Süden und das verkehrte Kind von Friedrich Ani

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 12 der Tabor-Süden-Serie.

  • München: Knaur, 2004. ISBN: 3-426-62387-0. 200 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2011. ISBN: 978-3-426-51041-4. 192 Seiten.
  • [Hörbuch] Schwäbisch Hall: Steinbach, 2005. Gesprochen von Christoph Lindert. 3 CDs.

'Süden und das verkehrte Kind' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Haare: dunkelbraun. Augenfarbe: braun. Größe: 129 Zentimeter. Alter: 6 Jahre. Geschlecht: weiblich. Nastassja Kolb ist verschwunden, und alle Vernehmungen laufen zunächst ins Leere. Bis Tabor Süden begreift, welches Spiel die Familien-angehörigen mit ihm treiben und wie Recht sein Freund und Kollege Martin Heuer mit seinen Vermutungen hatte. Doch da ist es schon zu spät: Aus Wut und Verzweiflung greift Süden zu Mitteln, mit denen er sich selbst ins Abseits manövriert.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Schreibstil von Ani nervt« 42°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Tabor Süden von der Vermisstenstelle des Dezernats 11 der Münchner Polizei hat sich wieder mal daneben benommen. Der Roman beginnt mit einem Kontaktgespräch zwischen dem Staatsanwalt und Süden, der offensichtlich kurz vor einer Dienstaufsichtsbeschwerde steht. Bei der Vernehmung eines Verdächtigen hat er diesen tätlich angegriffen und einen seiner Kollegen krankenhausreif geschlagen. Wie es dazu gekommen ist, das erfährt man dann rückblickend in den folgenden Kapiteln.

Vermisst wird die 6-jährige Nastassja Kolb, die nach einem Streit mit der Mutter das Haus verlassen hat und seitdem nicht mehr gesehen wurde. Der Bruder des Mädchens ist verschlossen. Süden vermutet, dass er mehr weiß als er zugibt. Der Hauptverdächtige aber ist Nastassjas Vater Torsten Kolb, der von der Mutter getrennt lebt. Ein Freund des Vaters sagt aus, dass dieser seine Tochter am Tag ihres Verschwindens zum Schwimmen abholen wollte. Kolb streitet dies ab und zeigt sich bei Vernehmungen extrem unkooperativ. Er wird wegen dringenden Tatverdachts vorläufig festgenommen und verweigert seitdem die Aussage.

Es ist nichts Neues, dass der Schreibstil von Ani gewöhnungsbedürftig ist, doch so wie hier hat er mich noch in keinem seiner Bücher genervt. Ein Wolf Haas ist sprachlich ein Ästhet dagegen. Auch die Wortwahl des Autors ist mitunter schon sehr eigenartig. An die »Vermissung« hat man sich schnell gewöhnt. Doch benutzt er so verschrobene Ausdrücke wie »verschwurbelte Umstände« und schreibt von »fusseligem Leben« oder jemand »schwieg am offenen Fenster ungezügelt in die Nacht«.

Keiner seiner Zeugen bringt bei Vernehmungen auch nur ab und zu einen grammatikalisch vollständigen Satz heraus. Das klingt meistens so:

»Keine Ahnung. Vor einem Jahr. Als er in den Bräu gekommen ist. Genau. Dann nicht mehr. Sicher. Nein. Okay. Was ist los? Ist er jetzt auch verschwunden?«

Glücklicherweise ist das Buch mit 186 Seiten recht kurz gehalten. Davon lassen sich getrost noch mal vier Seiten ausführlichen Gestammels eines Betrunkenen am Stück, die man überlesen kann, abziehen.

Ermittlungstechnisch tut sich nicht viel, da kommt kaum Spannung auf. Nun mag man Ani zugute halten, dass er die Lebensumstände seiner Charaktere psychologisch aufarbeitet, doch bietet er da gegenüber seinen anderen Büchern absolut nichts Neues. Wie meistens zeigt er eine Ansammlung von gescheiterten Existenzen oder Menschen, die mit ihrem Leben nicht zurecht kommen. Zerrüttete Familienverhältnisse und Kinder, die psychisch bereits einen Knacks bekommen haben. Und die Ermittler sind wie immer mehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt als mit ihrer Arbeit.

»Süden und das verkehrte Kind« ist ein Buch, das allenfalls für Ani-Fans empfehlenswert ist. Zu seinen besseren zählt es auf keinen Fall.

Ihre Meinung zu »Friedrich Ani: Süden und das verkehrte Kind«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

tostao zu »Friedrich Ani: Süden und das verkehrte Kind« 19.08.2011
Habe gerade die KC-Rezension von Hr. Kimmel gelesen. Ein armseliges Unterfangen. Er kritisiert Ausdrücke wie "verschwurbelt". Kennt er Henscheid?! Nein, natürlich nicht.
"Keiner seiner Zeugen bringt bei Vernehmungen auch nur ab und zu einen grammatikalisch vollständigen Satz heraus"
Er ist zu bedauern, der arme Rezensent. Vor einem Wolf Haas muss ihm geradezu grausen!
Den Krimi werde ich auf jeden Fall lesen, der kann ja gar nicht wirklich schlecht sein!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
morus64 zu »Friedrich Ani: Süden und das verkehrte Kind« 01.08.2005
Wieder ein typischer Ani, und wieder unheimlich deprimierend. Wer Ani liest, sollte über ein ausgeglichenes soziales Umfeld verfügen und seelisch stabil sein. Und wieder (und hier nervt Ani wirklich!) so eine Haßliebe innerhalb des Ermittlungsteams der Vermißtenstelle! Dennoch ist Friedrich Ani m.E. einer der Großen auf dem aktuellen deutschen Krimitablett.
FAZIT: 80 GRAD
P.S.: Als nächstes wartet R. Wilsons "Der Blinde von Sevilla" nun endlich erfolgreich darauf, aus dem verstaubten Bücherregal zum Leben zu erwachen. Hochgelobtes Buch laut Krimi-Couch-Lesermeinungen - lesen wir mal....
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Monika zu »Friedrich Ani: Süden und das verkehrte Kind« 16.08.2004
Also dieser Rezi kann ich 100 % zustimmen. Das war der erste Krimi, den ich von Ani gelesen haben, und irgenwie bin ich doch ziemlich enttäuscht. Da hatte ich mir igendwie mehr versprochen.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Tanja zu »Friedrich Ani: Süden und das verkehrte Kind« 10.08.2004
Dieser Band war mein erstes Zusammentreffen mit Tabor Süden - und hat mich nicht abgeschreckt, die anderen vom ersten Band an an alle zu lesen!
Im Nachhinein muss ich sagen, dass es wirklich bessere Werke von Ani in dieser Reihe exisitieren. Man denke nur an den "Straßenbahntrinker".
Verschrobene Ausdrücke und grammatikalisch nicht vollständige Sätze vergrößern im Übringen nur den Charme des Buches und sind auch in allen anderen Süden-Romanen (Krimi trifft meiner Meinung nach gar nicht auf die Bücher zu.) zu finden.
Viel mehr nerven mich die sich in jedem Band wiederholenden Erklärungen!!! Da sind die Bücher schon nur so kurz und dann kann man getrost ein, zwei Seiten Erläuterungen zu Fahndungsmethoden etc. auch noch überlesen. Fast kommt es einem so vor, als ob Ani es darauf anlegt, dass niemand alle seine Tabor Süden-Bücher lesen wird. Bisher ist mir nur das Gegenteil untergekommen: Liest du einen, liest du alle Süden-Romane!
Ihr Kommentar zu Süden und das verkehrte Kind

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: