Mord auf ffolkes Manor von Gilbert Adair

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel The Act of Roger Murgatroyd, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Beck.
Folge 1 der Evadne-Mount-Serie.

  • London: Faber, 2006 unter dem Titel The Act of Roger Murgatroyd. 286 Seiten.
  • München: Beck, 2006. Übersetzt von Jochen Schimmang. ISBN: 978-3406550652. 294 Seiten.
  • München: Heyne, 2008. Übersetzt von Jochen Schimmang. ISBN: 978-3-453-43286-4. 296 Seiten.

'Mord auf ffolkes Manor' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Es ist Weihnachten 1935. Ein verschneites Herrenhaus am Rande von Dartmoor. Ein weihnachtliches Abendessen bei Colonel Roger ffolkes mit Freunden des Hauses und oben, im Dachgeschoß, die Leiche von Raymond Gentry, einem Klatschkolumnisten und Erpresser, mit einem Einschußloch im Herzen. Aber die Tür zum Dachzimmer war von innen verschlossen, das einzige Fenster ist mit dicken Eisenstangen vergittert, und natürlich findet sich keine Spur vom Mörder oder seiner Waffe. Glücklicherweise (für den Mörder leider weniger) ist einer der Gäste an diesem Abend die fabelhafte Evadne Mount, die erfolgreiche Bestsellerautorin zahlloser klassischer Krimis. Und wäre sie nicht in dieser Sache die geforderte Spürnase, Mord auf ffolkes Manor könnte geradezu von ihr selbst verfaßt worden sein.

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Crispinfan zu »Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor« 20.04.2015
Den meisten Lesern scheint zu gefallen, worin sich der Autor gefällt: der augenzwinkernde Aufguss des klassischen Whodunnit.

Adair spielt mit sämtlichen Klischees des Landhauskrimis, wie er schon 1935 konventionell und zweitklassig war, darunter z.B. der knorrige Inspektor mit Walrossschnauzbart. „Plodder“ wird er einmal genannt, weil unter diesem Namen der Typus und seine Krimigattung schon meisterlich ironisiert wurden: in Anthony Shaffers „Sleuth“. Die Klischees sind dabei so dick aufgetragen, dass man sich fragen kann, ob sich nicht der gesamte Plot als Maskenspiel, als weihnachtliche Scharade entpuppt. Aber nein, wirklich komisch ironisiert werden nur die Krimistorys der Figur, die als Schriftstellerin + Hobbydetektivin auftritt, doch trotz all ihrer Kritik bleibt ein Mord im verschlossenen Raum der kriminalistische Aufhänger des Buches selbst. All das hat schon John Dickson Carr z.B. in „Der blinde Barbier“ (1931) vorweg- und gnadenlos auf die Schippe genommen. Berühmt sind auch die ironischen Brechungen bei Carr, Crispin, Innes: „Wir sind hier in einem Kriminalroman.“ Bei Adair heißt das: „Es ist WIE in einem Kriminalroman“, denn er schwelgt doch gerne in den Klischees, die er als moderner Nachzügler nur viel stärker aufarbeiten muss als seine Vorbilder. Neu ist daher, dass sich auch seine Mörderfigur literarisch inspirieren ließ; die Auflösung wiederum ist so befriedigend oder unbefriedigend wie manche Lösung bei J.D. Carr (hier sogar mit Anklängen an eine bestimmte Dick & Doof-Idee).

Der große Rest sind Frage-und-Antwort-Szenen à la Agatha Christie, und die entscheidende aller Vorgeschichten – in Kapitel 4 durch ein Türklopfen abgewürgt – wird „natürlich“ 200 Seiten später nachgereicht, so wie die Hobbydetektivin einen Wissensvorsprung gegenüber dem Leser hat. Es darf geraten werden! Übrigens hätte auch kein klassischer Krimiautor ohne Erklärung durchgehen lassen, dass ein Gynäkologe seine Frau einer miesen Engelmacherin anvertraut.

Unstreitig ist die Treffsicherheit, mit der Adair in seinem dialog-betonten Buch „Personenregie“ führt: lebendige Typenzeichnung, mitunter ganz originell formuliert. Die Atmosphäre winterlicher Abgeschiedenheit wird hingegen nur in dem einzigen rein erzählerischen Kapitel fühlbar, wo sich bei einem Marsch übers Moor das Unheil zusammenbraut – für mich das packendste.

Nur weil Adairs „geschliffener Stil“ gelobt wurde: Manche Passage ist ziemlich breit getreten, hinzu kommen öfters überflüssige Worte und umständliche Zusätze, als hätte der Autor Zeilenhonorar erhalten. Auch seine Schachtelsätze – für sich allein kein Zeichen von Kunstfertigkeit – wirken spätestens auf deutsch recht sperrig und verschränkt. Und keinem sorgsamen Stilisten wäre der „weiße Schimmel“ unterlaufen, jemand habe „gewelltes, dunkles, rabenschwarzes“ Haar.

Übrigens hätte ich mir im Deutschen ein wenig mehr Patina gewünscht, über die alte Rechtschreibung hinaus.

Trotz allem: Ein ordentliches, unterhaltsames Buch, nur ist das Spiel mit Klischees keine Rechtfertigung für Schwächen.
Torsten zu »Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor« 18.10.2010
Eine wirklich nette Hommage an das Golden Age des Detektivromans, voller reizender Anspielungen von der Schauspielerin namens Rutherford über Züge aus Paddington, Stücke die lange Jahre ununterbrochen laufen bis zum Schauplatz Dartmoor - und natürlich die Verbeugung vor dem Meister des locked-room-mystery John Dickson Carr.
Das liest sich ganz nett, vor allem natürlich wenn man die zitierten Vorbilder kennt und mag, für einen eigenständigen Krimi ist es allerdings etwas dünn, obgleich hier die Überraschung der Lösung weniger in dem "Wie" als dem "Warum" liegt.
Lust auf weitere Romane hat mir das deswegen weniger gemacht.
Schade finde ich auch, dass der Verlag mit der Ausstattung (der gebundenen Ausgabe) nicht konsequenter war. Es gibt zwar ein passend nostalgisch anmutendes Titelbild, zwei schöne Illustrationen als Vorsatz und Nachsatz, sowie eine Skizze der Räumlichkeiten (auf die natürlich quasi als Romankritik im Roman eingegangen wird), aber die entsprechen den geschilderten Gegenbenheiten leider überhaupt nicht. Trotzdem auch optisch eine gelungene Reminiszenz.
tassieteufel zu »Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor« 07.04.2010
Weihnachten 1935 feiert Roger ffolkes mit Freunden in seinem Landsitz am Rande von Dartmoor. Die Gesellschaft befindet sich in lustiger Runde, als die Tochter des Hauses mit einem unangekündigten Gast erscheint, dem Klatschkolumnisten Raymond Gentry. Dieser macht sich schnell bei allen Gästen durch sein unmögliches Benehmen unbeliebt. Als der unerwünschte
Gast erschossen in einer von innen verschlossenen Dachkammer aufgefunden wird, steht man zunächst vor einem Rätsel. Da draußen ein Schneesturm tobt und die Gesellschaft quasi eingeschneit ist, wird allerdings schnell klar, daß der Mörder nur jemand aus dem Haus sein kann.
Der im Ort wohnende pensionierte Chefinspektor Trubshawe wird hinzugezogen und beginnt mit den Ermittlungen wobei ihm die anwesende Schriftstellerin Evadne Mount tatkräftig und völlig unerwünscht zur Seite steht.
Mord auf ffolkes Manor bietet genau das, was ich mir bei einem klassischen englischen Krimi wünsche, skurile Personen, eine Prise trockenen Humors,eine prägnante Landschaft (in diesem Fall das düster verschneite Dartmoor) und eine Ausgangssituation bei der man von Beginn an miträtselt. Beim Lesen kam mir unwillkürlich der Gedanke an Agatha Christie und andere Größen
dieser Ära, denn auch deren Ermittler sind letztendlich wie Evadne Mount der Polizei immer einen Schritt voraus und lösen den Fall am Ende auf ihre Weise. Ähnlich ist es mit den Figuren, obwohl alle gesetzt, vornehm und distinguiert erscheinen, hat natürlich jeder eine dunkle Vergangenheit, von der er nicht wirklich möchte, das sie offenbart wird. Somit ist jeder verdächtig
und während man sich als Leser das ganze Buch über fragt, wie der Tote denn nun in den von innen verschlossenen Raum gekommen ist und nat. wer der Mörder ist, wartet das ein wenig in die Länge gezogene Ende mit einer recht verblüffenden Lösung auf, die ich so nicht erwartet hätte.

Fazit: eine gelungen Homage an A. Christie und Co., eine düster-schaurige Atmosphäre in Verbindungen mit skurilen Figuren und witzigen Dialogen bescheren vergnügliche Lese- und Rätsel-
stunden, für Fans von klassischen englischen Krimis ein absolutes MUSS
annun_ zu »Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor« 08.01.2009
Dieser Krimi hat genau meinen Geschmack getroffen und hat es ganz zielsicher in die Liste der Bücher geschafft, die ich mit Sicherheit nie aus meinem Regal verbannen werde.

Roger ffolkes hat zum Weihnachtsfest geladen und seine Freunde freuen sich alle, daß Fest mit ihm und seiner Frau verbringen zu dürfen. Ach, es könnte alles so schön sein, wäre da nicht die Tochter Selina gewesen, die an Heiligabend spät mit zwei Bekannten auftauchte. Einer der Herren ist doch wirklich ein echter Satansbraten und vermiest den gut gelaunten Gästen dermaßen die festliche Stimmung, daß ein Mord unausweichlich ist. So kommt es, daß der werte Herr früh am ersten Weihnachtstag in einer von innen verschlossenen Dachkammer gefunden wird – gerade frisch abgeknallt möchte man sagen, denn jeder hörte den Schuß und nahm die Beine in die Hand, um zum Schauplatz des Verbrechens zu eilen.

Ja, was sich so anhört wie ein Krimi in bester englischer Tradition ist es auch. Ein Krimi nach Vorbildern wie Christie und Carr, um nur zwei zu nennen. Und ich möchte sagen, Gilbert Adair hat das ganz fabelhaft gemacht. Ich liebe ja sowieso schon Dartmoor, denn wer denkt da nicht an den Hund der Baskervilles und die schaurig schöne Stimmung. Und genau das bietet mir das Buch auch. Das Anwesen der ffolkes liegt mittendrin im dicht verschneiten Dartmoor und ist auch noch dadurch von der Außenwelt abgeschlossen. Dann der Mord, der so schön ausgeklügelt ist und noch so einige tief vergrabene Geheimnisse der Hausbewohner, die so nach und nach ans Licht kommen – was will man mehr. Dazu kommt noch dieser herrliche Sprachwitz – ich saß wohl die meiste Zeit schmunzelnd über das Buch gebeugt und amüsierte mich köstlich, wie sich der pensionierte Inspektor von Scotland Yard mit der Kriminalautorin Evadne Mount herumplagen musste. Diese Dame hat so ihren eigenen Kopf und das macht es dem Herren, der ja eindeutig mehr praktische Erfahrung hat, ganz schön schwer, Licht ins Dunkel zu bringen. Wunderbar witzig, charmant, spannend und locker-flockig aus dem Arm geschüttelt, so schien es mir. Dieser Krimi ist eindeutig einer der Besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe und deshalb vergebe ich 87°
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Krimi-Tina zu »Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor« 29.09.2008
Ich hab das Buch in einem halben Tag ausgelesen. Gut, es ist nicht besonders dick, aber trotzdem. Wenn mir ein Buch auf den ersten Seiten schon so kommt: „ich mache nie etwas mit geschlossenen Räume. Das überlasse ich John Dickson Carr.“ oder „ mein Stück läuft seit 4 Jahren ohne Pause. Das soll Agatha Christie erstmal hinbekommen“ oder „Sie sind mit dem Zug gekommen? Ja um 13:25 ab Paddington“ dann bin ich verloren.
Mord auf ffolkes Manor ist ganz im Stil eines klassischen britische Kriminalromans gehalten. Und zitiert und parodiert diesen gleichzeitig weidlich.
Es ist schon fast zu viel des Guten: ein über Weihnachten eingeschneites Landhaus, ein pensionierter Oberst, Arzt und Vikar, alle natürlich mit ihren schickliche Ehefrauen, die nicht mehr ganz junge Schauspielerin, nicht zu vergessen die exzentrische Schriftstellerin. und ein Toter in einem verschlossenen Raum.
Aber zum Glück nur fast, es bleibt bei allen parodistischen Elementen ein solider klassischer Kriminalroman. Der nicht so ganz an seine großen Vorbilder heran reicht, aber durchaus spannend und vergnüglich unterhält. Und schnell zu lesen ist.
Für alle Fans und insbesondere Kenner klassischer englischer Krimis eine nachdrückliche Empfehlung. Vor allem letztere werden ihre Freude an den expliziten und versteckten Zitaten haben.
Wer mit diesem Genre nichts anfangen kann, sollte auch hiervon die Finger lassen.
4 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Stefan83 zu »Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor« 15.04.2008
Gilbert Adair hat mit „Mord auf ffolkes Manor“ etwas geschafft, was nur wenigen vor ihm gelungen ist: Eine gelungene Hommage an die britische Kriminalliteratur der 30er und 40er Jahre auf Papier zu bringen, die gleichzeitig persiflierend und spannend ist. Das er dabei mehr als nur einmal bei den Genies des Genres klaut, mag man ihm vorhalten können. Dennoch hat der Roman genug Eigenständigkeit um funktionieren zu können. Adair trifft den Ton einer längst vergangenen Epoche so genau, dass sich der Leser unmittelbar in diese Zeit zurückversetzt fühlt. Handlungsaufbau, Schauplatz und Figuren könnten einem typischen Agatha-Christie-Roman entsprungen sein. Und wie bei der großen Queen of Crime kommt auch bei Adair sofort dieses wohlige Krimifeeling auf, bei dem man sich am liebsten in einen großen chintzbezogenen Ohrensessel kuscheln und losschmökern möchte. Von der ersten Seite an nimmt einen die typisch britische Atmosphäre gefangen, lässt man sich von den wunderbar schrulligen und irgendwie vertrauten Charakteren an der Hand führen. Die Story ist kurz erzählt: Im eingeschneiten Herrenhaus von Roger ffolkes, nahe Dartmoor gelegen (Reminiszenz an Sir Arthur Conan Doyle), ist ein Mord passiert. In einem verschlossenen Raum (John Dickson Carr lässt grüßen) einer Dachkammer. Der in der Nähe wohnende pensionierte Chefinspektor Trubshawe wird gerufen, um den Fall zu klären. Dabei erhält er ungewollt Hilfe von der bekannten Krimiautorin Evadne Mount, die die Ermittlungen selbst in die Hand nimmt und mehr als nur einmal die unter Verdacht stehenden Gäste mit ihren Anekdoten aus der Welt der Kriminalliteratur zur Verzweiflung treibt. Hier zeigt sich Adairs Gespür für perfekt pointierten Witz, der zwar nicht zu Lachkrämpfen führt, dem Leser mit seiner trockenen Art aber desöfteren zum Schmunzeln bringt. Hinzu kommt das absichtlich überzogene klischeehafte Verhalten der Figuren. Trubshawe ermittelt mit enervierender Langsamkeit, die Verdächtigen winden sich übertrieben beim offenbaren ihrer Geheimnisse und Mount, das Ganze sorgsam verfolgend, zieht (natürlich) als Einzige die richtigen Schlüsse. Sie ist es auch, welche den Gästen, die sich alle zusammen im Salon versammelt haben (Christie hätts nicht besser gekonnt), die vorangegangenen, zum Mord führenden Geschehnisse schildert und mit einer logischen, aber trotzdem genial verblüffenden Auflösung bei ihrem Publikum für Staunen sorgt. Allenfalls Fans der schnelleren Gangart wird bis dahin der langatmige, sich im Endeffekt in überflüssigen Details verlierende Erzählstil, gestört haben. Insgesamt ist „Mord auf ffolkes Manor“ ein gelungenes Duplikat, das sowohl mit Spannung als auch Witz aufwartet. Eine erfrischend kurzweilige Krimiparodie, welche mit Zitaten und Anspielungen auf den klassischen Krimi aufs Beste unterhält und bei Freunden des Genres (wie mir) nach mehr gieren lässt.
5 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Todesengelfee zu »Gilbert Adair: Mord auf ffolkes Manor« 05.11.2007
Toll gemachter Krimi im Stil von Miss Marple, aber mit mehr britischem Humor! Kann ich nur empfehlen für alle die solche Sachen mögen.
Super Plot mit tollem Ende.
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