Das Gesetz der Ehre von Gianrico Carofiglio

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Ragionevoli dubbi, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Goldmann.
Folge 3 der Guido-Guerrieri-Serie.

  • Palermo: Sellerio, 2006 unter dem Titel Ragionevoli dubbi. 290 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von Claudia Schmitt. ISBN: 978-3-442-31164-4. 290 Seiten.
  • München: Goldmann, 2009. Übersetzt von Claudia Schmitt. ISBN: 978-3-442-46792-1. 292 Seiten.

'Das Gesetz der Ehre' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch E-Book

In Kürze:

Als Avvocato Guerrieri seinem neuen Mandanten zum ersten Mal im Gefängnis begegnet, verschlägt es ihm den Atem: Denn vor ihm sitzt niemand anders als Fabio Paolicelli, der Intimfeind seiner Jugendtage. Aus dem gewaltbereiten Teenager, der als Rädelsführer einer Jugendgang in Bari von sich reden machte, ist mittlerweile ein braver Familienvater geworden. Mit dem vorgeworfenen Drogenschmuggel habe er nichts zu tun, beteuert er. Ob Guerrieri seinem Mandanten glauben kann, weiß er nicht. Seine Verwirrung steigert sich noch, als er Natsu kennenlernt, die schöne Ehefrau Paolicellis, zu der er sich sofort hingezogen fühlt. Weil Natsu seine Gefühle erwidert, steht Guerrieris Entschluss fest: Er wird Paolicelli verteidigen. Auch wenn er dabei alles andere als redliche Motive verfolgt ... 

Das meint Krimi-Couch.de: »Zieht den Leser schon nach wenigen Seiten in seinen Bann« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Wenn ein ehemaliger Antimafia-Staatsanwalt und nunmehriger Berater der italienischen Regierung in Sachen organisierter Kriminalität zur Feder greift, dann darf man von seinen kriminalistischen Ergüssen an Authentizität wohl Einiges erwarten. Und Gianrico Carofiglio hat mit seinem mittlerweile dreifachen Serienhelden Rechtsanwalt Guido Guerrieri zumindest in Italien große Erfolge zu verzeichnen, die den Goldmann Verlag dazu veranlasst haben, Ragionevoli dubbi in der Übersetzung von Claudia Schmitt als »Das Gesetz der Ehre« zu veröffentlichen. Die beiden ersten Bände Reise in die Nacht und In freiem Fall errangen bei meinen Kollegen Eva Bergschneider und Thomas Kuerten bereits Bestnoten, was meine Erwartungshaltung zwangläufig in die Höhe trieb.

Avvocato Guerrieri ist im vorliegenden Fall gerade von seiner Freundin Margherita getrennt (worden). Entsprechend ist auch seine Laune, als er mittels Telegramm dringlichst aufgefordert wird, die Verteidigung eines gewissen Fabio Paolicelli zu übernehmen. Paolicelli war mit seiner Frau und Tochter in Montenegro und bei der Rückreise nach Bari fanden die Suchtgiftfahnder der italienischen Polizei vierzig Kilo lupenreines Heroin im Wagen. Obwohl Paolicelli behauptet unschuldig zu sein, gesteht er aber trotzdem allein das Verbrechen begangen zu haben, damit nicht auch seine Frau und seine Tochter in polizeiliches Gewahrsam genommen werden.

Von irgendwo taucht plötzlich ein windiger Anwalt auf, der ihn so vehement verteidigt, dass Fabio noch tiefer ins Schlamassel gerät. Der angeblich Schuldlose will nun von und mit Avvocado Guido Guerrieri eine Wiederaufnahme des Verfahrens erreichen, bei dem seine Unschuld zu Tage treten soll.

Aber er hat die Rechnung ohne den Anwalt gemacht. Denn dieser erkennt schon beim ersten Blick auf den Inhaftierten, dass es sich um jenen Burschen handelt, der ihn als Jugendlichen zutiefst gedemütigt hat. Und Guido lernt auch die Frau des künftigen Mandanten kennen. Natsu, von japanischer Herkunft, ist ausgesprochen bezaubernd und macht dem Herrn Rechtsanwalt nicht nur schöne Augen.

Guido Guerrieri, für den es mittlerweile klar ist, dass er eine Wiederaufnahme des Verfahrens anstreben wird, gibt es nun zwei Möglichkeiten. Er kann mit seinem Mandanten gegen diejenigen kämpfen, die den angeblich unschuldig verurteilten in die Bretouille geritten haben …oder er lässt den verhassten Widersacher von damals ordentlich auf die Fresse fallen und krallt sich dafür dessen willige Frau …

Gianrico Carofiglio hat hier zwei Komponenten verarbeitet, die für uns das typische Italien darstellen: Pralles Leben und Mafiamethoden, auch wenn dies natürlich nur Vorurteile sind. Aber diese Bestandteile werden vom Autor ganz bewusst in den Vordergrund gestellt und lassen den Leser bis zum 271 Seiten entfernten Ende nicht mehr los.

Der persönliche Gewissenskonflikt des rechtschaffenen Advokaten wird hier sprachlich ohne jede Tristesse und ohne Selbstmitleid geschildert und mit dem Drängen des Mannes zum hübschen und lockenden Weibe kombiniert, so dass auch der Leser bei jeder Handlungsweise völlig hinter den vielleicht doch unlauteren Absichten des Serienhelden steht.

Dabei kommt aber auch die packende Gerichtssaalstimmung mit Plädoyers und Zeugenbefragungen nicht zu kurz, so dass man, ohne das Ende vorweg nehmen zu wollen, von einem mehr als gelungenen Anwaltskrimi sprechen kann. Der Spannungsaufbau, der in extrem kurzen, aber prägnanten Kapiteln abläuft, zieht den Leser schon nach wenigen Seiten in seinen Bann und lässt im gesamten Geschehen nicht mehr nach.

Und nach der Lektüre dieses Buches darf sich der Rezensent mit dem Satz aus dem Film Casablanca outen: »Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.«

Wolfgang Weninger, Januar 2008

Ihre Meinung zu »Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre«

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Stephanie zu »Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre« 23.05.2014
Gutes Buch. Gut geschrieben, runde Geschichte. Es ist das zweite Buch welches ich jetzt von diesem Autor gelesen habe und bin wieder sehr angetan. Im "Das gesetz der Ehre" sind nicht ganz so viele Gerichtsthemen wie im ersten Band, was mir noch einen Tick besser gefallen hat. Sympatischer Titelfigur, ganz menschlich. Mit Fehlern und Kanten. Von mir 80%.
vifu zu »Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre« 17.10.2011
Habe gerade dieses Buch ausgelesen und bin noch ein wenig am Grübeln. Carofiglio weichgespült??? Sicherlich ist "Das Gesetz der Ehre" spannend wie alle anderen, frau möchte den Faden bloß nicht unterbrechen. Aber, tja was ist´s? Vielleicht endet er zwar offen, dann aber doch zu versöhnlich?
Der Roman ist jedoch auf jeden Fall eine gute Empfehlung für den Einstieg in einen Bari-Urlaub!
fresno89 zu »Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre« 10.12.2010
Für mich ist dieses Buch ein sehr amüsanter, gut unterhaltender Roman. Es hat Spaß gemacht ihn zu lesen und deshalb habe ich ihn auch mit 85 Grad bewertet.
Wo aber einige diese unglaubliche Spannung sehen, ist mir schlicht ein Rätsel, außer, kriegt er am Ende die Frau seines Mandanten oder eben nicht. Dieses ist für mich eigentlich nur die grundlegendste Frage in diesem Roman, denn entscheidend dafür ist, wie Avvovato Guerrieri im Laufe der Handlung seinen Gewissenskonflikt bewältigt.
Vielleicht 'ne simple Sichtweise, aber an Spannung habe ich einfach nicht mehr gesehen.
tedesca zu »Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre« 05.10.2010
Im dritten Teil der Reihe erzählt Guido Guerrieri den Auftrag, einen Mann zu verteidigen, der ihn als jugendlicher Neonazi schwer schikaniert hat. Nur zögerlich lässt er sich auf diesen Fall ein, immer wieder hinterfragt er seine Motivationen und die Rechtmäßigkeit seines Tuns. Gleichzeitig quälen ihn Gewissensbisse, weil er der schönen Ehefrau des Angeklagten zu nahe kommt - alles in allem erhalten wir einmal mehr Einblick in die Denkweise eines Mannes um die 40, der hin-und hergerissen wird zwischen Moral und Emotion. Besonders amüsant immer wieder Guidos unausgesprochene Antworten auf besonders dumme Fragen!
Carofiglios Krimis könnte man wohl am ehesten als Gerichtsthriller bezeichnen, aber im Grunde geht es viel weniger um die Aufklärung von Verbrechen, sondern um die Menschen, die dahinter stehen. Um Umstände, Gefühle und Zwänge, die aus den Menschen das machen, was sie letztendlich sind. Man merkt, dass der Autor in der intalienischen Gerichtsszene zuhause ist, trotzdem verzichtet er auf elendslange Beschreibungen von Prozessen und Plädoyers, sondern schreibt kurz und prägnant, was ich sehr schätze.
Das Hörbuch (exklusiv bei audible.de, ungekürzt) gewinnt zusätzlich durch die tolle Stimme von Erich Räuker.
Tugba Demirci zu »Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre« 26.02.2010
Dieses großartige Buch hat mich einfach nur von der 1. bis zur letzten Seite gefesselt. Man kann einfach nicht aufhören zu lesen, obwohl man schon richtig Kopfschmerzen vom Lesen hat.
Bei manchen Stellen ist es auch sehr traurig, das in der Realität auch wirklich unschuldige Menschen ihre Freiheit im Gefängnis opfern müssen.
Obwohl ich erst13 Jahre alt bin, habe ich es ohne jegliche Pausen gelesen und würde es auch weiterempfehlen. Ich hoffe und warte auf weitere Geschichten von diesem Autor.
mylo zu »Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre« 10.02.2010
Es war wieder erfrischend den nun schon 3. Krimi - oder ist es mehr ein Anwaltsroman? egal, - von Carofiglio zu lesen. Die Figur des Anwaltes, Avvocato Guerrieri, ist so lebendig und menschlich und er entwickelt in seinen Fällen, insbesondere hier eine nahezu Genialität bei den schier aussichtslosen Fällen. Dazu die Schilderungen der italienischen Lebensart und der Heimatstadt des Helden, Bari. Bari hab ich selbst schon besucht und schätzen gelernt und so findet man sich im Geiste an Hand der genauen Schilderungen an die Örtlichkeiten versetzt.
Kurzweiliger Lesespaß mit Spannung und trotz Lösung noch halbwegs offenen Ausgang, der es erlaubt selbst weiter zu spinnen.

85 Punkte von mir
Schrodo zu »Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre« 12.12.2009
Avvocato Guido Guerrieris neuer Klient ist ausgerechnet der Intimfeind seiner Jugend, die ehemalige faschistische Dumpfbacke Paolicelli. Da er sich aber irgendwie zu der Frau seines Klienten (Marke wunderhübsche Chinamaus) hingezogen fühlt, übernimmt er den Fall. Paolicelli der wegen Drogenschmuggels im Knast sitzt, behauptet natürlich unschuldig zu sein.
Die Geschichte ist, wie bei den beiden vorherigen Büchern, aus der Perspektive des Avvocato geschrieben. Es gibt auch wieder einen zweiten Erzählstrang der sich mit dem Privatleben des Helden befasst. Dieser ist stellenweise sehr lustig, da man nicht nur das erfährt was der gute Guido sagt, sondern auch das, was er denkt…und das ist meistens etwas ganz anderes.
Es steht auch weniger die Lösung des Falles im Mittelpunkt, sondern mehr die persönliche Entwicklung Guidos…und das schreibt Carofiglio einfach toll.
Das Buch ist spannend, unterhaltsam, leicht verständlich geschrieben und man ist von Beginn an so sehr in der Geschichte drin, dass man es schwer aus der Hand legen kann.
In einer anderen Rezension schreibt eine ältere Dame an den Autor: „Gib all deine Posten auf und schreibe, schreibe, schreibe, denn das ist dein Metier. Das wünscht dir Brigitte, die mit 82 Jahren schon viele italienische Krimis gelesen hat, aber keinen einzigen vergleichbaren“.
Dem kann ich nichts mehr hinzufügen. Diese Frau hat die Erfahrung und die Weisheit…und Recht hat sie auch!
pokerface zu »Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre« 10.09.2008
sehr unterhaltsamer anwaltskrimi mit einem sympathischen guido, der schluss lässt ahnen, dass carofiglio einen folgekrimi in petto hat, die beziehung zu margherita scheint mir noch nicht abgebrochen eher aufs eis gelegt. auf jeden fall würde man es ihm gönnen, er der doch starken hang zu einer breitabgestützten frauenbeziehung zeigt und jeweils darin aufblüht.
Volker zu »Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre« 13.04.2008
Für mich der beste der bisher drei Bände um Avvocato Guerrieri! Spannend und gleichzeitig lässig erzählt und mit sicherem Gespür für die Schilderung der Charaktere. Und anders als die vorhergehende Besprechung finde ich es gerade reizvoll, dass am Ende nicht alles für den Lesern (wie auch für die Protagonisten) restlos erklärt ist, sondern dass Spielräume für Spekulationen und Wertungen bleiben. Auf jeden Fall lesenswert!
sternenglitzern zu »Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre« 04.01.2008
Ich bin ganu anderer Meinung: langweilig, es passiert nichts, die vermeintliche rechtsradikale Jugend des Klienten wird nicht weiter ausgeführt oder aufgelöst; selbst der eigentliche Fall wird nicht wirklich geklärt, außer, daß es natürlich die Mafia irgendwie wohl war. Am Ende langweilen dann auch noch Auszüge aus italienischen Gesetzen - und das Ganze verpufft im Nichts. Ich war maßlos enttäuscht!!
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