Ultramarin von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2004
unter dem Titel Ultramarin,
deutsche Ausgabe erstmals 2006
bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland / Helsinki, 1990 - 2009.
- Göteborg: Tre böcker, 2004 unter dem Titel Ultramarin. 237 Seiten.
-
München: dtv, 2006.
Übersetzt von Knut Krüger.
ISBN:
978-3423245104. 277 Seiten.
'Ultramarin' ist erschienen als
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In Kürze:
Josef Friedmann hat es diesmal nach Finnland verschlagen. Seine Freundin Bella, die Sopranistin, hat ein Engagement an der Nationaloper in Helsinki angenommen. Doch statt mit ihr das Leben zu genießen, gerät Josef Friedmann mal wieder mitten hinein in einen mysteriösen Kriminalfall: Der 85 Jahre alte Arzt Jens Bäck wird bewußtlos auf seinem einsam gelegenen Hof in der Nähe von Helsinki aufgefunden. Er stirbt drei Wochen später an den Folgen seiner Kopfverletzung. Zeitgleich verschwindet der russische Freund und Gehilfe Bäcks, Dimitri. Bäck galt als kontaktscheu und wohlhabend – er hat wertvolle Kunst gesammelt. Und tatsächlich fehlen in seinem Haus drei kostbare ölgemälde des berühmten russischen Marinemalers Iwan Aiwasowski aus dem 19. Jahrhundert. Gemeinsam mit dem zuständigen Kriminalkommissar Olli Mustonen verfolgt Friedmann die Spur eines Verbrecherduos, dem eine Folge von Einbrüchen zur Last gelegt wird. Dann stoßen die Beamten in einem Waldstück auf die überreste einer männlichen Leiche. Könnte es sich um den verschwundenen Russen handeln? Hatte der etwas mit der russischen Mafia zu tun? Wo sind die Gemälde? Und: welche Rolle spielt Bäcks Sohn, der vorgibt, keinen Kontakt zu seinem Vater gehabt zu haben?
Das meint Krimi-Couch.de:»Ein schwedischer Detektivroman«
Krimi-Rezension von Eva Bergschneider überspringen
Henrik Tandefelt etablierte sich mit seinem ersten international publizierten Kriminalroman »Lauf, Helin, lauf« als ein schwedischer Autor, dem es unter zahlreichen Konkurrenten gelungen ist, seine ganz eigene Nische zu finden. Tandefelt wirft, wie so viele seiner schwedischen Kollegen, in »Lauf, Helin, lauf« einen kritischen Blick auf die schwedische Gesellschaft, tut dies jedoch aus der Sicht des humorvollen, weltoffenen Fotografen Josef Friedmann, der zufällig in einem Kriminalfall ermittelt. Wird Tandefelt in »Ultramarin« seinem eigenwilligen Erzählstil treu bleiben, der sich durch seine Leichtigkeit und Phantasie von denen anderer Autoren absetzt?
Ein finnisches Sommervergnügen und ein verjährtes Verbrechen
Josef Friedmann wird von seinem langjährigen Freund Knut Lindström dazu überredet, den finnischen Kriminalkommissar Olli Mustonen zu besuchen. Er soll dessen zugelaufenen Hund in Pflege zu nehmen, der bei Ollis Enkelkindern Allergien auslöst. In der idyllisch-finnischen Umgebung des Sommerhauses mit Sauna und See erfährt Fiedmann von einem fünf Jahre zurückliegenden Raubmord an dem hochbetagten Arzt Jens Bäck. Der alte Mann praktizierte noch gelegentlich, galt als eigenbrötlerischer Sonderling und bewohnte einen herunter gekommenen Hof in der Nähe des Sommerhauses. Bei einem Einbruch in sein Haus überraschte Jens Bäck Diebe, die es offensichtlich auf seine drei Ölgemälde des berühmten russischen Künstlers Ivan Ajvazovskij abgesehen hatten. Der sich heftig wehrende Arzt wurde schwer misshandelt und erlag drei Wochen nach dem Überfall seinen Verletzungen. Der kontaktscheue Mann bewohnte den Hof mit Dimitri, seinem russischen Gehilfen. Dieser pflegte ebenfalls keinerlei Beziehungen, niemand weiß, wie und wann er nach Finnland gekommen ist und ob Dimitri überhaupt sein richtiger Name ist. Bäcks Gehilfe ist seit dem Überfall spurlos verschwunden und so gilt er bei der finnischen Polizei als Hauptverdächtiger für den Mord an seinem Arbeitgeber.
Wer fragt bekommt Antworten
Die spätsommerliche Idylle im Sommerhaus wird jäh unterbrochen, als eine skelettierte Leiche im Wald aufgefunden wird. Der Russe Dimitri ist offensichtlich erschossen worden. So sind zwei Menschen, die auf einem einsam gelegenen Hof lebten, ungefähr zur selben Zeit ermordet worden. Muss es da nicht einen Zusammenhang geben? Ist Dimitri Zeuge des Raubes geworden oder hat ihn eine eigene dunkle Vergangenheit in den finnischen Wäldern eingeholt? Was ist eigentlich aus den gestohlenen Bildern geworden ? Fragen auf die der »Hobbydetektiv« Friedmann beharrlich eine Antwort sucht. Er recherchiert das Leben des einsamen Arztes und findet in seiner schwedischen Heimat heraus, dass er während seiner Studienjahre Vater eines Sohnes geworden ist. Friedmann nimmt Kontakt zu Bäcks ehemaliger Freundin auf, kann aber nicht mehr mit ihr reden, da sie unmittelbar vor seinem Eintreffen stirbt. Der Sohn Hakon Österlind hat angeblich gar keinen Kontakt zu seinem Vater gehabt. Und doch gibt es im Nachlass seiner Mutter Fotos, auf denen die Drei scheinbar glücklich vereint abgebildet sind. Friedmann kann schließlich mit Hilfe des finnischen Kriminalbeamten Olli Mustonen, seiner Mutter, eines illustren Bekanntenkreises, einiger Reisen in seine schwedische Heimat, kreativ-logischen Schlussfolgerungen und geduldiger Recherche die lange zurückliegenden Verbrechen und das Schicksal der drei russischen Ölgemälde aufklären.
Ideenreiche Erzählung mit viel skandinavischem Lebensgefühl
»Ultramarin« liest sich wie ein klassischer Detektivroman. Die Aufklärungsarbeit und nicht die Art des Verbrechens steht im Vordergrund. Humorvoll, ideenreich und mit viel Liebe zum Detail schreibt Tandefelt über Friedmanns Suche nach der Wahrheit, aber auch über seinen Alltag, seine Liebe zur Opernsängerin Bella und die Menschen in seinem Leben.
Die Geschichte wird mit viel Erzähltalent überwiegend aus Friedmanns Perspektive in Ich-Form und Gegenwart erzählt. Tandefelts Stil ist ungewöhnlich lebensnah und natürlich. Die Interaktionen der Charaktere und die ganze Atmosphäre haben einen familiären Charakter, alles wirkt ruhig und vertraut. Die Spannung in diesem Roman wird durch Friedmanns akribische Recherche und deren manchmal überraschende Ergebnisse vermittelt. Als Leser hat man immer den gleichen Wissensstand wie der Ermittler, man fühlt sich unmittelbar am Geschehen beteiligt. Dadurch geht allerdings ein wenig an Spannung verloren, einige zusätzliche Überraschungsmomente wären denkbar gewesen, wäre der Leser nicht stets über alle Einzelheiten informiert worden.
Die Charakterisierung der Personen gelingt Tandefelt exzellent. Haupt- und Nebencharaktere überzeugen durch ihre Eigenarten, Vorlieben und kleinen Schwächen als individuelle Persönlichkeiten.
Ein »must read« für Skandinavienliebhaber
Tandefelts Landschaftbeschreibungen sind so anschaulich wie aus einem Reiseprospekt und fügen sich nahtlos in die allgegenwärtige Vermittlung des skandinavischen Lebensgefühls ein.
Skandinavienfans werden diesen Roman lieben, die anderen Leser auf Land und Leute neugierig gemacht. Gesellschaftskritische Töne sind in diesem Roman eher selten. Der Autor vergleicht die finnische und schwedische Gesellschaft, einige Seitenhiebe auf die Politik in seiner Heimat sind zu finden, überwiegend fällt dieser Vergleich jedoch wertfrei aus.
Ein ruhiger, skandinavischer Detektivroman, der die Aufklärung eines lange zurückliegenden Verbrechens, die besondere Atmosphäre und das Lebensgefühl in Schweden und Finnland in den Mittelpunkt stellt.
Zusätzliche Überraschungsmomente und ein paar kritischere Untertöne hätten dem Roman etwas mehr Würze verleihen können. Dennoch ein Buch, dass flüssig zu lesen ist und durch seinen mitreißenden Erzählstil nie langweilig wird.
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| Christof Lampart zu »Henrik Tandefelt: Ultramarin« | 13.09.2009 |
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