Der erste Verdacht von Helene Tursten

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

deutsche Ausgabe erstmals 2004 .
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Göteborg, 1990 - heute.

  • : btb, 2005. Übersetzt von Holger Wolandt / Lotta Rüegger. 320 Seiten.

'Der erste Verdacht' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Mord aus Leidenschaft oder eiskaltes Verbrechen? Die Göteborger Polizei stochert im Nebel. Als der fünfzigjährige Hotel- und Restaurantbesitzer Kjell B. Ceder in seiner luxuriösen Villa in den Schären tot aufgefunden wird – niedergestreckt mit zwei Schüssen aus einer kleinkalibrigen Waffe – fällt der Verdacht sofort auf seine wesentlich jüngere Frau Sanna. Sie lebt von ihm getrennt und scheint mehr als genug Gründe zu haben, ihm die Pest an den Hals zu wünschen. Dann sterben zwei Geschäftsleute auf ähnliche Weise wie Ceder – einer von ihnen hatte früher beruflich mit Sanna zu tun, verscherbelte gemeinsam mit ihr Luxusgüter über das Internet. Ist sie etwa ebenfalls in Gefahr? Oder ist sie viel raffinierter, als es den Anschein hat? Kriminalinspektorin Irene Huss nimmt gemeinsam mit ihrer neuen Kollegin Kajsa Birgersdotter die Ermittlungen auf – und stößt auf eine heiße Spur, die sie bis nach Paris führt. Dann wird auf einer Schäreninsel vor Göteborg die fast verweste Leiche eines Mannes gefunden, und die Karten scheinen völlig neu gemischt zu werden …

Das meint Krimi-Couch.de: »Die dot-com-Blase platzt« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Die Krimis von Helene Tursten sind dafür bekannt, dass mit Details nicht gegeizt wird. Wortreich lässt sie den Leser an den Abendessen, den Besprechungen und den Ermittlungen sowieso teilhaben. Was manches Mal ein wenig übertrieben wirkt, findet man auch in diesem Fall der Kriminalinspektorin Irene Huss vor, doch das Thema gibt es zur Abwechslung tatsächlich her. Sie schildert die Hintergründe der dot-com-Euphorie, die sich in den Neunziger Jahren in der westlichen Welt breit machte und Leute in großem Stil dazu verführte, ihr mühsam verdientes Geld in windige Geschäftsideen zu stecken, um am Ende den großen Reibach zu machen. Doch wie wir wissen, gab es mehr Verlierer als Gewinner bei diesem Spiel.

Augenscheinlich auf der Gewinner-Seite standen jedenfalls Sanna Kaegler-Ceder sowie ihre Kompagnons Philip Bermann und Thomas Bonetti. Bonetti ist allerdings gemeinsam mit einem Berg von Geld schon seit ein paar Jahren verschwunden, doch auch Sanna und Philip hatten zumindest ein paar Schäfchen im Trockenen. Die Glückssträhne ist definitiv zu Ende, als Sannas Ehemann Kjell Bengtsson-Ceder ermordet in seiner Luxusvilla aufgefunden wird – getötet durch zwei Kugeln aus einer kleinkalibrigen Waffe aus nächster Nähe. Ist es Zufall, dass unmittelbar danach auch Philip Berman und sein neuer Geschäftspartner Joachim Rothstaal ermordet werden, ebenfalls erschossen mit einer kleinkalibrigen Waffe? Die Spur führt nach Paris, wo Kriminalinspektorin Irene Huss und ihre Kollegin nur knapp mit dem Leben davonkommen.

Der Thymian in der Suppe

Helene Tursten hat sich mit diesem Buch an ein komplexes Thema herangewagt und diese Herausforderung gut gemeistert. Sie schildert die verzwickten Zusammenhänge von Internet-Investments sehr verständlich und hat diese mit der eigentlichen Handlung so verwoben, dass auch wirtschaftlich nicht vorgebildete Leser diese nachvollziehen können. Irene Huss wirft hier zudem einen Blick hinter die Kulissen der fiktiven High Society Göteborgs und muss erkennen, dass in der Welt der Reichen Freundschaft anscheinend nichts zählt und dass diese Leute eigentlich ein sehr armseliges Leben führen.

Natürlich bleibt Frau Tursten ihrem Stil treu und teilt ihren Lesern auch dieses Mal mit, dass z.B. die übliche Donnerstags-Kartoffelsuppe mit etwas zu wenig oder zuviel Thymian gewürzt war – ist das nicht egal? – und weitere kleinkarierte Dinge, die mir entfallen sind. Wer auch immer ein Buch von ihr gelesen hat, wird verstehen, was mit »detailreich« gemeint ist. Es ist nicht damit zu vergleichen, dass ein Autor seinen Figuren durch die Beschreibung ihres Umfelds Leben einhaucht, es geht wirklich darüber hinaus. Doch erstmalig nehmen die Details in der Geschichte nicht überhand bzw. verblassen ein wenig und das Privatleben der Ermittler wird nicht überbetont. Da kann man Dinge wie den Thymian in der Suppe leichter verzeihen. Insgesamt haben die Personen ihre Eigenheiten beibehalten und treten recht sympathisch an den Leser heran.

Nicht herausragend, aber gut

An Spannung lässt die Handlung nicht zu wünschen übrig und der Plot entwickelt sich gut. Die Autorin legt verschiedene Spuren und man ist ehrlich gespannt auf die Auflösung, auf die konsequent hingearbeitet wird. Diese ist zwar interessant, aber es irritierte mich die Tatsache, dass sie quasi von außen herbeigeführt wird. Die armen Inspektoren mühen sich ab und am Ende kommt das FBI in Person einer stattlichen Agentin, die auf Wirtschaftsdelikte spezialisiert ist, und sagt ihnen, wo es langgeht. Na gut, das Ganze allein zu lösen wäre vielleicht doch eine Nummer zu groß gewesen und es ist wahrscheinlich ein Zeichen von Realismus, dass nun mal Göteborger Polizisten nicht auf dem Klavier der großen weiten Welt spielen können und gegebenenfalls auch Hilfe anfordern müssen.

Die Übersetzung wirkt gegenüber "Die Tätowierung» etwas gefälliger, obwohl sie aus der gleichen Feder wie bei den anderen Büchern stammt, allerdings dieses Mal in Zusammenarbeit mit einer zweiten Person.

Helene Tursten hat mit «Der erste Verdacht" vielleicht die komplexeste Geschichte bisher aufgegriffen. Resultat war bzw. ist zwar kein herausragender, aber ein guter Krimi, der sich von ihren anderen Büchern abhebt. Ich möchte fast sagen, es ist der beste Krimi aus der Huss-Reihe.

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Killerbabe zu »Helene Tursten: Der erste Verdacht« 06.09.2008
Ich fand das Buch ok zum Weglesen.
Allerdings fand ich es verwirrend, zu verstehen,in welchem Verhältnis die ganzen erwähnten Personen zueinander stehen. Dies war mein erstes Buch von Helene Tursten. Ich werde mir jetzt wahrscheinlich "Der Novembermörder" anschaffen, mal schauen,wie mir das gefällt.
frank philipp zu »Helene Tursten: Der erste Verdacht« 18.05.2008
...mit dem Hinweis auf Mankells Linda Wallander stellt sich der Verlag hier wohl selbst ein Bein. An keiner Stelle kann Frau Tursten an die komplexen Persönlichkeiten Mankells anknüpfen und an seine Art zu schreiben schon gar nicht.
Satzgebilde wie: "Sie hatten Kerzen angezündet, die sich im schwach goldgelben Wein spiegelten" oder "Sie stießen an und befeuchteten mit dem kühlen Wein den Gaumen" sprechen für sich. Trivialliteratur kann man es auch nennen und Mankell sollte sich wehren auf dem Einband genannt zu werden.
Nur einen schwedischen Paß zu haben reicht nicht.
Marc zu »Helene Tursten: Der erste Verdacht« 14.08.2007
Ich fand das Buch nicht schlecht. Allerdings ist es nicht zu vergleichen mit den vorher erschienen Büchern. Zum lesen im Urlaub ist es aber ausreichend, wenn auch dass Ende etwas Hecktisch und so gar nicht zum Rest passend daher kommt.
wabu zu »Helene Tursten: Der erste Verdacht« 31.03.2007
Mich hat das Buch maßlos enttäuscht. Zuerst wurden Zusammenhänge konstruiert und viele mögliche Spuren verfolgt. Dabei wurden Namen und vorher geschilderte Abläufe verwechselt (evt. auch nur durch die Übersetzung). Und am Schluss wurde die Auflösung als Berichterstattung von einer anderen Ermittlerin präsentiert. Die vorherigen Bücher aus der Irene-Huss-Reihe empfand ich als viel spannender.
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girfro1 zu »Helene Tursten: Der erste Verdacht« 23.03.2007
Einigermaßen spannendes Buch zum schnellen Weglesen! In der Tat tummelten sich viele Personen in diesem Fall, was den Lesegenuss leicht einschränkte....aber sonst empfehlenswert!
Paul zu »Helene Tursten: Der erste Verdacht« 26.02.2007
Auch diese Folge der "Huss-Reihe" ist gefällig geschrieben und man empfindet Sympathie für die Damen und Herren der Polizei.
Den Fall allerdings fand ich nicht nur enttäuschend, sondern eine absolute Zumutung. Über hunderte Seiten werden veschiedene Spuren und Handlungsstränge aufgebaut, um dann auf den letzten 10 Seiten die hanebüchene Auflösung zu präsentieren.

Über das Ende habe ich mich wirklich geärgert!
RoSch zu »Helene Tursten: Der erste Verdacht« 09.02.2007
Ich habe das Buch - wie alle von H. Tursten - verschlungen.
Allerdings fand auch ich es durch die Menge an Personen, die alle zumindest in einem Bekanntschaftsverhältnis standen. Da ging es mir wie Mary Poppins.
Allerdings mag ich ansonsten ihre Art zu schreiben.
mein Fazit: gut, empfehlenswert.
Mary_Poppins zu »Helene Tursten: Der erste Verdacht« 15.01.2007
Mir waren zu viele Personen in den Fall verwickelt, irgendwann blickte ich nicht mehr duch, wer mit wem in welcher Beziehung stand. Deshalb war es für mich auch nicht spanennd. Einzig die Protagonistin konnte überzeugen.
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