Der zweite Mord von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1999
unter dem Titel Nattrond,
deutsche Ausgabe erstmals 2001
bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Göteborg, 1990 - 2009.
- Göteborg: Anamma, 1999 unter dem Titel Nattrond. 287 Seiten.
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München: btb, 2001.
Übersetzt von Holger Wolandt.
ISBN:
3-442-72624-7. 382 Seiten. -
München: Goldmann, 2003.
Übersetzt von Holger Wolandt.
ISBN:
3-442-73187-9. 382 Seiten. -
München: btb, 2004.
Übersetzt von Holger Wolandt.
ISBN:
3-442-73246-8. 382 Seiten.
'Der zweite Mord' ist erschienen als
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In Kürze:
Göteborg, in einer kalten Februarnacht: In der Löwander-Klinik schrillen die Alarmglocken, ein Stromausfall legt die gesamte Infrastruktur lahm. Doch es kommt noch schlimmer – ein Patient ist tot, die Pflegerin, die bei ihm Wache halten sollte, liegt ermordert über dem Stromaggregat, und ihre junge Kollegin scheint wie vom Erdboden verschluckt …
Ich sitze um 5.00 Uhr morgens in der U-Bahn, es ist noch dunkel. Grauen erfaßt mich angesichts der Atmosphäre, die ich gerade durch das Lesen der ersten Seiten des Romans »Der zweite Mord« heraufbeschworen habe. Und jetzt muß ich auch noch einen um diese Zeit noch verlassenen Weg nehmen, um zu meinem Ziel zu kommen. Es konnte nicht schnell genug gehen, immer wieder habe ich mich umgeschaut …Auch jetzt beim Schreiben prickelt die Gänsehaut wieder.
Was mich so umgehauen hat, war die Eingangsszene: Stromausfall in der privaten Löwander-Klinik in Stockholm, auch das Notstromaggregat springt nicht an. Sverker Löwander, Chefarzt und Besitzer der Klinik, eilt zur Intensivstation, wo Schwester Marianne bei einem Patienten wachen sollte, doch sie ist nicht aufzufinden. Das Beatmungsgerät hat seinen Dienst aufgegeben, die Reanimatiosversuche haben keinen Erfolg, der Patient ist tot. Warum hat die Schwester ihren Platz verlassen? Die Lösung ist bald gefunden: Sie liegt tot im Keller auf dem Notstromaggregat. Das Team von Kriminalinspektor Andersson nimmt die Ermittlungen auf. Die zweite Schwester, die in dieser Nacht Dienst hatte, hat eine Gestalt gesehen, die wie Schwester Tekla aussah. Doch Schwester Tekla hat sich vor fünfzig Jahren auf dem Dachboden der Löwander-Klinik erhängt und geht seitdem als Gespenst in der Klinik um.
Es ist schon klar, ein Gespenst kann den Mord nicht begangen haben. Kriminalinspektorin Irene Huss und ihre Kollegen machen sich Sorgen, als noch eine zweite Krankenschwester verschwindet. In der Zeitung erscheint ein Artikel, in dem berichtet wird, dass eine verwirrte Obdachlose das Gespenst ebenfalls gesehen hat. Kurz darauf wird der Schuppen angezündet, in dem Mama Vogel (so nannte sich diese) hauste und ihre Leiche wird nach langer Suche ebenfalls gefunden. Die Lage spitzt sich zu, nicht nur für die erste Zeugin, sondern auch für die anderen Krankenschwestern. Wo ist Schwester Linda und warum wird ihr Fahrrad bei der Leiche der Stadtstreicherin gefunden?
»Der zweite Mord« ist auch der zweite Roman, den ich von Helene Tursten gelesen habe. Was mich an ihrem Erstling Der Novembermörder gestört hatte, ist die Detailvernarrtheit der Autorin. Diese hat sie auch hier wieder an den Tag gelegt, allerdings in geringerem Maße. Oder sollte ich mich schon daran gewöhnt haben? Wieder und wieder begleitet man die Sitzungen der Kriminalpolizei, das Trinken von unendlich vielen Tassen Kaffee und das Bestellen der Pizza; der Schrank ist von IKEA, die Uhr hat jemand in einem Preisausschreiben gewonnen. So what? Wenn sie damit Detailtreue erzeugen will, so übertreibt sie meines Erachtens ein wenig. Man kann jedoch gut darüber hinweglesen, denn der Stil ist trotzdem nicht allzu blumig, ansonsten genau die richtige Mischung.
Zweiter kleiner Nachteil: die Geschichte beginnt stark, aber das Ende ist schwach. Die Auflösung ergibt sich ohne Knalleffekt, langsam wird der Leser auf die Spur des Täters geführt und der Kreis der Verdächtigen eingeengt. Trotzdem, ich fand die Geschichte an sich spannend und die Lösung zeichnet sich nicht zu früh ab. Ein großes Plus also für das Potenzial der Story und die Idee, allerdings nicht für das Ende. Wie ich jedoch schon erwähnte, die Atmosphäre nahm mich trotzdem total gefangen.
Dritter kleiner Nachteil: die Nebenstory, die nach dem gleichen Strickmuster wie im ersten Roman eingebaut ist, ist ein wenig flach. War es damals die Tochter, die in rechtsradikale Kreise abgerutscht ist, so ist sie nun davon geheilt, schließt sich jedoch einer radikalen Gruppe von Veganern an, die einen Anschlag auf einen Kühllaster verüben. Soll das die übliche Sozialkritik sein oder deckt diesen Part eher das beschriebene Mobbing unter den Polizeikollegen ab? Egal, beides nimmt nicht allzuviel Platz ein und drängt sich nicht unangenehm in den Vordergrund.
Die Protagonistin Irene Huss ist mir nach wie vor sympathisch: Trägerin des schwarzen Jiu-Jitsu-Gürtels, Mutter zweier Töchter (Zwillinge), versucht ihr Leben zwischen Polizeiarbeit und Haushalt in den Griff zu bekommen, was aber nicht immer gelingt. Ihr Mann hat seinen Job als Koch zunächst auf Teilzeitbasis ausgeübt, hat aber nun seine Stundenzahl aufgestockt, was den Alltag nicht gerade erleichtert. Man lernt nicht nur Irene, sondern auch ihre Familie sehr gut kennen und kann sich mit ihren Problemen identifizieren.
Alle drei erwähnten Nachteile haben meine Leselust bei diesem Roman wirklich nur geringfügig getrübt und ich hoffe, ich habe sie hier nicht allzusehr in den Vordergrund gestellt. Als (zukünftiger) Leser sollte man jedoch wissen, auf was man sich einläßt und sich nicht an diesen Kleinigkeiten stören. »Der zweite Mord« hat mir besser gefallen als der Vorgängerroman, was sicherlich auch der packenden Geschichte zu verdanken ist.
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| kokoni zu »Helene Tursten: Der zweite Mord« | 09.08.2008 |
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| Hasenmaile zu »Helene Tursten: Der zweite Mord« | 16.12.2006 |
| Fee zu »Helene Tursten: Der zweite Mord« | 06.07.2006 |
| Jens zu »Helene Tursten: Der zweite Mord« | 10.01.2006 |
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| Birgit zu »Helene Tursten: Der zweite Mord« | 26.03.2004 |
| marcel schalkowswki zu »Helene Tursten: Der zweite Mord« | 28.03.2003 |



