Die Pythagoras-Morde von Guillermo Martinez

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Crímenes imperceptibles, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Eichborn. 205 Seiten. ISBN-10: 3-8218-0950-7, ISBN-13: 978-3-8218-0950-2. Übersetzt von Angelica Ammar.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England / Oxford, 1990 - heute.

'Die Pythagoras-Morde' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ein junger argentinischer Mathematiker kommt zum Studium nach Oxford und wird bereits nach wenigen Wochen in einen Fall vermeintlicher Serienmorde verwickelt. Gemeinsam mit seinem Mathematikprofessor Arthur Seldom findet er das erste Opfer: seine Vermieterin Mrs. Eagleton, die wegen eines Krebsleidens an ihren Rollstuhl gefesselt war. Auch bei den folgenden Todesfällen handelt es sich vorwiegend um alte und gebrechliche oder bereits schwer kranke Personen und jedes Verbrechen wird von geheimnisvollen – möglicherweise mathematischen – Symbolen und Nachrichten begleitet. Zusammen mit Seldom, der als Autor eines Artikels über Serienmorde der Adressat der verschlüsselten Botschaften zu sein scheint, versucht der ambitionierte Student die Morde aufzuklären. Die Suche nach Täter und Motiv bewegt sich zunächst in dem in sich geschlossenen Kreis der Oxforder Mathematiker. Könnten akademischer Ehrgeiz oder Eifersucht mögliche Motive für die Verbrechen sein? Ist der Täter psychisch krank, leidet er an notorischer Profilierungssucht?

Das meint Krimi-Couch.de: »Mathematik und Literatur – eine lesenswerte Mixtur!« 78°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Von einem besonders warmen Empfang in Oxford kann für den jungen argentinischen Austauschstudenten keine Rede sein. Kaum richtig auf der Insel angekommen und kaum eingelebt, muss er die Leiche seiner Vermieterin in ihrem Wohnzimmer auffinden. Alles sieht nach einem sehr gewöhnlichen Mord aus, sowohl aus Sicht des ermittelnden Inspectors Petersen als auch aus Sicht Professor Arthur Seldoms, der den Argentinier bei seiner Entdeckung begleitet hat. Dennoch: Raubmord scheidet aus – es wurde schließlich nichts gestohlen und auch wirkliche Feinde Mrs. Eagletons, der gelähmten Dame im Rollstuhl mit einer Leidenschaft für Scrabble, wollen sich nicht wirklich auftun.

Ganz so gewöhnlich, wie der Mord scheint, war er allerdings doch nicht, wie Seldom, seines Zeichens Oxforder Mathemathik-Koryphäe und Autor eines Buches über die Logik von Serienmördern, seinem südamerikanischen Studenten und Inspektor Petersen eröffnet. Er, Seldom, habe vorher eine kleine Notiz erhalten: »Nummer eins in der Reihe«. Darunter Mrs. Eagletons Adresse und »3 p.m.«, wie eine Verabredung. Das Bemerkenswerte sei aber ein Detail, ein kleiner, perfekt gezeichneter Kreis.

Der Mathematik-Professor analysiert Serienmorde

Grund genug für die Mathematiker und Petersen, zu orakeln. Denn Seldom behauptet in seinem Buch, dass es sich bei den meisten Fällen von Serienkillern »eher um Fälle für eine psychiatrische Analyse als um wirklich logische Rätsel« handele. Ergo gebe es ihn nicht, den perfekten, »intellektuellen Mord« – außer in Krimis oder so geschickt verübt, dass der Mord als solcher gar nicht wahrgenommen worden ist.

»Ich verstehe, sagte Petersen, «Sie denken, dass jemand, der Ihr Buch gelesen hat, die Herausforderung angenommen haben könnte. Und in diesem Fall wäre der Kreis...»
«Vielleicht das erste Symbol einer logischen Reihe», ergänzte Seldom.

Wie befürchtet folgt dem ersten Mord ein zweiter und ein dritter. Seldom wird vorher «gewarnt», doch will sich keine direkte Reihe erkennen lassen. Natürlich haben Seldom und der junge (übrigens namenlose) argentinische Ich-Erzähler ihre Theorien, doch sehen sie keinen Zusammenhang zu den Ermordeteten. Lediglich eins fällt auf: Der Mörder scheint auf eine bestimmte Art fürsorglich und mitleidend zu handeln, er scheint sich Opfer auszusuchen, die eh sehr bald das Zeitliche gesegnet hätten. Mrs. Eagleton litt an Krebs, Toter Nr. 2, ein Neunzigjähriger, lag bereits komatös im Krankenhaus und wurde seit Jahren künstlich beatmet. Toter Nr. 3, ein Musiker, erstickt während eines Konzerts vor Publikum, war an einem Lungenemphysem erkrankt.

Die Symbol-Folge des Killers

Doch was will der Täter bezwecken? Tatsächlich den Mathematiker herausfordern? Aufzeigen, dass es den perfekten Mord eben doch gibt? Als Seldom mutmaßt, dass die Symbol-Folge des Killers auf den uralten, ausgelöschten Orden der Pythagoräer hindeutet, ist das Verwirrspiel komplett. Und die logische Folge der Symbole noch nicht abgeschlossen …

Etwa 200 Seiten ist Guillermo Martinez´ Kriminalnovelle nur lang. Es müssen halt nicht immer dicke Wälzer werden, um einen clever-kniffligen Plot zu entwickeln und einige interessante Charaktere zu zeichnen. Beides ist dem 1962 geborenen Argentinier bestens gelungen. Und Leser, die schon zu Schulzeiten mit Mathe auf Kriegsfuß standen, können aufatmen. «Die Pythagoras-Morde» ist keineswegs ein dröger Rätselkrimi für Zahlenkünstler oder Logik-Akrobaten. Vielmehr hat Martinez einen «klassisch-britisch» angehauchten, intelligent gestrickten Roman abgeliefert, dem es zwar nicht an Spannung mangelt, aber gänzlich auf Serienkiller-Klischees, Mystik-Thriller-Plattitüden und Brutalität verzichtet.

Martinez spielt auf eine sehr lesenswerte Art mit dem Genre

Martinez, der 2003 ein Essay über Jorge Luis Borges geschrieben hat («Borges y la mathemática"), spielt so auf eine sehr lesenswerte Art mit dem Genre. Ein Mathematiker, der über Serienmorde schreibt. Eine junge Krankenhaus-Angestellte (mit der der Ich-Erzähler nebenbei bemerkt erfolgreich anbändelt), wie verrückt Kriminalromane liest und nur dadurch schon selbst einen Fall gelöst hat. Ein Mörder, der möglichst keinem weh tun möchte. Gespickt mit einer Überaschung nach der anderen, Pointe auf Pointe und einem für einen Logiker – Martinez ist selbst Doktor der Mathematik – mehr als würdigem Finale, ergibt dies einen Kriminalroman, der von vorne bis hinten auf eine angenehm unaufgeregte Art zu fesseln weiß.

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thoru zu »Guillermo Martinez: Die Pythagoras-Morde« 21.10.2007
Schöne Idee und durchaus lesenswert aber für meinen Geschmack stellenweise zu mathematisch und dabei leider den kriminalistischen Teil vernachlässigt.
margit mezger zu »Guillermo Martinez: Die Pythagoras-Morde« 21.07.2007
guter krimi
Feinde Mrs. Eagletons, der gelähmten Dame im Rollstuhl mit einer Leidenschaft für Scrabble, wollen sich nicht wirklich auftun.

Ganz so gewöhnlich, wie der Mord scheint, war er allerdings doch nicht, wie Seldom, seines Zeichens Oxforder Mathemathik-Koryphäe und Autor eines Buches über die Logik von Serienmördern, seinem südamerikanischen Studenten und Inspektor Petersen eröffnet. Er, Seldom, habe vorher eine kleine Notiz erhalten: „Nummer eins in der Reihe“. Darunter Mrs. Eagletons Adresse und „3 p.m.“, wie eine Verabredung. Das Bemerkenswerte sei aber ein Detail, ein kleiner, perfekt gezeichneter Kreis.

Der Mathematik-Professor analysiert Serienmorde
Grund genug für die Mathematiker und Petersen, zu orakeln. Denn Seldom behauptet in seinem Buch, dass es sich bei den meisten Fällen von Serienkillern „eher um Fälle für eine psychiatrische Analyse als um wirklich logische Rätsel“ handele. Ergo gebe es ihn nicht, den perfekten, „intellektuellen Mord“ – außer in Krimis oder so geschickt verübt, dass der Mord als solcher gar nicht wahrgenommen worden ist.

„Ich verstehe, sagte Petersen, “Sie denken, dass jemand, der Ihr Buch gelesen hat, die Herausforderung angenommen haben könnte. Und in diesem Fall wäre der Kreis …„
“Vielleicht das erste Symbol einer logischen Reihe„, ergänzte Seldom.

Wie befürchtet folgt dem ersten Mord ein zweiter und ein dritter. Seldom wird vorher “gewarnt„, doch will sich keine direkte Reihe erkennen lassen. Natürlich haben Seldom und der junge (übrigens namenlose) argentinische Ich-Erzähler ihre Theorien, doch sehen sie keinen Zusammenhang zu den Ermordeteten. Lediglich eins fällt auf: Der Mörder scheint auf eine bestimmte Art fürsorglich und mitleidend zu handeln, er scheint sich Opfer auszusuchen, die eh sehr bald das Zeitliche gesegnet hätten. Mrs. Eagleton litt an Krebs, Toter Nr. 2, ein Neunzigjähriger, lag bereits komatös im Krankenhaus und wurde seit Jahren künstlich beatmet. Toter Nr. 3, ein Musiker, erstickt während eines Konzerts vor Publikum, war an einem Lungenemphysem erkrankt.

Die Symbol-Folge des Killers
Doch was will der Täter bezwecken? Tatsächlich den Mathematiker herausfordern? Aufzeigen, dass es den perfekten Mord eben doch gibt? Als Seldom mutmaßt, dass die Symbol-Folge des Killers auf den uralten, ausgelöschten Orden der Pythagoräer hindeutet, ist das Verwirrspiel komplett. Und die logische Folge der Symbole noch nicht abgeschlossen …

Etwa 200 Seiten ist Guillermo Martinez´ Kriminalnovelle nur lang. Es müssen halt nicht immer dicke Wälzer werden, um einen clever-kniffligen Plot zu entwickeln und einige interessante Charaktere zu zeichnen. Beides ist dem 1962 geborenen Argentinier bestens gelungen. Und Leser, die schon zu Schulzeiten mit Mathe auf Kriegsfuß standen, können aufatmen. “Die Pythagoras-Morde„ ist keineswegs ein dröger Rätselkrimi für Zahlenkünstler oder Logik-Akrobaten. Vielmehr hat Martinez einen “klassisch-britisch„ angehauchten, intelligent gestrickten Roman abgeliefert, dem es zwar nicht an Spannung mangelt, aber gänzlich auf Serienkiller-Klischees, Mystik-Thriller-Plattitüden und Brutalität verzichtet.

Martinez spielt auf eine sehr lesenswerte Art mit dem Genre
Martinez, der 2003 ein Essay über Jorge Luis Borges geschrieben hat (“Borges y la mathemática"), spielt so auf eine sehr lesenswerte Art mit dem Genre. Ein Math
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
heyfisch zu »Guillermo Martinez: Die Pythagoras-Morde« 03.07.2007
Gute Idee, aber nur mäßige Ausführung. Eine Vernüpfung zwischen der Logik der Mathematik und dem Ablauf einer Verbrechensserie zu schaffen ist ein lesenswerter Ansatz. Leider wirkt der Kriminalteil und erst recht die Auflösung etwas an den Haaren herbeigezogen. Beinahe am schönsten zu lesen: Das Glossar mit Erklärungen zu mathematischen Persönlichkeiten!
Ar Bannour zu »Guillermo Martinez: Die Pythagoras-Morde« 26.03.2007
Umberto Eco wählte in seinem Bestseller "Der Name der Rose" das Labyrinth als zentrales Element seiner Geschichte, Guillermo Martinez den Zirkel um Pythagoras von Samos. So bestechend diese Idee auf den ersten Blick erscheint, so bescheiden ist deren Realisierung. Die wiederholt eingestreuten Ausführungen von Professor Seldom sind viel zu langfädig und für einen Krimi zu 'wissenschaftlich'. Zudem sind die Seldoms Zitate nicht fliessend in den Text eingebunden. Der Plot wirkt darum über Massen konstruiert und heterogen. Schade um die gute Idee.
CRI zu »Guillermo Martinez: Die Pythagoras-Morde« 06.03.2007
Sehr spannend, auch das Original in Spanisch ist gut zu lesen (es gibt auch Ausgaben mit dem Titel "Los crímenes de Oxford"). Überraschende Wendungen, doppelter Rätselspaß, weil das "mathematische" Rätsel mit dem Kriminalfall kombiniert ist. Nicht aus der Perspektive eines Kommissars oder Detektivs, sondern eines neugierigen, mehr oder weniger direkten Zeugen der Geschehnisse.
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