Schnappschuss von Garry Disher

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Snapshot, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Unionsverlag.
Folge 3 der Hal-Challis-Serie.

  • Melbourne: Text Publishing Company, 2005 unter dem Titel Snapshot. 337 Seiten.
  • New York: Soho Press, 2006. 384 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2006. Übersetzt von Peter Torberg. ISBN: 978-3293003637. 384 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2008. Übersetzt von Peter Torberg. ISBN: 978-3293204157. 381 Seiten.

'Schnappschuss' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Als Detective Inspector Hal Challis den brutalen Mord an Janine McQuarrie untersuchen soll, die auf einer einsamen Landstraße vor den Augen ihrer siebenjährigen Tochter erschossen wurde, werden seine Ermittlungen durch ein Gewirr von Lügen und Heimlichkeiten behindert. Als wenig hilfreich erweist sich, dass Janines Schwiegervater der Vorgesetzte von Challis bei der Polizei ist: Superintendent McQuarrie ist ein wichtigtuerischer Bürokrat und als Golfspieler und Rotarier auf vertrautem Fuß mit der besseren Gesellschaft der Peninsula. Hal Challis’ Liaison mit Tessa Kane, der Chefredakteurin der Lokalzeitung, sorgt zusätzlich für Misstrauen bei den Polizeibeamten von Waterloo, die sich nicht gern in die Karten blicken lassen. Und auch die Gäste der Sexpartys in den properen Vorstadthäusern wollen um jeden Preis anonym bleiben. Jeder in Waterloo hat etwas zu verbergen und etwas zu verlieren.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein globaler Kriminalroman in der Tradition großer Police Procedurals« 83°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Nichts freut einen Leser mehr, wenn die Erwartungen an ein Buch übertroffen werden. Der Vorgänger des dritten Insepctor-Challis-Romans, Flugrausch, wurde von der Kritik wie nicht anders zu erwarten war gefeiert, konnte aber Teil 1 der Reihe, Drachenmann, nie das Wasser reichen. Nach der Lektüre von Schnappschuss bleibt erfreulicherweise als Resümee: Dishers bester »Challis«!

Winter down under. In den führt uns der australische Autor direkt mit einer was Kaltblütigkeit angeht schockierenden Szene ein. Ein Auftragsmord, professionell-sachlich ausgeführt, weit weg vom Schuss. Eine Hinrichtung. Warum Janine McQuarrie sterben muss – diese Frage gilt es für die Beamten um Inspector Challis zu klären. Doch es gibt eine Zeugin: die kleine Georgia, die den Mord an ihrer Mutter mitansehen musste.

Verzwickt: Das Mordopfer ist die Schwiegertochter des Superintendenten

Da Janine McQuarrie die Schwiegertochter von Superintendent McQuarrie war, könnte man eigentlich von einem Großeinsatz auf der Peninsula in der Nähe Melbournes ausgehen. Doch weit gefehlt. Irgendwie scheint bis auf Hal Challis so gar keiner an der Auflösung des Falles interessiert zu sein. McQuarrie Senior blockt, was das Zeug und sein Amt hergibt. Den Mörder finden – ja, sicher. Aber bitte ohne großes Aufsehen und vor allem ohne im Privatleben seines Sohnes Robert und seiner Schwiegertochter herumzuschnüffeln. Und bitte: Die 7-jährige Georgia ist doch noch ein Kind und dazu schwer traumatisiert. Es müsse doch irgendwie ohne ihre Aussage gehen.

Geht es nicht. Und mit Georgias tatkräftiger Unterstützung wirbeln Challis und Co. einiges auf: Sex-Orgien waren kein Fremdwort für McQuarrie junior und die Tote selbst? Eine Psychologin, die nicht immer nur das Wohl ihrer größtenteils weiblichen Patienten im Sinne hatte.

Garry Disher wäre nicht Garry Disher, würde er diesen Strang ohne Schnörkel bis zum Ende verfolgen. Er zeichnet auf den rund 380 Seiten ein ernüchterndes Bild einer recht dörflichen australischen Gesellschaft. Swinger hier, Drogen da. Jugendliche Profi-Einbrecher und Ehe-Zwist. Die Verlogenheit, die sich hinter gutbürgerlicher Fassade versteckt, macht Disher deutlich, in dem er die zwei Polizisten John Tankard und Pam Murphy auf Tour über die Halbinsel schickt, um vorbildliche Autofahrer mit Geschenktüten zu belohnen.

Eine äußerst kühle Kühle Form von Suspense 

Im Gegensatz zu Flugrausch vergisst Disher glücklicherweise nicht, seinen Plot voranzutreiben. Die vielen Einzelschicksale stehen weniger autark, vielmehr deutlich im Zusammenhang zum eigentlichen Fall. Und das gibt Schnappschuss deutlich mehr Drive und eine äußerst kühle Form von Suspense. Und: Disher hat daran gedacht, dass er auch ein Erzähler ist, der unterhalten möchte. Ja, eine Prise Humor (wenn er beispielsweise eine nächtliche Begegnung Challis´ mit einem – na was wohl? – Känguruh schildert)  ist dem Australier endlich nicht mehr fremd, sondern rundet seinen dritten Challis-Roman ab.

Klar, dadurch zieht er sich ein wenig aus der Anglo-Noir-Schublade für Insider heraus, bleibt aber sich selbst und damit auch seinen Fans dennoch treu: Sprachliche Präzision in Reinform, ein streng komponierter Plot und ein Gesellschaftsbild, das sicherlich nicht auf eine Ecke des fünften Kontinents fokussiert ist, sondern problemlos auf den Rest der westlichen Welt nahtlos übertragen werden kann. Vielleicht mit Ausnahme des Känguruh-Flirts.

Unterm Strich bleibt hängen: Im Juli ist es kalt und ungemütlich in Australien. Die Peninsula ist überall. Und mit Schnappschuss haben wir einen globalen Kriminalroman in Makro-Perspektive vor uns, der in bester Tradition großer Police Procedurals steht. Und nun ganz deutlich vor Augen führt, warum viele Garry Disher für einen der besten Autoren zeitgenössischer Kriminalliteratur halten. Wenn Disher an Schnappschuss anknüpft, kann man dies bedenkenlos unterschreiben.

Lars Schafft, August 2006

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