Willkür von Garry Disher

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1994 unter dem Titel Crosskill, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Maas.
Ort & Zeit der Handlung: Australien / Sydney, 1990 - 2009.
Folge 4 der Wyatt-Serie.

  • St. Leonard´s: Allen & Unwin, 1994 unter dem Titel Crosskill. 209 Seiten.
  • Berlin: Maas, 2004. Übersetzt von Bettina Seifried. ISBN: 3927734292. 252 Seiten.
  • München: Knaur, 2005. Übersetzt von Bettina Seifried. ISBN: 3-426-62303-X. 268 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006. Gesprochen von Peter Tabatt. MP3. ISBN: 3866677553. 1 CDs.

'Willkür' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Wyatt hat mit dem Mesics-Clan noch eine alte Rechnung zu begleichen. Die Mesics haben einen Preis auf seinen Kopf ausgesetzt, der die Straßen von Melbourne für ihn zu einem gefährlichen Pflaster macht. Wyatt ist pleite, es wird Zeit zurückzuschlagen. Über den pensionierten Berufs-verbrecher Rossiter nimmt Wyatt Kontakt zu Frank Jardine auf, der einen Haufen Pläne in der Schublade hat, die das operative Geschäft des Syndikats an den empfindlichsten Stellen treffen kann. Doch als Rossiters Sohn Niall eingelocht wird, verändert sich die günstige Ausgangssituation, denn der fette Polizei-Sergeant Napper, der Niall das Leben so schwer macht, steht auf Erpressung, schnelle Ficks und läßt sich gerne Insider-Informationen versilbern …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ganz normale Verbrecher« 82°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Ziel des Berufsverbrechers Wyatt ist es diesmal, sich das Geld zurück zu holen, um das er im Vorgängerband betrogen wurde. Und dazu muss er sich mit dem Clan der Mesics anlegen. Diese haben nach dem Tod des Vaters selber genügend Probleme, denn die beiden Mesic-Brüder sind sich in geschäftlichen Dingen alles andere als einig. Doch um Geld zu erbeuten, muß man zunächst erst mal Geld investieren. Und das fehlt Wyatt. Erschwerend kommt hinzu, dass das mächtige Syndikat in Melbourne ein hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hat, so daß er sich auch noch persönlicher Angriffe auf sein Leben zu erwehren hat.

Wyatt beschließt, dass Angriff die beste Verteidigung ist. So will er nicht nur dem Syndikat ins Handwerk pfuschen, sondern sich auch mit dem Feind verbünden, um zusammen gegen den gemeinsamen Gegner vorzugehen. Dazu muss der Einzelgänger aber zunächst fremde Hilfe in Anspruch nehmen und nimmt über seinen früheren Mittelsmann Rossiter Kontakt zu seinem ehemaligen Partner Frank Jardine auf. Doch je mehr Leute über seine Pläne Bescheid wissen, um so größer ist auch die Gefahr, verraten zu werden. Zumal sich Wyatt in seiner Vergangenheit nicht nur Freunde gemacht hat.

Wie macht man als Kriminalautor einen Berufsverbrecher ohne Skrupel zum Sympathieträger? Disher tut dies, indem er seinem Protagonisten ab und an ein paar ehrenhafte Züge verleiht, ihn zum Beispiel das erbeutete Rauschgift vernichten lässt anstatt es zum eigenen Vorteil zu verwenden. Angesichts der sonstigen Charakterisierung seines Helden, der mit dem »normalen« Leben so seine Schwierigkeiten hat, weil er kaum über seinen Horizont hinaus denken kann, nicht unbedingt realistische Verhaltensweisen, erfüllt es zumindest seinen Zweck, einen Antihelden zu konstruieren.

Auch die weiteren zahlreichen Charaktere, die fast durchweg auf der »anderen« Seite des Gesetzes angesiedelt sind, versteht der Autor bildhaft darzustellen. Und obwohl man mitten drin steckt in Bandenkriegen, Mord und Korruption, Rauschgifthandel und Autoschiebereien, lässt Disher dies alles als völlig normal erscheinen. Keine durchgeknallten Psychopathen, deren Morde nicht pervers genug sein können, sondern Verbrechen als Broterwerb, von irgendwas muß man ja leben. Morden, um selber zu überleben.

Moralisten ist das Buch nicht zu empfehlen, die anderen sollten gut unterhalten werden von dem flott erzählten und gut aufgebauten Plot. Viele Szenen- und Perspektivwechsel sorgen dafür, dass die Handlung in Gang bleibt und zu keiner Zeit Langeweile aufkommt. Auch die Nebenhandlungen sind stimmig in die Story eingefügt. Passend zum hohen Erzähltempo ein furioses Ende mit einem völlig abrupten Schluss.

Zum Abschluß noch eine Bitte an den Verlag, etwas mehr Aufmerksam auf seine Umschlaggestaltung zu legen. Beim Klappentext hellgelbe Schrift auf hellblauer dachziegelartiger Struktur zu entziffern, erfordert außer einiger Anstrengung auch noch die geeignete Beleuchtung.

Ihre Meinung zu »Garry Disher: Willkür«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

heinrich zu »Garry Disher: Willkür« 09.07.2010
Eigentlich ist die Wyatt-Reihe ein Fortsetzungsroman; auch in diesem Roman knüpft Disher wieder an Personen und Handlungen aus den vorhergehenden Büchern an. Diesmal scheint Wyatt sich zu übernehmen. Trotz der auf ihn vom Syndikat ausgesetzten Kopfgeldprämie will er sich an den Mesics rächen. Dazu braucht er die Hilfe seiner letzten Vertrauten. Auch dieses Mal beeinflussen äußere Umstände den geplanten Coup, und die Geschehnisse eskalieren.
Disher läßt bei Wyatt zunehmend Selbstzweifel an seinen Lebenstil aufkommen, insbesondere das Wahrnehmen des "normalen Lebens" anderer Leute und Reflexionen über den Sinn seines Handelns kannten wir bisher von Wyatt nicht. Aber insgesamt bleibt er der Alte, die Geschichte hört wieder abrupt auf und man will unwillkürlich nach dem nächsten Band greifen. 86°
Claus zu »Garry Disher: Willkür« 13.07.2004
Souverän verknüpft Garry Disher hier einen komplexen Plot aus den unterschiedlichen Perspektiven seiner Protagonisten zu einer linearen Erzählung, er wechselt Schauplätze und Perspektiven, beschleunigt und bremst das Tempo und man folgt gespannt und fasziniert seiner Geschichte. Beeindruckend ist die düstere, hardboiled Atmosphäre und die Zwangsläufigkeit, mit der die verschiedenen Interessen der Protagonisten sich in einem großen, explosiven Finale entladen.
"Willkür“ wird in einem Sog erzählt, der den Leser mitreißt und ihn nicht ruhen lässt, bis die 250 Seiten verschlungen sind. Ein absoluter page-turner. Wyatt macht süchtig ... nach mehr Geschichten von Wyatt. Unbedingt empfehlenswert!!!
Ihr Kommentar zu Willkür

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: