Die weiße Löwin von Henning Mankell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1993 unter dem Titel Den vita lejoninnan, deutsche Ausgabe erstmals 1995 . 538 Seiten. ISBN-10: 3-552-05188-0, ISBN-13: 978-3-552-05188-1. Übersetzt von Erik Gloßmann.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Schonen / Ystad & Südafrika, 1990 - heute.
Folge 3 der Kurt-Wallander-Serie.

'Die weiße Löwin' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Kommissar Wallander steht vor dem kompliziertesten Fall seiner Karriere. Alles beginnt mit dem Verschwinden einer schwedischen Immobilienmaklerin – doch schon bald weisen immer mehr Details auf ein teuflisches Komplott von internationalen Dimensionen hin. Als es Wallander schließlich gelingt, die Details zu einem Bild zusammen zu führen, weiß er, dass es nicht mehr um das Wohl einzelner geht, sondern das Schickschal von Hunderttausenden auf dem Spiel steht …

Das meint Krimi-Couch.de: »Als Wallander einem Nelson M. helfen konnte« 74°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Der dritte Fall des schwedischen Superstars unter den Romankommissaren verbindet, sicherlich ganz zum Entzücken seines schriftstellerischen Schöpfers Henning Mankell, die Polizeiarbeit in Südschweden mit der politischen und gesellschaftlichen Situation Südafrikas unmittelbar bevor die Apartheid-Politik der burischen Minderheit beendet wurde und Nelson Mandelas ANC die Regierungsmacht im Land übernahm. Sicherlich eine Gratwanderung, zwei schon rein örtlich weit voneinander entfernt liegende Handlungen zu verknüpfen, aber das weiß Mankell in diesem Falle gut zu lösen.

Ein russisches Funkgerät, eine südafrikanische Pistole und ein dunkelhäutiger Finger

Immobilienmaklerin Louise Akerblom will am späten Freitag Nachmittag noch schnell ein Häuschen auf dem Land besichtigen bevor sie nach Hause fährt. Aber sie verfährt sich und will an einem anderen einsamen Hof nach dem Weg fragen. Leider ist sie hier nicht gerade willkommen und wird darum erschossen. Nachdem das Wochenende rum ist, meldet ihr Mann sie als vermisst – ein Fall für Wallander. Bei der Spurensuche fliegt plötzlich ein Haus in die Luft und man findet neben einem russischen Funkgerät auch eine südafrikanische Pistole und den Finger eines dunkelhäutigen Mannes. Schnell kommt es Wallander in den Sinn, dass das was mit dem Verschwinden der jungen Frau zu tun haben kann.

Rückblende und Ortswechsel. In Südafrika sind Teile der weißen Minderheit unzufrieden mit der Anti-Apartheid Politik von Präsident de Klerk. Sie wollen einen Bürgerkrieg herauf beschwören, damit die Buren weiterhin politische Macht und Kontrolle im Land behalten. Am besten scheint es ihnen geeignet, wenn ein Schwarzer den Hoffnungsträger Nelson Mandela ermordet. Also werben sie einen russischen Ex-KGB-Agenten an, um in Schweden, einem Land, das keinerlei diplomatische Beziehungen zu Südafrika unterhält, einen Berufskiller auf Herz und Nieren zu prüfen und mit einem neuen Gewehr zu trainieren. Auf geheimen Wegen wird der Mann nach Schweden eingeschleust. Aber das Versteck droht aufzufliegen, als eines Tages eine Frau auf dem einsamen Hof nach dem Weg fragen will.

Es geht um nichts Großes – nur einen Mord und den Weltfrieden

So verknüpft sich die Nachforschungsarbeit des Kommissars mit dem Weltfrieden. Killer und Ausbilder zerstreiten sich, Killer flüchtet nach Stockholm. Louises Leiche wird gefunden, Ausbilder tötet bei Banküberfall in Stockholm Polizisten. Wallander muss nach Stockholm und kommt so auf die Spur des Russen, zieht gleichzeitig aber auch seine Tochter in den Dunst des Gefahrenkreises. Der Russe will nämlich plötzlich nicht nur den südafrikanischen Killer, sondern auch den Ystader Polizisten eliminieren.

Über knapp 350 Seiten bietet Mankell alles, was es für einen richtig guten Krimi benötigt. Einen rätselhaften, spannenden Fall, dazu sein überragender Erzählstil und die bis ins letzte Detail authentisch wirkenden Charaktere. Er betont Kleinigkeiten, die die Polizeiarbeit beeinflussen, wie beispielsweise die rätselhaften Handschellen aus der Schreibtischschublade der sonst so tugendhaften Ermordeten. Und er bietet den Lesern die gesellschaftlichen Hintergründe Südafrikas, die Einsicht in das Herrschaftsdenken der Südafrikanischen Buren bringt. Und dann wird alles plötzlich ganz sonderbar.

Komplott gegen Mandela

Dem ansonsten so perfekten Russen will plötzlich gar nichts mehr gelingen. All seine Anschläge gegen den Killer und auch gegen Wallander schlagen fehl. Wallander selber macht Alleingänge und verstößt gegen Dienstvorschriften wo er nur kann, so dass er zwar öffentlich als geistig verwirrt hingestellt wird, aber noch immer weit von einer Suspendierung entfernt ist. Und erst etliche Tage nachdem Wallander von dem Mordkomplott gegen Mandela erfährt, hält er es für nötig, die südafrikanische Polizei über Interpol zu informieren. Das dann bei der Übertragung des Faxes auch noch ein Fehler passiert, ist da nur noch die Spitze des Eisbergs.

Über die Qualitäten Mankells als Autor bedarf es keines Streits. Die Gesellschaftskritik (an Schweden und Südafrika) tritt hier sogar deutlicher in den Brennpunkt des Interesses als bei den beiden Vorgängern. Aber aus irgendeinem Grund holpert der Plot plötzlich. Und was fast noch schlimmer ist, das Geschehen wird vorhersehbar. Den Guten spielt das Schicksal in die Hand, den Bösen legt es Steine in den Weg. Wie das nun mal so ist.

Empfehlenswert mit Einschränkungen

Lesenswert ist das Buch allemal. Empfehlenswert aber nur mit Einschränkungen. Größeren Gefallen werden wohl nur die absoluten Fans des schwedischen Kommissars und Leser, die sich für Südafrika allgemein interessieren, an diesem Roman finden. Neutral betrachtet ein zu zwei Dritteln guter und einem Drittel unterdurchschnittlicher Krimi.

Ihre Meinung zu »Henning Mankell: Die weiße Löwin«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Leselöwe zu »Henning Mankell: Die weiße Löwin« 03.01.2010
Die Einstellung zu Personen, Organisationen, Taten in jedem Kapitel ändern; Gedanken nachvollziehen, kritisieren, verändern um eine eigene Lösung des "Rätsels" zu finden; für jede Figur Sympathie entwickeln, das alles sind Gründe, die den Krimi "Die weiße Löwin" von Henning Mankell zu einer, meiner Ansicht nach, genialen Story machen. Auch wenn es sich zu Beginn als sehr zäh erweist, an Informationen zu gelangen, kann man an diesen Stellen Zusammenhänge erstellen und Gedanken in Lösungen wandeln, sodass es nie zu Langeweile kommt. Alles in Allem will ich sagen, dass dieses Buch für Viele, egal ob Leseratte oder nicht, ein interessantes Buch ist, das zum rätseln einlädt.
Dr.Dieter Rohnfelder zu »Henning Mankell: Die weiße Löwin« 04.09.2009
Anders als Lisa 87 halte ich "Die weiße Löwin" für den besten Krimi von Henning Mankell. Mir gefällt gerade die komplexe Story mit den Szenenwechseln zwischen Schweden und Südafrika und den vielen handelnden Personen. Der "südafrikanische Teil" ist insgesamt wichtiger; daher handelt es sich nicht um einen typischen Wallander-Krimi. Anders als der Rezensent von Krimi-Couch.de kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen (90 Grad). Man sollte es allerdings schnell lesen (z.B. im Urlaub), damit man wegen der vielen Personen nicht "den Faden verliert".
LotteLiest zu »Henning Mankell: Die weiße Löwin« 04.06.2009
ach ja, das wichtigste habe ich fast vergessen:

ich weiß nicht, ob es überhaupt schon einmal passiert ist - und wenn, dann ist das sehr lange her - aber:

es gab eine Szene, bei der ich tatsächlich Herzklopfen hatte... das Buch schafft es also meiner Meinung nach, Spannung aufzubauen und den Leser mitfiebern zu lassen...
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
LotteLiest zu »Henning Mankell: Die weiße Löwin« 04.06.2009
Das war jetzt der Dritte Streich, d.h. der dritte Mankell, der zweite Wallander.

Schon beim ersten Wallander-Roman, den ich in die Hände bekam (Mittsommermord) fand ich Wallander einfach nur merkwürdig, denn seine gefühlsbetonte, sensible Art fand ich anfangs völlig unpassend.

Fasziniert hat mich an diesem Buch der deutlich erkennbare klassische Szenenaufbau: Auf eine Frage folgt die Suche nach der Lösung, die scheinbar klar vor Augen liegt und dann doch oft völlig anders aussieht und ein neues Problem aufwirft.

Die Verbindung zwischen realen und fiktiven Persönlichkeiten fand ich sehr spannend.

Mankell verwendet hier viel Zeit für die Darstellung seiner handelnden Personen - und das sind in diesem Buch eine ganze Menge.

Gefallen hat mir die logische Denkweise aller Polizisten, die Indizien und Beweise in viele Richtungen interpretierten. Skeptisch war ich, wenn sie aus 3 Hinweisen genau die richtigen Schlüsse zogen und ganze Handlungsstränge erraten konnten. Das erinnerte an Mac Gyver, der aus einem Knopf, einer Hutschachtel und einem Bindfaden ein Flugzeug baut.

Wenn Wallander sich auf seine Intuition verlässt, wirkte es auf mich häufig, als wäre dem Auto einfach keine logische Erklärung eingefallen.

Doch alles in allem hat es mir gefallen.
Berliner zu »Henning Mankell: Die weiße Löwin« 04.12.2008
Also, ich findes "Die weiße Löwin" ist ein herausragend wunderbares Buch, es ist spannend, politisch, sozialkritisch und lehrreich. ich bin begeistert. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Warscheinlich müssen einige der jüngeren Leser, die hier rummaulen noch ein bisschen älter werden, um gute Literatur zu schätzen wissen!!!
WelpeMax zu »Henning Mankell: Die weiße Löwin« 26.07.2008
Haben es manche Schüler gut, hätte als Lektüre lieber "Die weiße Löwin" gelesen als Hermann Hesse und Co ... der Roman ist spannend geschrieben und gibt mehr denn je Mankells Erfahrungen von Afrika wieder. Liest schon toll, aber vom Thema her ist es auch etwas anstrengender, deswegen aus persönlicher Sicht Abzügen 80°
0 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jossen zu »Henning Mankell: Die weiße Löwin« 25.06.2008
Es wurde schon viel wichtiges und richtiges über diesen Roman geschrieben. Es stimmt, dass er zäh ist, ich hab mich echt schwer getan durchzuhalten, es stimmt auch, dass viele Zufälle im Spiel waren und naja der Südafrika-Teil ist einfach nicht so gelungen meiner Meinung nach. Jedoch sollte man wegen diesem Buch Mankell nicht verurteilen, ich hab schon 2 andere davor von ihm gelesen, "Die Hunde von Riga" und "Mittsommermord" welche mich umwarfen vor Begeisterung, jetzt les ich "Die fünfte Frau" und auch sehr spannend! Also mein Fazit: auch wenn "Die Weiße Löwin" echt zäh ist und sollte man sich noch an "Mittsommer" machen, da erfährt man Mankells Stärke.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
schüler einer htl zu »Henning Mankell: Die weiße Löwin« 17.06.2008
..naja ist eigentlich nicht soo extrem wie es uns unser deutschlehreer immer einreden will.

ich finde das es viel zu langweilig geschrieben ist, und und manche bedeutungslosen Handlungen müssten auch nicht so genau beschrieben werden!.. und der ganze teil der in afrika spielt ist wirklich zu lang.

naja i würde mir halt wünschen dass unser herr professor die nächst lektüre auch nach unserem geschmack aussucht!..
=]
Lisa1987 zu »Henning Mankell: Die weiße Löwin« 25.04.2008
Meiner Meinung nach war "Die Weiße Löwin" das mit großem Abstand schlechteste Buch der Wallander-Reihe.
Ich habe noch nie solange an einem Krimi von Wallander gesessen und musste mich wirklich quälen zum Ende zu kommen. Von Anfang an wird keine Spannung aufgebaut. Nach etwa 100 Seiten passiert eigentlich gar nichts mehr...
Die Lösung des eigentlich Falles liegt irgendwo in der Mitte des Buches, was danach folgt, hätte Herr Mankell sich auch sparen können.
anonymus zu »Henning Mankell: Die weiße Löwin« 06.04.2008
"Die weiße Löwin" von Henning Mankell war der erste Krimi den ich von seinen Büchern in die Hände bekam.

Ich konnte von Beginn an keine wirkliche Spannung in der Handlung verspüren, da alles sehr gewöhnlich von statten ging.
Außerdem war das ende des Romans sehr stark abzusehen, wenn man sich wirklich mit Nelson Mandela auskennt, weiß man auch das dieser nicht bei den im buch geplanten attentaten sterben wird.

Zu der Schreibweise muss ich sagen, dass es mir sehr gefiel wenn die Gesten in einem Gesprach direkt gedeutet werden, da man die Non-verbale Kommunikation nur durch die Beschreibung alleine schwierig deuten kann.

Letztendlich muss ich in vielen Punkten "krimilesen" zustimmen, denn ich find auch, dass der Handlungsablauf sehr trist verläuft.

Abschließend kann ich sagen, dass ich wohl kein weiteres Buch von Mankell in die Hände nehmen werde.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 57.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Die weiße Löwin

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: