Unter dem Eis von Gisa Klönne

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Krieger-Korzilius-Serie.

  • Berlin: Ullstein, 2006. ISBN: 978-3-550-08645-8. 363 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2007. ISBN: 978-3-548-26765-4. 363 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2009. ISBN: 978-3-548-28102-5. 363 Seiten.
  • [Hörbuch] Frechen: Delta Music, 2006. Gesprochen von Edda Fischer und Simon Roden. ISBN: 3865385206. 6 CDs.

'Unter dem Eis' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Köln im Hochsommer. Die Hitze steht in den Straßen. Ein Junge und sein Hund verschwinden spurlos. Hauptkommissarin Judith Krieger ermittelt außerdem in einem sehr persönlichen Fall am anderen Ende der Welt: Ihre alte Schulkameradin Charlotte wird in Kanada vermisst. Hat der Mann, mit dem Judith in der kanadischen Wildnis eine leidenschaftliche Affäre beginnt, etwas damit zu tun? Als zu Hause in Köln ein weiterer Junge verschwindet, beginnt für Judith ein doppelter Wettlauf mit der Zeit.

Das meint Krimi-Couch.de: »Selten waren Figuren so lebendig« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Nach ihrem letzten gemeinsamen Fall vor sechs Monaten, dessen Finale nicht gerade glücklich verlief, wurde Kriminalhauptkommissarin Judith Krieger auf eigenen Wunsch beurlaubt und ihr Partner Manfred Korzilius in die Vermisstenabteilung versetzt. Nun, eine Woche vor ihrer Rückkehr zur Mordkommission, wird Judith von einem früheren Schulkameraden gebeten, ihre damalige gemeinsame Schulfreundin Charlotte zu suchen, die seit einigen Wochen wie vom Erdboden verschwunden ist. Eine heiße Spur führt Krieger in die Wildnis Kanadas, wo die Vogelforscherin den rotäugigen Eistaucher beobachten wollte und zudem offenbar ihre große Liebe gefunden hat. Doch angesichts ihres bevorstehenden Wiedereinstiegs bei der Kripo bleiben ihr nur wenige Tage, um Charlotte zu finden.

Währenddessen schwitzt Korzilius im heißen Köln und sucht fieberhaft nach dem vermissten vierzehnjährigen Jonny, der übers Wochenende ein Jugendzeltlager besuchen sollte, jedoch von einem Spaziergang nicht zurückkam. In das Visier der Ermittler gerät Jonnys Stiefvater der angibt, sich zurzeit von Johnnys Verschwinden in dem Zeltlager aufgehalten zu haben, was – wie sich herausstellt – jedoch nicht stimmt. Zu der Frage, wo er sich stattdessen aufhielt, schweigt er beharrlich. Auch von Johnnys Rauhaardackel Dr. D. fehlt zunächst jede Spur. Erst nach dem Einsatz einer Hundestaffel findet sich ein erster Hinweis. Ein abgeschnittenes Hundeohr wird unweit des Zeltlagers gefunden. Doch das merkwürdige Verhalten einer alten Frau und eines Mitschülers von Jonny behindern ungewollt die Ermittlungen.

»Die Maschinerie ist angelaufen, der Polizeiapparat tut seine Pflicht und fischt ein weiteres Mal mit voller Kraft im Trüben.«

Manfred Korzilius schmollt vor sich hin, denn seine Arbeit in der Vermisstenabteilung sieht er als Strafversetzung an, schließlich wollte er immer in der Mordkommission, der KK 11 der Kölner Polizei, arbeiten. Und war es nicht seine Partnerin Judith Krieger, die mit ihren eigenwilligen Ermittlungsmethoden den letzten Fall vor nunmehr rund einem halben Jahr zu einem zweifelhaften Abschluss brachte? Doch Judith ist offenbar bei ihrem Chef beliebt und darf in wenigen Tagen zurück zur KK 11, so dass Manfred nur die Hoffnung bleibt, bis dahin den vermissten Johnny gefunden zu haben. Natürlich lebend, denn sonst würde womöglich ausgerechnet Judith gleich zum Einstieg »seinen« Fall übernehmen.

»Unter dem Eis« spielt sechs Monate nach dem beachtenswerten Debütroman »Der Wald ist Schweigen« und setzt insbesondere den privaten wie beruflichen Werdegang der beiden Protagonisten Judith Krieger und Manfred Korzilius kongenial fort. Judith, offenbar gut erholt und wieder positiv auf das Leben eingestellt, ist zwar immer noch für unkonventionelle Methoden zu haben, gleichwohl mutiert sie gegen Ende des Plots geradezu zu einem Teamplayer. Wer hätte das für möglich gehalten? Langsam aber sicher finden Judith und Manfred als (berufliche) Partner zueinander, während ihre Privatleben weitgehend im Argen liegen. Manfreds ungeliebter Vater ist schwer erkrankt, ringt mit dem Tod und Judith schmeißt sich in Kanada dem erstbesten Mann an den Hals, der jedoch möglicherweise für das Verschwinden der gesuchten Schulfreundin verantwortlich ist.

Gisa Klönne beweist mit ihrem zweiten Roman erneut ihr großes erzählerisches Können. Wo andere Autoren direkt auf Action setzen tritt in »Unter dem Eis« zunächst einmal die Nebenfigur der 82-jährigen Elisabeth Vogt auf. Diese lebt in einem kleinen Haus im beschaulichen Dorf rund vierzig Kilometer von Köln entfernt. Nachdem ihr Mann schon vor Jahren gestorben ist hat sie nur noch ihren Schäferhund Barabbas. Doch wie lange noch? Ihrem Alter entsprechend hat sie leichte Gebrechen und fürchtet, dass man, allen voran Tochter Carmen, ihr das Haus wegnehmen möchte. So gerät Elisabeth in Panik als bei einem Spaziergang Barabbas vermeintlich einen Dackel zu Tode beißt. Wird man ihr jetzt auch noch den geliebten Hund wegnehmen? Dies darf nicht passieren und so entschließt sich Elisabeth den Hund zu begraben und somit die Spuren von Barabbas Vergehen zu verwischen.

»Sie glauben, dass der Dackel in dem Teppichrest transportiert worden ist. Tot.«
»Bleibt die Frage: Wer?«»
«Und womit? Und von wo?»"
«Was für eine Scheiße.»"
«Ja."

Mit großer Detailverliebtheit und viel Einfühlungsvermögen erschafft Gisa Klönne Figuren, die den Lesern/innen ans Herz wachsen. Und dies gilt eben nicht nur für die beiden Protagonisten!! Durch ständige Wechsel der Szenarios – Judith, Manfred, Elisabeth, Johnnys Schulfreund Tim und andere – wird man förmlich durch die Handlung gejagt, obwohl auf den ersten Blick eher wenig passiert. Elisabeth macht sich Sorgen um Haus und Hund, Tim wird von seinen Mitschülern schikaniert und so weiter. Dies hat mit einem Krimiplot zunächst nicht viel gemein, erklärt aber auf ganz wunderbare Weise nach und nach warum die einzelnen Figuren so handeln wie sie es tun.

Die Ermittlungsarbeit wird ebenfalls ausführlich dargestellt und beide Ermittlungen (die Suchen nach Johnny und Charlotte) werden nachvollziehbar aufgeklärt. Wer einmal keinen 08/15-Krimi lesen möchte, sondern gleichzeitig Wert auf anspruchsvolle und wohl formulierte Unterhaltung legt, der sollte sich Unter dem Eis nicht entgehen lassen. Selten hat einen das Schicksal eines Rauhaardackels so bewegt.

Jörg Kijanski, August 2010

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tina zu »Gisa Klönne: Unter dem Eis« 24.02.2010
also ich bin sehr zwiegespalten. einerseits fand ich die story klasse. aber manche sätze hab ich einfach übersprungen, weil sie viel zu langatmig waren und nichts zu der geschichte beigetragen haben. die charktere sind sympathisch. wie gesagt, srory top, manchesmal der schribstil flop. aber man kann es trotzdem empfehlen.
guidobillstein zu »Gisa Klönne: Unter dem Eis« 12.09.2009
Zweiter Fall für Krieger & Korzilius

Die beiden Leichen des Buches – in zwei nicht zusammenhängenden Fällen – tauchen zwischen Seite 240 und 260 auf – von insgesamt 361. Ziemlich spät für meinen Geschmack.

OK – Frau Klönne schafft es wieder – wie schon in Der Wald ist Schweigen – in den vielen Geschichten von Haupt- und Nebenfiguren Anteilnahme zu erwecken. Sie ist gut, wenn es darum geht, Menschen und ihre Abgründe zu schildern. Elisabeth: Alt. Einsam. Die Verwirrung bei den Ermittlungen stiftet, weil sie Angst hat, dass man ihr den einzigen im Leben noch verbliebenen Freund, den Schäferhund Barrabas, wegnehmen könnte. Tim: In der Pubertät stehend. Ein Außenseiter und die Grausamkeiten von hänselnden Mitschülern – Mobbing potenziert durch Handys und kompromittierende MMS Mails. Abgründe, die in Gewalt unter Heranwachsenden münden. Und die Welt der Erwachsenen und Eltern. Scheinheilig, hilflos und korrupt. Moment mal… das ist meine Generation, DAS SIND WIR! Scheisse, was ist da schief gelaufen?

Die Ermittler: Die Krieger. Tingelt in Kanada herum, um eine vermisste Schulfreundin zu finden. Und Korzilius. Der nach dem letzten Fall zum Vermisstendezernat strafversetzt wurde. Temporärer Karriere Knick. Den hatte Kollegin Krieger im letzten Buch. Erst spät, ganz sicher zu spät für den Roman (Seite 268), kommen diese beiden Vermissten wieder zusammen in der Kölner Mordkommission KII, um den Fall zu lösen. Und da erst fängt der Roman richtig an, kriminaltechnisch betrachtet. Und gegen Ende wird’s richtig furios.

Zugegeben – bei Büchern bin ich nicht monogam, lese immer zwei bis drei gleichzeitig. Daher bin ich beim Lesen nicht der schnellsten Einer. Kein Page Turner. Also: Ein leichtes Gähnen bei mir gab’s schon in den ersten sagen wir 260 Seiten. Andererseits: Wer so einfühlsam die Einsamkeit, die Ängste und die Trauer einer alten Frau schildern kann, dem verzeiht man schon, dass die Geschichte insgesamt schnörkelloser oder “taffer“ hätte erzählt werden können. Also. Das passt.
Tugce zu »Gisa Klönne: Unter dem Eis« 28.06.2009
Am anfang wirkt das Buch etwas langweilig und man hat ein wenig schwierigkeiten in die Geschichte einzusteigen was bei Der Wald ist Schweigen nicht der Fall ist.
Ein paar Teile des Buches waren mir ein Tick zu langweilig beschrieben.
Aber das Buch ging nach der hälfte erst richtig ab :) Find ich ein sehr gelungenes Buch. Es war zwar i.wann klar wer die täter sein können aber dieses ausmaß von brutalität hat einen am ende umgehauen. Krasse beschreibung der szenen so das man mitfühlen kann. Verzweiflung von der mutter von tim ist unglaublich gut beschrieben.
Auf jeden Fall zum weiterempfehlen !
Bianca zu »Gisa Klönne: Unter dem Eis« 15.05.2009
Auch ich habe das erste Buch nicht gelesen-was ich schnell tun werde-und habe mich anfangs schwer getan in die Geschichte rein zukommen.Ab der Hälfte des Buches ging es dann erst richtig los und es wurde zunehmend packender.Man konnte Manni richtig nachfühlen wie verzweifelt er sich im Kreis gedreht hat.Da ich selber Kinder habe hat mich Tims Geschichte besonders betroffen gemacht und bleibe hoffentlich dank dieser Geschichte meinen Kindern gegenüber hellhörig.
Ich fand das Buch sehr spannend und bin schon gespannt wie es mit den beiden Kommissaren weiter geht.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Nicole... zu »Gisa Klönne: Unter dem Eis« 08.12.2008
Ich habe selbst das Buch gelesen...als schülerin interresiert man sich eigentlich nicht für solche Bücher doch das hat mich ziemlich gefesselt da es sehr interesant klingt und es immer um die ermitler geht oder um befreundete oder Mörder doch nie um die opfer man weiß nicht was mit ihnen geschieht oder ob sie noch am leben sind...
0 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
ABaum71 zu »Gisa Klönne: Unter dem Eis« 13.03.2008
Ein Buch das nachdenklich stimmt und betroffen macht, vor allem wenn man selber Kinder hat. Gisa Klönne beschreibt in dieser Geschichte, wie grausam doch Kinder/Jugendliche untereinander sein können und wozu das in Extremsituationen führen kann.
Leider habe ich das erste Buch mit Korzilius/Krieger noch nicht gelesen, was es mir anfangs etwas schwer machte den beiden o.g. Protagonisten gedanklich zu folgen da sie sich immer wieder auf Geschehnissen aus dem ersten Buch zu berufen scheinen.
In diesem Buch werden eigentlich zwei parallel verlaufende Storys erzählt, die nicht wirklich was miteinander zu tun haben, ausser das Kommissarin Krieger zum Schluss an beiden beteiligt ist, wobei der Part in Kanada mit der Lösung des Falles überhaupt nichts zu tun hat,sndern nur dazu beiträgt psychologische Gedankengänge besser nachvollziehen zu können.
Die Psychologie spielt in diesem Buch eine grössere Rolle als Actionbetonte Szenen was es phasenweise nicht gerade einfach macht, dem Plot zu folgen weil der Schauplatz oft wechselt.
Trotz allem ein lesenswertes Buch, obwohl ich es für sinnvoll halte, das erste Buch mit Korzilius/Krüger vorher zu lesen.
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