Erinnerung an die Toten von Gabriel Trujillo Munoz

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel La memoria de los muertos, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Unionsverlag.
Ort & Zeit der Handlung: Baja California, 1990 - 2009.

  • Culiacán: Ediciones Vandalay, 2006 unter dem Titel La memoria de los muertos. 254 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2007. Übersetzt von Sabine Giersberg. ISBN: 978-3293003781. 254 Seiten.

'Erinnerung an die Toten' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In der Wüste zwischen Mexiko und den USA gräbt Miguel Angel Morgado nach den Verbindungen zwischen den Skandalen von gestern und den Affären von heute. Menschenleben zählen nicht viel an der Grenze zwischen der reichen und der armen Welt. Aber Morgado gibt den Opfern eine Stimme, faule Kompromisse kann man bei ihm nicht kaufen. Wenn die Mächtigen versuchen, ihn auf ihre Seite zu ziehen, erregt dies Morgados Misstrauen erst recht – gegenkorrupte Politiker genauso wie gegen angeblich aufrechte Anti-Drogen-Kämpfer.

Das meint Krimi-Couch.de: »Geschichten von der Grenze« 76°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Es ist eine der am schärfsten bewachten Grenzen der Welt: der Zaun zwischen den reichen USA und dem ärmeren Mexiko. Aber sie ist nicht nur Schauplatz für hunderte illegale Überquerungsversuche jedes Jahr, sie ist auch Schauplatz für die Krimis von Gabriel Trujillo Munoz. Sein Anwalt Miguel Angel Morgado ermittelt im staubigen Wüstensand zwischen Kalifornien und dem mexikanischen Niederkalifornien oder auch Baja California.

In Erinnerung an die Toten wird der Anwalt von der gerade erst zur Witwe gewordenen Bertha um Hilfe gebeten. Ihr lässt auch nach 40 Jahren die Ermordung ihres Vaters, des damaligen Gouverneurs von Baja California keine ruhige Minute. Doch bevor er ermitteln kann, muss er Bertha erst einmal aus der Schusslinie bringen, denn ihre eigenen Nachforschungen scheinen die Geister der Vergangenheit geweckt zu haben. Zusammen mit Berthas Bodyguard und ihrer Hausdame entkommen die beiden nach Kalifornien zu ihrem Bruder, der pikanterweise gerade Senator in Kalifornien ist. Hier nimmt auch Morgado erste alte Spuren auf, denn der alte Gouverneur starb auf mysteriöse Weise in einem Motel auf der amerikanischen Seite der Grenze.

Einer, dem man nichts vormacht

Morgado, eigentlich Menschenrechtsanwalt, der zu Beginn der Geschichte gerade von Mexico City wieder zurück in die Heimat seiner Kindheit gezogen ist, springt seine Erfahrung geradezu aus dem Gesicht. Er ist der Mann, der gerade noch im letzten Moment Wahrheiten aus Zeitzeugen hervorlockt, der Autorität und Vertrauenswürdigkeit ausstrahlt. Seine ruhige, teilweise gemütliche Art macht ihn zu einem großen Sympathieträger. Keine Frage, diese Figur spielt für die Qualität des Romans eine herausragende Rolle.

Aber auch der Fall, in dem Morgado hier ermitteln darf, ist raffiniert konstruiert. Verstrickungen und Korruption auf beiden Seiten der Grenze. Profitschacherei und Vetternwirtschaft und zwischen den Stühlen eine letztendlich bemitleidenswerte, tragische Opferfigur. Das klingt alles sehr wohl durchdacht und wird vom Autor mit angemessenem Tiefgang auf rund 180 Seiten präsentiert. Ein Roman ohne Durststrecken, ohne Spannungsabfall und ohne große Überraschungen. Und als Morgado den Fall gelöst hat, kehrt wieder Ruhe auf beiden Seiten der Grenze ein.

Zugabe

Wollte der Verlag uns nicht mit nur einem relativ kurzen Roman im Regen stehen lassen? Als Zugabe gibt es noch die Kurzgeschichte »Schmierenkomödie«, nicht weniger elegant erzählt und dafür voll mit Überraschungen: falsche Parteien, falsche Anwälte, falsche Polizisten. Und ein vermisster Hubschrauber, der von dem Mann von Morgados Schulfreundin Cecilia geflogen wurde. Hier sehr gut: die Erzählperspektive. Der am frühen Morgen auf ein Flugzeug wartende, immer wieder in Träume versinkende Morgado lässt die Ereignisse der letzten Tage Revue passieren. Und auch hier die Grenzthematik: Drogenschmuggel und der große Reibach. Nach einer schon wirklich guten ersten Erzählung ist »Schmierenkomödie« ein würdiges Sahnehäubchen.

Thomas Kürten, November 2007

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