Maigret contra Picpus von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1944
unter dem Titel Signé Picpus,
deutsche Ausgabe erstmals 1961
bei Kiepenheuer & Witsch.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Paris, 1930 - 1949.
Folge 23 der Maigret-Serie.
- Paris: Gallimard, 1944 unter dem Titel Signé Picpus. 156 Seiten.
- Köln; Berlin: Kiepenheuer & Witsch, 1961 Maigret verschenkt seine Pfeife. Übersetzt von Hansjürgen Wille & Barbara Klau. 156 Seiten.
- München: Heyne, 1966 Maigret verschenkt seine Pfeife. Übersetzt von Hansjürgen Wille & Barbara Klau. 141 Seiten.
-
Zürich: Diogenes, 1982.
Übersetzt von Hainer Kober.
ISBN:
3-257-20736-0. 180 Seiten. -
Zürich: Diogenes, 2008.
Übersetzt von Hainer Kober.
Sämtliche Maigret-Romane in 75 Bänden, Bd. 23.
ISBN:
978-3-257-23823-5. 174 Seiten.
'Maigret contra Picpus' ist erschienen als
![]()
![]()
In Kürze:
»Morgen um fünf Uhr nachmittags töte ich die Wahrsagerin. Gezeichnet: Picpus.« Maigret nimmt diesen Brief ernst und veranlaßt, dass in Paris 482 Hellseherinnen überwacht werden. Die Hellseherin Jeanne, die trotz dieser Maßnahmen erstochen wird, kennt keiner. Und als der Kommissar den Hauptverdächtigen mitten im Hochsommer im Wintermantel in der Küche der Toten findet – da überkommt ihn eine Riesenwut, und er will nur noch ein kühles Bier …
Das meint Krimi-Couch.de: »Ein vergnüglicher, spannender Leseabend«
Krimi-Rezension von Wolfgang Reuter überspringen
An einem heißen Sommertag in Paris, nachmittags gegen fünf Uhr, wünscht sich Kommissar Maigret nichts lieber als ein ordentlich gezapftes Bier. Doch daraus wird nichts – denn ein geheimnisvoller »Picpus« hat Tags zuvor einen Mord angekündigt:
»Morgen Nachmittag um fünf töte ich die Wahrsagerin. Gezeichnet: Picpus«
Diese Nachricht fand der Angestellte Mascouvin unter merkwürdigen Umständen in einem Café. Und so wartet Maigret, schwitzend, im Kommissariat, während die Polizei vierhundertzweiundachtzig Hellseherinnen überwacht. Das ist keine Kleinigkeit, und die ironischen Kommentare seiner Kollegen bis zum Direktor machen ihn langsam ungeduldig.
Doch da kommt die Nachricht: Tatsächlich ist eine Wahrsagerin ermordet worden, aber eine ganz andere, nicht registrierte und daher nicht von der Polizei überwachte. Maigret eilt zum Tatort und findet neben der toten Mademoiselle Jeanne auch einen alten Mann in der Küche, hinter der versperrten Türe. Verwahrlost, unrasiert, geistesabwesend. Es ist Octave le Cloaguen, ein Schiffsarzt im Ruhestand. Er behauptet, von nichts zu wissen und wirkt völlig ruhig. Was macht er dort Doch als alle zu seiner Wohnung fahren, ergreift ihn Panik. Warum?
Seine Frau und seine Tochter behandeln ihn wie einen Aussätzigen, behaupten, er sei verrückt. Ist er das wirklich?
Obwohl er wohlhabend ist, muss er in einem schlechten Zimmer schlafen, offenbar nachts eingesperrt, er zieht durch die Straßen wie ein Bettler. Irgendetwas stimmt hier nicht. Da begeht Mascouvin einen Selbstmordversuch.
Maigret beginnt die ersten Spuren aufzunehmen: Geld, das nie unterschlagen wurde, ein Mann im grünen Cabriolet, den keiner kennt, die gefälschten Hechte des Hobbyfischers, die unerklärliche Schicksalsergebenheit des Schiffsarztes, die merkwürdige Bridgerunde der Comtesse, das Rätsel um Picpus. All das und noch mehr führt schließlich dazu, dass Madame Maigret öfters auf ihrem Abendessen sitzen bleibt und des Nachts allein in ihrem Bett liegt …
Maigret ist ein Einzelgänger. Er verfolgt Spuren intuitiv, lässt seine Kollegen und auch seinen Chef, den Kriminaldirektor, dabei öfters im Unklaren. Natürlich auch den Leser, aber das macht die Sache erst so richtig spannend. Er ist eigentlich nicht teamfähig, weder beruflich, noch privat. Doch am Quai des Orfévres verlässt man sich meist auf seine Qualitäten, und zu Hause waltet das unerschütterliche Bollwerk Madame Maigret.
Seine Arbeitsweise ist charakteristisch: Indizien, die von anderen vernachlässigt wurden, seine außerordentliche Intuition, seine Fähigkeit, sich in Situationen anderer zu versetzen. Gelegentliche Verstöße gegen die Dienstvorschriften. Für ihn sind die Fälle » …ein seltsames Spiel, in dem die Menschen Schachfiguren waren und in dem er geduldig jede Figur auf den richtigen Platz rückte«.
Simenon ist immer sehr angenehm zu lesen. Er verschwendet keine Zeit, die Bücher sind relativ schmal, die Sätze kurz. Er formuliert klar und prägnant, eigentlich fast wie ein Drehbuch. Unvollständige Sätze, unterbrochen von kurzen Dialogen und Überlegungen, alles treffsicher platziert. Schnitt. Kameraschwenk. Szenenwechsel. Der Leser begleitet Maigret in seinen Überlegungen, diese sind aber zunächst gar nicht so klar nachzuvollziehen – »...es hat den Anschein...es entstand der Eindruck...« – das sind sehr häufige Formulierungen. Und das steigert auch die Spannung und das Lesevergnügen.
Simenon widmet viel Zeit der psychologischen Darstellung seiner Figuren, deren Milieus und den Ursachen ihrer Handlungen. Scharfsichtig, aber illusionslos. Warmherzig, aber ohne Mitleid. Die Handlung nimmt überraschende Wendungen, neue Personen und Fakten tauchen auf, menschliche Abgründe tun sich auf, das Böse kommt ans Licht. Und Maigret leidet an der Dummheit der Menschen.
Georges Simenon ist ein Meister im Erzeugen einer ganz eigenen Atmosphäre, man spürt die Hitze, den Durst nach einem Bier, die frische Luft nach einem Gewitterregen. Ein Maigret – das ist einfach ein vergnüglicher, spannender Leseabend.
Ihre Meinung zu »Georges Simenon: Maigret contra Picpus«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!
| Andreas Günther zu »Georges Simenon: Maigret contra Picpus« | 12.09.2007 |
|---|---|
| Torsten Janssen zu »Georges Simenon: Maigret contra Picpus« | 18.01.2005 |
| Torsten Janssen zu »Georges Simenon: Maigret contra Picpus« | 06.01.2005 |
| Kai Luehrs-Kaiser zu »Georges Simenon: Maigret contra Picpus« | 06.10.2003 |

