Der Killer und die Hure von George T. Basier

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel .338 circuit exit, bei Books on Demand.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1990 - 2009.

  • Norderstedt: Books on Demand, 2007 unter dem Titel .338 circuit exit. ISBN: 978-3833481697. 276 Seiten.
  • Norderstedt: Books on Demand, 2008. ISBN: 978-3833474095. 232 Seiten.

'Der Killer und die Hure' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Thomas Riesch, ehemals Private Military Contractor der US-Armee im Irak, arbeitet als Personenschützer für einen zwielichtigen Anwalt in Hamburg. Um die Prostituierte Mandy aus den Fängen eines skrupellosen Drogen- und Menschenhändlerrings zu befreien, nimmt der notorische Einzelgänger einen mörderischen Kampf auf. Es beginnt eine brutale Jagd quer durch Hamburg, die ihn weit in seine dunkle Vergangenheit zurück führt.

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Bio-Fan zu »George T. Basier: Der Killer und die Hure« 17.09.2013
Berührend und schockierend zugleich.


Ich werde jetzt nicht viele Worte verlieren. Der liebe Stefan83 hat alles Wesentliche (s.u.) schon geschrieben, dem ich mich in weiten Teilen gut anschließen kann.

Was mich aber, besonders im ersten Teil gestört hat, war die ausufernde Beschreibung von Waffen, Waffentechnik und dem ganzen militärischen Brimborium. Das mag ja für einen Scharfschützen und Auftragskiller wie Thomas Riesch wichtig, ja lebensnotwendig sein, aber für den Leser? Ich konnte und wollte dem nicht folgen, deshalb habe entsprechende Passagen quergelesen. Vielleicht wollte der Autor mit diesen Beschreibungen die tödliche Präzision, mit der der Killer zu Werke geht, untermauern. Was meiner Ansicht gar nicht nötig war.

Seine Gedanken in der akuten Situation und seine Erinnerungen an seine Ausbildung und frühere Einsätze lehren den Leser das Schaudern.
Kaltblütig wie ein Fisch im Eismeer knippst er einen Gegner nach dem anderen aus. Auf der anderen Seite ergibt er sich der jungen Prostituierten Mandy mit einer solchen Hingabe, obwohl er sie nur wenige Tage kennt.

Es ist nicht die oberflächliche Spannung des Geschehens, die den Leser mitnimmt und berührt, sondern die Ambivalenz des heldischen Innenlebens.

Wenn man bedenkt, was alles an 08/15-Ware den Krimi-Markt Tag für Tag überschwemmt und gekauft wird, wundert es wohl keinen, dass solche Volltreffer wie "Der Killer und die Hure" untergehen. Mein Dank an die Entdecker.

Da ich meinen eingangs angesprochenen Kritikpunkt für meine Gesamtwertung nicht unterschlagen kann, bekommt der Thriller "nur" sehr gute 86° von mir.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Stefan83 zu »George T. Basier: Der Killer und die Hure« 03.09.2013
George T. Basier – mit Sicherheit kein Name der wie Donnerhall durch das Krimi-Genre schallt, was insofern nicht verwunderlich ist, da sich dem hinter englisch klingenden Pseudonym ein in Wedel bei Hamburg geborener deutscher Autor verbirgt, der seine bisherigen Werke über „Books on Demand“ vertreiben ließ. Eine Adresse für all diejenigen, welche mit möglichst geringen Kosten und ebenso geringer Einflussnahme seitens des Verlags, ihr eigenes Buch veröffentlichen wollen. Diese werden nicht vorgedruckt, sondern dem Buchhandel virtuell zur Verfügung gestellt und bei Bestelleingang innerhalb von 12 Stunden ab Auflage 1 gedruckt und ausgeliefert. Ein Konzept, das für viele Hobbyschreiber bestens funktioniert, letztlich aber gerade jemanden wie Basier kaum gerecht wird, denn – soviel sei vorab gesagt – sein Debütwerk „Der Killer und die Hure“ hat mehr, viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

Bereits 2007 erschienen, erhielt der Titel, trotz einiger wohlmeinender Kritiken, davon relativ wenig, was natürlich wohl auch mit der Art der Herausgabe zusammenhängt. Möge diese Rezension dazu beitragen, den Namen zumindest etwas bekannter zu machen, ist doch „Der Killer und die Hure“ wohl eins der mit Abstand besten Bücher, die ich im Genre des harten Kriminalromans in den Fingern halten durfte. Die Geschichte sei hier kurz angerissen:

Ich-Erzähler Thomas Riesch, ehemaliger Bundeswehrsoldat und späterer Private Military Contractor der US-Armee im Irak, ist in seine Heimat Hamburg zurückgekehrt, um sich als Personenschützer für einen zwielichtigen Anwalt zu verdingen. Von den ganz heißen Jobs will er nun die Finger lassen und das Risiko drosseln, wenngleich ihn die Sucht nach Adrenalin auch mit Ende dreißig noch fest in ihren Klauen hat. Als bestens Gegenmittel erscheint da der neueste Auftrag. Er soll den Aufpasser für die Prostituierte Mandy spielen, die nicht nur ihrem Zuhälter sondern auch ihrem gewalttätigen Freund der Rücken gekehrt hat und nun um ihr Leben fürchtet. Riesch, der mit weit größeren Kalibern als Schlägern aus dem Rotlichtmilieu zu tun hatte, erwartet keine großen Komplikationen. Die meiste Arbeit scheint aus Konversation zu bestehen, was dem notorischen Einzelgänger besonders zu Anfang ungefähr genauso stört wie der typisch ostdeutsche Name seines Schützlings. Doch bald ändert sich sein Verhalten. Hinter Mandy steckt mehr, als man auf den ersten Blick vermuten will – und auch ihr Ex-Freund scheint weit gefährlicher, als bisher angenommen.

Als Riesch realisiert in was er hineingeraten ist, ist es bereits fast zu spät. Ganz auf sich allein gestellt beginnt er eine brutale Jagd durch Hamburg, welche ihn gleichzeitig weit in seine dunkle Vergangenheit führt...

Wie ein amazon-Rezensent bereits treffend bemerkte und Basier in einem Interview mit Noir-Experte Martin Compart auch bestätigte, erinnert dieser kurze Ausschnitt nicht ganz ohne Hintergedanken an die Sin-City-Geschichte „The Hard Goodbye“, in dem der harte Schläger Marv Rache an den Mördern seiner Liebe, der Hure Blondie nahm. Basier klaut hier allerdings nicht einfach nur eine Story, er übernimmt vielmehr den typischen Noir-Ton des Films. In kurzen, knappen, oftmals bitter-zynischen Sätzen führt uns der Ich-Erzähler Riesch durch die Story, der man in jeder Zeile anmerkt, dass der Autor sie in gerade mal zwei (fast schlaflosen) Wochen auf die Tastatur gehämmert hat. Hier sitzt jedes Wort, jede Silbe, passt der Rhythmus haargenau, während die Handlung wie ein Achtzylinder durchs Gelände nagelt und dem Leser dabei keinerlei Auszeiten gönnt. So richtig will und kann man nicht glauben, dass bei diesem Buch tatsächlich ein deutscher Schriftsteller verantwortlich zeichnet, derart amerikanisch lässig und eiskalt wirkt das Ganze, das dennoch in keinster Weise künstlich oder gestellt daherkommt. Im Gegenteil:

Riesch, der seine persönliche Geschichte rückblickend und mit einem Sniper-Gewehr im Anschlag erzählt, ist diese Sorte Drecksack, die man sogleich mögen muss. Kalt, berechnend, sarkastisch, gnadenlos. In bester Tradition von Noir-Größen wie Starks' Parker oder Vachss' Burke kommt dieser einsame Wolf als glaubhaft-gefährlicher Gegenspieler daher, der aufgrund seiner Erfahrungen einen Großteil seiner Menschlichkeit zwar verloren hat, nie aber den Sinn für eine gewisse Moral. So brutal er im Zweikampf ist, so sensibel und unbeholfen ist er im Umgang mit der Frau, die er liebt. Während ein Großteil der Genre-Konkurrenz auf die Formel „Ein-Eimer-mehr-Blut-geht-immer“ setzt, verkommen die Gewaltausbrüche in „Der Killer und die Hure“ nie zum Selbstzweck, sondern sind folgerichtige Handlungsweisen eines Menschen, der aufgrund seiner Vergangenheit nicht anders mit der Gefahr umzugehen weiß. Ob im Gebirge an der afghanisch-pakistanischen Grenze, im Regenwald Südamerikas oder im Containerhafen Hamburgs – wie Basier seine Handlung inszeniert, wie er den Detailreichtum eines militärischen Techno-Thrillers völlig übergangslos mit dem Hardboiled mischt, ohne den Leser in unnötigen Informationen zu ertränken – das beeindruckt. Und zwar von der ersten bis zur letzten Seite.

„Der Killer und die Hure“ bietet fulminantes, erschütterndes, dramatisches, nachtschwarzes und vor allem atmosphärisches Kopfkino über die volle Distanz. Ein brachiales, stilistisch überragendes kleines Noir-Meisterwerk mit unheimlich viel Tiefang, in dem einfach alles stimmt und ich selbst nach mehrmaligen Überlegen keinerlei Kritikpunkte ausmachen konnte. Fans von Andy McNab und Stephen Hunter sei genauso wie Freunden klassischer Hardboileds eins gesagt: Kaufen, und zwar sofort!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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