Dollars von Gerben Hellinga

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1966 unter dem Titel Dollars, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Alexander-Verlag.
Ort & Zeit der Handlung: Amsterdam, 1950 - 1969.

  • Assen, Amsterdam, Rotterdam: Born, 1966 unter dem Titel Dollars. 192 Seiten.
  • Berlin: Alexander-Verlag, 2010. Übersetzt von Hanni Ehlers. ISBN: 978-3895812187. 265 Seiten.

'Dollars' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Schauplatz Amsterdam, 1966. Werbetexter Sid Stefan liebt Geld, Frauen, Alkohol und perfektgeschnittene Anzüge. Nach zwei Jahren Knast und monatelanger Auszeit in Spanien und Schweden kehrt er nach Amsterdam zurück. Er trifft auf alte Bekannte und Liebschaften, u. a. auf die hübsche Stewardess Jeanette, die dubiose italienische Kontakte pflegt. Als er sie eines Tages tot in ihrer Wohnung vorfindet, macht er sich auf die Suche nach ihrem Mörder und wird selbst zum Gejagten.

Das meint Krimi-Couch.de: »Dandy, Dandy where you’re gonna go now« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

44 Jahre später. Gerben Hellingas Roman Dollars erscheint auf Deutsch. Wäre das notwendig gewesen? Der kritisierende Autor Frank Göhre behauptet in seiner wenig aufschlussreichen Rezension für das Titel-Magazin eindeutig: »Nein«. Der freundliche Rezensent der Krimi-Couch (also ich) legt ein entschiedenes Veto ein. Plot und Auflösung überzeugen Herrn Göhre nicht, eine besondere Art von Geldwäsche, die in die Hose geht und einige Todesopfer fordert. Das ist ungefähr so, als würde man die Qualität eines Hitchcock-Films anhand des gewählten McGuffins definieren. Zwar hat die Handlung des Buches nur marginal mit Hitchcock zu tun (obwohl Stefan einen passablen Protagonisten im »Frenzy«-Umfeld abgeben hätte), doch ein erstaunliches Buch ist der niederländische Roman allemal.

Zunächst einmal würde man nicht vermuten, dass Holland Dreh- und Angelpunkt ist. Keine Coffee-Shops, keine Schaufenster mit spärlich bekleideten Gunstgewerblerinnen (zu schade, dass manche Worte aussterben), trotzdem Amsterdam en masse. Im Mittelpunkt ein Antiheld, der frisch aus dem Knast entlassen, sich durch Spanien trieb und in Schweden als Holzfäller arbeitete. Sid Stefan (und nicht »Stefan Sid« lieber Göhre Frank) ist zurück in Amsterdam und möchte gerne wieder als Werbetexter arbeiten. Bevor er wegen eines Totschlag-Deliktes in den Knast wanderte (»Con-Air« und Nicholas Cage sind dankbar für die Vorlage) war er einer der besten seines Fachs. Was einen seiner früheren Chefs befleißigt, ihm einen Job zu geben: als Bevollmächtigter pulverisiertes Bier so zu bewerben, dass ganz Holland keine Lust mehr auf Gras hat. Leider kommt es nicht dazu, denn Stefan hat plötzlich die Leiche einer Ex-Freundin (zumindest kurzzeitig) am Hals, und stößt während seiner Ermittlungen auf Kriegsgewinnler (oder -verlierer), die wie weiland Novalis wissen, wo Wunderschätze verborgen sind.

Zugegeben, der Plot von Dollars zeichnet sich nicht durch besondere Originalität und Eigenständigkeit aus; aber was Hellinga daraus macht, schon. Sid Stefan steht zwar in der Tradition der lauteren Ritter in rostiger Rüstung, kurz Privatdetektive genannt, die sich ihre moralische Integrität in einem Umfeld grober Desorientierung bewahren, aber er hat die Rüstung zugunsten eines Markenanzugs längst abgestreift. Stefan ermittelt zwar hartnäckig wie seine literarischen Vorgänger, doch neu ist ein Grad der Belustigung, der die Ermittlungen fast konsequenter voran treibt, als die vorgebliche Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Erlösung. Insofern ist Stefan ein moderner Held: erfolgsverwöhnt und abgestürzt, meist vergnügt, selbst wenn der eigene Hintern brennt, aber mit genügend Glück und Reaktionsvermögen ausgestattet, um kurze, brutale Attacken zu entschärfen.

So reist Sid Stefan in seine Vergangenheit und findet eine Gegenwart, der er nur allzu schnell den Rücken zukehren möchte.

»Take a chance with us...« Sid Stefan ergreift sie beim Schopf, wird abgewiesen, bleibt dran und findet vermutlich was neues. Er geht Allianzen ein mit Leuten, die er kaum kennt, hofft auf sein Glück und verlässt am Ende Holland. Ein leises Gefühl der Einsamkeit beschleicht ihn an Bord seines Flugzeugs; er kennt nicht einmal eine der Stewardessen persönlich. Was bei seiner Einreise anders war und für seine flugbegleitende Ex-Freundin das finale Auschecken bedeutete. Insofern hat das Bordpersonal am Ende Glück gehabt. Doch ob das Sid Stefan, dem nassforschen Dandy mit dem Geschick sich die richtigen Fettnäpfchen auszusuchen, auch hold ist? Gerben Hellinga bescherte Dollars und seinem Protagonisten jedenfalls noch drei Folgeromane. Wir dürfen also auf weitere Ausgrabungen aus dem Amsterdamer Untergrund gespannt sein.

Jochen König, Juli 2010

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