Ehrenwerte Leute von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1975
unter dem Titel Gente di rispetto,
deutsche Ausgabe erstmals 1990
bei Beck & Glückler.
Ort & Zeit der Handlung: Sizilien, 1970 - 1989.
- Mailand: Bompiani, 1975 unter dem Titel Gente di rispetto. 250 Seiten.
-
Freiburg im Breisgau: Beck & Glückler, 1990.
Übersetzt von Peter O. Chotjewitz.
ISBN:
3924175659. 315 Seiten. -
Zürich: Unionsverlag, 1993.
Übersetzt von Peter O. Chotjewitz.
ISBN:
3293200281. 279 Seiten. -
Zürich: Unionsverlag, 2003.
Übersetzt von Peter O. Chotjewitz.
ISBN:
3293202535. 223 Seiten.
'Ehrenwerte Leute' ist erschienen als
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In Kürze:
Als die junge Lehrerin Elena in einem sizilianischen Bergdorf eine Stelle antritt, wird sie über Nacht zur Respektsperson. Wer sie beleidigt, wird am nächsten Morgen tot auf der Piazza gefunden. Ein undurchschaubares, unerklärliches Netz ist um sie gesponnen. Sie steht unter dem Schutz »ehrenwerter« Leute und weiß nicht warum. Das Dorf wird ihr zum Alptraum. – Ein Kriminalroman ohne Täter, ohne beruhigende Aufklärung der Morde, ohne sichtbare Motive. Ein Schlüssel zum absurden Gesetz des Schweigens.
Das meint Krimi-Couch.de: »Unerbittliche Konsequenz«
Krimi-Rezension von Wolfgang Reuter überspringen
Elena Vizzini ist eine Volksschullehrerin ohne Arbeit. Sie hat an einem Einstellungswettbewerb teilgenommen und den ernüchternden Platz 492 gemacht. Der bringt ihr das Angebot, in einem entfernten sizilianischen Bergdorf namens Montenero Valdemone für ein Jahr zu unterrichten. Widerwillig nimmt sie an und macht sich auf den Weg. Das Dorf liegt in einer ärmlichen Gegend mit karger, steiniger Landschaft, grauen Häusern und schwarzgekleideten, schweigsamen Menschen, dominiert von einem gewaltigen, weißen Kirchturm. Ihre Wohnung ist kalt, die Schule gleicht einer Festung. Am nächsten Tag wird sie auf der Piazza in aller Öffentlichkeit von einem Fremden belästigt und beleidigt. Jeder sieht zu. Keiner greift ein. Alle schweigen. Elena rettet sich nach Hause.
Tags darauf findet man die Leiche des Fremden auf dem Hauptplatz, getötet durch fünf Schüsse, auf einen Sessel gebunden, mit einer Wiesenblume im Mund. Die Leute behandeln Elena plötzlich mit Respekt, die Verhaltensänderung ihr gegenüber ist auffällig.
Einige Zeit später wird sie von zwei Motorradfahrern überfallen und an den Haaren über den Platz geschleift. Verwundet bleibt sie liegen. Keiner greift ein. Jeder sieht zu. Alle schweigen. Mit Mühe, Schmerzen und einer großen Wut im Bauch auf alle diese »Bastarde und Feiglinge« gelangt sie nach Hause.
Am nächsten Tag findet man die beiden Täter sitzend auf ihr Motorrad gebunden, erschossen durch mehrere Kugeln.
Der Respekt der Leute ist nun fast grenzenlos, offenbar glaubt jeder, sie stecke hinter den Morden. Ihr gesellschaftlicher und politischer Einfluss nimmt zu, aber auf der Suche nach dem Hintergrund der Ereignisse stößt sie auf eine Mauer des Schweigens. Und der Mörder arbeitet weiter, schließt seine Kreise immer enger um Elena …
Giuseppe Fava war Schriftsteller und Journalist, er schrieb Romane, Sachbücher und Theaterstücke. Sein Thema war die Mafia, ihre gesellschaftlichen, sozialen und politischen Ursachen. Damit steht er direkt in der Tradition von Leonardo Sciascia, mit dem ihn auch anderes verbindet:
- die unerbittliche Konsequenz
- die Leichtigkeit und der Bilderreichtum der Sprache
- die oft humorvoll-satirische Darstellung seiner Landsleute
- die Kritik an den sozialen Verhältnissen.
Aber da sind auch viele sehr persönliche Elemente, die diesem Roman etwas ganz Eigenständiges und Faszinierendes verleihen: Fava denkt als Dramatiker, vom Theater her. Viele seiner Szenen sind daher auch geschriebenes Theater vom Feinsten. Und die große Demonstration und Feier der Bevölkerung gegen Ende gleicht einem Ausschnitt aus Fellinis »Roma« oder »Amacord«.
Seine große Stärke aber ist die Darstellung von Menschen. Hier erreicht er ein Niveau, eine Tiefe und eine Genauigkeit wie nur wenige seiner Zeitgenossen, allein das macht ihn für mich zu einem großen Schriftsteller.
Eine besondere Meisterleistung und das prägende Element dieses Romans überhaupt ist die Hauptfigur Elena, mit der ihm ein unglaublich beeindruckendes Psychogramm einer leidenschaftlichen, temperamentvollen und sinnlichen Frau gelingt. Man lese nur etwa ab Seite 43, ihre Auseinandersetzung und Versöhnung mit Michele Belcore.
Fava spürt den Ursachen der mafiösen italienischen Gesellschaft nach. Er zeigt, wie die Menschen sich in Fatalismus flüchten, wie die Mafia Jeden zu jeder Zeit treffen kann, Schweigen als ungeschriebenes Gesetz, die unglaubliche Armut mancher Gegenden im Süden Italiens, die Manipulierbarkeit der Leute durch Unwissenheit, Aberglaube oder Analphabetentum, Reste von Faschismus und die klerikale Dominanz.
Giuseppe Fava wurde 1984, neunundfünfzig Jahre alt, vor seinem Theater von der Mafia ermordet. Mit dem Roman »Ehrenwerte Leute«, bereits 1975 geschrieben, ist ihm ein großartiges Stück italienischer Literatur gelungen.
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| Andreas Gruber zu »Giuseppe Fava: Ehrenwerte Leute« | 19.01.2006 |
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| morus64 zu »Giuseppe Fava: Ehrenwerte Leute« | 02.10.2005 |
| Rosemarie Fähndrich Burger zu »Giuseppe Fava: Ehrenwerte Leute« | 06.03.2005 |
| Ulrich zu »Giuseppe Fava: Ehrenwerte Leute« | 23.04.2004 |


