Das grobmaschige Netz von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1993
unter dem Titel Det grovmaskiga nätet,
deutsche Ausgabe erstmals 1999
bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: fiktiv / Maardam, 1990 - 2009.
Folge 1 der Van-Veeteren-Serie.
- Stockholm: Bonnier, 1993 unter dem Titel Det grovmaskiga nätet. 267 Seiten.
-
München: btb, 1999.
Übersetzt von Gabriele Haefs.
ISBN:
3-442-72380-9. 255 Seiten. -
München: btb, 2000.
Übersetzt von Gabriele Haefs.
ISBN:
3-442-75051-2. 255 Seiten. -
Augsburg: Weltbild, 2001.
Übersetzt von Gabriele Haefs.
ISBN:
3828904297. 255 Seiten. -
München: Bertelsmann, 2006.
Übersetzt von Gabriele Haefs.
ISBN:
978-3-570-06830-4. 250 Seiten. -
München: btb, 2011.
Übersetzt von Gabriele Haefs.
ISBN:
978-3-442-74272-1. 255 Seiten.
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[Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2006.
Gesprochen von Dieter Moor.
ISBN:
3866042884. 6 CDs.
'Das grobmaschige Netz' ist erschienen als
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In Kürze:
Als Janek Mitter eines Morgens mit einem mörderischen Kater aufwacht, liegt seine Frau Eva ermordet in der Badewanne. Er ist sich sicher, dass er nicht der Mörder ist, aber beweisen kann er es nicht. Am Vorabend hatte er mit seiner Frau mächtig gezecht, und nun fehlt ihm die Erinnerung an einige Stunden …
Das meint Krimi-Couch.de: »Nüchtern und unspektakulär, aber faszinierend«
Krimi-Rezension von Michael Drewniok überspringen
Völlig betrunken wacht der Lehrer Janek Mitter auf. Was er in der vergangenen Nacht getan hat, will ihm partout nicht einfallen. Das ist fatal, wie ihm deutlich wird, als er die Badezimmertür öffnet – und vor der Leiche seiner brutal ermordeten Ehefrau Eva steht.
Mitter wird festgenommen, denn von der Polizei wird er der Tat verdächtigt. Da er vorgibt, unter Gedächtnisschwund zu leiden, ist Kommissar Van Veeteren von der Kriminalpolizei besonders misstrauisch. Allerdings macht es der sich bald vor Gericht gestellte Angeklagte sich und der Polizei wirklich nicht einfach. Der Tod seiner Frau scheint ihn nicht wirklich zu bekümmern. Die Möglichkeit, ihr Mörder zu sein, weist er wenig überzeugend von sich. Vor Gericht erregt er durch seine Gleichgültigkeit den Zorn des Richters. Seltsam unbeteiligt lässt er Alles mit sich geschehen, und Niemand ist daher überrascht, als Mitter des Mordes für schuldig befunden wird. Immerhin landet er nicht im Gefängnis, sondern wird in ein Sanatorium eingewiesen, wo man sich seiner Gedächtnislücken annehmen soll.
Van Veeteren ist inzwischen skeptisch geworden. Die Tatumstände scheinen ihm, dem zwar ziemlich ausgebrannten, aber erfahrenen Kriminalisten plötzlich nicht mehr so eindeutig wie zuvor. Dennoch würde der Fall wohl endgültig abgeschlossen, doch da findet Van Veeterens Unzufriedenheit auf dramatische Weise Bestätigung: Mitter wird in dem Sanatorium ermordet aufgefunden. Der wahre Mörder Evas hat sich offensichtlich nicht darauf verlassen, dass Mitters Gedächtnisschwund dauerhaft bleibt.
Nun beginnen die Ermittlungen erneut. Van Veeterens Team wird verstärkt, die Freunde (wenige) und Bekannte (ebenfalls ein überschaubarer Kreis) der beiden Opfer akribisch befragt. Doch es lassen sich kaum brauchbare Spuren finden. Die Frustration unter den an dem Fall arbeitenden Polizisten wächst. Dennoch schreiten die Ermittlungen voran – wenn auch quälend langsam. Van Veeteren werden drei Dinge klar: Der Schlüssel zu den beiden Morden ist Evas Vergangenheit, die einige blinde Flecken aufweist, der Täter muss sich unter dem Personal der Schule befinden, in der Mitter und seine Frau gearbeitet haben – und er hat schon öfter gemordet!
Aber auch der Mörder hat verfolgt, wie ihm die Polizei allmählich auf die Schliche kommt. Als die Falle zuschnappt, ist er längst geflohen, kann aber einige Tage später gefasst werden. Seine wahre Identität ist eine echte Sensation – und sie deckt eine düstere Familientragödie auf, die in einem elenden Elternhaus begann, sich mit Inzest fortsetzte und im Mord gipfelte. Im engmaschigen Netz der Polizei hat sich der Täter schliesslich gefangen, doch der Sieg der Gerechtigkeit ist schal, denn er ist auf seine Weise ebenso ein Opfer wie jene, die er umgebracht hat.
Mit Das grobmaschige Netz betritt Kommissar Van Veeteren zum ersten Mal die Bühne des modernen Kriminalromans. Wo genau er dies tut, bleibt unklar; Autor Håkan Nesser verlegt seine Abenteuer aus unerfindlichen Gründen in ein fiktives Land, in dem sich skandinavische, niederländische und deutsche Elemente mischen. Diese Unbestimmtheit sorgt bei der Lektüre für eine gewisse Irritation, die allerdings in den Hintergrund rückt, sobald Bewegung in den Fall Mitter kommt.
Van Veeteren ist eine wahrhaft »nordeuropäische« Figur, die so gar nichts von einem Helden an sich hat. Auch im angelsächsisch-amerikanischen Raum ist der vom Leben gebeutelte und darüber zum Zyniker gewordene Polizist oder Privatdetektiv ein beliebter Charakter, doch in der Regel beeilt sich sein/e Schöpfer/in damit, deutlich zu machen, dass sich dahinter noch immer das Herz eines Ritters für die Schwachen dieser Welt verbirgt. Nesser verweigert seinen Lesern dagegen jede Identifikationsmöglichkeit.
Sein Van Veeteren ist ein griesgrämiger, melancholischer Mann mittleren Alters, von seinem Beruf zunehmend angewidert, abgestumpft und wenig sympathisch. Von daher ist es kaum verwunderlich, dass sein Privatleben in Scherben liegt; seine Frau hat ihn verlassen, ein Sohn sitzt im Gefängnis. Seine Arbeitskollegen sind trotz der jahrelangen Zusammenarbeit Arbeitskollegen geblieben, das Verhältnis ist trotz der scheinbaren Vertrautheit oberflächlich. Die Polizei-Arbeit erledigt Van Veeteren mechanisch. Seine »Kunden« verabscheut er, wenn sie ihm nicht gleich ganz gleichgültig sind. (Im Verlauf der Van-Veeteren-Serie hat Nesser diese Negativ-Eigenschaften übrigens ein wenig abgemildert; er gleicht nun seinem »Berufsgenossen« Kurt Wallander, ins Leben gerufen von Nessers ungleich bekannteren und erfolgreicheren Schriftsteller-Kollegen Henning Mankell.)
Insofern weist Van Veeterens Dasein bemerkenswerte Übereinstimmungen zum ebenfalls wenig erfreulichen Leben des Lehrers Mitter auf. Polizisten, Opfer und auch Mörder – sie alle sind ziemlich durchschnittliche Menschen, will Nesser damit wohl deutlich machen, und das gelingt ihm ausgesprochen gut. Dabei nimmt er in Kauf, dass seine Leser ihm womöglich nicht zustimmen werden und Gute wie Böse lieber ein wenig »interessanter« gestaltet sähen. In der Tat ist der Einstieg in Das grobmaschige Netz schwierig. Man muss die ersten fünfzig bis hundert spröden Seiten bei der Stange bleiben. Dann allerdings beginnt sich das raffinierte Bild zu entfalten, das Nesser mit einem scheinbar banalen Alltagsmord einleitete. Das Tempo zieht nun stetig an, die Spannung steigt. Weil er sein Feld so sorgsam bestellt hat, kann Nesser sich dabei treu bleiben und auf vordergründige Tricks verzichten.
Es gibt keine Verfolgungsjagden, keine Explosionen, kein dramatisches Finale mit Blitz und Donner. Niemals zieht Van Veeteren seine Pistole; man erfährt nicht, ob er überhaupt eine besitzt. Und doch geht der Polizei, die einfach »nur« ihr grobmaschiges Netz auslegt, ein echter Serienmörder in die Falle. Da hat Autor Nesser sein Publikum längst in seinen Bann gezogen. das den neuen, zweifellos ebenso nüchternen und unspektakulären, aber dabei immer faszinierenden Fällen Kommissar Van Veeterens entgegen fiebert.
Michael Drewniok, August 2000
Das meinen andere:
»Mit Van Veeteren hat Nesser eine Figur geschaffen, die das Zeug hat, zum Klassiker zu werden.« (Aftenposten)
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| Kasia zu »Håkan Nesser: Das grobmaschige Netz« | 30.10.2009 |
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| Kasia zu »Håkan Nesser: Das grobmaschige Netz« | 30.10.2009 |
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