Kein böser Traum von Harlan Coben

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Just one look, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Goldmann.

  • New York: Dutton, 2004 unter dem Titel Just one look. 370 Seiten.
  • München: Goldmann, 2006. Übersetzt von Christine Frauendorf-Mössel. ISBN: 978-3-442-46084-7. 416 Seiten.

'Kein böser Traum' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Grace Lawson will nur die Schnappschüsse vom letzten Familienausflug durchsehen, als plötzlich ihr ganzes bisheriges Leben aus den Fugen gerät. Denn ein Foto passt nicht zu den übrigen, es scheint vor ungefähr 20 Jahren aufgenommen worden zu sein und zeigt lauter Unbekannte – bis auf eine Person: ihren Ehemann Jack. Dann verschwindet Jack, und alle Spuren führen Grace an einen Ort, den sie nur aus ihren bösen Träumen kennt …

Leseprobe  

Das meint Krimi-Couch.de: »Nur ein Moment zwischen Idylle und Chaos« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Krimi-Couch-Volltreffer September 2006

Vor 15 Jahren fand Grace Lawsons Leben beinahe ein brutales Ende, als während eines Rockkonzerts plötzlich Schüsse fielen. Der ausbrechenden Panik fielen zahlreiche junge Menschen zum Opfer; Grace erlitt schwere Kopf- und Beinverletzungen, unter denen sie noch heute leidet. Immerhin traf sie auf einer ausgedehnten Genesungsreise, die sie nach Europa führte, ihren späteren Ehemann Jack, mit dem sie inzwischen zwei Kinder hat.

Jack spricht ungern über seine Vergangenheit, was Grace stets tolerierte. Doch nun findet sie in einem Stapel aktueller Urlaubsfotos eine alte Aufnahme, die einen sehr jungen Jack mit vier Männern und Frauen zeigt. Als Grace ihrem Gatten das Foto präsentiert, reagiert dieser erschreckt, begibt sich auf eine unverhoffte Dienstfahrt – und verschwindet spurlos.

Die Polizei nimmt an, dass er die Familie verlassen hat, was Grace weder glauben kann noch will. Einmal nur meldet sich Jack kurz telefonisch bei ihr, und sie merkt, dass er unter Druck mit ihr spricht. In der Tat befindet sich Jack in der Gewalt des Berufskillers Eric Wu, der ihn im Auftrag eines Unbekannten gekidnappt hat und gefangen hält.

Grace macht sich selbst auf die Suche nach ihrem Mann. Sie findet nur rudimentäre Spuren, denen sie folgen kann, doch sie verfügt über einen geheimen Trumpf: Grace ist befreundet mit Carl Vespa, einem gefürchteten Mafiosi, der vor anderthalb Jahrzehnten seinen einzigen Sohn bei besagtem Rockkonzert verlor. Vespa sagt Grace Unterstützung zu – und Personenschutz, denn inzwischen ist Wu auf die hartnäckige Verfolgerin aufmerksam geworden und plant sie sich vom Hals zu schaffen.

Wu ist indes nicht die einzige Gefahrenquelle. Ein undurchsichtiger Ex-Anwalt mischt sich ins Geschehen, Jacks zwielichtige Schwester mischt sich ein. Ein Komplott beginnt sich abzuzeichnen, in dem der verschwundene Jack und das verhängnisvolle Rockkonzert zentrale Rolle spielen. Jemand will nach vielen Jahren Rache – eine Rache, die nicht zwischen Tätern, Verdächtigen oder Unschuldigen differenziert, sondern bis zum bitteren Ende durchexerziert werden soll …

Der Versuch, den Wind zu fangen

Ein einziger Fehler kann nicht nur dein Leben zerstören, sondern auch das deiner Familie und deiner Freunde. Die Folgen werden noch gravierender, wenn du versuchst diesen Fehler zu vertuschen. Es wird nicht klappen, denn da gibt es stets Faktoren, die noch den perfektesten Plan zum Scheitern bringen. Dann muss »nachgebessert« werden: Neues Unrecht fügt sich zum alten, immer weiter werden die Kreise, die das Verderben zieht. Es entsteht ein Teufelskreis bzw. Sog, der Schuldige wie Unschuldige an sich reißt.

Mit ebenso perfekter wie perfider Präzision führt uns Harlan Coben die Mechanismen eines solchen Dramas vor. Nur ein Blick – auf das verhängnisvolle Foto nämlich – reicht aus, das perfekte Vorstadtleben einer US-amerikanischen Bilderbuchfamilie in einen Albtraum zu verwandeln. Natürlich ist dieses Foto nur der Auslöser – es bringt Bewegung in ein Geschehen, das tief in der Vergangenheit wurzelt und seither unbemerkt aber ungehindert weiterwuchert, bis es über denen, die es gepflanzt haben, zusammenbricht.

Was da geschehen ist bzw. geschieht, bleibt uns Lesern erfreulich lange unklar. Verfasser Coben erzählt wohl chronologisch stringent, doch er zerlegt seine Geschichte in einzelne Handlungsstränge, die er getrennt entwickelt. Irgendwann führt er sie zusammen, doch nie lüftet er dabei mehr als einen Zipfel des Geheimnisses, wobei er sogleich neue Falschfährten legt. Nichts ist so wie es scheint, niemand ist unverdächtig – wirklich niemand, denn mit einer wirklich gelungenen und unerwarteten Wendung überrascht uns Coben noch nach dem eigentlichen Finale, das die vielen Fragen nicht nur zufrieden stellend, sondern auch noch actionreich und überzeugend beantwortet.

Coben ist sicher kein Neuerer des Kriminalromans. Jede Szene, jede Figur ist selbst dem nicht so eifrigen Genrefreund bekannt. Entscheidend ist, was der Verfasser aus seinem Stoff macht. Coben hantiert virtuos mit den vielen Bällen, die er jongliert. Bewundernswert ist das sichere Gespür, mit der er aus einer Szene die größte Wirkung holt und präzise den »Absprung« zum nächsten Höhepunkt schafft. Nicht einmal den uralten Trick, eine Szene im spannendsten Moment erst einmal enden zu lassen, mag man ihm ankreiden, denn im Grunde endet jedes Kapitel als »Cliffhanger«.

Wie definiert sich »Gut« und »Böse«?

Ein männlicher Schriftsteller wählt als Hauptfigur eine Frau – das ist keine Entscheidung ohne Risiko. Vor allem in unseren politisch ach so korrekten Zeiten darf eine Frau wie Grace Lawson zwar Ehefrau und Mutter sein, muss aber gleichzeitig emanzipiert und selbstständig bleiben. Coben beugt sich dieser Forderung insofern, als er aus Grace eine erfolgreiche Kunstmalerin macht, ohne freilich auf dieser Tatsache unnötig herumzureiten. Das muss er auch gar nicht, denn es gelingt ihm mit Grace eine gelungene Frauenfigur, die den Anforderungen für einen Thriller wie »Kein böser Traum« entspricht.

Grace ist eine »gebrochene« Heldin, dies sogar im buchstäblichen Sinn, denn sie leidet unter den Spätfolgen schwerer Verletzungen. Anderseits hat sie diese Vergangenheit hart im Nehmen gemacht: Grace ist kein Opfer, sondern wird aktiv, als sie und vor allem ihre Familie in Gefahr geraten. Coben hat diesen Wesenszug so gut vorbereitet, dass es nie wie das Klischee vom schnaubenden Muttertier heraufbeschwört, das den Gangstern an die Gurgel geht.

Ohne die etwas herbei gezwungene Bekanntschaft zum Mafiamann Vespa würde Grace natürlich nicht weit kommen. Der Schurke als gebrochener Vater – auch hier wandelt Coben auf dünnem Eis, doch er bricht wiederum nicht ein: Vespa wirkt in dem einen Moment traurig, im nächsten blitzgefährlich. Nicht einmal Carla ist vor seinem Misstrauen sicher.

Ohnehin ist in dieser Geschichte niemand die Person, die er oder sie zu sein vorgibt. Gut und böse sind für Coben – ganz wie im richtigen Leben – dehnbare Begriffe. Mit bewundernswerter Eleganz verschiebt er seine Figuren im Spektrum zwischen Weiß und Schwarz. Kann Grace Vespa trauen? Kann sie natürlich nicht, aber das gilt auch umgekehrt.

Sogar den definitiven Bösewicht seiner Geschichte zeichnet Coben mit ungewöhnlichen Farben. Eric Wu präsentiert er als unbarmherzige Mordmaschine, um genau dies sogleich wieder zu relativieren. Wu ist das Produkt einer brutalen und brutalisierenden Erziehung. Trotzdem sind ihm Gefühle nicht fremd. Noch realistischer wirkt Wu durch Cobens Kunstgriff, ihn in seinem Job Fehler machen zu lassen. Wu gerät unter Druck, arbeitet deshalb schlampig, weiß darum und kann es doch nicht ändern. Das wirkt logisch und bereitet vor, dass der übermenschlich starke Killer im genretypischen Schlussgefecht mit der Heldin den Kürzeren zieht.

Starkes Ende mit Schrecken

Alles richtig gemacht, Mr. Coben; dies ist das knappe Resümee eines zufriedenen Lesers und Rezensenten. Der Verfasser versaut nicht einmal das Finale mit dem heute so beliebten »Überraschungsgag«, der womöglich die gesamte bisherige Handlung ad absurdum führt; Jeffery Deaver ist geradezu berüchtigt für solche Hakenschläge. Cobens unverhoffte Enthüllungen wurden leise und geschickt in den Erzählfluss eingearbeitet. Sie runden die Story ab, verstärken vor allem auch den Eindruck eines beachtlichen Endes, das ganz & gar nicht »happy« ist.

Ihre Meinung zu »Harlan Coben: Kein böser Traum«

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Bazoing zu »Harlan Coben: Kein böser Traum« 31.03.2011
Diesen Roman musste ich unbedingt haben. Wegen Krimi Couch Volltreffer und dann auch noch über 90° Wertung. Wow ... !!!

Altpapier. Keine 20° von mir. Aber nicht von mir! (19°)

Der Roman ist genauso routiniert wie lustlos herunter geschrieben. Ohne das eine Idee für diesen Roman zu erkennen ist. Als Leser bekommt man gerupfte Szenefetzen ohne Ortsangabe, Zeitangabe und natürlich Namen die noch nicht vorgestellt wurden um die Ohren geschlagen. Das ist furchtbar.
Dann kommt irgendwann mal am Ende etwas, was wohl die Auflösung sein soll. Wobei HC, die in dem Roman auftauchenden Personen aus sehr unsinnigen Motiven handeln lässt. Humor oder mal eine intelligente Szene kommen in dem Roman leider nicht vor. Aber dafür hat es einen Terminator gegen den Batman, Spiderman und Superman nur Schwächlinge sind. Auweia ...

Naja ... Egal, Hauptsache die Zeitverschwendung hat ein Ende.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bio-Fan zu »Harlan Coben: Kein böser Traum« 26.11.2007
Auch bei mir war´s der dritte Coben. Richtig enttäuscht hat er mich bisher nicht, aber richtige Begeisterung will sich bei mir auch nicht einstellen. Coben entwickelt gute Plots, so auch hier. Die sind allenfalls interessant, man bleibt dran, um sich am Ende von Cobens vertrackter Lösüng überraschen zu lassen. Ich bin nicht der große Rätselrater. Wenn ich mir zum Schluss 50 Seiten reinziehen muss, wer, wann,wo, weshalb oder weshalb nicht, was getan hat, das finde ich dann schon eher mühselig. Mit mehr Spannungselementen wär´s ein guter Krimi geworden.
Alokasie zu »Harlan Coben: Kein böser Traum« 23.03.2007
Kein böser Traum war auch mein drittes Buch von Coben. Ich fand bis jetzt alle drei spitzenmäßig (Kein Sterbenswort und Keine zweite Chance).
Er schreibt wirklich sehr gut und seine Bücher lassen sich wirklich gut lesen.
Ich fand die Story auch nicht schlecht, mal was anderes.
Man kann Coben auf jeden Fall empfehlen!
Vanessa P zu »Harlan Coben: Kein böser Traum« 19.01.2007
Dieses Buch ist das beste das Harlan Coben je geschrieben hat.
Ich habe das Buch drei mal gelesen und egal ob man es 10 mal liest die Spannung in diesem Buch ist nicht totzuschlagen.
Kein anderes Buch das ich je gelesen habe hat mich so fasziniert.
Man kann einfach nicht aufhören weiterzulesen weil man unbedingt wissen will wie es zuende geht.
Ich selbst habe dieses Buch in zwei tagen zuende gelesen weil ich nicht mehr davon los gekommen bin.
Das Buch "Kein Böser Traum" ist mehr als nur empfelenswert.
Wer dieses Buch nicht liest verpasst eine menge Spannung.
Harlan Coben ist einer der besten Autoren die es je gegeben hat.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
schmeldi zu »Harlan Coben: Kein böser Traum« 11.01.2007
"Kein böser Traum" war mein Dritter Coben und auch dieses Buch hat mich wieder komplett gefesselt und war ruck zuck durchgelesen.

Coben versteht es wieder auf eindrucksvolle Art für Überraschungen zu sorgen, die die Zeit im Fluge vergehen läßt!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
detno zu »Harlan Coben: Kein böser Traum« 24.11.2006
Bei der Abgabe meines "Senfs" zu diesem Thriller steht er bei 88 Grad.
Ich gebe mehr!!
Das Buch ist bis zur letzten Seite spannend, sehr abwechslungsreich geschrieben und immer für eine neue Wendung gut.
Zugegeben, manchmal wirkt es etwas konstruiert, aber darunter leidet die Handlung nicht. Und zu WU und seiner Fingerfertigkeit kann ich nur sagen, er ist ein mieser Typ erster Güte.
Es war mein erster COBEN, bestimmt nicht der einzige. Ich habe Lust auf MEHR!!
snoozer zu »Harlan Coben: Kein böser Traum« 05.11.2006
Ganz im Gegenteil zu Greg finde ich diesen Thriller überaus gelungen.
Ein wirklich fantastischer Thriller. Unheimlich spannend konstruiert und so undurchschaubar aber trotzdem logisch, dass es schwer ist, das Ende zu erraten, auch wenn man zu glauben scheint, wer da die Fäden zieht - man errät die vielen Zusammenhänge einfach nicht.

Irgendwann zwischendrin als noch ein weiterer Handlungsstrang und noch mehr Personen dazukamen, dachte ich mal "Hui, jetzt verliere ich aber den Überblick". Aber es geht dann doch im weiteren Verlauf des Romans.
Noch eine kleine "Kritik": Wu ist mir doch etwas ZU brutal. Der ist ja gruselig, ich bin mehrfach zusammengezuckt, weil ich die Schmerzen der Opfer förmlich nachgefühlt habe :D
Naja, das finden andere Leser vermutlich gerade gut ;-)

Also ich finde das Buch klasse! Wer Spannung und Temporeichtum mag, muss hier zugreifen!
Greg zu »Harlan Coben: Kein böser Traum« 18.09.2006
Auch wenn ich meiner Meinung alleine darstehe, dies ist einer der schlechteren Thriller die ich gelesen habe. Die Story fängt gut und interessant an, verliert sich dann aber in viel zu viele Nebenhandlungen und läßt den verschwundenen Ehemann völlig aus dem Auge (bzw. im Kofferraum!?). Diese Handlungen werden zwar alle aufgelößt und führen auch am Ende zusammen, wirken aber doch zusammenhanglos und sind viel zu konstruiert. Dem Buch fehlt die Spannung, das Ende ist absehbar und ohne große Überraschungen und vor allen Dingen: Überkonstruiert. Sorry.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Pascal zu »Harlan Coben: Kein böser Traum« 28.08.2006
Sehr spannendes, flüssig zu lesender Thriller. Das Buch wäre noch besser geworden, hätte der Autor zwei oder drei Personen gestrichen und sich auf die Interessanten, wie Wu oder Duncan mehr konzentriert. An Wendungen und "Aha-Effekten" erinnerte es sehr an Deaver.

War mein erstes Buch von Coben aber nicht mein letztes.
Julia Becker zu »Harlan Coben: Kein böser Traum« 22.08.2006
Egal zu welchem der Bücher ich einen Kommentar schreiben würde, ich müßte zugeben, dass ich Coben-Süchtig bin!Für alle, denen es ebenso ergeht, kann ich nur empfehlen seine anderen Werke, insbesondere die Myron Bolitar Reihe auf Englisch zu lesen, da sie zur absoluten Höchstspannung auch einen unvergleichlichen Humor beinhaltet!

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