Kim Novak badete nie im See von Genezareth von Hakan Nesser

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Kim Novak badade aldrig i Genesarets sjö, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, 1950 - 1969.

  • Stockholm: Bonnier, 1998 unter dem Titel Kim Novak badade aldrig i Genesarets sjö. 246 Seiten.
  • München: btb, 2003. Übersetzt von Christel Hildebrandt. ISBN: 3-442-75027-X. 286 Seiten.
  • München: btb, 2004. Übersetzt von Christel Hildebrandt. 286 Seiten.
  • München: btb, 2005. Übersetzt von Christel Hildebrandt. 286 Seiten.
  • München: btb, 2008. Übersetzt von Christel Hildebrandt. ISBN: 978-3-442-73890-8. 317 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2003. Gesprochen von Dietmar Bär. gekürzt. ISBN: 3898305953. 4 CDs.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2007. Gesprochen von Dietmar Bär. gekürzt. ISBN: 3866047533. 4 CDs.

'Kim Novak badete nie im See von Genezareth' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein ungesühntes Verbrechen aus der Vergangenheit, ein Mord aus Liebe und ein Täter ohne Gewissensbisse: Der schwedische Bestsellerautor Håkan Nesser mit dem Buch, das in Schweden seinen Ruhm begründete.

Schweden in den 60er Jahren. Ein kleines Sommerhaus an einem der unzähligen Seen. Hier verbringen der 14-jährige Erik und sein Freund Edmund die Ferien. Sie schwärmen von der jungen Aushilfslehrerin Ewa, die aussieht wie Kim Novak und sich schon bald beim Dorffest in voller Blüte zeigt. Zwei Tage später findet man die Leiche von Ewas Verlobtem, und Eriks älterer Bruder, der eine Affäre mit Ewa hatte, gerät unter Mordverdacht. Der Täter wird jedoch nie gefunden. 25 Jahre vergehen, bis der erwachsene Erik zufällig einen Bericht über ungeklärte Verbrechen liest und der Sommer von damals mit aller Gewalt über ihn hereinbricht.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein modernes Tom Sawyer-Märchen mit Nebenbeitodesfolge« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

»Es kommt, wie es kommt.«

Was sollte ein pubertierender, schwedischer Jüngling in den Sechzigern auch sonst zu seinem Leben meinen, als mit einem Achselzucken die ganze Unbill seiner Jugendzeit zu akzeptieren. Die Mutter mit Krebs im Krankenhaus, der Vater tagsüber als Schließer im Knast und in der restlichen Freizeit mit Besuchen der Mutter beschäftigt. Unser Jungspund, namens Erik, hat zwar noch einen großen Bruder, der sein Glück bei der christlichen Seefahrt und als freier Journalist versucht hat, aber im Endeffekt bleibt ihm nur der Alltag eines Heranwachsenden, aufgeteilt in Schule und Freizeit unter Seinesgleichen.

Und so würde es wahrscheinlich immer weiter gehen, käme nicht Abwechslung in Gestalt einer Aushilfslehrerin, die dem damaligen Schönheitsidol Kim Novak in Nichts nachsteht. Jung ist sie, hübsch ist sie, zum Greifen nah und ein platonisches Aushängeschild für die ersten feuchten Knabenträume. Verlobt mit einem schwedischen Handballheros verbringt sie die Wochen bis zu den Ferien an der Schule.

Ferien. Wo soll unser Erik hin, wenn Papa keine Zeit hat und Mama in den Krankenhauslaken vor sich hin siecht? Zum Glück gibt es da ein kleines Häuschen am See, Genezareth genannt, das zur Hälfte einer geistig kranken und dementsprechend isolierten Tante und zur anderen Hälfte Eriks Familie gehört. Und da der große Bruder gerade keine Intentionen zu redlicher Arbeit zeigt und sich in Ruhe als Schriftsteller betätigen will, ziehen die beiden kurzerhand in das Landetablissement ein, einen Schulfreund im Schlepptau, dessen Vater auch nicht weiß, wohin mit dem Kind.

Nach dem Henry, der große Bruder, viel lieber seinen eigenen Interessen nach geht, haben die beiden Halbwüchsigen freie Hand bei der Wahl ihrer Freizeitbeschäftigungen und machen mit Boot und Fahrrad die Gegend unsicher. Mit dem geruhsamen Kinderalltag ist erst ein Ende, als Henry seine neue Flamme anschleppt und dabei nach der Verlobten des Handballers greift. Unsere Jungs haben ganz schön mit ihrer Phantasie zu kämpfen und bekommen es gehörig mit der Angst zu tun, als die eifersüchtige Sportgröße auftaucht, um sein untreues Verhältnis zur Räson zu bringen.

Er hat die Rechnung allerdings ohne den Vorschlaghammer gemacht, der im des Nachts heimtückisch den Garaus macht. So beginnt die Suche nach dem Täter.

Håkan Nessers Roman »Kim Novak badet nie im See Genezareth« ist weit mehr als ein Krimi. Es ist eine psychologische Studie über das Heranwachsen eines Buben unter erschwerten familiären Verhältnissen. Es wäre kein Krimi, wenn darin nicht eine Leiche vorkäme und gelegentlich auch ein Polizist, aber im Endeffekt würde ich dieses Buch als modernes Tom Sawyer-Märchen mit Nebenbeitodesfolge bezeichnen, denn die Spannung ergibt sich nicht (ausschließlich) durch die Tatsache eines Tötungsdeliktes. Weit spannender ist bereits die Vorgeschichte, wie der junge Mann langsam, aber sicher, selbständig wird und seine wachsende Sexualität erkennt. Die wenigen Wochen am See lassen ihn reifen und mit der Situation fertig werden, die er stets nur als das SCHRECKLICHE bezeichnet. Er selbst bezeichnet das Leben mit fünf Worten: Krebs-Treblinka-Liebe-Bumsen-Tod, wobei ich es dem Leser überlasse, sich über die Klärung dieser Liste selbst ein Urteil zu schaffen.

Die Sprache Nessers ist präzise bis knapp gehalten. Nirgendwo findet sich ein unnötiger Schachtelsatz, der die Stimmung verschleppt. Viel lieber kippt er einen Zwei-Wort-Dialog in die Handlung und lässt den Leser damit Raum, den Satz zu Ende zu denken. Dort wo es nichts zu sagen gibt, wird auch geschwiegen. Wie das Verständnis zwischen einem alten Ehepaar, das sich wortlos versteht, so findet sich hier unausgesprochene Übereinstimmung zwischen Erik und seinem Vater, Erik und seinem Freund, Erik und seiner Umwelt und nicht zuletzt Håkan Nesser und seinem Leser.

Dass sich schlussendlich alles aufklärt, ist zwar ein nettes Ende für das Buch, aber eigentlich nicht mehr von Bedeutung. Denn bis zur letzten Seite glaubt man dem Jungen, auch dreißig Jahre später als Mann noch, sein: »Es kommt, wie es kommt.«

Dieser Roman ist einer der ganz wenigen Bücher, die ich in die Hand genommen und bis zur letzten Seite nicht mehr beiseite gelegt habe. Trotzdem sich einige psychologische Elemente einschleichen, passiert dies nie mit erhobenem Zeigefinger, sondern immer aus der Sicht eines Vierzehnjährigen, so dass man, selbst in dieser Zeit aufgewachsen, immer wieder schmunzelnde Parallelen zum eigenen Erwachsenwerden findet. Nesser versteht es großartig, in seiner Sprache immer in der Altersklasse zu bleiben und dennoch nicht ins Einfache abzudriften. Mit Garantie wird auch dieser Nesser-Roman ein zwiespältiges Publikum finden, von mir allerdings eine absolute Höchstnote und eben solche Leseempfehlung für das Kunststück, aus einer alltäglichen Grundidee eine spannende Lebensgeschichte gemacht zu haben.

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Heinz Weiß zu »Hakan Nesser: Kim Novak badete nie im See von Genezareth« 26.07.2016
Kann mich nur einer vorhergehenden Meinung anschließen: Der Inhalt des Buches, das Erleben der beiden Jungs, hat mich sehr an meine Jugendzeit erinnert. Auch ich hatte mal eine Lehrerin, die ich sehr "anhimmelte", wobei ich allerdings in meiner damaligen Unaufgeklärtheit und doch mit jugendlichen Phantasien, nie wagte, diese Zuneigung zu zeigen.
Ich denke, und vielleicht soll ich es auch bedauern, dass die heutige Jugend das ganz anders betrachtet.
Aber, das ist auch gut so! Und für jeden gilt: "Es kommt,wie es kommt!"
H.Weiß
webmax zu »Hakan Nesser: Kim Novak badete nie im See von Genezareth« 14.01.2016
Ein ruhiger, aber fesselnder Film, in dem man teilweise die eigene Jugendzeit wiedererkennt.
Eine ruhige, in sich schlüssige Geschichte mit überzeugenden Darstellern im Erzählstil vorgetragen Leider habe ich keine sinnvolle Erklärung für die gezeigte Explosion auf der Insel zu Beginn gefunden.
300 Buchstaben können sehr viel sein...
kalla. zu »Hakan Nesser: Kim Novak badete nie im See von Genezareth« 19.10.2014
Man kann nur hoffen, dass die Kandidatinnen, die das Buch für ihre Deutschprüfung (in welcher Schreibweise auch immer) lesen mussten, die Prüfung nicht bestanden haben! Was für eine Sprache, welch Fehler in Rechtschreibung und Zeichensetzung! Das nimmt den sog. Kritiken jede Ernsthaftigkeit, jede Seriosität. - Das Buch sollte man lesen, den Film sehen. Beides lohnt sich.
James_Blond zu »Hakan Nesser: Kim Novak badete nie im See von Genezareth« 18.10.2014
Das Buch ist der Gipfel . der Gipfel der Genüsse! :-)

Verwundert bin ich über die Kommentare mehrerer Jugendlicher hier, die das Buch langweilig fanden. Wahrscheinlich wegen einer falschen Erwartung. Das Buch ist in erster Linie ein Roman, erst in zweiter Linie ein Krimi.

Bei mir als Erwachsenem brandete beim Lesen eine große Portion Sentimentalität und Nostalgie auf (eine Zeit ohne Handy und Internet, eigene Jugendfreundschaften, eigene erste sexuelle Erfahrungen, etc.). Das verspüren die Jugendlichen beim Lesen wahrscheinlich nicht, weil sie in ihrem Lebenslauf chronologisch auf Augenhöhe mit dem Hauptprotagonisten sind.
Silsmaria2004 zu »Hakan Nesser: Kim Novak badete nie im See von Genezareth« 05.12.2013
Ich schliesse mich meinen Vorrednern an, das Buch ist unbedingt zu empfehlen. Es spielte für mich am Ende auch nicht unbedingt eine Rolle, wer der Mörder ist. Ich hab auch gemeint zu wissen, wer es ist, aber die vermeintliche Antwort von Nesser in "Die Wahrheit über Kim Nowak." hat mich doch wieder unsicher werden lassen - die Antwort ist nicht einfach der Name, sondern etwas umfangreicher...
Leselöwin zu »Hakan Nesser: Kim Novak badete nie im See von Genezareth« 04.12.2013
Dieses Buch wird nicht umsonst in schwedischen Schulen als Klassenlektüre gelesen, es ist Nessers bester Roman und einer der besten Krimis überhaupt. Es ist aber auch ein Entwicklungsroman, der das Heranwachsen eines jungen Mannes unter schwierigen familiären Umständen (todkranke Mutter) zeigt. Erfahrene Krimileser ahnen schnell, wer der Mörder des Ekels Berra ist, aber das tut dem Zauber dieses wunderbaren Buches keinen Abbruch. Unbedingt empfehlenswert!
Markus Ilzhöfer zu »Hakan Nesser: Kim Novak badete nie im See von Genezareth« 13.04.2012
Wer der Mörder ist sollte aus Rücksicht auf potenzielle Leser nicht verraten werden. Und obwohl der Mord ein wichtiger Bestandteil der Geschehnisse darstellt, halte ich ihn nicht für das zentrale Thema des Buches. Viel mehr legt Nesser sein Augenmerk auf die Gedankenwelt des Heranwachsenden und beschreibt sehr anschaulich dessen Konflikte.

Der Autor unterlässt erfreulicherweise langatmige Beschreibungen. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb gelingt es ihm, den Leser direkt in seine Geschichte zu entführen. Durch die verwendete Sprache fällt es überhaupt nicht schwer, sich selbst in den 14jährigen hineinzuversetzen.
Oft gewinnt die Geschichte genau dadurch an Lebendigkeit, dass Worte NICHT gesagt werden, statt den Leser mit endlosen Unterhaltungen ohne Gehalt zu belangen.

Meiner Meinung nach ist das Buch absolut lesenswert und mir bislang leider nur aufgrund seines etwas eigenwilligen Namens nicht früher in die Hände gefallen.
Kimberly zu »Hakan Nesser: Kim Novak badete nie im See von Genezareth« 21.09.2011
wer ist denn jetzt der mörder??
luisa zu »Hakan Nesser: Kim Novak badete nie im See von Genezareth« 21.12.2010
klasse buch und hakan nesser schreibt so schön wie ein see im sommer unter der sonne liegt.
das buch ist spannend und interessant.
das ende ist echt zum nachdenken..
und solche bücher reizen mich immer besonders, da einfaches lesen auch etwas langweilig, doch noch selber herauszufinden, wer der täter ist ist eine klasse idee.

gruß,
luisa
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Sebastian Ellinghaus zu »Hakan Nesser: Kim Novak badete nie im See von Genezareth« 02.03.2010
Ich mußte das Buch nicht in der Schule lesen.
Zu meiner Zeit war stattdessen "Der Fänger im Roggen" von J.D. Salinger Pflicht.
Im Vergleich ist "Kim Novak badete nie im See Genezareth" die bessere Wahl. Selten habe ich eine bessere Studie über das Heranwachsen gelesen. Fast meint man, aufgrund der Authentizität des Geschriebenen, Nesser sei selbst noch im fraglichen Alter. Ich halte dieses Buch für einen Meilenstein im deskriptiven Bereich des Heranwachsens. Es geht über einfache Kriminalbelletristik sowohl stilistisch, als auch inhaltlich weit hinaus. Es zur Pflichtlektüre in der Schule zu machen, ist dementsprechend nur folgerichtig. Wem Salinger zu weit weg und zu abgehoben erscheint, der kommt hier (und zwar wesentlich europäischer) voll auf seine Kosten !
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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