Maigret und der gelbe Hund von Georges Simenon

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1931 unter dem Titel Le chien jaune, deutsche Ausgabe erstmals 1934 bei Schlesische Verlagsanstalt.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich, 1930 - 1949.
Folge 6 der Maigret-Serie.

  • Paris: Fayard, 1931 unter dem Titel Le chien jaune. 253 Seiten.
  • Berlin: Schlesische Verlagsanstalt, 1934 Der gelbe Hund. Übersetzt von Harold Effberg. 221 Seiten.
  • Köln, Berlin: Kiepenheuer & Witsch, 1958. Übersetzt von Isolde Kolbenhoff. 173 Seiten.
  • München: Heyne, 1967. Übersetzt von Isolde Kolbenhoff. 139 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1979. Übersetzt von Raymond Regh. ISBN: 3-257-20691-7. 178 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2008. Übersetzt von Raymond Regh. Sämtliche Maigret-Romane in 75 Bänden, Bd. 6. ISBN: 978-3-257-23806-8. 173 Seiten.
  • [Hörbuch] Zürich: Diogenes, 2006. Gesprochen von Friedhelm Ptok. ISBN: 978-3-257-80040-1. 4 CDs.

'Maigret und der gelbe Hund' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Der Inspektor, der Maigret bei der Klärung einer Reihe von mysteriösen Verbrechen in der Kleinstadt Concarneau helfen soll, sammelt eifrig Informationen. Unterdessen sitzt sein Vorgesetzter scheinbar untätig in einem Cafe und raucht Pfeife. So kann er sich unauffällig mit den Stammgästen des Lokals vertraut machen. Bleibt nur noch, sich in die Lage eines gewissen gelben Hundes zu versetzen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Klassiker, der auch heute noch Spaß macht!« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

In dem kleinen Hafenort Concarneau macht sich nachts der Weinhändler Mostaguen auf den Heimweg, nachdem er zuvor mit Freunden im Hotel de l’Admiral Karten gespielt hat. Angetrunken will er sich in einem Hauseingang eine Zigarre anzünden als er durch einen Schuss schwer verletzt wird. Der Schuss wurde durch den Briefkasten des leer stehenden Hauses abgegeben.

Am nächsten Morgen übernimmt Kommissar Maigret, der vor einem Monat zur mobilen Brigade in Rennes beordert wurde, zusammen mit Inspektor Leroy die Ermittlungen. Insbesondere die Stammtischbrüder Le Pommeret, Dr Michoux und der Journalist Servieres erregen Maigrets Neugier, aber ebenso das Serviermädchen Emma. Abends sitzen Maigret und die drei Männer im Hotel und wollen gemeinsam einen Pernod trinken, der jedoch mit einer erhöhten Dosis Strychnin versehen ist, wie sie im letzten Moment bemerken. Nur einen Tag später verschwindet Servieres plötzlich, nachdem man sein Auto in der Nähe eines Flusses findet. Blutflecken auf dem Fahrersitz deuten auf eine Kampfhandlung hin.

Drei Tage – drei Verbrechen. Der Bürgermeister des Ortes setzt Maigret unter Druck, nicht zuletzt da täglich immer mehr Journalisten anreisen und außerdem in Concarneau eine Panik auszubrechen droht. Während Leroy fleißig Informationen sammelt bleibt Maigret bevorzugt im Hotel de l’Admiral und beobachtet dort die Menschen. Aber auch ein herrenloser gelber Hund weckt sein Interesse …

Einer der ersten und besten Maigret-Romane

»Maigret und der gelbe Hund« erschien bereits 1931 und ist damit einer der ersten Maigret-Romane. Auch heute noch kann man sich herrlich über den mürrischen und eigenbrötlerischen Kommissar amüsieren bzw. sich über dessen Ermittlungsmethoden wundern, gleichwohl kann man ihm bei der Lösung des Falles kaum zuvor kommen. Wie bei Agatha Christie versammeln sich gegen Ende des nur 179 Seiten dünnen Werkes die Verdächtigen in einem Raum und Maigret doziert über die Lösung des Falles.

Wunderbar skurril anmutend sind einige Dialogsequenzen.

»Ist er verhaftet worden?«
»Er ist gebeten worden, zwei Herren bis hierher zu folgen. Das ist nicht dasselbe.«
»Was hat er gesagt?«
»Nichts! Man hat ihn nämlich nichts gefragt!« 

Nicht weiter erwähnenswert dürfte sein, dass Maigret sich seitenlang inständig seine geliebte Pfeife stopft und sich nie in die Karten schauen lässt.

»Sie haben Glück, mein Lieber! Vor allem, was diesen Fall betrifft, wo meine Methode darin bestand, keine zu haben.« 

In einer Zeit, wo oftmals scheinbar nur der Erfolg hat, der die brutalsten Verbrechen detailliert widerspiegelt, ist ein Klassiker wie das vorliegende Buch eine beruhigende Wohltat. Nein, man muss nicht immer knietief im Blut waten, es geht auch »blutleer«, wie der vorliegende Band beweist. Auch wenn der Schreibstil Simenons heute mitunter leicht antiquiert wirkt; gerade das macht den Charme seiner in die Jahre gekommenen Werke aus.

In unserer schnelllebigen Zeit sollte man ab und an mal zu einem der insgesamt 105 (!) Maigret-Romane greifen und in Nostalgie schwelgen. Dabei kann man ganz nebenbei auch des großartigen Schauspielers Jean Gabin gedenken, der die Figur des Kommissars Maigret kongenial verkörperte.

Jörg Kijanski, September 2007

Ihre Meinung zu »Georges Simenon: Maigret und der gelbe Hund«

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Alois Becker zu »Georges Simenon: Maigret und der gelbe Hund« 10.01.2015
Nach „Der Gehängte …“ habe ich auch diesen „Maigret“ ein weiteres Mal gelesen. Der Schluss ist in beiden Fällen ähnlich.

Beide Romane gehören zur ersten erfolgreichen „Welle“ von 1931 und wurden von der Kritik sehr gelobt. Ich denke, völlig zu Recht.

Ein Kritiker schrieb, Maigret sei „mehr Mensch als Polizist“. Wer das Schlusskapitel dieses Romans gelesen hat, wird das verstehen.

Stanley G. Eskin, der wohl beste Simenon-Kenner, schreibt, der Roman sei „ein Meisterwerk an atmosphärischer Dichte, Spannung und scharfer psychologischer Darstellung“.

Übrigens wird ein Leitmotiv Simenons auch hier schon deutlich: Einerseits die Kritik an der Arroganz, den Machenschaften und der Heuchelei der sog. „besseren Gesellschaft“, andererseits die Sympathie für die kleinen Leute und die Verlierer.
Dottore zu »Georges Simenon: Maigret und der gelbe Hund« 16.11.2009
Viele Kenner sind der Meinung, dass die frühen Simenon-Romane, ob nun Maigrets oder Non-Maigret-Romane, die besten sind. "Der gelbe Hund" ist ein Beispiel dafür. Trotzdem sollte man von Simenon A l l e s lesen! Abgesehen davon, wie anschaulich die Personen gezeichnet werden, gibt es kaum einen Schriftsteller, der die bürgerliche Gesellschaft des 20. Jahrhunderts treffender darstellt als Simenon.
kai sieben zu »Georges Simenon: Maigret und der gelbe Hund« 09.10.2009
Einer der grossen Maigret Romane, der durch die Handlungen der Betroffenen seinen Schwung bekommt und der durch einen coolen Maigret besticht. Die Geschichte ist spannend und fuer den Leser nachvollziehbar. Am Ende siegt sogar die Gerechtigkeit und es gibt ein Happy End. Das ist ja bei Simenon nicht immer der Fall. Einer der grossen Maigret Romane.
John67 zu »Georges Simenon: Maigret und der gelbe Hund« 19.06.2009
Bestechend auch hier wieder wie Maigret mit der ruhigen Hand den Fall häppchenweise löst und sich nicht von Dritten bedrängen lässt.
Selbst der Leser, der dann doch aufgrund der Vielzahl der Taten langsam ungeduldig wird, dass Maigret nicht handelt, wird auf durch ihn selbst während eines Gespräches mit einem Akteur wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. Heute würde man sagen: "Immer ruhig bleiben!"
Faszinierend wie es Simenon schafft den Leser zu fesseln und als Aussenstehenden doch mit in das Geschehen einzubinden, ohne sich dabei den Gedankengängen Maigrets nähern zu können.
Der Leser nimmt teil, aber ist nie der Ermittelnde.
Für mich einer der lesenswerten guten Maigret Krimis.
Eva zu »Georges Simenon: Maigret und der gelbe Hund« 13.04.2007
Noch etwas- es gibt eine Geschichte von Gabriel Garcia Marques, wo er such Jahrelang nach dem Simenons "M und der gelbe Hund". Köstlich.
Und was es Roman angeht- grossartig. Nur- wie immer nach Simenons Romanen bleibt man melancolish und hat mitleid mit dem Figuren. Alle sind immer betrofen, von Polizisten bis den Tätern, bis den zufäligen Passanten... Leben ist gross, gewaltig, desswegen- noch eine Pffeife, bitte... (um eine Kritik zu parafrasieren)
PS Sorry, mein Deutsch ist noch nicht so gut.
Fabian zu »Georges Simenon: Maigret und der gelbe Hund« 16.01.2007
Schöner Schreibstil,schöner Plot und gut erdachte Figuren (Maigret ,Servieres).Was soll man des Lobes mehr sagen? Dieser Maigret lebt von der Atmosphäre der Bretagne und besonders diese beschreibt Erzählgigant Simenon äußerst präzise und gut vorstellbar.
Torsten Janssen zu »Georges Simenon: Maigret und der gelbe Hund« 20.01.2004
Interessanter Roman. Man merkt erst am Ende, daß dieser Roman 1930(?) geschrieben wurde, wenn der Überführte nach Cayenne deportiert wird. Das ist überhaupt das Geheimnis der Simenon Romane, daß sie noch heute aktuell sind, und man Ihnen Ihr Alter nicht anmerkt.
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