Maigret und die Keller des Majestic von Georges Simenon

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1942 unter dem Titel Les caves du Majestic, deutsche Ausgabe erstmals 1962 bei Kiepenheuer & Witsch.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Paris, 1930 - 1949.
Folge 20 der Maigret-Serie.

  • Paris: Gallimard, 1942 unter dem Titel Les caves du Majestic. 158 Seiten.
  • Köln; Berlin: Kiepenheuer & Witsch, 1962 Maigret im Luxushotel. Übersetzt von Hansjürgen Wille & Barbara Klau. 158 Seiten.
  • München: Heyne, 1972 Maigret im Luxushotel. Übersetzt von Hansjürgen Wille & Barbara Klau. 126 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1982. Übersetzt von Linde Birk. ISBN: 3-257-20735-2. 197 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2008. Übersetzt von Linde Birk. Sämtliche Maigret-Romane in 75 Bänden, Bd. 20. ISBN: 978-3-257-23820-4. 190 Seiten.
  • [Hörbuch] Zürich: Diogenes, 2008. Gesprochen von Friedhelm Ptok. ISBN: 3-257-80206-4. 4 CDs.

'Maigret und die Keller des Majestic' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Als der Chef der Kaffeeküche des Pariser Grandhotels Majestic frühmorgens einen nicht verschlossenen Garderobenspind öffnet, fällt ihm eine Blondine entgegen – mausetot. Mrs. Mimi Clark ist die Gattin eines amerikanischen Industriellen, mit Mann, Söhnchen, Hauslehrerin und Kinderfrau auf Europareise. Doch noch vor ein paar Jahren war sie Animierdame in Cannes, und dorthin führt auch Maigrets erste Spur. Immer verblüffendere Zusammenhänge tun sich auf. Als im selben Spind eine zweite Leiche auftaucht, weiß der Kommissar, dass er keine Zeit verlieren darf.

Das meint Krimi-Couch.de:»Zurücklehnen und auf Maigret verlassen« 80°

Krimi-Rezension von Wolfgang Reuter

Grandhotel »Majestic« an den Champs-Elysées, Paris. Der Chef der Kaffeeküche, Prosper Donge, findet am Morgen im Personalumkleideraum im Keller eine Leiche in einem Metallspind. Es handelt sich um Mrs. Clark, die Gattin des Oswald J. Clark, einem reichen Industriellen aus Detroit, USA.

Mr. Clark ist gemeinsam mit seiner Frau, seinem 7-jährigen Sohn, einer Kinderfrau und einer Lehrerin vor 8 Tagen im Hotel abgestiegen. Er befindet sich offiziell aus geschäftlichen Gründen in Europa und bereist von Paris aus mehrere große Städte, während die übrigen Angehörigen und das Personal in der Zwischenzeit im Hotel bleiben. Kommissar Maigret, der Chef der Sonderabteilung der Pariser Kriminalpolizei, tritt auf und übernimmt den Fall.

Zunächst stößt er auf einige Ungereimtheiten: Mrs. Clark war am Vorabend allein im Theater, bei ihrer Leiche fand man eine geladene Pistole, die Lehrerin hatte nicht im Hotel zu Abend gegessen und war über Nacht nicht zurückgekommen, und Mr. Clark, der an diesem Tag nach Rom fahren sollte, hat keinen der dorthin führenden Züge genommen.

Die Nachforschungen ergeben weitere verdächtige Fakten: Der im Hotel arbeitende Buchhalter Jean Ramuel und der Vortänzer der Hotelbar, Eusebio Fualdés, übernachten gelegentlich unerlaubterweise im Keller, letzterer trägt auch einen falschen Namen.

Schließlich arbeitete die Freundin von Prosper Donge, der die Leiche gefunden hat, früher als Tänzerin und Animierdame in einer Bar in Cannes, zu genau der Zeit, in der die Ermordete, Mrs. Clark, in ebendieser Bar unter ihrem früheren Namen Mimi gleichfalls Animierdame war.

Maigret begibt sich nach Cannes, um vor Ort Ermittlungen anzustellen, da erhält er die Nachricht, dass im Keller des »Majestic« wieder eine Leiche gefunden wurde, in einem Metallspind der Personalgarderobe …

Das ist wieder ein wunderbarer Maigret! Äußerlich leicht und zügig zu lesen, lässt er einen jedoch zu keiner Zeit los. Simenon baut die Spannung langsam, aber stetig auf und verleiht der Handlung immer wieder unerwartete Wendungen. Dabei bedient er sich oft folgender Methode: Maigret führt ein scheinbar belangloses Gespräch oder macht eine für den Leser harmlose Beobachtung, zieht jedoch daraus Schlüsse, die erst später an unerwarteter Stelle manche Dinge in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.

Man kann sich entspannt zurücklehnen und auf Maigret verlassen, er macht instinktiv alles Richtig, es kann eigentlich nichts passieren, seine Ermittlungen gehen – wie bei Columbo – immer in die richtige Richtung.

Was Simenon meiner Meinung nach aber darüber hinaus auszeichnet, ist seine Fähigkeit, bestimmte Situationen so intensiv zu beschreiben, dass man sie fast wie Filmszenen vor Augen hat. Ein Beispiel dafür sind die Auftritte seiner Figuren:

Auftritt Maigret:

»Maigret wollte vor der Drehtür schon seine Pfeife am Absatz ausklopfen. Dann zuckte er mit den Achseln und steckte sie wieder zwischen die Zähne. Es war seine erste Morgenpfeife, die Beste.«

Auftritt Lehrerin:

»Aber plötzlich krauste der Direktor die Stirn. Die Drehtür war in Schwung geraten, und eine junge Frau in grauem Kostüm trat ein, begleitet von einem Sonnenstrahl.«

Manche Stellen zeigen auch feinen Humor, wie etwa die Szene, in der Maigret (der kein Wort Englisch spricht) und Mr. Clark (der kein Wort Französisch spricht) miteinander reden wollen.

Und schließlich ist da noch etwas, was mich persönlich sehr für den Autor einnimmt, nämlich seine Art, Stimmungen zu erzeugen, auf deren Hintergrund die Handlung abläuft; etwa die Szene in Cannes, wo Maigret am Tag des Blumencorso am Bahnhof von Blasmusik, blitzenden Instrumenten und farbigen Uniformen empfangen wird, und gegen Tagesende, vor seiner Heimfahrt, klingt das so:

»Er befand sich in einem kleinen Café am Bahnhof. Die Musiker der Blaskapellen hatten jetzt staubige Hosen. Sie fuhren waggonweise in die kleinen Nachbarorte zurück, und es lag Müdigkeit in der Luft wie am Ende eines schönen Sonntags.«

Braucht man das alles eigentlich, um einen spannenden Kriminalroman zu schreiben? Natürlich nicht. Bei Simenon stehen diese Dinge nicht im Vordergrund, mancher liest wahrscheinlich darüber hinweg, ohne es zu bemerken. Seine Meisterschaft besteht in der richtigen Dosierung, er verwendet seine Fähigkeit, Atmosphäre zu erzeugen, wie die Obertöne in der Musik, wie das al dente in der italienischen Küche …

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Anfangsverdacht zu »Georges Simenon: Maigret und die Keller des Majestic« 30.11.2014
Prima, ich nun als Langzeit-Simenon-Leser muß nun ausgerechnet bei dem Roman mosern, der hier mal von der Krimi-Couch renzensiert wurde und anscheinend auch von anderen gut aufgenommen wurde.
Meiner Meinung nach versucht hier Simenon in Teilen eine Großstadtsprache aufs Papier zu bringen und aus meiner Sicht ist ihm das mißlungen. Das wirkt bemüht.
Hat der etwas Jon Dos Passos gelesen?
So bald er diese Phase überwindet und mit dem Kellern erst einmal fertig ist, ist auf der Roman in der Spur.
Pela zu »Georges Simenon: Maigret und die Keller des Majestic« 26.07.2011
Endlich ist der gordische Knoten auch bei mir geplatzt! Drei Romane lang rätselte ich, was denn nun das Besondere an den Maigret-Romanen sei. Und nun endlich lege ich dieses Buch aus der Hand und sage: Mehr davon! Es sind genau diese Beschreibungen einer Stadt und einer Gesellschaft einer längst vergangenen Zeit, die diese Romane so besonders macht. Das Paris der Springenbrunnen, Mansardenhäuser und Tauben, die durch den Glanz der Morgensonne aufsteigen. Fast meint man schon, den würzigen Kaffeeduft in der Nase zu haben, wenn Prosper Donge seine Maschinen anstellt. Simenon war, so spüre ich nun, ein großartiger Beobachter seiner Zeit, weil er eben Ruhe und Muße fand, zu recherchieren, zu beobachten, und dann zu schreiben. Diesen Roman würde ich für angehende Maigret-Fans als Einsteigerroman empfehlen!
Jan Horáček (CZE) zu »Georges Simenon: Maigret und die Keller des Majestic« 31.07.2006
Die Geschichte spielt in einem Hotel, wo ein unauffäliger Mann tot gefunden wurde. Das wertvolleste in diesem Buch ist neben der spannenden Handlung die Atmosphäre von Paris, was fast für alle Bücher mit Maigret typisch ist. Mir gefielt z. B. die zauberhafte Beschreibung des Morgens in Paris, wann die ersten Menschen zurn Arbeit gehen, aber "es ist" wie Simenon schreibt " keine Nacht mehr, aber auch noch keinen Tag".
Reinhard Müller zu »Georges Simenon: Maigret und die Keller des Majestic« 20.06.2006
Ich habe inzwischen 12 Maigret Romane gelesen und für mich ist dieses Buch einer der interessantesten und spannensten Krimis aus der Maigret Reihe mit interesanten Milieubeschreibungen, einer spannenden Handlung und einem überraschenden Ende.
laura macula zu »Georges Simenon: Maigret und die Keller des Majestic« 21.05.2004
ich bin zufällig, durch ein Französisch Referat auf den Geschmack der Maigret-Lektüre gekommen. ich hatte dieses Buch zu lesen. Es hat mir sehr gut gefallen. Die Atmosphäre des Hotels, und die Situationen, in denen sich die figuren befinden sind direkt nachfühlbar. Es ist so geschrieben, als würde man die Geschehnisse sehr genau beobachten. Fazit: lesenswert!
Torsten Janssen zu »Georges Simenon: Maigret und die Keller des Majestic« 23.01.2004
Diesmal gelingt es Simenon, wieder genauestens die Atmosphäre eines Pariser Hotels um 1939/40 zu skizzieren. Dabei sind die Maigrets immer noch erstaunlich frisch.
kuerten zu »Georges Simenon: Maigret und die Keller des Majestic« 26.03.2003
Ein netter kleiner Krimiklassiker. Maigret läßt sich von Indizien und Beweisstücken nicht täuschen und schenkt den Aussagen des letztlich zu Unrecht verdächtigten Mannes glauben. Und er behält recht. Die Auflösung bietet eine Überraschung, da der Leser gegenüber den Gedankengängen des Maigret absolut im Unklaren ist, folgt aber einer ganz logischen Kette von Schlußfolgerungen. Feine Unterhaltung für einen gemütlichen Abend.
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