King of Pain von Helge Thielking

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 bei Aufbau.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg & USA / Kalifornien, 1990 - 2009.

  • Berlin: Aufbau, 2002. ISBN: 3-7466-1803-7. 357 Seiten.

'King of Pain' ist erschienen als

In Kürze:

In Hamburg als Adoptivkind aufgewachsen, begibt sich der 23jaehrige Medizinstudent Nick Michaelsen auf die Suche nach seiner leiblichen Mutter. Ominoese Spuren fuehren ihn nach Kalifornien. Dort ermittelt die Polizei im Umfeld einer Serie von bestialischen Frauenmorden, die zeitgleich mit Nicks Ankunft einsetzt. Der Moerder hinterlaesst jedesmal eine Kassette mit einer Strophe des Sting-Songs »King of Pain«. Kaum hat Nick seine Mutter aufgespuert, geraet sie auch schon unter Mordverdacht.

Das meint Krimi-Couch.de: »Den King im Titel, den King im Namen« 80°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Kriminalromane gibt es zu Tausenden. Sehr beliebt sind Kriminalromane, in denen es um Serienmörder geht. Da hat man es als Neuling in Sachen Krimischreiber natürlich schwer, wenn man nicht in der Masse versinken will. Es sei denn, man wählt als Aufhänger ein Thema, das noch nicht so ausgelutscht ist. So wie es Helge Thielking in seinem Debütroman mit dem Thema Adoption getan hat. Das Titelbild lässt zwar nicht nur von der Farbe her einen Krimi aus dem Rotlichtmilieu erwarten, doch ist dies keineswegs so.

Das Buch beginnt mit zwei von Ort und Thema her völlig unterschiedlichen Handlungssträngen. Und jeder der beiden Stränge besitzt einen eigenen Protagonisten.

Der »Krimiteil« startet in Kalifornien in einer fiktiven Küstenstadt namens Cypress Cove. Als Protagonistin fungiert hier Tyra Pearson, Detective bei der Mordkommission; eine junge alleinstehende burschikos wirkende Farbige, die nicht nur Probleme mit ihrer Schwester, die bei ihr im Haus wohnt, hat, sondern auch mit ihrem Kollegen Kyle Eastcott, der jede Gelegenheit nutzt, um Tyra einen reinzuwürgen, um ihr die bald zu erwartende Beförderung zu seinen eigenen Gunsten streitig zu machen. Beide bearbeiten zusammen einen bestialischen Mord an einer Frau, die grausam mißhandelt wurde, bevor sie getötet wurde. Quasi als Visitenkarte hinterließ der Mörder eine Kassette, die in endloser Wiedergabe die erste Strophe des Songs »King of Pain« von Police spielte. Sollte dies erst der Beginn einer Mordserie sein?

Tausende Kilometer davon entfernt spielt der zweite Handlungsstrang in Hamburg, wo Nick Michaelsen lebt. Er ist 23 Jahre alt und studiert Medizin, obwohl er sich eigentlich schon darüber im Klaren ist, dass das eigentlich gar nichts für ihn ist. Nick wurde als Baby adoptiert. Seine Eltern waren immer liebevoll und fürsorglich, so daß er sich eigentlich kaum Gedanken um seine Erzeuger gemacht hat. Doch jetzt auf einmal bricht es aus ihm heraus und nach einem Alkoholexzess beschließt er, sich auf die Suche zu machen. Hilfe erhält er dabei von seiner Mutter, die ihm eine Mappe mit den Unterlagen seiner Adoption hinterlässt sowie von Hedwig Ketenburg von der Adoptionsstelle. Doch außer dem Namen seiner Mutter, Angela Bartels, bringen seine Nachforschungen nicht viel ein. Einen Vater gibt es nicht und diese Frau Bartels ist unauffindbar.

Beide Protagonisten werden sehr detailliert dargestellt und sind recht schnell greifbare Figuren in der Phantasie des Lesers. Leider hat der Autor nicht ganz soviel Wert auf die Nebendarsteller gelegt. So hätten zum Beispiel die Kollegen von Tyra noch ein wenig besser herausgearbeitet werden können. Sie wirken für mich ebenso farblos wie auch ein paar Charaktere, mit denen Nick zu tun hat. Andere wie Nicks Freund Olli werden etwas genauer eingeführt, um dann anschließend überhaupt nicht mehr aufzutauchen.

Die Handlung wird streng chronologisch erzählt, das aktuelle Datum den Kapiteln vorangestellt. Der Leser verfolgt nun das Geschehen wechselweise, fast kapitelweise werden dabei die Schauplätze gewechselt. Merkwürdigerweise war dabei für mich die Handlung in Deutschland wesentlich fesselnder als die in Kalifornien, wo doch mehr passierte. Doch lag dies vermutlich daran, dass die Geschichte um Nick übersichtlicher geschildert wird, während sich auf der anderen Seite schon viel Komplexeres entwickelt. Sehr gut dargestellt wird die Lebensweise in Kalifornien und auch die Landschaft. Kein Wunder, denn der Autor hab selber einige Zeit dort gelebt und kann aus eigener Erfahrung schreiben.

Die Schreibweise von Thielking ist sehr angenehm, oft mit beschreibenden Adjektiven – auch wenn ich mir unter einem fragilen Blau nicht viel vorstellen kann -, doch nicht zu ausschweifend. An den Dialogen erkennt man, dass sich der Schriftsteller selber noch im Alter seiner Charaktere befindet. Diese wirken echt, nicht gestelzt und auch nicht plump.

Etwa ein Drittel des 358 Seiten langen Romans muß vergehen, bis Thielking seine beiden Handlungsstränge sehr geschickt langsam zu verschmelzen beginnt. Ich verrate erfahrenen Lesern sicher nicht zuviel damit, dass die Spur von Angela Bartels Nick geradewegs nach Kalifornien und sehr schnell auch nach Cypress Cove führt. Dort lernt Nick die Stundentin Yva kennen, die nebenbei für eine Zeitung schreibt und sich mit dem Mord befasst. Schon recht bald knistert es zwischen den beiden.

Etwa gleichzeitig mit Nicks Eintreffen schlägt der Mörder ein zweites Mal bestialisch zu und hinterlässt eine Kassette mit der zweiten Strophe von »King of Pain«. Die Polizei tappt weiterhin absolut im Dunklen. Das Treffen zwischen Nick und Angela Bartels kommt zwar nicht zustande, das wäre auch zu einfach gewesen, doch führen deren Spuren Nick in eine psychiatrische Anstalt: Dort wurde seine Mutter, die sich jetzt Barbara Freeman nennt, eingeliefert, nachdem sie in einem Geschäft randalierte und dabei zwei Frauen mit einer Eisenstange schwer verletzte. Als die Mordkommission auf diesen Fall aufmerksam wird, gerät nicht nur Barbara Freeman, sondern auch Nick in den Sog des Verbrechens und in Verdacht.

Nun wird die Handlung immer rasanter und so fesselnd, dass es in der zweiten Romanhälfte kaum noch möglich ist, das Buch beiseite zu legen. »King of Pain« ist kein Krimi zum Mitraten, doch einer zum Mitfiebern. Es werden keine Verdächtigen und keine Motive konstruiert, sondern Spuren zu – wie der Leser, aber nicht die Polizei weiß – Unschuldigen gelegt, aus deren Verstrickungen sich diese nur durch Aufdecken des wirklichen Täters lösen können. Drei Tage umfasst die Vorgeschichte der getrennten Handlungsstränge, gerade mal eine Woche Nicks Abenteuer in Cypress Cove.

Doch Halt: etwas zum Mitraten gibt es schon. Thielking tut seine Liebe zur Musik nicht nur durch die Verwendung des Police-Songs als Titel, sondern auch durch ein kleines Spiel zwischen seinen Figuren Nick und Yva kund. Gegenseitig zitieren sie Textstellen aus bekannten Pop-Songs und der jeweils andere muß den Titel erraten. Obwohl ich selbst keinen Song aus dem Kopf zitieren könnte, habe ich doch auch ein paar davon erkannt. Ein einfaches Beispiel gefällig? There´s a lady who´s sure that all that glitters is gold …

Das Thema Adoption wurde sehr gut begonnen. Die Frage nach den Gründen beschäftigt den Protagonisten ebenso wie das Problem, ob eine engere Beziehnung zu seiner wirklichen Mutter möglich ist. Welche Eigenschaften sind vererbt und welche anerzogen? Leider wurde die weitergehende Vertiefung gegen Ende hin zu Gunsten der Spannung etwas vernachlässigt.

Die Auflösung wirkt zwar etwas konstruiert, doch sieht man angesichts ihrer Originalität und des furiosen Finales gerne darüber hinweg.

Den King im Titel, den King im Namen. Ob er selber mal einer werden kann, das muß die Zukunft zeigen. Ein guter Anfang zumindest ist schon mal gemacht. Nur kleinere Schwächen verhindern eine Spitzenwertung.

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Tamara Strack zu »Helge Thielking: King of Pain« 12.04.2004
Eines der besten Erstlingswerke die ich je gelesen habe. Helge Thielking hat das Zeug ein ganz großer zu werden.....
Ingrida zu »Helge Thielking: King of Pain« 12.10.2002
Dieser King of pain-Fall ist ein klassischer Thriller, der dennoch sensibel die Brutalität der Mordfälle, die erlebte Gewalt und Angst darstellt. Die Spannung hält bis zur letzten Seite und fesselt auch ohne Spezialmusikkenntnisse durch den eindeutigen Sprachstil reifere Lesegenerationen. Wenn der erste Roman aus Frust entstand sollten möglichst bald weitere aus "Demotivation" folgen.
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