Vor dem Frost von Henning Mankell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel Innan Frosten, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Zsolnay.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Schonen, 1990 - 2009.

  • Stockholm: Leopard, 2002 unter dem Titel Innan Frosten. 501 Seiten.
  • Wien: Zsolnay, 2003. Übersetzt von Wolfgang Butt. ISBN: 3-552-05219-4. 560 Seiten.
  • München: dtv, 2005. Übersetzt von Wolfgang Butt. ISBN: 3423208317. 519 Seiten.
  • München: dtv, 2011. Übersetzt von Wolfgang Butt. ISBN: 978-3423212595. 519 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2011. Gesprochen von Ulrich Pleitgen. gekürzt. ISBN: 978-3869090788. 6 CDs.

'Vor dem Frost' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein Kalb wird bei lebendigem Leib verbrannt, und sechs brennende Schwäne sind über dem Marebo-See gesehen worden. Frauen verschwinden, eine Amerikanerin wird in der Kirche erdrosselt,und ein Lastwagen voll Dynamit läßt den Dom von Lund in Flammen aufgehen. Linda ist Polizeianwärterin in Ystad und darf Kurt Wallander bei seinen Ermittlungen zunächst nur als Tochter begleiten. Dann aber wird sie persönlich in den Fall hineingezogen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Etwas konstruiert, aber ein \'echter’ Mankell« 72°

Krimi-Rezension von Alex Breuer

Sechs Schwäne waren am Strand, drei Paare. Zwei von ihnen hatten sich niedergelegt. Die übrigen waren dabei ihre Federn zu reinigen oder immer noch mit ihren Schnäbeln nach Brotkrumen zu suchen. Der Augenblick war da. Er erhob sich, nahm eine Sprayflasche in jede Hand und sprühte eine Benzinwolke auf jeden einzelnen Schwan, und noch bevor sie entkommen konnten, hatte er eine Flasche fallen lassen und die andere angezündet.

Das brennende Benzin setzte die Schwingen der Schwäne sofort in Brand. Die brennenden Feuerbälle versuchten ihren Schmerzen zu entkommen indem sie über dem See abhoben, bevor sie mit knisternden und rauchenden Schwingen ins Wasser stürzten und starben. Wie geborstene Trompeten dachte er. Genauso werde ich mich an ihren letzten Schrei erinnern.

Am Abend des 21. August 2001 erhält die Polizei von Ystad einen seltsamen Anruf. Der Anrufer besteht darauf brennende Schwäne über dem Marebosee gesehen zu haben. Kurt Wallander fährt hinaus zum See um zu untersuchen was passiert ist. Er nimmt seine Tochter Linda mit, die einige Wochen später in den Polizeidienst in Ystad eintreten soll.

Sie finden keine Spur. Aber bereits nach einigen Tagen ruft ein entsetzter Bauer an und erzählt, dass jemand einen seiner Jungstiere verbrannt hat. Alles deutet darauf hin, dass ein Sadist dahinter steckt, der Tiere quält.

Ein paar Tage später verschwindet eine Hobbygeologin, die alte Pfade in Skåne kartographiert, und danach eine von Lindas besten Freundinnen. Die Spur führt direkt in den Dschungel Guyanas und zu christlichen Weltuntergangspropheten. Lindas Polizeikarriere scheint beendet noch bevor sie angefangen hat …

Zweierlei finde ich an diesem Buch bemerkenswert. Erstens scheint es Mankells Antwort auf den 11.September zu sein. Eine Gruppe gläubiger Fanatiker, inszeniert im Dschungel Guyanas einen Massenselbstmord. Versprengte dieser Gruppe sammeln sich zum Angriff auf Menschen und Kirchen in Skåne und laufen sich mit Morden und Entführungen warm.

Zweitens bereitet Mankell offensichtlich einen Generationswechsel vom alternden, zu fetten, saufenden, ewig gestressten, Diabetes geplagten und mit allem hadernden Kurt zu seiner unsicheren, aufbrausenden und Selbstmord gefährdeten Tochter Linda hin. In diesem Buch hat Linda ihr Debüt als zukünftige Polizeiaspirantin. Sie sucht über lange Strecken ihre Freundin Anna und hat das unbestimmte Gefühl, dass diese in irgendeiner Form mit den Vorkommnissen in Ystad zu tun hat. Sie fädelt sich zunächst gegen den Wiederstand ihres Vaters, in die Ermittlungen ein. Nachdem Kurt Wallander einige Zusammenhänge besser erkennt lässt er sie an seiner Seite mitarbeiten.

Ehrlich gesagt, Kurt Wallander als Einzelkämpfer hat mir persönlich besser gefallen. Besonders die Passagen in denen Linda ihre Freundin Anna sucht, fallen eher zäh aus. Mankell deutet sehr versteckt eine Parallelbegabung zu ihrem Vater an. Aber bevor Anna mit ihrem Vater gleich ziehen kann, muss Henning Mankell sich noch viel einfallen lassen.

Der Plot insgesamt erscheint mir etwas konstruiert. Warum die Fanatiker in Kurt Wallanders Revier einfallen wollen, ist mir beim Lesen des Buches an keiner Stelle richtig klar geworden. Eine diffuse Abneigung gegen Abtreibungen ist mir zu wenig für einen derartigen Rundumschlag.

Insgesamt jedoch, ein echter Mankell. Seine präzisen Schilderungen psychischer Hintergründe und sozialer Verhältnisse sind unerreicht. Es lohnt sich also, das Buch zu kaufen und wenn auch nur, um zu erfahren, wie es weiter geht, auch nach dem Frost.

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Sabine zu »Henning Mankell: Vor dem Frost« 23.04.2017
Durch "Vor dem "Frost" habe ich mich ab etwa Seite 200 nur hindurchgequält, oft mehrere Seiten überschlagen. Zäh wie ein altes Steak, konstruierte Handlung, oft unbeholfene Sprache - oder lag dies an der Übersetzung?
Ich habe den Eindruck, dass Mankell nur Seiten schinden wollte.
Schade - viele seiner anderen Krimis habe ich verschlungen.
Anke zu »Henning Mankell: Vor dem Frost« 18.03.2016
Nachdem ich nun alle anderen Wallander-Bücher dieser Reihe gelesen hatte, habe ich mich wirklich sehr auf das letzte, mir noch unbekannte, Buch gefreut. Leider kam ich ziemlich schnell auf dem Boden der Tatsachen zurück...Ich weiß nicht, was sich Herr Mankell mit dieser Story gedacht hat, aber das Buch ist wirklich schlecht. Nur der gewohnt gute und angenehme Schreibstil lässt einen positiven Kommentar zu.
Dadurch, dass der Leser ziemlich schnell weiß, wer der Mörder ist und was hinter dieser ganzen (bei den Haaren herbeigezogenen) Geschichte steckt, ist es wirklich mühsam das Buch zu lesen. Ich habe mich ab Seite 200 zwingen müssen, dass Buch fertig zu lesen.
Die Figur der Linda ist einfach nur nervig und kommt richtig unsympathisch rüber...man fragt sich nur: Und die soll Polizistin werden? Zumal sie im letzten Buch (Der Feind im Schatten) ganz anders rüber kommt.
Es war vielleicht ein kühner Plan von Mankell die Story mal aus Lindas Sicht zu schreiben, jedoch ist dieser total nach hinten los gegangen.
Von mir: Keine Empfehlung zum Lesen, außer man hat abends Probleme mit den Einschlafen!!!
Huston zu »Henning Mankell: Vor dem Frost« 27.07.2015
Erst habe ich tapfer weiter gelesen, aber etwa in der Mitte des Buches konnte ich diese seltsame Suche
nach Anna nicht mehr nachvollziehen. Das war nur noch langweilig! Der erste Wallander, den ich weggelegt habe. Da fehlte total die Spannung und die Merkwürdigkeiten um diese Suche wurden immer größer - aber keineswegs interessanter. Dieses Buch kann ich nicht empfehlen.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Borkum zu »Henning Mankell: Vor dem Frost« 26.07.2014
Ein fürchterlich langweiliges Buch, aber eines der potentesten Schlafmittel, die mir untergekommen sind. Ich mag die ersten Bücher von Wallander, weil sie kurzweilig und spannend waren. Dieses Buch jedoch war an Zähigkeit nicht zu übertreffen. Normalerweise brauche ich 1 -2 Tage, um ein Buch zu lesen, wenn es mir gefällt. Nachdem ich 70 Seiten von diesem Buch gelesen hatte gab ich auf und las nur noch, wenn ich möglichst schnell einschlafen wollte. Fast nie kam ich auf mehr als eine Seite, bis mich der Schlaf packte. Auf diese Art war das Buch für mich für mich über Monate sehr wertvoll, sparte ich doch an Schlafmittel. Auch war es derartig abstrus, dass es mich gefreut hätte, wenn ALLEN, auch Wallander, der Garaus gemacht worden wäre.
steve006 zu »Henning Mankell: Vor dem Frost« 27.03.2014
Ein etwas anderer Mankell, der sich um Religion, Sektenwahn und um eine kompliziertere Vater-Tochter-Beziehung dreht. Die Handlung wird aufgrund der Komplexität etwas zäh beschrieben, die Längen sind aber typisch für Mankells Erzählstil. Das Buch schildert recht gut die etwas unfreiwillige Übergabe der Verantwortung vom Vater auf die Tochter, man fühlt sich als Leser in die Familie „Mankell“ und Wallander mit einbezogen.
Von mir gibt es 80 Punkte.
Darix zu »Henning Mankell: Vor dem Frost« 13.09.2013
Der Tenor des Buches ist die Übergabe von Kommissar Kurt Wallander an seine Tochter Linda. Die Einführung wirkt etwas gestelzt, beinahe langatmig und langweilig. Der Schreibstil Mankells ist bei der Schilderung der Handlung, der Beschreibung der Charaktere, dem Forschen, Ermitteln, Orientieren der Täterermittlung, klar und fesselnd. M. neigt teilweise eindeutig an zuviel Gefühl und psycho-religiösen Beschreibungen. Das muss an mögen. Stärken des Buches sind die Ermittlungsarbeiten vom guten alten Wallander, dessen intelligente, beinahe weise, manchmal widersprüchliche, immer menschliche Handlungsweisen. Die ausführlichen Schilderung und ausführlichen Darstellung der Gefühls- und Gedankenwelt der/des Täters, hätte ich mir geraffter gewünscht. Das gehört aber zur mankellschen-Atmosphäre, mit dem Versuch dadurch Handlungsweisen plausibel darzulegen. So langsam übernimmt Tochter L. immer mehr die Hauptrolle, why not.
Ein Kriminalroman der besseren Klasse von Mankell.
Lion zu »Henning Mankell: Vor dem Frost« 06.04.2013
Nächster Wallander, aber diesmal nicht Kurt sondern Linda. Die Geschichte ist extrem spannend, was dazu führt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Einzig und allein gefällt mir nicht, dass viele Ermittler anders erscheinen als in anderen Büchern ( z.B. Ann Britt Höglund)
Kann ich wirklich weiterempfehlen.
Kasia zu »Henning Mankell: Vor dem Frost« 19.09.2010
Mit großer Freude habe ich zum 2ten Mal "Vor dem Frost" gelesen.
Ich hatte diesmal sogar das Gefühl, dass das Buch noch besser war, als beim letzten Mal :-)
Meine Vorgängerin hat den Schreibstil und auch die Inhalte des Buches bemängelt.
Dazu muss ich anmerken, dass seitdem Linda in "Die Brandmauer" gesagt hat, dass sie Polizistin wird, einige Jahre bis zu dem aktuellen Fall vergangen sind. Es hat sich viel geändert. Weshalb sollte Wallander dann 3 Jahre lang sauer auf Martinsson sein?
Oder warum soll Mankell immer wieder schreiben, dass Wallander Diabetes hat??? Jeder, der die Reihe am Stück liest und kennt muss nicht immer wieder auf gewisse Tatsachen und Selbstverständlichkeiten hingewiesen werden. Das ist meine Meinung.
Diese Geschichte hat eine andere Sprache, was meiner Meinung nach verständlich ist. Es geht hier nicht in erster Linie um Kurt Wallander, sondern um Linda und ihre Geschichte. Ihren ersten Fall sozusagen.
Die Sprache, die Gedanken und der Stil ist Lindas Stil. Das muss dem Leser klar werden.
Ich finde es gut. Wir lernen Kurt Wallander mal aus einer anderen Seite über Linda kennen.
Die Geschichte ist sehr spannend, sehr glaubwürdig und interessant.
Ich finde es schade, dass es bisher nur 1. Fall gibt, in dem Linda ermittelt. Mankell hat zwar nicht 100% gesagt, dass es keinen weiteren geben wird, aber ich hatte beim Interview den Eindruck, dass es so sein wird. Schade.
Jedem, der wie ich an Kurt Wallander hängt und gute Krimiunterhaltung sucht, kann ich diesen Roman empfehlen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Hanert zu »Henning Mankell: Vor dem Frost« 30.06.2009
Zunächst: Ich liebe Mankells Krimis und habe nach mehreren Jahren Pause die Bücher sogar zweimal gelesen, am Stück weg.

Als ich mit großer Vorfreude "Vor dem Frost" anfing, war ich schnell enttäuscht und auch richtig verwundert. Den Schreibstil empfinde ich als fremd, beginnend nach einem fast zwei Seiten langen Monolog, als Wallander seiner Tochter von seinem Baumfriedhof erzählt. Mankells Bücher zeichneten sich immer durch die kurzen, schnörkellosen Sätze aus, und gerade der knurrige Wallander bekam sonst nie die Zähne auseinander. Hier sabbelt er plötzlich.

Vieles knüpft auch nicht an die Vorgänger an. Während "Brandmauer" hat Kurt gerade seine Diabetis in den Griff bekommen und abgenommen. In diesem Buch wird er von seiner Tochter häufig als fettes Walross beschrieben, von Diabetis keine Spur. Martinson hat im letzten Teil noch gegen Wallander intergriert, nun ist es sein bester Kollege und bildet seine Tochter aus, weil er so großes Vertrauen in ihn hat. Ann-Britt dagegen, welche in den vorigen Büchern immer als die sensible, sanfte, gefühlsbetonte dargestellt wurde, wird von Linda kühl, abweisend und falsch empfunden. Mit zu viel Schminke im Gesicht. Was auch wieder nicht passt.
Sten Widen hatte im letzten Band bereits seine Sachen gepackt und den Hof verkauft, nun ist er ganz plötzlich wieder da, totkrank, doch dies war in ein paar Zeilen hingeklatscht, was bei solchen schwerwiegenden Ereignissen in Wallanders Leben immer weitaus einnehmender beschrieben wurde, meißt wurde soetwas über das ganze Buch immer wieder aufgegriffen.

Häufig sind auch Dinge unlogisch und es passieren Fehler. Zwei Seiten vorher wird Linda einem neuen Kollegen voegestellt, wohlgemerkt mit vollem Vor- und Zunamen, und später liest man ihre Gedanken, welche sich darum drehen, dass sie noch nicht mal seinen Nachnamen kennt. Ich blätterte extra zurück, weil ich dachte, dass ich mich verlesen hatte, doch dem war nicht so. Sowas gabs bisher nicht in Mankells Büchern. Habe das Buch nicht weiter gelesen, weil es mir... unecht vorkam. Wundere mich nur, dass es bis jetzt hier nicht erwähnt wurde!

Muss also doch bei den alten Büchern bleiben, irgendwann in den nächsten Jahren...
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Swen Piper zu »Henning Mankell: Vor dem Frost« 23.08.2008
Erstmals rückt Mankell die junge Polizeianwärterin Linda Wallander, Tochter Kurt Wallanders, in den Vordergrund. Die Atmosphäre des Buches ist wie meist in Mankells Kriminalromanen sehr dicht und leicht depressiv angehaucht. Die Story ist sehr komplex wird aber spannend erzählt, wenn auch zu Beginn des Buches überflüssige Längen den Leser nerven.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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