Süden und die Frau mit dem harten Kleid von Friedrich Ani

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 6 der Tabor-Süden-Serie.

  • München: Droemer Knaur, 2002. ISBN: 3-426-62072-3. 206 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2011. ISBN: 978-3-426-51032-2. 208 Seiten.

'Süden und die Frau mit dem harten Kleid' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Johann Farak, 41, Sohn eines Ägypters, ist verschwunden. Doch außer seiner Schwester scheint ihn niemand zu vermissen – nicht einmal die eigene Mutter. Er war ein Trinker, heißt es, er hat Bilder auf Holzbretter gemalt, die nichts taugen, sagen die Leute. Dann taucht eine junge Frau auf – und Tabor Süden begreift plötzlich, was für ein trauriges Leben Johann Farak bisher geführt hat und dass er vielleicht gar keine Wahl hatte, als dieses Leben eines Tages hinter sich zu lassen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Irgendwo fehlt dem ganzen Buch die Handlung, die ein wenig die Spannung aufrecht erhalten kann« 38°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Wenn auf einem Buch der Aufkleber »Deutscher Krimipreis 2002« klebt, erwartet man sich doch einen kriminalistischen Lesegenuss besonderer Güte. Deshalb griff ich auch sofort zu, als ich das Buch von Friedrich Ani »Süden und die Frau mit dem harten Kleid« entdeckte.

Tabor Süden ist Hauptkommissar und arbeitet vornehmlich an der Suche nach vermissten Personen. Kein Wunder also, dass ihn und seine Kollegin ein Hilferuf der Polizeidienststelle Münzing erreicht, bei der sich eine betrunkene Frau gemeldet hat, die ihren Bruder vermisst. Alle Jahre wieder hat sich ihr Bruder bei ihr wenigstens zum Geburtstag gemeldet, aber in diesem Jahr blieb der Anruf aus. Reichlich vage ist die ganze Meldung ja, aber Kriminalist Süden spürt, dass mehr dahinter steckt.

Der Bruder betätigt sich als Kunstmaler, aber angesichts seines mangelnden Talents liegen seine erwähnenswerten Fähigkeiten eher in der Tatsache, dass er säuft und seine Klappe nicht halten kann. Nun ist er also seit Wochen nicht aufgetaucht, seine Behausung gibt keinerlei Aufschlüsse auf eine Reisetätigkeit und die Nachbarn zeichnen in ihren Schilderungen das bekannte Bild vom erfolglosen Trinker. Nur hin und wieder taucht ein flippiges Mädel auf, dass den Alten besucht hat und das auch Süden über den Weg läuft. Kurz und gut, Johann Farak, wird gesucht, weil er möglicherweise selbstmordgefährdet ist.

Süden interviewt Familie und Bekannte, allesamt aus kleinbürgerlichem Milieu und gezeichnet mit den Schrammen des Lebens. Da auch Süden den eigenen Vater nicht finden kann und auch sein Leben nicht gerade rosig abläuft, sinniert er nun auf knappen zweihundert Seiten über die Schlechtigkeiten des Lebens, die Einsamkeit, das Alleinsein und Gott und die Welt und schreibt seine Erkenntnisse aus diesem Fall in einem Brief an das junge Mädchen nieder, das er im Lauf der Handlung mehrfach zu Gesicht bekommt.

So weit die Handlung, die bis zur letzten Seite ohne jegliche Leiche oder Straftat auskommt. Friedrich Ani macht aus der Suche nach einem Menschen ein familiäres Melodram, ohne dass dabei Ermittlungen zu irgendwelchen zielführenden Ergebnissen kommen. Diese Geschichte als Krimi einzustufen ist schon mal gewaltiger Tobak, auch wenn darin ein psychisch gebeutelter Polizist vorkommt. Darüber hinaus beschreibt Herr Ani Menschen und ihre konstruierten Schicksale und handelt diese in pseudopsychologischen Überlegungen ab, wobei er vor allem Anleihen in der christlichen bzw. katholischen Denkweise nimmt. Irgendwo fehlt dem ganzen Buch die Handlung, die ein wenig die Spannung aufrecht erhalten kann. Natürlich will man wissen, was denn nun tatsächlich passiert ist, aber hier schweigt sich der Autor aus. Sprachlich durchaus passabel schlendert diese Erzählung wie die Katze um den heißen Brei, ohne aber jemals die Nase hinein zu tauchen.

Vielleicht ist dieser Krimi eine andere Art von Detektivgeschichte, mir persönlich fehlt darin Handlung, Spürnase und Ergebnis. Nur das Herumhacken auf gescheiterten Existenzen ist nicht nach meinem Geschmack. Von meiner Warte aus ist das Buch seinen Preis absolut nicht wert.

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Darix zu »Friedrich Ani: Süden und die Frau mit dem harten Kleid« 01.06.2014
Sicherlich nicht sein bestes Buch, der Süden- Reihe und nicht immer ist eine Krimipreisauszeichnung ein Kennzeichen für Qualität.
Durch die Story zieht sich eine düstere, beinahe deprimierende Atmosphäre. Die Suche nach Johann Farak und die stimmungsmäsigen Abstürze von Hauptkommissar Tabor Süden reichen nicht aus um einen spannenden oder fesselnden Krimi zu verfassen. Dies ist eines der schwachen Kriminalromane von Friedrich Ani.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
manu zu »Friedrich Ani: Süden und die Frau mit dem harten Kleid« 02.05.2003
ani ist ohne frage klasse! bei diesem buch "schwächelt" der autor jedoch etwas
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
wow zu »Friedrich Ani: Süden und die Frau mit dem harten Kleid« 11.09.2002
Ich hab´s leider nicht verstanden und gehe jetzt meine Fernsehzeitschrift holen *g*
Rudolf Bandena zu »Friedrich Ani: Süden und die Frau mit dem harten Kleid« 11.09.2002
Ani war wie immer klasse. Der Mann versteht es einfach, das Psychologische in den Geschichten hervorzuheben. Ich finde, ein guter Krimi lebt von seiner Psychologie. Es geht eben nicht mehr um die Frage "Wer ist der Täter?" sondern eher steht die Frage im Mittelpunkt "Warum wird der Mensch zum Täter?" Ich finde, dass jeder Mensch Täter und Opfer zugleich ist. Das beschreibt Ani in seinen Werken. Und wer das nicht versteht, der sollte sich lieber die Billigpornos auf RTL 2 reinziehen.
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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