Tod in der Marsch von Hannes Nygaard

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Emons.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Husum, 1990 - 2009.
Folge 1 der Kripo-Husum-Serie.

  • Köln: Emons, 2004. ISBN: 3897053535. 240 Seiten.

'Tod in der Marsch' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein kleines Mädchen und seine Mutter sind verschwunden. Die Spuren führen das Team der Husumer Kripo in ein kleines Dorf hinterm Deich, in dem sie auf höchst merkwürdige Bewohner treffen – Außenseiter mit dubioser Vergangenheit, die Opfer und Täter zugleich sind.
Hauptkommissar Christoph Johannes und seine beiden Kollegen – das nicht immer mit dem Gesetzbuch unterm Arm herumlaufende »Schnüffelschwein« Große Jäger und der junge Mommsen, für den manche Frauen Brad Pitt stehen lassen würden – stellen schon bald fest, dass es in den Kulissen der stillen Marsch verdammt ungemütlich werden kann. Und tödlich.

Das meint Krimi-Couch.de: »Die spannende Ausgangsidee zusehends verflacht« 52°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Kurz vor Weihnachten wird Hauptkommissar Christoph Johannes von Kiel nach Husum versetzt. Husum zeigt sich von seiner typischen Seite, die ihr den Beinamen »die graue Stadt an der Nordsee« eingebracht hat. Johannes hat aber keine Zeit zum Einleben, denn eine junge Lehrerin meldet eine ihrer Schülerinnen als vermisst. Frau Pohl ist eine unentschuldigte Abwesenheit der kleinen Lisa nicht gewöhnt und denkt sofort an Kindesentführung.

Gemeinsam mit seinen Revierkollegen Große Jäger und Mommsen vernimmt Johannes den Vater des Mädchens, der sich gerade dem Suff hingibt, weil ihn die Frau mit seiner Tochter verlassen hat. Angeblich mit einem Türken …doch in Husum scheint dieser Mensch nicht bekannt zu sein. Also bleibt als einziger Verdächtiger der Vater des Kindes, aber gegen ihn liegt keine Handhabe vor, denn eigentlich gibt es ohne Leiche keinen Fall hinterm Deich und die Vorgesetzten der Kriminalisten sehen in der Jagd nach einem Hirngespinst eine Vergeudung der ohnehin schwachen Polizeiressourcen.

Doch die Leiche der Frau wird gefunden. Zufällig. Von einem Spaziergänger mit Hund. Wo ist das Mädchen? Lebt es vielleicht noch oder musste es das schaurige Schicksal seiner Mutter erleiden? Überall wo die Ermittler auftauchen, stoßen sie auf eine Mauer aus Schweigen, denn hier auf dem Land rund um den Deich herrschen noch andere Gesetze, denen vor allem Fremde zum Opfer fallen …

Hannes Nygaard ist das Pseudonym von Rainer Dissars-Nygaard, der als Unternehmensberater in Münster/Westfalen lebt und sich berufen fühlte, seinen ersten Band »Tod in der Marsch« aus der Serie »Hinterm Deich Krimi« im Emons-Verlag zu veröffentlichen. Und wer der schönen Stadt Husum in Schlesweg-Holsteins Norden einen Besuch abstattet, wird in sämtlichen Buchläden mit dieser Krimireihe konfrontiert, deren Aufmachung sofort düstere Spannung suggeriert.

Leider kann der Inhalt des Romans mit dem Marketingambiente nicht ganz Schritt halten. Nygaard hat einen brauchbaren Regiokrimi geschrieben, dessen ermittelnde Hauptpersonen zwar samt und sonders nett gezeichnet sind, aber (noch) nicht die Identifikation mit dem Leser schaffen, um wenigstens regionalen Kultstatus zu erlangen. Dieses Manko trifft allerdings auf viele Serienhelden bei ihrem ersten Auftreten zu und es wird sich zeigen, wie in den Folgegeschichten die Sympathiewerte von Johannes und Co. beim Leser steigen oder fallen.

Der Autor scheint sich auf jeden Fall mit der Landschaft intensiv beschäftigt zu haben, denn besonders in der Beschreibung dieser Gegend gelingen ihm seine besten literarischen Momente, die dem ortskundigen Leser die einprägsamsten Elemente bei der Lektüre bieten. Und das ist sicherlich auch eines der wichtigen Merkmale bei einem Regional-Krimi im positiven Sinn.

Bei der Konstruktion seiner Geschichte versucht Herr Nygaard die komplexen dörflichen Beziehungskisten mit dem Nimbus des Zugereisten zu verknüpfen und die daraus resultierenden Spannungen als Hintergrund der Verbrechen auszubreiten, wobei man die Äußerungen der Dorfbewohner so nicht nur im hohen Norden zu hören bekommt. Dabei stößt der Autor bei aller Modernität des Themas doch gar heftig in das Heimatromanklischee eines Hans Ernst vor, ohne dieses hier schlecht machen zu wollen. Lediglich das Krimi-Feeling kommt durch einen solchen Schreibstil nicht ordentlich ins Laufen, wobei die durchaus spannende Ausgangsidee zusehends verflacht und auch keinen Höhepunkt im gesamten Romanverlauf erzielt.

»Der Tod in der Marsch« bleibt eine nette Urlaubslektüre, die man dem Reisenden für die sicherlich auftretenden Regentage im Norden anbieten kann.

Ihre Meinung zu »Hannes Nygaard: Tod in der Marsch«

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Stürzenbaum Adolf zu »Hannes Nygaard: Tod in der Marsch« 10.03.2013
Vielleicht als Roman für die 4. Schulstufe geeignet, aber auf keinen Fall ein Krimi der für Unterhaltung und Spannung sorgt. Die Handlung und auch die Darstellung der Protagonisten ist derart einfach gestrickt und mit der Handlung verwoben, dass das Lesen im Laufe der "Handlung" immer quälender wird und man froh ist zum Schluss gekommen zu sein.
M-L zu »Hannes Nygaard: Tod in der Marsch« 24.11.2012
Für mich ist dieser Krimi eine unterhaltsame Feierabendlektüre. Es ist ein Regionalkrimi , was erwartet man von so einem Buch, viel Lokalkolorit und Typen, die man sich dort vorstellen kann. Aus vielen Besuchen dort, habe ich einiges wiedererkannt bzw, werde mir einiges noch mal ansehen. Extreme Spannung, literarische Ergüsse habe ich nicht erwartet. Es ist leicht zu lesen, aber selbst nach längeren Lesepausen verliert man nicht den roten Faden.
Ralf Hauk zu »Hannes Nygaard: Tod in der Marsch« 25.03.2010
Habe mittlerweile alle Krimis von Ihm gelesen. Obwohl der Stiel oft etwas hölzern ist, find ich die Krimis zumindest als Urlaubslektüre recht unterhaltsam. Mein Vavorit in den Büchern ist nicht der Hauptakteur sondern ich bin immer auf die nächste Aktion von Grosse Jäger gespannt.Auch als Nordseeurlauber kann man sich immer mal wieder an die Küste zurück versetzen lassen. Da gibt es viel viel schlechtere Autoren in diesem Genre.Siehe Reisdorf
Martina Dippold zu »Hannes Nygaard: Tod in der Marsch« 22.10.2008
ich habe den fünften Teil zuerst gelesen und war fasziniert, der erste teil dagegen ist wirklich etwas flach ..aber leute es wird ja besser;). Schön finde ich aber, das man als husumliebhaber vieles wiedererkennt und ich jetzt schon weiss, was ich mir im nächsten urlaub unbedingt noch anschauen muss.
Karin zu »Hannes Nygaard: Tod in der Marsch« 14.05.2008
Auch ich finde die Sprache leider zu hölzern, zu gestelzt und alles andere als norddeutsch lakonisch. Schade, denn insbesondere die späteren Geschichten sind sehr spannend.
Nordfan zu »Hannes Nygaard: Tod in der Marsch« 04.12.2007
Ich mag den Norden. Sehr. Und ich mag Krimis. So hoffte ich, mit einem Krimi, der in Husum spielt, beides aufs schönste vereinen zu können. Aber das Buch ist eine Enttäuschung. Vorhersehbare Charaktere und sprachlich entsetzlich hölzern. Man hat das Gefühl, keinen Roman, sondern ein amtliches Schreiben zu lesen. Ein Zitat: "Christoph stellte sich und Mommsen kurz vor. Zusätzlich identifizierte sich der junge Kriminalbeamte durch Vorzeigen seines Dienstausweises." Noch ein Zitat (Wörtliche Rede, es spricht Christoph):"Ganz richtig, Frau Pohl. Sie haben korrekt gehandelt. Es ist stets ein schmaler Pfad zwischen Aufmerksamkeit und überzogener Neugierde." Zitat Ende. Das ist eher typisch für Nygaards Stil in diesem Buch. Schade drum.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
HerrHansen zu »Hannes Nygaard: Tod in der Marsch« 15.10.2007
Platt, platter, Marsch - so könnte mann es ausdrücken.
Auch wenn der Autor die Lebensweise der Westküstenbewohner z.T. zutreffend darstellt, lebt das Werk doch von Vorurteilen. Die Polizeihorde kommt wie ein Haufen Trottel rüber, die zu Hause nicht gebacken bekommt und in der Dienststelle einen Einlauf nach dem anderen erhält.
Schade eigentlich, dass wirklich detaillierten Ortskenntnisse - die einen Einheimischen sehr erfreuen - in der flachen Handlung untergehen...
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Werner Hajek zu »Hannes Nygaard: Tod in der Marsch« 10.01.2007
Ich finde den Roman scheußlich und platt. Die Dorfbewohner sind eine dumpfe, faschistoide Masse, und die prositiven Helden geradezu karikaturhaft alles, was Nazis hassen: Juden, Schwule und Ausländer. Geht es noch schlichter?
Brecht: Das Gegenteil von "gut" ist "gut gemeint".
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