Inspector Ghote geht nach Bollywood von H.R.F. Keating

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1976 unter dem Titel Filmi, filmi, Inspector Ghote, deutsche Ausgabe erstmals 1978 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Indien / Bombay, 1970 - 1989.

  • London: Collins, 1976 unter dem Titel Filmi, filmi, Inspector Ghote. 191 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1978 Inspector Ghote geht zum Film. Übersetzt von Edda Janus. ISBN: 3-499-42460-6. 137 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2005. Übersetzt von Edda Janus. ISBN: 329320323X. 203 Seiten.

'Inspector Ghote geht nach Bollywood' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein filmreif in Szene gesetzter Mord erschüttert die berühmten Bollywood-Filmstudios von Bombay. Für einmal ist der Mord nämlich echt und endet äußerst tödlich. Das prominente Opfer: Indiens gefeierter Leinwandschurke Dhartiraj, ein Superstar. Detective Inspector Ghote sieht endlich seine Chance gekommen, sich als genialer Starermittler in der High-Society einzuführen. Doch hinter den Kulissen dieser eitlen Welt voll Glanz und Glamour lauern tausend Fallstricke auf den arglosen Aspiranten. Nur die Klatschspaltenkönigin Miss Pilloo Officewallah, die ihre Schnabelnase gerne in die Ränke und Intrigen der Filmindustrie steckt, kann ihm weiterhelfen. Und auf einmal scheinen ziemlich viele Leute mit Dhartiraj, dem beliebten »Star ohne Feinde«, nicht gut Freund gewesen zu sein.

Das meint Krimi-Couch.de: »Geblendet vom Ruhm« 58°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Nichts ist so wie es scheint. Das ist wohl die tiefste Erkenntnis von Constable Ganesh Gothe, nachdem er seine Ermittlungen im Mordfall des Schurkendarstellers Dhartiraj beendet hat. Die glamouröse, glitzernde und zumeist eitle Welt Bollywoods, der riesigen indischen Filmindustrie, entpuppt sich für den Agenten des CID als eine gigantische Kulisse, mehr Schein als Sein. Sein erhoffter beruflicher Aufstieg zum Starermittler verpufft ebenso wie der Zauber von Maske und Kostüm. Besonders in der Garderobe eines unumstrittenen Superstars des indischen Films muss ihm diese Erkenntnis gekommen sein, wo er nämlich sieht, dass auch ein Mensch auf dem Gipfel des Ruhmes nur in einer schmierig-staubigen Umgebung, verdorben vom Gestank der nicht funktionierenden Toilette, seine Garderobe wechseln darf.

Dem Schauspieler Dhartiraj ist ein Scheinwerfer auf den Kopf gefallen. Allerdings nicht ganz zufällig, denn die haltenden Kabel wurden sauber durchschnitten. Zunächst scheint der Filmstar keine Feinde gehabt zu haben, dann treten aus seinem Dunstkreis aber doch einige obskure Gestalten hervor. War es ein alternder Schauspieler, der von Dhartiraj auf zweite Gleis verwiesen wurde? Oder ein Double, der krumme Geschäfte am Set betrieb, um sich eine eigene Filmproduktion aufzubauen? Oder war es ein Groupie, dem der Star versprochen hatte, ihm Rollen beim Film zu besorgen? Vielleicht war es auch doch jemand ganz anderes.

Ein modernes Indien

Ghote bleibt in diesem Roman bei den Ermittlungen auf eine ungewohnte Weise oberflächlich. Den Lehrsätzen seiner Ermittlungsbibel bleibt er über weite Strecken untreu. Ohne auch nur den Hauch von Beweisen zu haben, legt er sich mit seinen Verdächtigungen fest. Er ist geblendet, weil er sich mit der Lösung dieses Falles selber ein Häppchen Ruhm versprechen zu scheint. Als sogar die große Künstlerin Nilima ihn persönlich um die Aufklärung des Falles bittet, scheinen bei Ghote alle Sicherungen durchgebrannt zu sein. Immer wieder muss er erkennen, dass seine Verdächtigungen haltlos sind. Er irrt zwischen Zeugen und Verdächtigen umher, ohne dass man glauben mag, dass er noch den Überblick gewinnen kann.

Die beiden bislang in der Metro-Reihe beim Unionsverlag erschienenen Ghote-Romane zeigen ein Indien, wie es unterschiedlicher nicht sein könnte. Einerseits bei Inspektor Ghote zerbricht ein Ei das traditionelle, ländliche Indien, in dem Religion und Kastenwesen fest verankerter Bestandteil des Alltags sind, andererseits hier bei »Bollywood« ein modernes und sehr westliches Indien. Wie Keating die Allüren der Filmstars beschreibt, uns zu Zeugen der Dreharbeiten macht und auf einen Empfang ins Hotel Taj mitnimmt, das kann gut unterhalten. Die Ermittlungsarbeit Ghotes kann es leider weniger.

Im Vorwort bittet Keating um Nachsicht, dass sein Ghote von einem Verhör zum nächsten tapert. Das war gemäß Auskunft des Autors nun einmal die Weise, wie Krimis in den 70ern geschrieben wurden. Gut, das mag man verzeihen. Dass Ghote sich zum Starermittler aufspielt, weil er höchstpersönlich mit diesem wichtigen Fall betraut wird, kann auch noch belustigen. Dass er dabei jeden Hauch von investigativem Kriminalismus vermissen lässt, kann man nur noch mit dem chauvinistischen Hinweis auf seine Heimat Indien entschuldigen.

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