Das Doppelgrab in der Provence von Gisbert Haefs

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1988 bei Haffmans.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Provence, 1990 - 2009.
Folge 3 der Baltasar-Matzbach-Serie.

  • Zürich: Haffmans, 1988. ISBN: 3-251-01013-1. 217 Seiten.
  • München: Heyne, 1993. ISBN: 3-453-06487-9. 217 Seiten.
  • München: Goldmann, 1993. ISBN: 3-442-05643-8. 187 Seiten.
  • München: Goldmann, 1999. ISBN: 3-442-44351-2. 223 Seiten.
  • Hillesheim: KBV, 2012. ISBN: 978-3942446501. 245 Seiten.

'Das Doppelgrab in der Provence' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Den dritten Schlupfhafen der Johannisbeere soll er finden und ein würdiges Begräbnis organisieren: Baltasar Matzbach, wortgewaltiges Universalgenie und Freizeitdetektiv, erhält von seinem Freund Bronner einen ziemlich seltsamen Hilferuf aus der Provence. Matzbach macht sich auf nach Les Baux und stellt fest, dass Bronner verschwunden ist. Er scheint eine archäologische Entdeckung gemacht zu haben, hinter der auch einige dunkle Gestalten her sind – und der Aufenthalt in dem idyllischen Örtchen wird für Matzbach immer ungemütlicher …

Das meint Krimi-Couch.de: »Knackige Rätsel aus der Zeit von Hannibal und seinen Kriegen gegen Rom« 78°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Stellen Sie sich eine Kreuzung aus Sherlock Holmes, dem Meisterdetektiv, und Justus Jonas, Chef der »Drei ???« und gerne »Pummelchen« genannt, vor. Heraus käme ein scharfsinniger, nahezu allwissender, etwas arroganter und eigenbrödlerischer, beleibter Detektiv. Einer wie Baltasar Matzbach, der in Das Doppelgrab in der Provence vor seinem dritten Fall steht.

»hilfe stop assassinen stop sofort kommen stop les baux stop anrufen hotel xy stop william«

Mehr erhält Matzbach von seinem Freund William Bronner, seines Zeichens Journalist mit besonderer Spürnase und seit einigen Wochen in der Provence auf der Spur einer großen Enthüllungsstory, nicht. Doch das reicht dafür, dass Baltasar Matzbach in Bonn alles stehen und liegen lässt und zusammen mit seiner Partnerin Ariane (PR-tätig für ein großes Unternehmen) sich auf den Weg in den Süden Frankreichs macht.

Angekommen im malerischen Les Baux, hat Bronner beim Portier doch tatsächlich einige Hinweise hinterlassen. Und tatsächlich: Bronners Spürnase hat nicht zuviel versprochen; der Reporter war auf Schatzsuche. Nicht irgendein paar Klunker, nein – der Schatz eines karthagischen Händlers, den dieser an vier unterschiedlichen Orten (offensichtlich in der Provence) vor über 2000 Jahren versteckt hat. Darauf deutet zumindest das in Latein abgefasste Testament hin, das Bronner Matzbach hinterlassen hat. Doch die Verstecke bleiben genauso rätselhaft wie das Auftauchen der finsteren Gestalten in den Ruinen von Les Baux, die dem Bonner Detektiv und Ariane an den Kragen wollen.

Die Spur des alten Karthagers – und eines Phantastikers namens Daemlickx

Gemeinsam mit Kommissar Ducros und dem Journalisten Maspoli folgen die beiden der Spur Bronners und damit gleichzeitig der Spur des alten Karthagers und kommen dabei sowohl in gefährliche Nähe der südfranzösischen organisierten Kriminalität als auch in die Nähe des Star-Phantastikers Edmund Daemlickx, der sich in seiner Freizeit auch noch mit Druiden umgibt und dessen Haushälterin an einer eigenartigen Fischvergiftung stirbt …

Das Doppelgrab in der Provence ist – unerwartet bei der Figur (im doppeldeutigen Sinn) des Baltasar Matzbach – erstaunlich actionreich (immerhin zwei Schießereien, die erste schon nach ein paar Seiten), clever und allzeit amüsant, wofür allein schon die bissigen Dialoge zwischen Matzbach und Ariane sorgen. Wie die beiden sich befehden, ärgern und foppen, macht einfach Spaß. Zudem spielt sie überzeugend die Rolle des Dr. Watson, während Matzbach selbst unerreicht seine Fäden spinnt.

Anleihen bei den Großen – von Holmes über Wolfe bis zu Poirot

Natürlich nimmt Gisbert Haefs bei seinen Charakteren deutliche Anleihen bei den ganz großen der Kriminalliteratur – ein bisschen Holmes, ein bisschen mehr Nero Wolfe, ein Schuss Hercule Poirot und fertig ist der Bonner Meisterdetektiv.

Glücklicherweise nimmt sich Haefss Roman selbst aber nicht zu Ernst und verleugnet auch gar nicht erst die Parallelen zu den Vorbildern. Und ähnlich wie bei Conan Doyle handelt es sich auch nicht um Fälle zum Miträtseln. Denn Matzbach ist nicht nur seiner Umwelt als auch dem Leser mindestens zwei Schritte voraus, präsentiert schlussendlich die Lösung aufgrund von bisher unbekannten Fakten und Indizien, und erwartet natürlich von Kompagnons und Leserschaft Anerkennung für seine geistigen Leistungen.

Gönnen wir´s ihm, diesem verschrobenen, besserwisserischen Ungetüm, das trotzdem nicht unsympathisch daherkommt und in Das Doppelgrab in der Provence sicherlich eine Bereicherung des Krimi-Genres darstellt.

Spritzige Dialoge, spannendes Thema und endlich kein Zeigefinger

Was mir allerdings am besten an diesem eigenwilligen Krimi gefallen hat, waren nicht die knackigen Rätsel aus der Zeit von Hannibal und seinen Kriegen gegen Rom, nicht die spritzigen Dialoge, nicht die interessanten Figuren, nicht das archäologsche Thema mit der Verknüpfung des alten Karthago und dem keltischen Druidentum, sondern dass dieser Roman endlich mal einer ist, der ohne gehobenem Zeigefinger daherkommt. Hier geht es »nur« um spannende, intelligente Unterhaltung – und das muss auch mal sein in Zeiten, wo vor Gesellschaftskritik triefende Krimis (schönen Gruß nach Skandinavien) an der Tagesordnung sind.

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mase zu »Gisbert Haefs: Das Doppelgrab in der Provence« 02.07.2009
Das Buch war sehr lange Zeit anstrengend. Ich habe es sage und schreibe viermal abgebrochen und wieder zur Hand genommen.

Wie von anderen Lesern angesprochen, ist der Stil anstrengend. Gaefs benutzt Wörter und Phrasen, die ich längst für ausgestorben hielt und eben nicht nur in der wörtlichen Rede, sondern auch im „Erzähl-Modus“, aber dieses Ärgernis lässt gegen Ende des Buches immer mehr nach und es wird lesbar. Der Plot ist wirr und der Protagonist und seine Begleitung, sowie die franz. Polizei, handeln teilweise völlig unlogisch und unprofessionell. Bei einem Thriller oder einem anderen „Hau-drauf-Genre“ stört mich das nicht, aber bei einem Krimi, der klassisch daher kommen will, erwarte ich Authentizität.

Die Ähnlichkeiten, mit klassischen Kriminalfiguren, die Lars Schafft angesprochen hat, fiel mir auch auf. Matzbach hat viel von Poirot und Wolfe und auch die Erzählweise erinnerte an die Klassiker, wird aber in meinen Augen durch die erzwungene Sprache zu sehr gestört. Teilweise las es sich wie Shakespear.

Hätte Gaefs das ganze Buch im Stile des letzten Viertels geschrieben, nämlich nicht darauf bedacht durch aussergewöhnliche Sprache zu glänzen, wäre es ein ganz passabler klassischer Krimi geworden.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
schnurz zu »Gisbert Haefs: Das Doppelgrab in der Provence« 20.01.2009
Oh je! Ein ungeheuer eitler und manierierter Stil. Warum nur verwendet der Autor ihn durchgängig in den Erzählpassagen? Ließe er nur seinen egomanischen Protagonisten Matzbach so sprechen, dann wäre dieses Buch 1.) lesbar, 2.) vielleicht sogar spannend. Auf jeden Fall könnte man sich über das schräge Unikum Matzbach amüsieren und die übrigen, weit hergeholten Zutaten dieser wirren Geschichte als gegeben hinnehmen. So aber tut's nur eines: nerven!
heinrich zu »Gisbert Haefs: Das Doppelgrab in der Provence« 09.05.2008
An den Leser stellt dieser 20 Jahre alte Roman gewisse Anforderungen; eine davon ist es, sich die reflexartige Frage zu verkneifen, warum die jeweilige Person nicht einfach zum Handy greift. Zum anderen sollte man etwas über das I Ging wissen, um zu verstehen, was der Protagonist treibt.
Fast alles ein wenig älter in diesen Roman: der fettleibige Baltasar Matzbach, seine Freundin, das Auto, die Kulisse im Südosten Franreichs und die antiken Schätze, um die es vordergründig geht. Abwechslungsreich wird die Geschichte dadurch, dass nicht die Polizei, sondern ein Möchtegerndetektiv mit einer abgedrehten Mischung aus Logik, Wahrsagerei und Bluff die Handlung vorantreibt, aber eigentlich nicht weiß wohin. Schon nach den ersten 20-30 Seiten weiß man, ob einem das Buch zusagt. Der Mix aus platten und besseren Wortspielereien und sowie eine Geschichte, die einer der Akteure als „Goldgräberroman des 19. Jahrhunderts“ bezeichnet, hat dem Autor sicher Spaß gemacht. Wer dafür keine Ader hat, sollte die Finger von den Buch lassen.
Michael Bay zu »Gisbert Haefs: Das Doppelgrab in der Provence« 02.09.2003
Genialer Plot; wunderbarer Schreibstil; warum wird Gisbert Haefs nicht mehr gepuscht? Ich habe alles von ihm mit Begeisterung gelesen. Gisbert Haefs Geschichten haben ein hohes Suchtpotential und sind äußerst lehrreich.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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