Graham Greene

Graham Greene

Graham Greene wurde 1904 als viertes von sechs Kindern in Berkhamsted, Hertfordshire geboren. Das Jungeninternat, das er besuchte, wurde von seinem Vater geleitet, weswegen er seitens seiner Mitschülern ständige Repressionen erleiden musste. Schon früh flüchtete der sensible und zurückhaltende Junge in die Welt der Bücher und las begeistert – vor allem Abenteuerromane. Mit Fünfzehn verließ Greene nach mehreren Selbstmordversuchen das Internat und begab sich in psychotherapeutische Behandlung. Sein Therapeut ermutigte ihn zu schreiben und führte ihn in den Londoner Literatenkreis ein.

Greene nahm seine Schullaufbahn in Oxford wieder auf, wo er am Balliol College Geschichte studierte. Er selbst gab an, die meiste Zeit chronisch verschuldet und betrunken gewesen zu sein. Allerdings sammelte er auch erste journalistische Erfahrung als Redakteur des Oxford Outlook und entwickelte politisches Interesse. Er wurde für kurze Zeit Mitglied der Kommunistischen Partei, wohl vor allem um an einer Reise nach Moskau teilzunehmen. Als sich diese Möglichkeit zerschlug, trat er wieder aus.

Start seiner literarischen Laufbahn

Nach seinem Abschluss arbeitete er – nachdem er zwei Anstellungen nach kurzer Zeit abgebrochen hatte – als Redakteur des Nottingham Journal. In dieser Zeit lernte er auch seine spätere Ehefrau Vivien Dayrell-Browning kennen. Auf ihr Drängen hin konvertierte er 1926 zum Katholizismus, um eine Heirat zu ermöglichen. Aufgrund seines ausufernden Lebenswandels – inklusive mehrerer Affären – trennte sie sich 1948 von ihm; allerdings blieben sie zeitlebens verheiratet.

»Für ihn ist die Hölle wohl ein exklusiver Nachtclub, zu dem nur Katholiken Zugang haben«1

1927 wechselte er als Redakteur zur London Times. Er heiratete seine Verlobte, mit der er einen Sohn und eine Tochter zeugen sollte. In dieser Zeit feierte Greene auch seinen ersten Erfolg als Schriftsteller. Sein Roman The man within wurde veröffentlicht und direkt ein Erfolg. Dies veranlasste ihn dazu, seine Stelle bei der Times zu kündigen und sich ganz dem Schreiben zu widmen. Seine folgenden beiden Romane verkauften sich allerdings schlecht, und Greene musste erneut eine Stelle bei der Zeitschrift The Spectator annehmen. Er begann sich für Filme zu interessieren und Drehbücher zu schreiben. Seinen größten Erfolg als Drehbuchschreiber hatte er mit dem Film Der dritte Mann, der 1949 in die Kinos kam.

Greene als Weltenbummler

Graham Greene entwickelte eine ausgeprägte Leidenschaft für das Reisen. Die Gefahren, die damit verbunden waren, schienen ihn eher anzustacheln als zu hemmen. So reiste er während des Indochina Krieges durch Vietnam, während des Mau-Mau-Krieges durch Kenia und durch das stalinistische Polen. Auf einem 400 Meilen Marsch durch Liberia soll er fast gestorben sein. Auf seinen Reisen nach Mittelamerika machte er die Bekanntschaft von Fidel Castro, Manuel Noriega und Omar Torrijos. Letzterer inspirierte ihn zu seinem Werk Getting to know the general.

Zudem war Greene während des Zweiten Weltkrieges für den britischen Auslandsgeheimdienst in Westafrika aktiv. Sein Vorgesetzter war zu dieser Zeit Kim Philby, von dem später bekannt wurde, dass er als Doppelagent auch für die Russen spionierte. Eine Tatsache, die immer wieder zu Spekulationen über Greenes Loyalität führte. Allerdings scheint sein Engagement für den Geheimdienst für Greene eher pragmatisch motiviert gewesen zu sein. Er selbst sprach vom MI6, dem britischen Auslandsgeheimdienst, als dem »besten Reisebüro der Welt«.2

Auch jenseits seiner vielen Reisen führte Graham Greene ein illustres Leben. Er hatte Wohnsitze in London, Antibes und Capri und stand im regen Austausch mit wichtigen Persönlichkeiten seiner Zeit, zum Beispiel Ian Fleming, Noel Coward oder T.S. Eliot. Seinen Lebensabend verbrachte er mit seiner Lebensgefährtin in Vevey, in der Schweiz, wo er im Frühjahr 1991 verstarb.

Die zwei Seiten des Graham Greene

DER SPIEGEL nannte Greene einen »genialen Spurenleger und -verwischer«. Er selbst hielt fest, dass eventuelle Biographen von ihm ziemlich »in die Irre geführt werden«3 So scheint es wenig verwunderlich, dass Anfang der 90er von Norman Sherry und Michael Sheldon gleich zwei große Biographien veröffentlicht wurden, die Greene völlig unterschiedlich beurteilen. Die Debatte fand ihren Höhepunkt bei einer Lesung in einem Buchladen in Hampstead, in dem Sherry Sheldon als »literarischen Terroristen« beschimpfte und ihm mehr als 1000 Fehler in seinem Buch unterstellte.

Graham Greene hinterließ ein umfangreiches literarisches Werk und gilt als der Autor mit den meisten Nominierungen für den Nobelpreis. Viele seiner Bücher wurden später verfilmt. Er selbst unterteilte seine Bücher in seriöse und »Entertainments«. Eine objektive Charakterisierung seiner Werke ist jedoch schwierig. Aufgrund der Vielzahl psychologischer und religiöser Themen gerät die Spannung seiner Werke oftmals in den Hintergrund. »Graham Greens Platz in der Geschichte der Kriminalliteratur ist deswegen so beachtlich, weil er sie um mehrere Dimensionen bereichert hat.«4

Krimis von Graham Greene:5

Kurzgeschichten:

  • (1935) Der Kellerraum
    The Basement Room, and Other Storiey
  • (1947) Spiel im Dunkeln
    Nineteen Stories / Twenty-one stories (1954)
  • (1963) Unter dem Garten
    A Sense of Reality
  • (1990) Der Mann, der den Eiffelturm stahl und andere Erzählungen
    The last word and other stories
  • (2004) No Man’s Land

Mehr über Graham Greene:

  • Sherry, Norman: The Life of Graham Greene. 3 Bände. London: J. Cape, 1989-2004 (authorisierte Biografie)
  • Sheldon, Michael: Graham Greene: The enemy Within. New York: Random House,1994
  • Critical Survey Of Mystery And Detective Crime Fiction. Band 2. Pasadena / Hackensack: Salem Press, 1988-2008
  • Schmidt, Jochen: Gangster Opfer Detektive. Eine Typengeschichte des Kriminalromans. Hillesheim: KBV, 2009

1 George Orwell über Graham Greene (Übersetzung des Verfassers)
2 Der Spion mit Teddy", DER SPIEGEL 4/1995
3 ebenda 
4 Critical Survey Of Mystery And Detective Fiction (Übersetzung des Verfassers)
5 vgl. ebenda

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