George P. Pelecanos

George Peter Pelecanos kennt die Stadt Washington und ihre Geschichte; die hellen wie die dunklen Seiten. Als Sohn griechischer Einwanderer 1957 geboren, ist er als echtes Kind der Arbeiterklasse aufgewachsen. Die gesamte Familie schuftete in der Billiggastronomie, und ab seinem zehnten Lebensjahr war auch George dabei. Bis zu seinem 32. Lebensjahr verdiente er sein Geld als Bauarbeiter, Barmann, Schuhverkäufer und anderen Jobs, konnte aber nebenbei immerhin studieren.

1989 verwirklichte er sich seinen lang gehegten Traum und schrieb einen Roman, der zum ersten Teil einer Trilogie um den Privatdetektiv Nick Stefanos wurde. »A Firing Offense« stellte gleichzeitig den Auftakt zu Pelecanos’ ehrgeizigem Projekt dar, die Geschichte Washingtons im 20. Jahrhundert »von unten« zu be-schreiben. Acht Romane umfasst es; alle sind zumindest locker miteinander verwoben, und gemeinsam bilden sie so etwas wie ein Sittenbild der Stadt und ihrer Bewohner. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen nach der Bedeutung von Herkunft und Freundschaft bzw. Solidarität. Wie weit kann oder muss sie gehen? Darf sie die Grenze zwischen Gut und Böse ignorieren? Für Pelecanos ist die Entscheidung klar, aber er verschleiert nie, dass der »richtige« Weg dem, der ihn geht, erst recht ins Verderben führen kann.

Obwohl Pete Karras das Finale von Das große Umlegen nicht überlebt, setzte Pelecanos die Trilogie fort. In King Suckerman, der in der Woche der Zweihundertjahrsfeiern 1976 spielt, tritt Karras’ Sohn Dimitri an die Stelle des Vaters. »The Sweet Forever«, der abschließende Band, berichtet davon, wie er und sein Freund Marcus Clay im Jahre 1986 in einen Drogenkrieg verwickelt werden. Beide Romane spinnen nicht einfach die Vorgeschichte routiniert weiter, sondern gehen inhaltlich wie formal völlig eigene Wege – auch das ein Beleg dafür, dass der moderne Kriminalroman mit George P. Pelecanos eine ebenso kritische wie talentierte Stimme gefunden hat.

2001 begann Pelecanos mit einer neuen Reihe um den (schwarzen) Privatdetektiv Derek Strange und seinen Partner Terry Quinn. Sie spielt im Washington der Gegenwart und wirft kritische Blicke auf den Drogenkrieg im Schatten des Weißen Hauses. Außerdem beschäftigt sich der Verfasser gewohnt intensiv mit dem immer noch aktuellen Problem der Rassendiskriminierung. Hier gehen ihm, der sonst mit einer glasharten, klaren Prosa und mitreißenden Plots glänzt, indes manchmal die Pferde durch – Pelecanos hebt den Zeigefinger und predigt statt zu erzählen. Das ist freilich der einzige Vorwurf, den man ihm manchmal machen muss.

Hierzulande bleibt Pelecanos ein Geheimtipp. Das »verdankt« er in erster Linie einer unglücklichen Veröffentlichungsgeschichte. Der Verlag, der seine Werke nach Deutschland brachte, ließ beim Aufbau des noch fremden Autors die notwendige Kontinuität vermissen und stellte seine Thrillerreihe zudem bald ein. Mit der Strange/Quinn-Reihe wurde ein neuer Anlauf genommen. Die älteren Titel bleiben allerdings weiter ohne Übersetzung.

Krimis von George P. Pelecanos:

Nick Stefanos-Trilogie:
A Firing Offense
(1992)
Nick’s Trip
(1993)
Down By the River Where the Dead Men Go
(1995)
Washington-Noir-Reihe:
Das große Umlegen / Big Blowdown Rezension
(1996)
The Big Blowdown
King Suckerman Rezension
(1997)
King Suckerman
Eine süße Ewigkeit
(1998)
The Sweet Forever
Shame the Devil
(2000)
Derek Strange/Terry Quinn-Reihe::
Schuss ins Schwarze
(2001)
Right as Rain
Wut im Bauch
(2002)
Hell to Pay
Soul Circus
(2003)
Hard revolution
(2004)
Hard revolution
What it was
(2012)
Spero-Lucas-Reihe:
Ein schmutziges Geschäft Rezension
(2011)
The cut
The double
(2013)
Shoedog
(1994)
Drama City
(2005)
Der Totengarten Rezension
(2006)
The Night Gardener
The Turnaround
(2008)
Kein Weg zurück  Rezension
(2009)
The Way Home

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