Karambolage von Hermann Bauer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Gmeiner.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Oberkellner-Leopold-Serie.

  • Meßkirch: Gmeiner, 2009. ISBN: 978-3899777963. 277 Seiten.

'Karambolage' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Tödlicher Zusammenstoss: Wien, zur Osterzeit. Nach einem Billardturnier im Kaffeehaus »Heller« wird der Sieger, Georg Fellner, vor ein Auto gestoßen. Niemand hat etwas Genaues gesehen, denn es ist Nacht und stockfinster. Nicht nur sein Kontrahent Egon Sykora gehört zu den Verdächtigen, denn Fellner war ein Zyniker und Provokateur, den kaum jemand leiden konnte …Ein neuer Fall für Wiens liebenswürdigsten Ermittler – Chefober Leopold!

Das meint Krimi-Couch.de: »Kaffeehausatmosphäre pur« 70°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Seit langem totgesagt, lebt die Wiener Kaffeehauskultur noch immer, auch wenn man die altgediente Spezies der richtigen Kaffeehausober kaum mehr findet. Im Café Heller gibt es noch so einen, der seine Stammgäste beim Namen kennt, der als Psychiater für alle Wehwehchen seiner Klientel herhalten muss und mehr über das Privatleben seiner Kundschaft weiß, als es vielleicht die jeweiligen Partner derselben Personen tun. So einen dienstbaren Geist spricht man respektvoll mit Herr an und auch der Herr Leopold in Hermann Bauers Karambolage ist die zentrale Schaltstelle im Leben vieler Menschen.

Neben dem täglichen Verwöhnprogramm, das Herr Leopold seinen Gästen angedeihen lässt, ist er aber auch noch ein passionierter Kriminalist, der hinter allem und jedem Geschehen die Möglichkeit einer Untat wittert und nach seiner ersten ermittlerischen Großtat in Fernwehträume ahnt er die nächste Missetat schon im Voraus, denn es steht das alljährliche Billardturnier der Dreibandspezialisten an. Und es ist kein Wunder, dass sich beim Finale der impulsive Egon Sykora und der hinterfotzige Georg Fellner als Kontrahenten am Brett gegenüber stehen. Fellner provoziert, Sykora verliert, weswegen dieser wüste Drohungen gegen den Gegner ausstößt und das Kaffeehaus verlassen muss.

Unter den Besuchern des Turniers befindet sich auch Herrn Leopolds Freund, der Professor Thomas Korber, der vehement versucht, bei seiner neuen Kollegin Maria Hinterleitner zu landen. Diese schafft es aber immer wieder, seinen Neigungen mit ihrem Naheverhältnis zu ihrer Ex-Schülerin Ingrid zu kontern. Aber an diesem Abend erhalten alle privaten Probleme einen Dämpfer, denn beim Verlassen des Lokals wird Fellner von seinem Mörder überrascht und gegen ein vorbeifahrendes Auto gestoßen. Erster am Tatort ist natürlich Hobbykriminologe Leopold, der aber bald von seinem Freund Inspektor Juricek und dessen Team abgelöst wird. Aber Leopold hat noch andere Beweise gesichert und beginnt mit Hilfe Korbers seine eigenen Ermittlungen …

Kaffeehausatmosphäre pur – und als ortskundiger Rezensent ist man natürlich sofort versucht, den fiktiven Lokalitäten , die Hermann Bauer in Karambolage beschreibt, einen realen Namen zu geben, so treffend hat der Autor die Bilder aus Floridsdorf in Worten gemalt. Die 277 Seiten rund um Mord und Totschlag links der Donau, die der Gmeiner-Verlag präsentiert, beweisen Lokalkolorit und sind für Ortskundige unverwechselbar. Wer allerdings nicht die Möglichkeit hat, sich in diesem Milieu zu bewegen, für den wird das Szenario zu einem exotischen und vielleicht unverständlichen Regio-Erlebnis.

Bauers Geschichte ist ein Loblied auf die Kaffeesiedertradition und das gemütliche Wienerherz, das seine Hauptfigur auszeichnet. Wer hier große Spannung und Action erwartet, wird enttäuscht werden, den der Autor pflegt die feine sprachliche Klinge und dokumentiert ein Stück Wiener Kultur, ohne in den herben Schmäh eines Kaisermühlen-Blues zu verfallen. Bauer schafft Charaktere, wie sie jeder kennt und lässt sie ohne großes Theater agieren, was auf Kosten der Geschichte geht, die eher mühsam dahin plätschert. Aber dafür entschädigt die Schilderung kleinbürgerlicher Biederkeit, die sprachlich die Dimensionen des Karikaturisten und Malers Manfred Deix erreicht.

Für Krimileser, die sich an den kleinen und leisen Zwischentönen in den Schilderungen eines Alfred Komarek und seinem Gendarm Polt ergötzen konnten, ist Hermann Bauers Leopold mit Sicherheit ein ähnlicher Lesegenuss. Hier findet sich feiner Wortwitz in einem Regio-Krimi, den man Liebhabern von Wien und Wiener Kultur nahelegen kann.

Wolfgang Weninger, April 2009

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Gerhard Zeleny zu »Hermann Bauer: Karambolage« 06.02.2010
Ich war "Augenzeuge".
Ich bin Jahrgang 1944 und habe am BRG21 in Wien-Floridsdorf maturiert und deshalb ist beim Lesen wieder meine Jugend auferstanden. Ich habe das Cafe Fichtl (gibt es heute noch) mit dem Ober "Herrn Leopold", in dem wir viele schulschwänzende Stunden verbracht haben, mit den Billardtischen und den Tarockrunden vor mir gesehen. Ich saß in einer der Fensternischen und habe den Mord auf der Donaufelderstraße beobachtet!Das ist ein Krimi, der für Wiener, Floridsdorfer, Donaufelder und Mühlschüttler ein Stück "MITERLEBEN" bietet.Kein Stück nebeliges London, kein winterlich dunkles Schweden, kein sonniges Triest, sondern in Stück Wien wie es war und auch noch manchmal ist!
Endlich ein Roman in dem ich auch "mitgespielt" habe!
Schülerin zu »Hermann Bauer: Karambolage« 14.04.2009
Hermann Bauer ist mein Deutsch- und Englischlehrer. Sein Erstlingswerk "Fernwehträume" hat mir sehr gut gefallen, deswegen habe ich mir den zweiten Fall "Karambolage" auch gekauft. Der Krimi ist gut durchdacht und basiert eher auf Rätseln als auf mehrere blutige Morde. Deswegen werden es die meisten Leser als leichte Kost bezeichnen für zwischen durch. Jedenfalls ein Muss für alle Krimifans und solche die es álá Agatha Christie waren!
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