Asphaltseele von Gregor Weber

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland, Frankfurt/Main, 2010 - heute.

  • München: Heyne, 2016. ISBN: 978-3-453-27020-6. 240 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Random House Audio, 2016. Gesprochen von Gregor Weber. gekürzte Autorenlesung. ISBN: 3837136191. 4 CDs.

'Asphaltseele' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Ruben Rubeck ist am Ende. Er säuft wie ein Loch, raucht wie ein Schlot und lebt allein in einer Altbaubude im Frankfurter Bahnhofsviertel. Vom harten Leben wird Rubeck eines Abends eingeholt, als er in einen Überfall gerät. Zwei Männer liegen kurze Zeit später auf dem Bürgersteig, einer tot, einer verletzt. Der Tote war offenbar Bodyguard eines koso varischen Gangsterbosses, und schon bald kann Rubeck keinem mehr trauen – erst recht niemandem aus den eigenen Reihen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Wenn Frankfurt plötzlich auf dem Balkan liegt« 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Der Frankfurter Kommissar Ruben Rubeck ist ein echter Straßenbulle. Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause macht er kurze Zwischenstation in seinem Stamm-Bordell, und gerät anschließend in eine Schießerei im finsteren Bahnhofsviertel. Rubeck schießt einen Mann an, der eine große Nummer in der organisierten Kriminalität ist. Sein Leibwächter – ein ehemaliger GSG-9-Mann – wird bei dem Schusswechsel zwischen den Gangstern getötet. Im Krieg auf dem Balkan ist die verwundete Unterwelt-Größe als harter und brutaler Kämpfer aufgefallen. Rubeck schlittert durch diesen Vorfall ungewollt in Ereignisse hinein, die er anfangs nicht überblickt. Aber er weiss sich zu wehren und bekommt langsam und stückweise mehr Informationen. Der Kommissar hat selbst einiges in den Jugoslawien-Kriegen erlebt, und kommt davon, als ihm gefährliche Killer nach dem Leben trachten.

Ruben Rubeck hat harte und ereignisreiche Zeiten hinter sich

Gregor Weber bietet seinen Lesern mit Asphaltseele einen knackigen Thriller an, der in der Hardcore-Serie von Heyne durchaus passend aufgehoben ist. Hier geht es nicht zu wie in vielen deutschen Fernseh-Krimis, die zuweilen soft und überaus nachdenklich daher kommen. Vorschriften werden eingehalten, Waffen zur Seite gelegt, um den oder die Täter zu beruhigen.

Das ist bei Ruben Rubeck völlig anders. Er war als Bundeswehr-Soldat bei den Feldjägern, und mit seiner Einheit etliche Jahre im unruhigen Kosovo eingesetzt. Nach diesen harten und ereignisreichen Erfahrungen ist Rubeck Polizist geworden – und da ist er eben ein echter Straßenbulle. In der Frankfurter Innenstadt, vor allem im Bahnhofsviertel, lebt Rubeck mitten zwischen seiner Klientel. Er hat es nicht nur dicht zur Arbeit, sondern steckt zuweilen mittendrin. Es verwundert kaum, dass er Alkoholiker ist, und sein Sex-Leben vor allem in Bordellen stattfindet.

Obskurer LKA-Mitarbeiter bringt weitere Dynamik in die Handlung

Da ist es auch kaum überraschend, dass er seine Abende gerne in seiner Stamm-Kneipe um die Ecke verbringt. Und da Rubeck nichts von der Vorschrift hält, in der Freizeit keine Waffe zu tragen, zieht er reflexartig seine SIG-Sauer, als er förmlich in die Schießerei der Unterweltler hinein stolpert. Immerhin ist er der Held für ein junges Pärchen, dem er mutmaßlich das Leben rettet. Kein Held ist er für einige seiner Kollegen, weil einer der Gangster tot auf dem Pflaster liegt, und Rubeck den anderen mit zwei Schüssen schwer verletzt hat. Es bleibt jedoch nichts hängen, weil es sich um eine Schießerei zwischen rivalisierenden kriminellen Banden gehandelt hat, Rubeck wird korrektes Verhalten attestiert.

Die Geschichte um den Frankfurter Straßenbullen bekommt dann noch mehr Dynamik, als ein obskurer LKA-Mitarbeiter die Bühne betritt. Rubeck soll verdeckt für ihn arbeiten, und den verletzten Unterweltler überwachen und – wenn möglich – dingfest machen. Der ist offenbar in Hamburg eine große Nummer im kriminellen Milieu – aber nicht nur das.

Abgerissener Protagonist wirkt sympathisch auf den Leser

Der Autor hat hier einen ziemlich abgerissenen Protagonisten kreiert, der wohl gerade deswegen für den Leser sympathisch wirkt – jedenfalls ist es mir so gegangen. Weber geht mit seinen Action-Szenen deutlich über das hinaus, was man sonst in deutschen Krimis serviert bekommt. Zwei Handlungsebenen bringen zudem steigende Spannung in den gelungenen Plot. In eingestreuten Rückblenden verfolgt der Leser, wie der junge Rubeck mit seiner Feldjäger-Einheit Jagd auf Kriegsverbrecher machte. In der Gegenwart ist er nun hinter einem berüchtigten Gangsterboss her – unter zunehmend verwirrenden Umständen.

In Vergangenheit und Gegenwart wird die Spannung durch viel Action und etliche Cliffhanger befördert. Aber auch die spürbaren inneren Widersprüche der verschiedenen Protagonisten und ihr sprunghaftes Verhalten machen die Lektüre mehr als abwechslungsreich.

Vordringlich zieht sich dabei die Frage durch den Roman, ob Rubeck die ganze Sache unbeschadet übersteht, oder ob es ihm doch noch ans Leder geht. Ruben Rubeck mit seinem dreckigen Frankfurter Bahnhofsviertel ist ein viel versprechender Protagonist – ich würde gerne mal ein Bier mit ihm trinken gehen.

Andreas Kurth, März 2017

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harimau zu »Gregor Weber: Asphaltseele« 29.10.2016
Im ersten Krimi von Gregor Weber mit dem Titel Asphaltseele lernen wir mit Ruben Rubeck einen neuen Kommissar kennen: Einen, der seine Vorschriften genau kennt und liebend gerne auch einhalten würde, wenn nur die Umstände – oder besser: die Verbrecher im Frankfurter Bahnhofsviertel – dies zuließen. Machen sie aber natürlich nicht, und so muß der Kommissar etliche Gauner selbst töten oder zumindest verprügeln, bis der Fall zwar nicht streng nach Gesetz behandelt, aber immerhin mit moralisch befriedigendem Ergebnis abgeschlossen wird.
Er selbst bekommt dabei natürlich auch einiges ab. Pilsbier und härteres fließen reichlich, ob die Dienstaufsicht das noch lange toleriert und seine Leber diesen Lebenswandel auch nur bis zur Pensionierung durchhält?
Der Tonfall des ganzen Romans ist gesprenkelt mit lakonischen Reden und Gegenreden. Unter den Polizei-Kollegen dürften solche Sprüche nahe an der Wirklichkeit sein, und wer seinem Vorgesetzen solche Antworten gibt, darf sich nicht wundern, mit 47 Jahren immer noch nur einfacher Kommissar zu sein. Auch die Schilderungen seines Balkan-Einsatzes vor der Zeit bei der Polizei klingen echt. Insgesamt liest sich der Roman flüssig runter und ist stellenweise sogar amüsant. Gregor Weber beweist, dass nicht nur Amerikaner und Skandinavier guten »Hardcore« schreiben können.
Ein inhaltlich unwichtiges, aber leider faules Detail hat mich hingegen echt gestört, da bin ich penibel: Auf Seite 105 schaut sich der Kommissar eine DVD an, »The Maltese Falcon, Bogart und Bacall«.
Ja, verdammt nochmal, wenn schon der Autor schlampt, wurden denn jetzt alle Lektoren durch ein Rechtschreibe-Prüf-Programm ersetzt, das vom Film natürlich keine Ahnung hat?
Nach der IMDB spielte Bogart mit der Bacall erstmals fünf Jahre nach The Maltese Falcon in The Big Sleep, in The Maltese Falcon spielte an Bogeys Seite Mary Astor.
walli007 zu »Gregor Weber: Asphaltseele« 24.10.2016
Roter Himmel

Die Karriere des Polizisten Ruben Rubeck - sein Vater war etwas speziell - hat nie wirklich stattgefunden. Und nun fristet er sein Dienst in den weniger angesagten Vierteln Frankfurts. Nach einer Kneipentour auf dem Weg nach hause, erwischt Rubeck genau den einen Moment, in dem er die Möglichkeit hat, einen Menschen zu retten, der von zwielichtigen Gestalten beschossen wird. Natürlich schließt sich eine interne Untersuchung an die Ereignisse an. Mehr als erstaunt ist Rubeck jedoch als ein höherer LKA-Beamter an ihn herantritt und ihn bittet, eine Art Überwachung des angeschossenen Opfers zu übernehmen, der inzwischen im Krankenhaus angekommen ist.

Was ist mit Ruben Rubeck passiert? Bevor er Polizist wurde, war er als Zeitsoldat im auch im ehemaligen Jugoslawien stationiert. Nicht immer leicht zu ertragen, sind die Erlebnisse in der Einheit. Aber das macht Rubeck nicht groß zum Thema. Auch wenn er als Polizist keine besonders auffälligen Leistungen bringt, ist er doch nicht unbeliebt auf der Wache und hat auch einigen Rückhalt bei den Kollegen. So langsam allerdings scheint sein Guthaben in die Nähe des Aufgebrauchtseins zu kommen. Und nun diese Sache mit der Schießerei. Doch da Rubeck offensichtlich in Notwehr und zum Schutz des Opfers gehandelt hat, wird die Sache nicht an die große Glocke gehängt. Und dann der Auftrag, was mag dahinter stecken, welches könnte das große Komplott sein? Wer zieht die Fäden?

Der Lesung des Autors merkt man an, dass er Freude daran hatte, seinen Charakteren mit Betonungen und lokalen Ausprägungen der Sprachmelodie, jeweils eine eigene Stimme zu verleihen. Dadurch wirkt der Vortrag sehr lebendig und plastisch. Durch die verschiedenen Intonationen, die kurzen Sätze und die schnellen Szenenwechsel wird man fast des Atems beraubt. Doch in Andeutungen, Gedanken und Wünschen kommt auch die Emotion nicht zu kurz. Nur eine Kleinigkeit könnte man vermissen, der innere Zusammenhang. Da wecken Andeutungen und die verschiedenen Zeitebenen in denen die Handlung angesiedelt ist Erwartungen, die sich mitunter als trügerisch erweisen könnten.
Jose la mouche zu »Gregor Weber: Asphaltseele« 04.10.2016
Die einfache Sprache der Strasse gibt diesem leider viel zu kurzen Buch seinen besonderen Stil. Spannung bis zur letzten Seite. Zwischendurch werden Erlebnisse eingeblendet, die man zunächst nicht einordnen kann, dann wird alles klar.
Die Spannung wird bis zur letzten Seite aufrecht erhalten. Leider ist bei Seite 176 Schluss. Sicher werde ich versuchen, mir die anderen Bücher des Autors auch zu besorgen.
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