliche Mutter – verspricht wieder einmal wenig Aufregung. Doch dann stolpert Celle über eine Leiche! Und er entdeckt eine Schmuckschatulle, auf die leider auch ein paar richtige Kriminelle scharf sind. Und was das Schlimmste ist: Dank der regen Münchner Presse finden die üblen Gesellen ganz schnell heraus, wer das begehrte Kästchen gerade in den Händen hält …

Das meint Krimi-Couch.de: »Im Münchener Kneipenumfeld« 44°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Der Umschlagtext dieses Buches ließ schon das Schlimmste vermuten: Der Privatdetektiv Josef Celle wird von einem 70-jährigen Mann mit der Suche nach seiner leiblichen Mutter beauftragt und»stolpert dann über eine Leiche«. Sicherlich ist das jetzt zynisch, aber wenn ein 70-jähriger nach seiner Mutter sucht, ist dieses Resultat ja nicht gänzlich unerwartet.

Trotz dieses ungewöhnlichen Plots lässt sich der HerzKammerJäger zunächst einmal gar nicht schlecht an. Klutes Protagonist Josef Celle ist im landläufigen Sinne ein liebenswerter Versager, der mit Vorliebe in Kneipen abhängt und dessen derzeit größtes Problem die Streitsucht seines Katers Egolf ist, die mit einem kleinen medizinischen Eingriff – allgemein als Kastration bekannt – behoben werden soll.

Leider ist Josef Celle, der sich mit Ach und Krach als Privatdetektiv durchschlägt, von ständiger Geldnot geplagt, so dass er es sich gezwungen sieht, auch die eigenartigsten Aufträge anzunehmen. Und so nimmt die im Umschlagtext beschriebene Geschichte ihren Lauf, als ein Klient ihn mit der Suche nach seiner Mutter beauftragt, nur um kurze Zeit selbst später auf gewaltsame Art und Weise das Zeitliche zu segnen. Im Zuge seiner Ermittlungen gerät Celle in den Besitz einer Schatulle mit mysteriösen Diamanten-Herzen, die fortan zum Spielball des Interesses verschiedener dunkler Gestalten werden und anhand derer sich eine fieberhafte Jagd durch München und Umgebung entspinnt.

Der Begriff »fieberhaft« ist dabei bezeichnend für den Plot, den Hilmar Klute entwickelte. Eine Vielzahl von Personen, Orten, Ortswechseln und Hetzjagden dienen dazu den Leser in eine komplette Verwirrung über Personen, Orte und Motivationen zu stürzen. Einerseits ist nicht nur der Mord an dem 70-jährigen Auftraggeber zu klären, sondern andererseits auch noch das Rätsel um die Diamanten und deren Herkunft, die eigenartigen Verstrickungen eines Freundes in besagte Diamanten, die dunkle Rolle, die eine schöne, verführerische Fremde spielt und – da das offensichtlich noch zu wenig war – das mysteriöse Verschwinden von Obdachlosen im Großraum München.

Wem das alles jetzt schon zu viel ist, dem sei angeraten sich bei der Lektüre von HerzKammerJäger gelegentlich Notizen zu machen, um den Überblick zu behalten. Bedauerlich ist dabei, dass Klutes witzige und erfrischende Beschreibungen über das Münchener Kneipen-Leben auf der Strecke bleiben, die alleine durchaus lesenwert und spannend wären. Hier hätte man sich wirklich gewünscht, dass Josef Celle lieber einem Münchener »Herr Lehmann« nacheifert und dafür lieber die Finger von ungelösten Morden und sonstigen Kriminalfällen lässt. In diesem Zusammenhang kann ich mir allerdings auch nicht die Frage verkneifen, wie es ein unter chronischer Geldnot Leidender schafft, täglich rund achtzehn Euro für einen Besuch seiner noblen Lieblingskneipe abzudrücken, aber sicherlich ist das auch eine kleinliche Überlegung.

Zusammengefasst ist der HerzKammerJäger sicherlich eine witzige Lektüre für die, die das Münchener Kneipenumfeld und die bayrische Hauptstadt überhaupt kennen und lieben. Aber für einen zünftigen und spannenden Krimi hat es dann doch nicht gereicht. In Anlehnung an das Weißbier (44 Kcal / 100 ml) sind daher 44° angemessen.

Sabine Bongenberg, Juli 2009

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