Der unglückliche Mörder von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1999
unter dem Titel Carambole,
deutsche Ausgabe erstmals 2001
bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Fiktiv: Maardam, 1990 - 2009.
Folge 7 der Van-Veeteren-Serie.
- Stockholm: Bonnier, 1999 unter dem Titel Carambole. 326 Seiten.
-
München: Goldmann, 2001.
Übersetzt von Gabriele Haefs.
ISBN:
3-442-72628-X. 319 Seiten. -
Augsburg: Weltbild, 2002.
Übersetzt von Gabriele Haefs.
ISBN:
3828971075. 319 Seiten. -
München: Goldmann, 2003.
Übersetzt von Gabriele Haefs.
ISBN:
3-442-73184-4. 319 Seiten. -
München: btb, 2006.
Übersetzt von Gabriele Haefs.
ISBN:
978-3-442-73547-1. 319 Seiten. -
Wien: Ueberreuter, 2008.
Übersetzt von Gabriele Haefs.
Großdruck.
ISBN:
978-3800092949. 439 Seiten.
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[Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2008.
Gesprochen von Dieter Moor.
ISBN:
3837100170. 6 CDs.
'Der unglückliche Mörder' ist erschienen als
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In Kürze:
Es ist eine neblige, nasskalte Nacht. Der Regen gießt in Strömen, und der Junge, der am Straßenrand geht, ist kaum zu sehen. Als der Mann den Aufprall hört, ist es bereits zu spät: die Verletzungen des Jungen sind tödlich – und der schwer angetrunkene Fahrer gerät in Panik und macht sich aus dem Staub. Warum sollte er sein ganzes Leben zerstören wegen dieses Unglücksfalls? Sich von seiner Karriere verabschieden? Seine Zukunft aufs Spiel setzen, die auf einmal in leuchtenden Farben vor ihm steht. Gut, es plagen ihn durchaus Gewissensbisse, aber andererseits haben sich gerade in den letzten Tagen erfreuliche Dinge getan: Er ist frisch verliebt, seine Arbeit erfüllt ihn. Warum also sollte er sich stellen? Er kann nicht wissen, dass seine Feigheit schließlich drei weiteren Menschen den Tod bringen wird und seine Vertuschungsmanöver ihn letztlich gründlicher ruinieren werden, als seine Todesfahrt es je gekonnt hätte …Denn schon bald macht er einen entscheidenden Fehler: Diesmal tötet er gezielt – aus reiner Verzweiflung, wenn man so will. Offensichtlich ist er in der Tatnacht beobachtet worden, jedenfalls wird er mit anonymen Briefen bombardiert. Irgendjemand will Geld für sein Schweigen, und so bringt er einen Mann um, den er für den Erpresser hält. Die Polizei sieht zunächst keinen Zusammenhang zwischen der Fahrerflucht und diesem Mord, doch die Aufklärung geniesst höchste Priorität: Der Tote ist nämlich Erich Van Veeteren, der »verlorene Sohn« des Kommissars, der wegen Drogendelikten im Gefängnis sass und gerade dabei war, im bürgerlichen Leben wieder Fuß zu fassen. Kommissar Van Veeteren macht sich schreckliche Vorwürfe, sich nicht genügend um ihn gekümmert zu haben. Und er schwört Rache. Er wird den Mörder seines Sohnes finden – koste es, was es wolle …
Das meint Krimi-Couch.de: »Ein atmosphärisch sehr dicht geflochtener Krimi«
Krimi-Rezension von Thomas Kürten überspringen
Bei der Polizei geht ein anonymer Anruf ein. In einem Gebüsch in der Nähe eines italienischen Restaurants soll eine Leiche liegen. Kommissar Reinhart und seinem Team sind die Gesichtszüge des jungen Mannes, den sie dort finden, seltsam vertraut und es bestätigt sich bald, dass der Tote der Sohn des inzwischen pensionierten Kommissars van Veeteren ist. Erich hatte zum Kummer seines Vaters in seiner Jugend einige Drogenprobleme, das Verhältnis der beiden war nicht das beste, inzwischen hatte sich der Junge aber wieder gefangen und die beiden hatten sich in den letzten Monaten etwas angenähert. Sein Leben schien der junge Mann auch aufgrund seiner Freundin in den Griff bekommen zu haben. Die Polizei steht vor einem Rätsel, denn es scheint niemand ein Motiv für den Mord gehabt zu haben. Zwei Schläge mit einem stumpfen Gegenstand, einer auf den Schädel, einer in den Nacken – wer kann das getan haben?
Sowohl die Suche im engen und weiteren Freundes- und Bekanntenkreis des Toten, als auch die Befragung der Gäste des Restaurants bringt keine Aufschlüsse. Niemand hat auf dem einsamen Parkplatz die Tat beobachtet, niemand weiß, was Erich van Veeteren dort gesucht hat. Von den Gästen des Restaurants können sich lediglich ein paar vage an einen bärtigen und langhaarigen Mann erinnern, der kurz vor ihm das Lokal verlassen hat. Der Mörder?
Der Leser weiß zu diesem Zeitpunkt bereits wesentlich mehr. Das Buch beginnt mit dem Ende eines trinkfreudigen Abends einer Männerrunde und einem sechzehnjährigen Jungen, der auf dem Heimweg den letzten Bus verpasst hat. Einer der Männer fährt, obwohl er deutlich einen über den Durst getrunken hat, an diesem Abend mit dem eigenen Wagen allein nach Hause. Auf einer einsamen Landstraße überfährt er den Jungen. Nachdem er seinen Wagen angehalten hat, findet er den toten Jungen im Straßengraben. Unfall mit Todesfolge, ganz klar seine Schuld, dazu noch Trunkenheit am Steuer – da werden wohl schon einige Jährchen Gefängnis beisammen kommen. Aber wer will schon gerne in den Knast? Obwohl ihn einige Autos passieren, glaubt der Mann nicht gesehen worden zu sein und begeht deshalb Fahrerflucht. Ihn plagen zwar Gewissensbisse, aber als er sich wenige Tage später frisch verliebt, kann er seine Tat halbwegs verdrängen. Er scheint vor der Strafe davon zu kommen.
Plötzlich aber geht bei ihm ein Erpresserbrief ein, indem von ihm die Zahlung von 10.000 Gulden gefordert wird. Der Mann wundert sich noch über die geringe Summe, ist sich aber ziemlich bald bewusst, dass die Zahlung keine Garantie für das Schweigen seines Erpressers darstellen kann. Nur durch einen weiteren Mord könnte der Erpresser sicher zum Schweigen gebracht werden. Nach der Übergabe des Geldes lauert er deshalb dem Erpresser auf. Und bringt ihn auf dem Parkplatz des italienischen Restaurants um.
So denkt der Mann jedenfalls. Denn während die Polizei wirklich völlig im Dunkeln tappt, geht bei dem Mann nach knapp einer Woche ein neues Erpresserschreiben ein und die Forderung wird auf 200.000 Gulden erhöht. Der ermordete Erich van Veeteren war wohl nur ein nichtsahnender Bote …
Durch geschickte Sprünge in der Erzählperspektive versteht es Nesser, Spannung in einem hohen Maße aufzubauen. Die Verzweiflung des Mörders ist in seinen krankhaften Gedanken spürbar und der Leser ist geneigt, sich nach dem eigenen Verhalten in solch einer Situation zu fragen. Neben der Sichtweise der Polizei und des Mörders fließt ganz entscheidend aber auch die Perspektive einer Person in die Handlung mit ein, die in diesem Roman eigentlich nur eine Nebenrolle spielt: die des Vater des Opfers, des ehemaligen Kommissars van Veeteren,. Der abgrundtiefe Schmerz eines Vaters, der seinen Sohn verloren hat. Dem der Boden unter den Füßen weggezogen würde. Der dazu noch von der Freundin seines Sohnes erfährt, dass er Großvater wird. Gefühle von Trauer bis Rache und Verzweiflung. Und auch wenn van Veeteren im Ruhestand ist, er lässt es sich nicht nehmen, selber ein wenig nachzuforschen.
Erst als die Polizei die Leiche einer Frau findet, können Kommissar Reinhart ein wenig Licht in das Dunkel bringen. Die Todesursache, Schläge mit einem stumpfen Gegenstand auf Kopf und Nacken, lässt die Polizei schlussfolgern, dass die Frau und van Veeterens Sohn von demselben Mörder umgebracht worden sein könnte. Zwar ist eine unmittelbare Verbindung der beiden Morde bzw. der beiden Opfer nicht zu erkennen, aber als einige Unregelmäßigkeiten im Privatleben der toten Krankenschwester Rückschlüsse zulassen, dass die Frau einen Geliebten gehabt haben könnte, verspricht die Suche nach diesem Unbekannten ein mögliches Motiv. Die eingeleitete Rasterfahndung im Umfeld der Ermordeten und kleine Mosaikstückchen, die der alte van Veeteren findet, bringen sie auf die entscheidende Spur.
Ein atmosphärisch sehr dicht geflochtener Krimi, den Håkan Nesser hier präsentiert. Die verwirrten und krankhaften Gedanken des Mörders, die über weite Strecken ratlose, aber eifrige Polizei, die sich in diversen Meetings über den Stand der Ermittlungen austauscht und ein van Veeteren, der von seinen Gefühlen überwältigt scheint, der Stütze von seiner Tochter und seiner Lebensgefährtin erhält. Und während Kommissar Reinhart und seine Kollegen Jung, Rooth, Münster, Polizeianwärter Krause und Kriminalinspektorin Ewa Moreno eher blass bleiben und nur wenig Profil erhalten, lernt der Leser den Mörder sehr viel intensiver kennen, obwohl Sachen wie sein Name und sein Beruf erst ziemlich am Ende des Buches verraten werden. Und auch die Gedanken und Gefühle van Veeterens werden sehr eindrucksvoll vermittelt. »In the natural order of things, fathers do not bury their sons.« Dieses Zitat von Paul Auster steht dem Buch voran und jeder Leser, der bereits eine ihm sehr nahe stehende Person verloren hat, wird sich wohl nicht schwer tun, sich in die Gefühlswelt des Ruheständlers zu versetzen.
Trotz allem guten an diesem Buch, will ich einige Kritikpunkte hier nicht hinterm Berg halten. Als erstes muss ich den Titel in der Luft zerfetzen. Im ganzen Buch gibt es keinen unglücklichen Mörder. Es gibt lediglich einen ziemlich kranken Kopf, der sich in seiner feigen Einstellung nicht traut, für seine Taten gerade zu stehen. Statt dessen begeht er weitere Morde, um seine Verbrechen zu decken. Der Originaltitel »Carambole« hätte wörtlich übersetzt (»Karambolage«) wesentlich besser gepasst, zumal an mehreren Stellen des Buches das Motiv der zusammen stoßenden Billardkugeln auftaucht.
Dann die teilweise recht unmotiviert wirkenden Kurzberichte aus dem Privatleben der Polizisten. Nur ganz kurze Blitzlichter, die irgendwie deplaziert wirken. So wird Ewa Moreno plötzlich von ihrem neuen Nachbarn gefragt, ob sie mit ihm essen wollen. Er war gerade beim kochen, als sich seine Freundin von ihm getrennt hatte. Mit ihren Gedanken über diese Einladung, bricht die Erzählung hier jedoch abrupt wieder ab. Ähnliche Episoden erleben wir aus der Ehe Kommissar Reinharts.
»Der unglückliche Mörder« ist ein sehr gut lesbarer Krimi, der an die Courage des Lesers appelliert, zu seinen Taten und seiner Schuld zu stehen. Zu abschreckend sind die sehr realistisch wirkenden, aber dennoch krankhaften Gedankensmuster des Mörders. Zu ergreifend sind die Verzweiflung und die Trauer der Hinterbliebenen seiner unschuldigen Opfer. Sehr gut ist die Handlung in den Monaten November und Dezember platziert. Düster die Stimmung, trostlos das Wetter, trüb van Veeterens Gedankenwelt. Das Buch wurde meines Ermessens zurecht mit dem skandinavischen Krimipreis von 1999 ausgezeichnet. Ich habe Håkan Nessers Roman in wenigen Tagen verschlungen und kann ihn trotz kleinerer Schatten, die ich eher in der deutschen Adaption begründet sehe, empfehlen.
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| Ulrich Leive zu »Håkan Nesser: Der unglückliche Mörder« | 24.11.2010 |
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| Jim zu »Håkan Nesser: Der unglückliche Mörder« | 17.04.2009 |
| rubbel zu »Håkan Nesser: Der unglückliche Mörder« | 17.02.2009 |
| Police zu »Håkan Nesser: Der unglückliche Mörder« | 26.01.2009 |
| Dominik Straub zu »Håkan Nesser: Der unglückliche Mörder« | 07.07.2008 |
| ... zu »Håkan Nesser: Der unglückliche Mörder« | 05.06.2008 |
| Stefanie Sammet zu »Håkan Nesser: Der unglückliche Mörder« | 05.06.2008 |
| Rolf.P zu »Håkan Nesser: Der unglückliche Mörder« | 14.03.2008 |
| Svenja zu »Håkan Nesser: Der unglückliche Mörder« | 17.02.2008 |
| Rabea zu »Håkan Nesser: Der unglückliche Mörder« | 15.10.2007 |
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