Tiefe von Henning Mankell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Djup, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Zsolnay.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, 1910 - 1929.

  • Stockholm: Leopard, 2004 unter dem Titel Djup. 365 Seiten.
  • Wien: Zsolnay, 2005. Übersetzt von Verena Reichel. 365 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2006. Übersetzt von Verena Reichel. ISBN: 978-3828979772. 365 Seiten.
  • München: dtv, 2007. Übersetzt von Verena Reichel. ISBN: 978-3423209786. 368 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2005. Gesprochen von Leonard Lansink. gekürzt. ISBN: 3899406141. 4 CDs.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2007. Gesprochen von Leonard Lansink. ISBN: 386717167X. 4 CDs.

'Tiefe' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Lars Tobiasson-Svartman ist Marineoffizier und Seevermessungsingenieur, ein Mann der Abstandmessung und des Abstandhaltens. Es ist die Zeit des Ersten Weltkriegs und er hat den militärischen Auftrag, in den Stockholmer Schären neue Fahrwasser auszuloten. Eines Tages trifft er auf einer der äußersten Schären eine einsam lebende Frau, Sara Fredrika. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch bald geht sein Auftrag zu Ende, und zu Hause erwarten ihn seine Frau und ein geordnetes Heim. Um zu Sara Fredrika zurückkehren zu können, ersinnt er einen dreisten Betrug. Wie immer bei Mankell entwickelt die Geschichte einen unwiderstehlichen und unheimlichen Sog. Ein Mann zwischen zwei Frauen. Ein Mensch, der über Leichen geht, um ans Ziel seiner Wünsche zu gelangen. Ein Roman über die finsteren Abgründe der Seele und das Böse in uns.

Das meint Krimi-Couch.de: »Tiefe als Metapher für den Abgrund des Bösen« 82°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Schlicht und einfach Tiefe – das schwedische Djup bringt es noch kürzer auf den Punkt – betitelt Henning Mankell seinen Roman um einen Seevermesser zur Zeit des ersten Weltkriegs. Dabei steht die Tiefe an sich und insbesondere die Tiefe des Meeres als Symbol für das Unergründliche der menschlichen Seele.

Im Mittelpunkt des Romans steht Lars Tobiasson-Svartman, Kapitän ohne Kommando und Seevermessungsingenieur. Geboren als Lars Svartman hat er nach dem Tod des ungeliebten Vaters seinen Namen ändern lassen und den Geburtsnamen seiner Mutter als Schutz zwischen seinen Vornamen und den Namen des Vaters stellen lassen.

Militärischer Geheimauftrag vor der Schärenküste

Diesen Namen Lars Tobiasson-Svartman führt der Autor bei jeder Erwähnung vollständig auf und schafft so eine Distanz zwischen dem Leser und seinem Protagonisten, der allmählich auch die Nähe zu sich selber verliert und sich immer fremder wird. Distanzen – Maße in jeglicher Hinsicht sind es, die das Leben von Lars Tobiasson-Svartman von klein auf bestimmt haben, zu denen er eine besondere Beziehung entwickelte. Und so war es fast unausweichlich, dass er den Beruf des Vermessungsingenieurs erlernte. Sein kostbarster Besitz ist sein Koffer mit einem Messinglot aus dem 18. Jahrhundert, das er immer bei sich trägt und das ihm Sicherheit gibt, wenn er es fest umklammert.

1914 führt ihn ein militärischer Geheimauftrag mit dem Panzerschiff Svea in den Kalmarsund vor die schwedische Schärenküste. Der Erste Weltkrieg ist im Gange. Das Land Schweden bezweifelt, dass es seine Neutralität wahren kann. So sucht die schwedische Marine neue Fahrwasser für die immer größer werdenden Schiffe. Mit dieser Aufgabe wird der junge Kapitän viele Woche lang beschäftigt sein. Seine Frau Kristina Tacker wartet derweil in der Stockholmer Wohnung auf seine Rückkehr.

Kein Entkommen aus dem Lügengeflecht

Sein Leben nimmt eine unerwartete Wendung, als er auf einer kleinen Schäre auf ein einsames Haus stösst, in dem die junge Sara Fredrika nach dem Tod ihres Mannes völlig einsam lebt. Er verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Solange sein Schiff vor der Küste liegt, rudert er, sooft es seine Arbeit zulässt, im Morgengrauen zu ihr. Er erzählt ihr, er sei ebenfalls Witwer. Seine Frau und seine Tochter seien bei einem Unfall ums Leben gekommen. Die erste Lüge zieht weitere nach sich. Durch einen Betrug nach seiner Rückkehr schafft er sich die Möglichkeit, wieder zu der Schäre zu reisen, um Sara Fredrika wiederzusehen. Als er sieht, dass Sara nicht alleine ist, sondern sich ein Soldat in deutscher Uniform in ihrem Haus befindet, erwacht rasende Eifersucht in ihm.

Wer Henning Mankell bisher von seinen Wallander-Romanen kannte, weiß, dass er auch die Sicht des Bösen, das Geschehen aus dem Aspekt des Täters gut beschreiben kann. Hier hat er die Gelegenheit ergriffen, diese Sichtweise nicht nur sporadisch einfließen zu lassen, sondern langsam zu entwickeln und über den gesamten Zeitraum des Romans bis zur Eskalation zu begleiten. Er nimmt sich viel Zeit, die Gefühlswelt seines Protagonisten dem Leser näherzubringen. Trotz seiner bekannten Schreibweise mit kurzen Sätzen vermag er damit enorm viel auszudücken. Etwas zerrissen wirkt der Text manchmal durch die vielen kurzen Abschnitte, denn die 365 Seiten hat der der Autor in insgesamt über 200 Kapitelchen zerlegt.

Subtile Spannung trotz simplem Plot

Die Psychostudie eines Mannes mit ihrer subtilen Spannung erinnert stark an Patricia Highsmiths Ripley, der sich ebenfalls immer tiefer in Unwahrheiten verstrickte, bis er seinem Lügengeflecht nicht mehr entrinnen konnte.

Henning Makell beweist hier einmal mehr, welch variantenreicher Schriftsteller er ist. In Tiefe hat der schwedische Erfolgsautor einen simplen aber dennoch überaus raffinierten Plot entwickelt, der den Leser trotz zeitweise dahin dümpelnder Handlung stets bei der Stange hält und ihn immer mehr in seinen Bann zieht.

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Margit zu »Henning Mankell: Tiefe« 08.01.2017
Ich habe alle "Kurt Wallander" Krimis mit Begeisterung verschlungen.
"Tiefe" habe ich auf Seite 40 abgebrochen.
Ich bin enttäuscht und gelangweilt und werde das Buch nicht weiterlesen.
WallanderWallanderWallanderWallander
WallanderWallanderWallanderWallander
WallanderWallanderWallanderWallander.
Ruhe in Frieden
Irm Bungarten zu »Henning Mankell: Tiefe« 03.04.2016
Habe das Buch 2006 im Krankenhaus gelesen.
Superspannend, hat mich total von meiner
Krankheit abgelenkt.
2014 habe ich es als Taschenbuch bei einem
Bücherbasar entdeckt und nochmal gelesen.
Das ist ganz hervorragend geschrieben, man
steht mitten im Geschehen, sieht alles vor
sich und kann sich das ganz genau vorstel-
len, wie es abgelaufen ist.
Sehr empfehlenswert.
killingjoke zu »Henning Mankell: Tiefe« 22.08.2013
also ich bin erstaunt das relativ viele hier das buch so "toll" fanden.
ich bin eingroßer fan von Mankell,aber
"Tiefe" ist meiner Meinung nach mit Abstand
sein schlechtestes Buch.
es war schwierig zu lesen,da weder Handlung noch der Hauptakteur zu überzeugen wissen.
ich fand schon während des lesens nach ein paar seiten ein großes desinteresse
und hab mich durch das buch "durchgekämpft" und muß sagen das ich die ganze Geschichte dermaßen uninteressant fand

sorry aber nur 25 &%
Heike zu »Henning Mankell: Tiefe« 09.04.2009
Ich las schon viele Romane aba ich finde das war der beste.Er schreibt wie es ist nicht wie es sein könnte und seine Charaktäre leben im Buch.Ich habe auch ''das Geheimniss des Feuers '' gelesen es wird in diesem buch die Armut beschrieben und wie sie übers überleben kämpfen. man merkt richtig wie gut es uns geht und wie schlecht es schon einem 2 jährigen kind geht. Henning Mankell schreibt mit Gefühl und das find ich Großartig an ihm.Ich will alle Bücher von ihm die in Deutsch übersetzt worden sind lesen.Das was in dem Buch ''das Geheimniss des Feuers'' passiert, ist größtenTeils echt. Man kann sich nicht vorstellen das so etwas grausames in echt passiert seien soll.Bei allen Büchern von Henning Mankell spürt man etwas lebhaftes etwas wahres etwas das dich zum nachdenken bringt etwas was dir schon mal so änlich geschahr und alles das lässt mich ins staunen versetzten was dieser Mann für ein Talent hat. Jedes Buch ist so anders und doch so gleich jeder Charakter ist anders und jeder Autor hat was doch HENNING MANKELL ist einzigartig. Er ist ein so ein toller Mann er hats im Blut gute Bücher zu schreiben, er hats einfach im Blut und das weis ich zu schetzen das es nur einmal auf der Welt solchen autor gibt also lies ich seine Bücher bis es ihn nicht mehr gibt.

Diese worte kamen von einem 11 jährigen Kind das seine Bücher liebt.
Joy zu »Henning Mankell: Tiefe« 16.10.2008
Ich habe seit Tiefe keinen Mankell mehr gelesen. Zu tief die Abgründe, in die man hier tauchen muss, zu hautnah der Wahnsinn der Hauptfigur, der schließlich in den Wahnsinn der Ehefrau mündet..
Ein psychisch kaum erträgliches Buch um ausgelebte Egoismen und die Folgen eines vollständigen Verlustes an Empathie.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
tedesca zu »Henning Mankell: Tiefe« 12.06.2008
Also, ich war erstaunt, das Buch bei den Krimis vorzufinden, da hätte ich es nicht eingereiht.

Nichtsdestotrotz ist es auf seine besondere Art so faszinierend, dass man es nicht mehr aus der Hand legt, auch wenn man die Hauptfigur unsympathisch findet und einen das ganze Gerede über Schiffe usw. langweilt.

Mankell beweist hier, dass er wirklich schreiben kann, auch wenn die Geschichte nicht gefällig ist. Die düstere Stimmung überträgt sich automatisch auf den Leser und lässt ihn nicht mehr los. Ich finde, dass das ein Buch ist, das man gelesen haben sollte, wenn man Mankell nicht nur als Krimiautor sehen will.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Roswitha zu »Henning Mankell: Tiefe« 15.05.2008
Mal vorweg: ich konnte ab der Mitte des Romans ungefähr nicht mehr aufhören zu lesen. Woran das lag? Keine Ahnung. Die ständig präsente Atmosphäre des Meers vielleicht, die Frage, wie man so eine Handlung enden lässt, oder die, wie viele Leichen man in so eine Handlung einbauen kann, ohne dass es abgeschmackt wird. Die Hauptfigur fand ich furchtbar! Fragt sich, warum man dann weiterliest, obwohl sie nicht nur sehr unsympathisch, sondern meiner Ansicht nach auch ziemlich schlicht gestrickt ist. Alle Figuren in dem Roman sind mehr oder weniger seltsam. Vielleicht, weil Tobiasson-Svartman sie so sieht. Ich war jedenfalls froh, als ich Kapitel 206 hinter mir hatte.
Kasia zu »Henning Mankell: Tiefe« 25.03.2008
Kriminalroman = literarisches Werk, das die Geschichte oder die Aufklärung eines Verbrechens zum Gegenstand hat.
Das habe ich gestern dem Lexikon entnommen, denn ich habe mich gefragt, ob es sich bei "Tiefe" überhaupt um einen Krimi handelt. Wo man doch hier, z. B. "Die italienischen Schuhe" nicht bewerten kann. Aber "Tiefe" MUSS ein Krimi sein, denn es hat die Geschichten von Verbrechen zum Gegenstand.
Was kann ich denn über "Tiefe" sagen?
Der Einstieg ist mir schwer gefallen. Boote und Marine und sogar der Krieg interessieren mich nicht sonderlich.
Die Hauptperson, Lars, ist ein Mensch, mit dem ich niemals etwas zu tun haben würde. Ich konnte und wollte mich nicht in ihn hineinversetzen, weil er schlecht ist.
Wie immer beschreibt Mankell die "Tiefen" eines Menschens sehr detailliert.
Es ist nicht mein Lieblingsbuch von Mankell. Es ist düster und schwierig.
Es ist schwer verdaulich. Aber ich würde es zum Lesen empfehlen. Warum auch nicht? Geschmäcker sind ja verschieden...
Annette zu »Henning Mankell: Tiefe« 05.11.2007
Zugegeben, der Anfang der Handlung bedarf des Einlesens, aber es lohnt sich weiterzulesen. Ganz allmählich führt Mankell den Leser hin zu den Tiefen menschlichen Seins, die er teileise drastisch aber gekonnt darstellt. Mich hat schockiert, zu was der Protagonist alles fähig ist, aber wie Mankell einst in einem Interview sagte, die Realität ist wesentlich schlimmer als das was ich schreibe. Mir hat besonders gut seine metaphorische Schreibweise gefallen. Der Protagonist, der immer wieder versucht "auszuloten", aber dabei sich selber immer fremder wird und sich von seiner eigenen Mitte immer weiter entfernt. Auf der Suche nach seinem Lebensweg verliert er sich immer mehr in den endlosen Dimensionen zwischen Weltall und der Tiefe des Meeres und findet sich schlussendlich überhaupt nicht mehr zurecht. Ein total unausgewogener innerlich sich völlig verfremdeter und zerissener Mensch, der sich nur zu helfen weiß, in dem er sich mit äußerster Brutalität und Lügengeschichten fortbewegt, im Glauben auf diese Weise das zu erlangen, wonach er sich sehnt. Eine gescheiterte Existenz, die durch Blindheit und Unvermögen sich selbst und leider damit auch andere in die Tiefe hinabzieht. Ich fand den Roman spannend und kann ihn sehr empfehlen für Leser, die Sinn und Hintergründe von Mankells Ideen und Denkweise "tiefer" erfassen könnne.
petra2302 zu »Henning Mankell: Tiefe« 17.09.2007
"einblick auf tiefsten grund einer dunklen seele." KEIN schönes buch, aber eins das man lesen sollte . es überträgt auf den leser eine düstere stimmung, denn man verstrickt sich mit dem " helden" und seinen lügen, aus denen es letztendlich keinen ausweg mehr gibt. und damit sinkt man langsam aber stetig in den abgrund.

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