Irisches Roulette von Hannah O'Brien

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: Irland, Galway, 2010 - heute.
Folge 2 der Grace-O´Malley-Serie.

  • München: dtv, 2016. ISBN: 978-3423216319. 416 Seiten.

'Irisches Roulette' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Ein gefährliches Spiel für Grace O’Malley

Die Leiterin des Morddezernats im irischen Galway, Grace O’Malley, hat einen brisanten Fall aufzuklären: Tom Nolan, Mitarbeiter in einem Wettbüro, wird erschossen. Der Besitzer des Büros ist ausgerechnet der Zwillingsbruder von Graces Kollegen Rory Coyne. Rory gilt ab sofort als befangen, ermittelt aber dennoch :undercover9.

Der Mord ist nur die Spitze des Eisbergs. Grace und ihr Team dringen bei ihren Recherchen bis in die innersten Kreise des irischen Wettgeschäfts vor. Schnell wird klar, dass eine mächtige internationale Wett-Mafia die Finger im Spiel hat. Doch auch im heimischen Galway sind erstaunlich viele bekannte Gesichter in den Fall verwickelt. Und es ist bei Weitem nicht alles so, wie es scheint.

Das meint Krimi-Couch.de: »Die internationale Wettmafia setzt (auch) auf Gaelic Sports« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Erst drei Monate ist Grace O’Malley in Galway als Leiterin der Abteilung für Kapitalverbrechen zuständig, da wird sie erneut mit einem Mordfall beauftragt. In einem Wettbüro wird Tom Nolan erschossen aufgefunden. Die Hilfe ihres Mitarbeiters Rory Coyne könnte Grace gut gebrauchen, doch ausgerechnet seinem Zwillingsbruder Ronan gehörte das Wettbüro und so ist Rory aufgrund seiner Befangenheit von den Ermittlungen ausgeschlossen. Zumindest offiziell, denn ganz möchte Grace nicht auf ihn verzichten, zumal dies bedeutet, dass sie nun eng mit Kevin Day zusammenarbeiten muss, der ihr seid ihrem Dienstantritt ein paar Mal in die Parade fuhr; schließlich träumte er von ihrem Job.

»Hinter allem steckt die Mafia in Asien, die, seit es das Internet gibt, massiv in Wettkämpfe auf der ganzen Welt eingreift und sie manipuliert.«

Bei ihren Ermittlungen ist Grace einmal mehr Peter Burke, Jugendfreund und Privatdetektiv, behilflich, der zu seiner Überraschung erfährt, dass seine Mutter neben ihrem Job als Hotelbetreiberin ein gut gehendes Wettbüro führt. Dies erweist sich später als äußerst hilfreich, denn offenbar geht es um Wettmanipulationen internationalen Ausmaßes. Das Lokalderby, das »Finale von Connacht« zwischen Galway und Mayo, steht vor der Tür, ebenso wie das große Pferderennen, die Galway Races. Schon bald wird es undurchsichtig für die Ermittler, mehrere Personen verschwinden von der Bildfläche und ein weiterer Mord geschieht. Derweil endet das Lokalderby mit einer »Überraschung« …

Wettmafia, Irland und immer wieder Irland

Mit Irisches Verhängnis startete die Serie um die sympathische Ermittlerin Grace O’Malley, die vor allem darunter leidet, dass ihr Onkel Jim der große Strippenzieher von Galway ist. Nun setzt Hannah O’Brien mit Irisches Roulette die Serie fort und baut dabei stark auf dem ersten Teil auf. Zwar liest sich der aktuelle Roman natürlich auch eigenständig, zum besseren Verständnis der diversen »Beziehungen« der handelnden Personen zueinander empfiehlt sich aber, zuerst den Vorgänger zu lesen. Das aktuelle Geschehen im Privatleben der Protagonistin soll hier nicht weiter erörtert werden, nur so viel, sie lernt Dixi O’Hara, eine recht auffällige Hutmacherin, kennen. Mehr als einmal wird erwähnt, wie sehr Grace Dixi mag, sie sympathisch findet und so weiter. Am Anfang nervt dies ebenso wie die wiederholte Erwähnung, dass die internationale Wettmafia überwiegend aus Asien gesteuert wird.

»Weißt du, was Gaelic heutzutage richtig interessant macht? Der gälische Fußball mit seinem komischen hohen Tor und den eher skurrilen Spielregeln ist eine der letzten Sportarten auf unserer Erde, die ausschließlich Amateuren vorbehalten ist. Kein Spieler darf dafür Geld bekommen. Auch kein Trainer. Und Manager und Schiedsrichter natürlich auch nicht.«

Neben dem Krimiplot ist das Geschäft mit Wetten, seien es seriöse oder manipulierte, das Thema dieses Romans. Kurzweilig und durchaus informativ zeigt die Autorin wie deren Geschäft funktioniert. So werden selbst Wetten auf Spiele der vierten Fußballiga platziert (und manipuliert); wohlgemerkt in Litauen. Noch mehr Geld lässt sich verdienen, wenn man »vorhersehen« kann, dass irgendwo in der 27. Minute ein Elfmeter gepfiffen wird, beispielsweise beim Spiel Galway gegen Mayo.

»Grace war immer wieder verblüfft, wie emotionslos ihre Landsleute zuweilen auf Katastrophennachrichten reagierten. Entweder war es das Ergebnis einer lang antrainierten Überlebensstrategie in einem Land, das jahrhundertelang viel Not und Elend erlebt hatte. Oder es war eine unbewusste, aber effiziente Verteidigungstaktik im Nahkampf des Lebens: Wenn ich das Schreckliche ignoriere, verzieht es sich vielleicht wieder.«

Neben dem Privatleben von Grace, den laufenden Ermittlungen und Einblicken in die Geschäfte der Wettmafia ist einmal mehr Irland der heimliche Hauptdarsteller. Wie schon beim Debüt kann die Autorin, die lange Zeit in Irland lebte, aus dem Vollen schöpfen und beschreibt Land und Leute mit großer Begeisterung. So erfährt man viel über die Eigenarten der Iren (beispielsweise nicht so gerne über negative Dinge zu sprechen wie ein Kapitalverbrechen) und die Landschaft der grünen Insel(n). Leider enttäuscht die Auflösung ein wenig. Dennoch, wer ein Faible für Irland hat sollte die Serie lesen!

Jörg Kijanski, September 2016

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Barbara62 zu »Hannah O'Brien: Irisches Roulette« 30.01.2017
Nach "Irisches Verhängnis", dem ersten Fall der Irland-Rückkehrerin Grace O’Malley und seit nunmehr über drei Monaten Leiterin des Morddezernats der Garda Galway, geht es im Folgeband "Irisches Roulette" um die internationale Wettmafia, die von Asien aus operierend auch vor der Grünen Insel nicht Halt macht.

Alles beginnt mit dem Mord an Tom Nolan, einem Angestellten eines Wettbüros, das ausgerechnet dem Zwillingsbruder von Graces verlässlichstem Mitarbeiter Rory Coyne gehört. Damit ist Rory vorerst von den Vermittlungen ausgeschlossen und Grace muss mit dem ihr unzuverlässlich erscheinenden Kevin Day zusammenarbeiten, der den Kampf um die Stelle des Superintendenten gegen sie verloren hat.

Die beginnenden Ermittlungen fallen in eine Zeit des sportlichen Ausnahmezustands in Irland: Es steht nicht nur das Finale im Gaelic Football bevor, sondern auch die berühmte Woche der Pferderennen. Grace und ihr alter Freund, der Privatdetektiv Peter Burke, arbeiten sich derweilen in die Welt der Wetten und Wettmanipulationen ein. Eine international agierende Wettmafia installiert dazu in jedem Gebiet einen möglichst unauffälligen Landeschef, viele sogenannte „Runner“, also Leute mit Kontakten zu Spielern oder anderen im Sportmilieu Tätigen, und möglichst einen Verbindungsmann bei der Polizei, der oft unbewusst zum informellen Mitarbeiter wird. Tom Nolan gehörte eher zur Kategorie „Runner“, wie Grace schnell klar wird, aber wer sind die Hintermänner, wer hat ihn umgebracht und warum und wer schwebt noch in Gefahr? Recherchearbeit ist diesmal auch im Stadion und auf der Pferderennbahn angesagt. Bei insgesamt zwei Leichen in einer Woche und drei Verschwundenen bleibt für die Ermittler allerdings keine Zeit, die sportlichen Spektakel zu genießen.

Wie auch bei Band eins der Reihe um die sympathische Ermittlerin, den ich während einer Irland-Reise gelesen habe, hat mich wieder die Beschreibung der irischen Landschaft, der Stadt Galway und der Iren, kurz gesagt das irische Flair, noch mehr begeistert als der Kriminalfall. Es macht einfach Spaß, diese unterhaltsamen, eingängigen Krimis zu lesen, die Gegend um Galway vor Augen zu haben und sich in den Urlaub zurück zu träumen. Die deutsche Journalistin und Autorin Hannah O’Brien, die lange in Irland gelebt hat, fängt all das wunderbar ein und bettet es in eine durchdachte Krimihandlung, wobei auch das Privatleben der Protagonisten nicht zu kurz kommt.

Ich freue mich auf den dritten Band, der für das Frühjahr 2017 angekündigt ist. Vielleicht kommen sich Grace und Peter dann ja auch privat endlich näher?
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