Erbarmungslos von G.M. Ford

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Fury, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Washington (State) / Seattle, 1990 - 2009.
Folge 1 der Frank-Corso-Serie.

  • New York: W. Morrow, 2001 unter dem Titel Fury. 323 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger. ISBN: 3-442-45846-3. 384 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger. ISBN: 3-442-46136-7. 384 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger. ISBN: 978-3-442-46475-3. 384 Seiten.

'Erbarmungslos' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die Medien nennen ihn den »Trashman« – einen brutalen Serienvergewaltiger und Killer, der seine Opfer auf Müllbergen zurückließ. Vor drei Jahren wurde er dank einer Zeugenaussage gefasst, nun wartet Walter Leroy Himes in der Todeszelle auf seine Hinrichtung. Doch die Zeugin hat gelogen – und keiner will es hören. In sechs Tagen wird Himes sterben, aber nur der Journalist Frank Corso ist bereit, den Fall erneut aufzurollen. Er beginnt einen dramatischen Wettlauf gegen die Zeit – und eine verzweifelte Suche nach dem wahren Mörder, der bereits nach neuen Opfern Ausschau hält …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ellroy meets Deaver?!« 78°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Man will es keinem Leser verübeln, wenn er bei Phrasen wie »brutaler Serienvergewaltiger«, »Fall neu aufrollen« und »Wettlauf gegen die Zeit« die Hände überm Kopf zusammenschlägt und nur »nicht noch so ein Thriller!« denkt. Wenn die ersten Seiten dann auch noch dermaßen unelegant und uninspiriert wirken wie bei G.M. Fords Debüt »Erbarmlungslos« – wofür brauchen wir in einem Absatz schon vollständige Sätze mit Subjekt und Prädikat? – wieso sollte man weiterlesen? Weil der erste Eindruck nicht immer der richtige sein muss. Und dass ein Roman auch völlig anders wirken kann, wenn man als Leser nur anders an ihn herangeht.

Kurz zu den wenig innovativen Fakten: Es gab eine Reihe von brutalen Vergewaltigungen und Morden in Seattle. Dingfest will die Polizei dafür einen gewissen Walter Leroy Himes machen, eine arme, beschränkte Kreatur, die nun auf die Todesspritze wartet. Nun wendet sich die Hauptbelastungszeugin an einen gewissen Frank Corso, Star-Journalist mit Allüren und extrem kontaktscheu. Dieser wird von der »Seattle Sun« reaktiviert, nachdem er in einer früheren Story extremst daneben gegriffen hatte und aussortiert worden war. Der ziert sich, steht aber zu seinem Wort gegenüber der Verlegerin (ja, der Mann hat Moral und Gewissen!) und nimmt die Aussage der Zeugin auf, beginnt zu recherchieren, schnappt sich eine junge Fotografin als Kompagnon und siehe da – sitzt dieser Himes wirklich zu Unrecht im Knast? Soll er sogar unschuldig hingerichtet werden? Das, was Corso herausfindet spricht mehr als dafür, denn die Morde gehen weiter. Und das Seattle Police Department leugnet und leugnet.

Der Teufel steckt im Detail

Als Story mag das alles anfänglich nicht so recht überzeugen. Es gibt weitaus clevere Plots (wie die eines Jeffery Deavers), es gibt Autoren, die ihr Handwerk besser beherrschen. Aber der Teufel steckt im Detail – womit wir zu eingangs erwähnter Herangehensweise an einen Roman zurückkommen.

Die von G.M. Ford (was für ein Pseudonym(?), hätte die Übersetzerin doch nur Opel gehießen) konstruierte Story hat nämlich durchaus die ein oder brisante Fragestellung. Klar, es geht um die Todesstrafe. Interessant macht Ford sie allerdings erst dadurch, dass er den verurteilten Himes tatsächlich wie ein Monster zeichnet, dass die Taten – selbst wenn er sie begangen hätte – ganz und gar nicht bereut. Und als Leser ertappt man sich dabei, Himes vorzuverurteilen. Tatsächliche Schuld hin oder her. Ford macht klar: In jedem von uns herrscht eine Grauzone, eine Doppelmoral, die er in »Erbarmungslos« auszuloten versucht.

Anders als bei vielen anderen amerikanischen Thrillern gibt es bei Ford überhaupt kein Schwarz und Weiß, er taucht Seattle in eine tiefgraue Brühe, aus der weder die beiden Protagonisten noch die Opfer noch die Täter herausstechen. Corso ist ein Kotzbrocken, Kollegin Dougherty alles andere als ein weiblicher »American Dream«, die Presse steht irgendwo zwischen Selbstauftrag und Auflage, Richter zwischen Gesetz und Golfplatz. Und siehe da: Plötzlich passt die Sprache auch. Wieso ausschmücken, was schlimm genug ist? Ja, G.M. Fords geht eher Richtung amerikanischer Noir der Hardboiled-Schule à la James Ellroy denn zu Massmarket-Thrillern eines Thomas Harris. Und der eigentliche Fall des »Trashmans«, wie die Medien den Serial Killer taufen, gehört fast schon zu »ferner liefen«-

Noch nicht erbarmungslos genug

Dennoch: Seien wir vorsichtig, Ford in einem Atemzug mit Ellroy zu nennen. Dafür ist »Erbarmungslos« dann eben doch nicht erbarmungslos genug und das Anbändeln von Corso und Dougherty passt ebenso wenig wie die Mutation eines zurückgezogenen Journalisten zum Moralapostel.

G.M. Ford wird sich für eine Richtung entscheiden müssen: Wird aus seiner Corso-Reihe ein »Seattle-Noir« so wie Ellroys Romane für Los Angeles? Oder geht er unter als ein B-Autor, der zu viele Zutaten zusammengemischt hat, ohne etwas Mundendes zu kreieren?

»Erbarmungslos« ist insofern ein – so abgedroschen es klingt – vielversprechendes Debüt. Ford hat das Zeug dazu, mit einem Journalisten als Held eine sehr eigenständige, harte, ungemütliche Schiene des Thrillers für sich zu beanspruchen. Bis dahin ist es noch ein steiniger Weg, aber die ersten Schritte hat er hinter sich. Um Ford auf diesen zu folgen, sollte sich der Leser darauf gefasst machen, mit illusionslosen Wahrheiten vor den Kopf gestoßen zu werden. Wem dies gelingt, wird mit einem der bemerkenswertesten Thriller-Debüts der letzten Jahre belohnt.

Ihre Meinung zu »G.M. Ford: Erbarmungslos«

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Janko zu »G.M. Ford: Erbarmungslos« 26.11.2008
In der Todeszelle wartet der Obdachlose Walter Leroy Himes auf den Tag seiner Hinrichtung. Nur noch wenige Tage, dann soll der Frauenvergewaltiger und Mörder, den man auch den Müllmann nennt, hingerichtet werden. Dass er zu unrecht verurteilt wurde, scheint niemanden wirklich zu interessieren. Nicht einmal ihn selbst. Erst als die damalige Zeugin Leanne Samples ganze sechs Tage vor dem Hinrichtungstermin mit dem Journalisten Frank Corso sprechen möchte, versucht dieser gegen alle Blockaden und gegen die immer knapper werdende Zeit anzukämpfen. Denn die Zeugin hatte damals gelogen, was Himes und seine Schuld anbetraf. Corso und seine Photographin Meg Dougherty beginnen kräftig in der Scheiße von Polizei, FBI und Justiz zu rühren, was selbigen natürlich äußerst übel aufstößt. Vor allem dem leitenden Ermittler Densmore, der zum Ende hin etwas kopflos wirkt, sind Corso und Dougherty, die sich dazu erdreisten, eigenmächtig in die Ermittlungen einzugreifen, ein Dorn im Auge. Die bewegte Vergangenheit des Zeitungsreporters macht die Sachlage für beide Seiten keinesfalls leichter. „Erbarmungslos“ erzählt der Autor G.M. Ford seine rasante Story, die etwa um die Jahrtausendwende in Seattle spielt, fast gänzlich aus der Sicht seines Hauptprotagonisten Frabk Corso. Der gefühlsarme, sarkastische Zeitungsreporter trumpft dabei immer wieder mit abgedrehten Ideen und coolen Sprüchen auf, die selbiger einfach mal so nebenbei aus dem Ärmel schüttelt und die sich in einer kaum vergleichbaren Leichtigkeit in den Plot einzuflechten vermögen. „Erbarmungslos“ ist ein flüssig geschriebener, sprachstilistischer Höhepunkt der literarischen Erzählkunst, der das Prädikat „Besonders wertvoll“ verdient!
Meine Wertung: 80°
heiniboss zu »G.M. Ford: Erbarmungslos« 21.06.2008
Auch wenn man zunächst meint, die Story irgendwie schon zu kennen und auch ein wenig skeptisch ist, mit einem Journalisten den Mörder zu enttarnen, man wird eines besseren belehrt. Man fängt an zu lesen und kann dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen. Subtile Spannung und und intelligenter Wortwitz machen Lust auf mehr!
G.M.Ford schafft es, dass man am Ende unbedingt eine neue Story mit Frank Corso erleben will...So cool hat selten jemand ermittelt...
frolleinvomamt zu »G.M. Ford: Erbarmungslos« 28.11.2007
Nachdem ich "Killerinstinkt" nach wenigen Seiten enttäuscht in die Ecke geschmissen hatte, habe ich mich nur halbherzig an "Erbarmungslos" rangetraut.
Und wie es oft so kommt, fand ich das Buch von Anfang an klasse.
Die Rededuelle zwischen den Personen sind knorrig, Vieles ist zum Schmunzeln.
Der Fall als solcher hat mich nicht wirklich interessiert, und wenn man Action und die üblichen Serienmörder-Orgien erwartet, ist man hier auch falsch.
Die Schreibe ist einfach cool!
Für mich einer der besten Krimis, die ich in diesem Jahr gelesen habe.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
heyfisch zu »G.M. Ford: Erbarmungslos« 05.06.2006
Man merkt dem Buch allzu deutlich an, dass der Autor aus der Schule des creativ writing stammt. Die Sprache schwelgt in künstlichen, vermeintlich Spannung erzeugenden, Rückgriffen, die jedoch schon nach 50 Seiten nur noch lästig sind. Die Geschichte ist an den Haaren herbei gezogen, aber trotzdem sehr schnell durchschaubar. Wer gut und spannend unterhalten werden will sollte dieses Buch meiden. Werde von diesem Autor, der schon weiß, warum er sich hinter einem Pseudonym versteckt, nichts mehr lesen.
Quickmix zu »G.M. Ford: Erbarmungslos« 05.12.2005
Ich fandd as Buch absolut klasse. Besonders die Sache mit Corso und Dougherty fand ich gut. Besonders den Schreibstil fand ich beeindruckend. Spannend und an einigen Stellen sogar recht witzig geschrieben, z.B. bei der übergabe das Umschlages der dann einige Zeit in der Luft schwebt.
Es gibt ja in den USA schon insgesamt 4 Bücher mit Corso. Das zweite kommt in Deutschland ca. im April 2006 raus.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Annemarie Grams zu »G.M. Ford: Erbarmungslos« 12.10.2005
Zu Vergleichen mit Ellroy kann ich nichts sagen,noch nicht gelesen.Deaver allerdings schon -aber vergleichen würde ich die beiden kaum miteinander. Was mich an Erbarmungslos fasziniert hat ist zum Einen die Spannung die man dem Buch ganz sicher nicht absprechen kann,zum Anderen aber vor allem die Sprache. Er bringt mit seinem Stil eine ganz eigene Art Humor hinein,die mich trotz der fesselnden Story und dem nicht wirklich appetitlichen Thema Todesstrafe des öfteren zum Lachen gebracht hat. Selbst mein 20-jähriger Sohn für den ein Buch lesen zu müssen fast mit der Todesstrafe gleichzusetzen ist hat nachdiversen vorgelesenen Auszügen angekündigt es freiwillig zu lesen(!!). Ich persönlich werde von dem Herrn auf jeden Fall alles weitere verschlingen und hoffe das er seinem Stil treu bleibt.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
tsetse zu »G.M. Ford: Erbarmungslos« 25.04.2005
Zur deutschen Übersetzung von "Fury" kann ich nichts sagen, und Ellroy ist mir ein Greuel. Aber ich habe "Fury" im Original gelesen und sämtliche drei Folgebände gierig verschlungen. Der Autor hat ein paar Schwächen, mag sein. Wenn man aber vor allem Unterhaltung und Spannung von einem Krimi verlangt, einen eleganten, schwungvollen Stil (Fords Englisch ist geschliffen und gut zu lesen!), gesellschaftskritische Untertöne und entschieden mehr als die in so vielen Krimis übliche dröge Schwarzweißmalerei, dann ist G.M.Ford erste Sahne.

Übrigens wundert es mich, dass hier unter Fords Vorbildern derjenige Autor nicht genannt worden ist, an den seine Bücher mich am meisten erinnern: der Schotte Christopher Brookmyre. Der ist natürlich stellenweise weit drastischer; aber Fords Held Corso wirkt auf mich wie eine ins Hochmisanthropische gesteigerte Neuauflage von Brookmyres Held Jack Parlabane (auch ein von Moral bewegter Journalist mit einer Katastrophe in seiner Vergangenheit). Das ist keineswegs als Kritik an Ford gemeint; Brookmyres letzte drei Krimis haben ja leider nicht so ganz gehalten, was seine ersten vier versprochen haben, und G.M. Ford versüsst einem das Warten auf (hoffentlich) kommende Glanzleistungen ganz enorm.
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