Blutsünde von Henrike Heiland

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Mecklenburg-Vorpommern / Rostock, 1990 - 2009.

  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2007. ISBN: 978-3-404-15742-6. 304 Seiten.

'Blutsünde' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In dem Haus von Karl Rohde auf Usedom gibt es eine gewaltige Explosion. Zwei Menschen sterben, der alte Karl überlebt. Als dann in Rostock ein russischstämmiger Jude ertränkt aufgefunden wird und ein weiterer Mord geschieht, zieht Erik Kemper die Kriminalpsychologin Dr. Anne Wahlberg hinzu. Noch ahnen beide nicht, dass es für alle Morde nur ein Motiv gibt, dessen Wurzeln bis tief in das schwärzeste Kapitel der deutschen Geschichte reichen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Unterhaltsamer Krimi mit Tiefgang« 70°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Kompetenzgerangel nach Bombenanschlag

Im Haus von Karl Rohde auf Usedom gibt es an seinem 90. Geburtstag eine gewaltige Explosion. Zwei Menschen sterben, unter ihnen ein Polizist aus dem Rostocker Team von Erik Kemper – der alte Rohde selbst überlebt. Die Ermittler stehen zunächst vor einem Rätsel, aber zunächst einmal gibt es Kompetenzgerangel. Nicht die Rostocker sind zuständig, obwohl einer ihrer Kollegen getötet wurde, sondern die Kripo aus dem nahen Anklam. Deren Leiterin Thiele beißt gleich um sich, als sie Kemper und einen Kollegen auf Usedom »erwischt«.

Aktuelle Morde haben alle ein Motiv

Als dann in Rostock ein russischstämmiger Jude brutal ertränkt aufgefunden wird und ein weiterer Mord geschieht, zieht Erik Kemper widerwillig die Kriminalpsychologin Dr. Anne Wahlberg hinzu, gegen den Willen von Thiele. Noch ahnt keiner der beteiligten Ermittler, dass es für die aktuellen Morde nur ein Motiv gibt, dessen Wurzeln bis tief in das schwärzeste Kapitel der deutschen Geschichte reichen. Ein weiterer Mord, der bereits etwas zurück liegt, passt nämlich nicht in diese Reihe, was den Polizisten und der Psychologin durch einen Suizid schmerzlich vor Augen geführt wird.

Private Turbulenzen bei den Protagonisten

Henrike Heiland geht im dritten Band ihrer Rostock-Trilogie recht burschikos mit ihren Hauptfiguren um. Der Leser muss schon ein paarmal schlucken, denn da wird teilweise dick aufgetragen. Da geplant war, dass dieser Band das letzte Buch der Rostock-Trilogie wird, hat die Autorin für Erik Kemper und Anne Wahlberg einige Veränderungen eingebaut, die teilweise recht drastisch ausfallen. Nur so viel sei verraten: Die beiden landen zusammen im Bett, aber es gibt kein Happy end. Zwischendurch hat Kempers Ex-Frau ihm nämlich offenbart, dass er wohl der Vater ihres nächsten Kindes sein könnte. Und Anne Wahlberg hat eine Stelle in Dublin angenommen, schließlich ist sie in Irland aufgewachsen und ihr Vater ist wieder dorthin gezogen. Dennoch bleibt nach dem blutigen Finale des Buches das Ende für die beiden Protagonisten offen.

Wandlung von Sass bleibt nebulös

Die Privatgeschichten von Wahlberg und Kemper wirken ein wenig störend, weil sie phasenweise die Handlung überlagern oder verkomplizieren, ohne die Spannung zu erhöhen. Das Buch ist dennoch vielschichtiger und kritischer als die Vorgänger. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Juden, der mit seiner Familie aus Russland eingewandert ist, und seine Position in der deutschen Gesellschaft auszuloten versucht. Die Geschichte des »Bösewichts« Dirk Sass, der in den anderen beiden Büchern schon vorkommt, geht weiter. Warum er ist, wie er ist, und warum plötzlich alles ganz anders in seinem Leben sein muss, wird mir jedoch nicht genügend erläutert. Hier hätte die Autorin noch etwas weiter ausholen müssen, um logische Lücken zu vermeiden.

Und dann ist da die Geschichte des jungen Punks, der seinen Uropa für einen Nazi hält, um feststellen zu müssen, dass dieser ein größerer Feigling war, als er jemals gedacht hatte. Auch hier bleibt Henrike Heiland zu sehr an der Oberfläche – in ihren neueren Werken als Zoe Beck vermeidet sie diesen Fehler. Gekonnt eingestreut ist dagegen die Geschichte einer Jüdin, die 1936 aus Königsberg vor den Nazis nach Schweden flieht, und nach Kriegsende 60 Jahre lang ihren Geliebten von damals sucht – wobei sie schließlich den Verstand verliert.

Blutsünde ist flüssig geschrieben und hält den Leser in Atem. Allerdings führen die genannten Schwächen dazu, dass man nach der Lektüre das Gefühl hat, nicht alle Fragen seien beantwortet worden. Im Leserecho wird das Buch unterschiedlich bewertet, manchem Leser ist die Geschichte der Jüdin zu rührend, andere finden sie wahrhaftig und anrührend. Insgesamt ein guter und lesenswerter Abschluss der Trilogie, auch wenn die offenen Fragen um die Protagonisten und die Fragezeichen bei Sass und dem jungen Punk verhindern, dass hier ein ganz großer Wurf vorliegt.

Andreas Kurth, Juli 2010

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Frank zu »Henrike Heiland: Blutsünde« 20.09.2007
Bisher das Beste in der Reihe (ohne die anderen schlecht machen zu wollen :-) ). Mir hat der Erzählstrang in der Vergangenheit sehr gut gefallen, der erst kurz vor dem Schluß aufgelöst wurde. Alles in allem sehr spannend, konnte das Buch kaum weglegen zwischendurch. Also: lohnt sich!
Jasmin zu »Henrike Heiland: Blutsünde« 24.08.2007
das Buch ist das allerbeste in der ganzen reihe!!! ich hab bei der geschichte um die jüdin hannah so mitgefibert und am ende auch so geweint. es ist viel tiefer und spannender als die anderen beiden.
Steffi1007 zu »Henrike Heiland: Blutsünde« 16.08.2007
Wie auch schon die ersten beiden Bände hat mich dieses mal Blutsünde überzeugt zurecht Fan von Henrike Heiland und ihrer Krimi-Reihe zu sein. Der Fall ist spannend und der historische Hintergrund interessant und gut recherchiert, die starke Charaktere fesselnd skizziert. Die zwischenmenschlichen Verpflechtungen geben der Spannung noch einen weiteren Kick.
In diesem Krimi gibt es kompliziert Familienverpflechtungen die anfangs vielleicht irritieren, aber die Autorin schafft es den Leser zu fesseln und ihn nicht den Überblick verlieren zu lassen.
Diese Meinung ist vielleicht sehr allgemein gehalten, möchte aber gerne allen das Buch ans Herz lesen und hab keine Ahnung wie ich sonst schreiben soll, ohne zu viel zu verraten ;-)
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