Mittsommermord von Henning Mankell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel Steget efter, deutsche Ausgabe erstmals 2000 bei Zsolnay.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Schonen / Ystad, 1990 - heute.
Folge 7 der Kurt-Wallander-Serie.

  • Stockholm: Ordfront, 1997 unter dem Titel Steget efter. 537 Seiten.
  • Wien: Zsolnay, 2000. Übersetzt von Wolfgang Butt. Deutscher Krimi-Preis 2001, 3.Platz international. ISBN: 3-552-04962-2. 602 Seiten.
  • München: dtv, 2002. Übersetzt von Wolfgang Butt. ISBN: 3423205202. 602 Seiten.
  • [Hörbuch] München: DerHörVerlag, 2001. Gesprochen von Ulrich Pleitgen; Anne Weber; Petra Redinger; u.v.a.. Bearbeitung: Valerie Stiegele. Regie: Thomas Leutzbach. ISBN: 3895845426. 2 CDs.

'Mittsommermord' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Kommissar Wallander gerät in ernste Bedrängnis: Er ist nicht gesund, verliert häufig die Beherrschung und fürchtet, den Ermittlungen nicht gewachsen zu sein. Drei junge Menschen sind spurlos verschwunden, und Svedberg, seinen geschätzten Kollegen, fand man mit zerschossenem Gesicht. Wallander muss die Kraft und allen Mut zusammennehmen, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Führte Svedberg in Wahrheit ein Doppelleben? Warum waren die drei Jugendlichen verkleidet? Und wieso hatte es der Täter auf junge, glückliche Menschen abgesehen?

Das meint Krimi-Couch.de: »Von der ersten bis zur letzten Seite: Spannung, Logik, Dramatik« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Drei junge Menschen aus der schwedischen Kleinstadt Ystad begehen das Mittsommerfest (21. Juni). Sie kleiden sich in die Gewänder des 18. Jahrhunderts und veranstalten in einem abgelegenen Waldstück ein nächtliches Picknick. Dabei werden sie von einem Mann ermordet, der es anschließend geschickt versteht, seine Tat zu verschleiern: Er sendet gefälschte Postkarten an die Angehörigen, um ihnen vorzugaukeln, dass sich die jungen Leute auf eine ausgedehnten Europa-Reise begeben haben.

Erst allmählich beginnt sich die Mutter einer der Ermordeten zu sorgen. Sie fordert die Polizei auf, nach ihrem Sohn zu suchen. Kommissar Kurt Wallander lässt sich von ihrer Besorgnis anstecken und ist dabei, Ermittlungen in die Wege zu leiten, als plötzlich sein Kollege und langjähriger Mitarbeiter Svedberg mit einer Schrotflinte erschossen in seiner Wohnung aufgefunden wird.

Die geschockten Polizisten von der Kriminalpolizei beginnen mit der Suche nach Svedbergs Mörder. Überraschenderweise stellt sich bald heraus, dass es zwischen diesem Fall und dem Verschwinden der drei jungen Leute eine Verbindung zu geben scheint: In Svedbergs Wohnung findet Wallander ein Foto von ihnen. Svedberg wusste also vor seinen Kollegen von dem Verbrechen; der Mörder hat dies erfahren und konsequent seinen Verfolger ausgeschaltet.

Drei Leichen im Wald

Kaum einen Schritt ist die Polizei weiter gekommen, als die Leichen der drei Vermissten im Wald gefunden werden. Der Mörder hat sie in ihren Kostümen zu einem grausigen Panoptikum arrangiert.

Wallander entdeckt, dass zu der Gruppe ein viertes Mitglied gehört – eine junge Frau, die kurz vor dem Mittsommerfest erkrankt ist und an dem Kostümfest nicht teilnehmen konnte; dies hat ihr das Leben gerettet. Nun treibt sie die Angst vor dem Mörder in die Flucht. Mühsam nimmt Wallander ihre Spur auf. Als er die Frau finden kann, muss er feststellen, dass sie ihm nicht helfen kann. Schlimmer noch: Der Mörder sucht ebenfalls nach der Frau. Getrieben von dem krankhaften Drang, auch noch das letzte Mitglied der Gruppe zu töten, folgt er ihr und bringt sie praktisch unter Wallanders Augen um.

Wieder steht die Polizei mit leeren Händen da. Die Unberechenbarkeit des Mörders macht es schwer, auf seine Fährte zu kommen. Immerhin stellt sich heraus, dass man es mit jemandem zu tun hat, den sein Hass auf glückliche Menschen zu seinen Taten treibt. Diese Theorie wird auf schreckliche Weise bestätigt, als der Mörder ein gerade getrautes Brautpaar und ihren Fotografen erschießt.

Gleichermaßen bedrängt von ungeduldigen Vorgesetzten, verängstigten Bürgern und der Presse, ausgelaugt durch die permanente Jagd auf den Mörder rund um die Uhr, gelingt es Wallander und seinen Kolleginnen und Kollegen endlich der ersehnte Durchbruch. Sie stellen den Täter in seiner Wohnung, doch er kann in letzter Sekunde entkommen. Nun, da er weiß, dass seine Festnahme nur noch eine Frage der Zeit ist, plant der geisteskranke Mann sein »Werk« mit einem letzten Mord zu krönen: Sein neuntes Opfer soll Kurt Wallander werden …

Wallanders schwerster Fall

Mittsommermord ist Kommissar Wallanders siebter Fall – und sein bisher schwerster. Die Jagd auf einen geisteskranken Serienmörder, der wahllos und ohne erkennbares Muster tötet, gehört zu den Alpträumen jedes Polizisten. So kann sich Autor Mankell über weite Strecken darauf beschränken, minuziös die mühsame und lange erfolglose Fahndungsarbeit der Ystädter Kriminalbeamten zu schildern, während der Täter praktisch unbehelligt seine Anschläge plant und durchführt. Erst man seine Identität aufdeckt, kann sich der Polizei-Apparat zielgerichtet in Gang setzen, doch auch jetzt geht noch schief, was schief gehen kann, wenn erschöpfte Männer und Frauen mit letzter Kraft eine gefährliche Aufgabe erfüllen sollen. Zu guter Letzt muss sich Kommissar Wallander dem Mörder im Alleingang und unter Lebensgefahr entgegen stellen.

Auch sonst gönnt Mankell seinem ohnehin nicht mit einem sonnigen Gemüt geschlagenen Helden kaum einen Lichtblick in seinem Leben. Die Polizeiarbeit erscheint Wallander als Kampf gegen Windmühlenflügel, seine Freundin hat ihn verlassen, er kann den Tod seines Vaters nicht verwinden, und dann erkrankt er auch noch an Diabetes und muss eine strenge Diät einhalten, was ihm aber nicht gelingt.

Durchweg ist der Grundton von Mittsommermord düster. Wie immer legt Mankell keinen »einfachen« Kriminalroman vor, sondern verknüpft seine Geschichte von der Jagd auf einen bizarren Serienmörder mit einem Blick auf den Zustand der modernen Gesellschaft, deren Zukunft an der Schwelle zu einem neuen Jahrtausend wenig vielversprechend erscheint. Mankell ist pessimistisch und beschreibt den Untergang traditioneller Werte, die ersetzt werden durch Gleichgültigkeit, Profitgier und Gewalt, während sich eine immer tiefer werdende Kluft auftut zwischen denen, die sich mit den neuen Verhältnissen arrangieren können, und denen, die dabei auf der Strecke bleiben.

Da seine Kritik nicht als jammervolles Lamento daher kommt, sondern nüchtern und sachlich vorgetragen wird, ist ihre Wirkung um so nachhaltiger. Insofern ist das Ende nicht happy, aber konsequent: Während sich Wallander nur mühsam von den Strapazen der Ermittlung erholt, bevor er an seine ständig schwieriger werdende Arbeit zurück kehrt, beginnt der Mörder in seiner Gefängniszelle damit, seine Taten in einem Buch festzuhalten, das ihm Ruhm und viel Geld einbringen wird – er hat seine Lektion gelernt und einen Weg gefunden, der ihn, ein Niemand, heutzutage ins Rampenlicht der Öffentlichkeit bringt.

Mittsommermord ist ein Roman mit mehr als sechshundert Seiten, und obwohl acht Menschen zu Tode kommen, wird man liebevoll ausgestaltete Blutbäder, spektakuläre Verfolgungsjagden und ähnliche, scheinbar unverzichtbare Zutaten eines modernen Bestseller-Thrillers vergeblich suchen (aber auch nicht vermissen). Selbst das Finale, das Wallander zwingt, sich dem Mörder allein zu stellen, macht in dieser Hinsicht keine Zugeständnisse. Wenig heldenhaft stolpert der ausgepumpte Kommissar, der Pistole und Handy im Revier vergessen hat, mit einer aufgeklaubten Holzlatte »bewaffnet« seinem Gegner hinterher, und sein »Sieg« ist das Ergebnis von Verzweiflung und purem Zufall.

Niemand ist sicher

Trotz aller Düsternis hält Mittsommermord seine Leser mit betörenden Mühelosigkeit bei der Stange. Mankell schafft es, Figuren mit wenigen Worten – es sind halt die richtigen – zum Leben zu erwecken. Kurt Wallander und die Frauen und Männer der Polizei von Ystadt, jener Kleinstadt, die sich der Autor als Bühne für sein Panorama der modernen (schwedischen) Gesellschaft geschaffen hat, sind in sieben Romanen zu vertrauten Gestalten geworden. Da ist der Schock natürlich um so grösser, wenn sich herausstellt, dass in Henning Mankells Welt niemand »sicher« ist – dieses Mal trifft es Svedberg, der in den früheren Wallander-Romanen dem Kommissar so manches Mal zur Seite stand.

Das Talent Henning Mankells als Schriftsteller lässt sich auch daran ermessen, dass er die Qualität der Wallander-Romane offenbar mühelos von Mal zu Mal steigern kann. Mittsommermord ist wie gesagt der siebte Band, und ganz gewiss einer der Besten. Der anhaltende und stetig wachsende Erfolg beeinträchtigt die Qualität in keiner Weise. Erfreulicherweise ist der Autor seiner Figur auch noch längst nicht müde. Er behält das erstaunliche Tempo der letzten Jahre bei und hat nach Mittsommermord bereits zwei neue Wallander-Geschichten veröffentlicht – auch hier ist der Siegeszug durch die Bestseller-Listen vorprogrammiert.

Michael Drewniok, Mai 2000

Das meinen andere:

»Auf über 600 Seiten wird der Leser gefangen genommen von grausamen Verbrechen, Mord – und von alltäglichen menschlichen Problemen. Im letzten Drittel des Romans steigt die Spannung ins Unerträgliche und wird beim ein oder anderen Leser wohl für dunkle Augenringe sorgen, weil er das Buch auch tief nachts nicht mehr aus der Hand legen kann.« (Focus)

»Mit dem grüblerischen, im Zweifel seiner Intuition vertrauenden Helden Kurt Wallander fesselt Schwedens Erfolgsautor Henning Mankell auch in »Mittsommermord«.» (Der SPIEGEL)

«Mittsommermord von Henning Mankell ist ein spannender Krimi, obwohl gemächlich erzählt." (Westdeutscher Rundfunk)

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dieschlaue zu »Henning Mankell: Mittsommermord« 05.01.2010
Um mich kurz zu fassen, als ich es zu Ende gelesen hatte, mein 4tes Mankell-Buch , war ich echt sauer, das war damit auch mein letztes.Und dafür gibt es 2 handfeste, nachvollziehbare Gründe : 1. Das Motiv geklaut von "Der Name der Rose" (Der Mörder hasst die Freude anderer) 2. Die Vorgehensweise des Mörders und damit auch die Aufdeckung des Verbrechens geklaut von "Roter Drache" (Ich erklärs hier nicht, vielleicht kennt ein Mankell-Leser auch Thomas Harris). Ich finde es haarsträubend, daß Mankell hier einfach das dröge schwedische Landleben und den kranken, sympathischen Wallander ohne Ende schildert, aber keine Ideen für eine eigene Kriminalgeschichte hat. Einziges Glanzlicht ist die sensible Schilderung von Wallanders Reise auf die einsame Insel, und seine Begegnung mit dem Mädchen, das dem Mörder entkommen ist.
Die schon fast mystische Verklärung Wallanders hierzulande ist mir völlig schleierhaft, wenn man Krimis mag, sollte man doch lieber in Amerika beginnen.Thomas Harris natürlich zuerst, "Red Dragon", dann James Ellroy, aber nicht diese schwedische Hausmannskost.
0 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Krimi_Bruja zu »Henning Mankell: Mittsommermord« 20.11.2009
Mittsommermord ist für mich einer der besten Wallander. Sehr spannend von Anfang bis zum Ende. Außerdem leiden wir mit Wallander mit. Wir erleben seine körperlichen und seelischen Leiden, die uns schon seit einigen Fällen begleiten. Wir kennen jede Kollegin sowie Kollegen und können es nicht fassen das Svedberg nicht mehr dabei ist. So grausam. Doch soviel wie wie schon über Wallander wissen, jetzt erfahren wir erst mal was Svedberg so getrieben hat. Dessen Leben war noch trauriger als es von unserem Kurt ist.Jedenfalls für mich hat dieser Krimi 100°. Das sind meine Erwartungen an einem Krimi.
Alex zu »Henning Mankell: Mittsommermord« 24.08.2009
Ohne langes Geschwafel: Eines der besten Bücher überhaupt!

Allerdings sollte man mindestens 2 Vorgänger-Bücher gelesen haben, um sich besser in Wallanders emotionale Lage versetzen zu können (ich war auch irgendwie traurig über Svedbergs geblühmte Bettwäsche).

Allerdings frage ich mich, wie zwei Verfilmungen dieses richtig guten Lesestoffs (von SVT und BBC) das Ende so total verhunzen konnten. Dabei war Kenneth Branagh doch auf einem so guten Weg, immer exakt am Buch entlang... schade
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
XorD zu »Henning Mankell: Mittsommermord« 16.07.2009
Mein erster, aber sicherlich nicht letzter Wallander!
Zwar ist das Erzähltempo nicht sonderlich hoch, aber Mankell schafft es trotzdem eine angenehme Spannung aufzubauen.
Einzig das Finale hat mich nicht sonderlich überzeugt. Das hätte ein wenig mehr Spannung vertragen können.
Trotzdem...

Lesenswert!
90°
ann-e zu »Henning Mankell: Mittsommermord« 26.05.2009
Für mich auch der beste Wallander! Absolut nichts für schwache Nerven! Wirklich sehr spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Durch den schockierenden Beginn wird man sofort gefesselt und von der Handlung in Beschlag genommen. Durch die ständige, unheimliche Präsenz des Täters wird eine erdrückende Athmosphäre geschaffen, die am Ende in einem Hollywood-reifen show-down gipfelt.
Biscuter zu »Henning Mankell: Mittsommermord« 07.03.2009
Mittsommermord war für mich der beste Wallander von allen.
Von Anfang bis zum Ende fesselnd und außerdem noch besonders schockierend aufgrund des Mordes an einem langjährigen Kollegen, den man ja selbst schon "gut kannte".
Das war übrigens bis jetzt der einzige Krimi, den ich zweimal gelesen habe. 96°.
ChimChim zu »Henning Mankell: Mittsommermord« 29.01.2009
Eines der besten Bücher aus der Wallander reihe! Brilliant geschrieben und eine sehr, sehr spannende Atmosphäre. Auch kein stück zu langatmig wie ich finde, die spannung hält sich sehr konstant und am Ende des Buches gibts natürlich noch den großen "showdown" ;) Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat sollte dies schnell nachholen! Meine Wertung: 90%
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Emamju zu »Henning Mankell: Mittsommermord« 30.12.2008
Meine Erwartungen an das Buch waren hoch (kein Wunder bei alle den positiven Kritiken). Erfüllt wurden sie leider nicht.

Spannung gab´s nur scheibchenweise.

Für´s Ende hat der Auto für meinen Geschmack etwas zu tief in die Mottenkiste gegriffen.

Im großen und Ganzen fühlte ich mich nicht nennenswert gut unterhalten.
Deshalb bleibt dies bleibt mein letzter Wallender-Krimi. Schade.
Brigitte Kaufmann zu »Henning Mankell: Mittsommermord« 24.10.2008
Etwa vier Fünftel des Buches habe ich mit großer Spannung und großem Interesse gelesen. Dann allerdings , als das Motiv des Täters immer mehr in den Mittelpunkt gerückt wurde,hatte ich das Gefühl, Mankell hat sich da in etwas verstiegen. Sorry, aber das Motiv fand ich nicht überzeugend, um nicht zu sagen, ein wenig an den Haaren herbei gezogen
pescheg zu »Henning Mankell: Mittsommermord« 27.08.2008
«Mittsommermord» ist meiner Ansicht nach der Höhepunkt in der Wallander-Reihe von Henning Mankell. Das Buch verbreitet eine drückende Stimmung, der man sich nicht entziehen kann. Brillant geschrieben und versehen mit einem unerbittlichen Handlungsablauf produziert der Roman einen Sog, wie man ihn nicht oft erlebt. Immer wieder möchte man laut «Halt!» rufen und die Geschichte auf die richtige Bahn zurückbringen, aber machtlos muss man den Ereignissen (und den zahlreichen Fehlschlägen des Ermittlerteams) folgen.

Nur selten passiert es mir, dass ich einerseits möglichst schnell lese, um das Ende der Geschichte zu erfahren, und mir andererseits möglichst viel Zeit lassen möchte, um mich noch lange nicht vom Buch trennen zu müssen. Mit «Mittsommermord» hat mich Henning Mankell in diese angenehm unangenehme Situation versetzt.

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