Süden und die Schlüsselkinder von Friedrich Ani

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Droemer Knaur.
Folge 17 der Tabor-Süden-Serie.

  • München: Droemer Knaur, 2011. ISBN: 978-3-426-50936-4. 200 Seiten.

'Süden und die Schlüsselkinder' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Kurz vor Weihnachten verschwindet der 10-jährige Adrian aus dem Kinderschutzhaus, in das man ihn gebracht hat. Tabor Süden soll ihn suchen. Die SMS, die Adrian seiner Freundin Fanny schickt, geben Süden Hinweise auf Leute und Orte, die der Junge aufsuchen möchte. Erst vor Heiligabend findet er den Schlüssel zu Adrians Geheimnis …

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Vermissung des Adrian« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Es ist Weihnachtszeit, doch nicht alle Menschen sind in weihnachtlicher Stimmung. Aus dem Sankt-Zeno-Haus, welches vom Kinderschutzbund geführt wird, verschwindet der zehnjährige Adrian. Zunächst versuchen die Erzieherinnen selber ihr Glück, dann erinnern sie sich an einen Fall, der ein Jahr zurückliegt und wenden sich erneut hilfesuchend an Privatdetektiv Tabor Süden.

»Wer war Zeno?«
»Zenon war ein Bischof aus dem vierten Jahrhundert, er gilt als Schutzheiliger gegen Überschwemmungen.«
»Wenn die Isar jemals bis nach Obergiesing steigen sollte, kann der Zeno einpacken, dann helfen nur noch Hubschrauber, keine Heiligen.«
»Seien Sie nicht so fatalistisch.«

Adrian freundete sich in dem Heim mit Fanny an, die weiter SMS von ihm erhält. Die Polizei möchte man zunächst nicht einschalten, denn dann müsste Adrian womöglich in eine geschlossene Einrichtung, aus der er nicht mehr ausbüchsen kann. So macht sich Süden gemeinsam mit Fanny auf die Suche. Dabei ahnt Süden die ganze Zeit, dass Fanny mehr über den Aufenthaltsort von Adrian weiß. Doch Fanny will nichts verraten und bringt sich so selber in Gefahr, derweil Süden über Fannys Handy in Kontakt mit Adrian steht …

Empathie auf hohem Niveau. Wo bleibt der Krimi?

Wo Friedrich Ani draufsteht ist auch Friedrich Ani drin. Man erhält keinen gewöhnlichen Krimi, denn dem Bestsellerautor geht es weniger um die Fallauflösung, sondern vielmehr um die Geschichte hinter der Geschichte. Warum ist Adrian plötzlich verschwunden, was waren seine Beweggründe? Das und nur das gilt es herauszufinden. Die Art und Weise wie Adrian zum »Happyend« wieder auftaucht ist typisch für Ani und wer dessen Bücher nicht kennt, wird sich ein wenig auf den Arm genommen fühlen. Darf man es sich wirklich so einfach machen? Ja, wenn man eben Friedrich Ani heißt.

»Das ihm München trotzdem gelegentlich wie eine im eigenen Saft schmorende Supergans vorkam, schob er auf den übermäßigen Genuss gespenstischer Biersorten oder die gelegentliche Lektüre von Verlautbarungen aus dem Rathaus.«

Die Suche nach dem zehnjährigen Jungen führt Süden quer durch München. Dabei begegnet er natürlich auch den Eltern und schnell wird klar, warum Adrian in ein Kinderschutzhaus gesteckt wurde. Der Vater alkoholsüchtig und gewalttätig, die Mutter ebenso machtlos wie desinteressiert. Dies ist gleichzeitig die Quintenzenz des Romans: Es wird jemand gesucht, den niemand vermisst? So empfindet es jedenfalls Adrian und Südens Ermittlungen führen einmal mehr in die menschlichen Abgründe gescheiterter Existenzen. Nicht nur im Elternhaus ist einiges in Schieflage geraten.

»Ich werde dafür bezahlt, Adrian wiederzufinden, und in meinem Honorar ist Kompost mit inbegriffen.«

Süden ist teilweise etwas abgelenkt, denn er trauert noch immer um einen ehemaligen Polizeikollegen, der sich vor vielen Jahren erschoss. Zwölf Jahre ist dies bereits her, damals quittierte Süden den Job bei der Vermisstenstelle der Münchener Kripo und arbeitete einige Jahre am Kölner Eigelstein als Kellner bevor er nach München zurückkehrte. Seit über einem Jahr arbeitet er für eine Detektei, die ihn schon einmal in das Kinderschutzhaus führte. Süden, ebenfalls alkoholischen Getränken keineswegs abgeneigt, findet noch rechtzeitig sein Talent wieder, während der Autor wie gewohnt teils in seiner eigenen Sprachwelt lebt. Vermissung oder bebiert sind dabei nur zwei seiner Lieblingswörter. Wer empathisch geprägte »Krimis« mag, deren sozial- und gesellschaftskritischer Hintergrund wichtiger ist als eine spannende Aufklärung im klassischen Sinne, der ist bei Friedrich Ani einmal mehr gut aufgehoben.

Jörg Kijanski, Dezember 2016

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Darixfriends zu »Friedrich Ani: Süden und die Schlüsselkinder« 28.10.2012
Süd ist auf der Suche nach dem aus dem Kinderheim entflohenen 10 jährigen Adi. Es geht quer durch München, Süd kommt mit Menschen in Berührung welche in irgendeiner Art und Weise gescheitert sind.
Ein Krimi der berührt, nachdenklich stimmt und nach klingt, mit einer sehr intensiven Milieubeschreibung. Ani ist ein Meister seines Fachs.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Nadine Salem zu »Friedrich Ani: Süden und die Schlüsselkinder« 10.06.2012
Ich musste dieses Buch als Lektüre über die Schulferien lesen. Am Anfang war ich wirklich skeptisch. Ich hatte zuvor weder den Autor noch Tabor Süden gekannt. Dieses Buch ist FANTASTISCH! Ich hatte wirklich Spaß dran es zu lesen. Ich hing so sehr daran dass ich es an einem Tag durchgelesen hatte. Wirklich, riesen Kompliment an Friedrich Ani!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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