Der einsame Engel von Friedrich Ani

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 bei Droemer.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 20 der Tabor-Süden-Serie.

  • München: Droemer, 2016. 208 Seiten.

'Der einsame Engel' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

Erneut übertrifft Friedrich Ani in diesem Süden-Roman sich selbst. Der einsame Engel ist ein scharfsinniger und gefühlvoller Krimi über das Fremdsein und die Einsamkeit in der Liebe und in anderen Beziehungen. Im Mittelpunkt steht ein Gemüsehändler, der unversehens verschwindet. Bei seinen Ermittlungen stößt Süden auf Hinweise, dass der Verschollene Affären mit Frauen jeden Alters unterhielt – und dabei doch stets einsam blieb.

Das meint Krimi-Couch.de: »Prototyp des einsamen Wolfs – voller Selbstzweifel« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Tabor Süden, Patrizia Roos und vor allem Edith Liebergesell haben psychisch schwer am Brandanschlag auf die Detektei und dem Tod ihres Kollegen Leonhard Kreutzer zu kämpfen. Während sie auf unterschiedlich Weise ihre Trauer zu verarbeiten versuchen, nimmt Edith mal wieder einen Anruf einer potenziellen Klientin an und schickt Süden zu Emma Fink. Ihr Arbeitgeber und Ex-Geliebter ist seit einigen Tagen spurlos verschwunden. Auf seine spezielle Art holt Tabor Süden mehr Informationen aus ihr heraus, als sie zunächst preisgeben wollte. Unterstützt von Patrizia macht er sich auf die Suche nach Justus Greve – doch die Ermittlungen gestalten sich überaus mühevoll. Zudem ist Süden – wie auch seine beiden Kolleginnen – auf einer Art Selbstfindungstrip, was die Suche nach dem verschwundenen Geschäftsmann mehr als überschattet.

Ein kriminalistischer Roman ganz anderer Prägung

Friedrich Ani hat einen ziemlich speziellen Erzählstil, für den ihn viele seiner Fans ganz innig lieben, andere Leser kommen damit überhaupt nicht zurecht. Auch bei meinen Rezensenten-Kollegen auf der Krimi-Couch ist er mit den ersten Werken seiner nunmehr seit fast 20 Jahren andauernden Reihe um den Ermittler Tabor Süden zuweilen in Ungnade gefallen.

Die Bücher von Friedrich Ani sind ganz offenbar nicht das, was die Mehrheit der Leser unter einem »normalen Krimi« versteht. Es dürfte aber kein Zufall sein, dass auf dem Umschlag steht: »Ein Tabor Süden Roman«, sondern vielmehr eine bewusste Charakterisierung. Mir hat mein erstes Werk von Friedrich Ani überaus gut gefallen, denn es ist wohltuend, jenseits der Thriller und Krimialromane um Serienmörder, Psychopathen und sonstige brutale Verbrecher mal einen kriminalistischen Roman ganz anderer Prägung zu lesen.

Fragen nach der persönlichen und beruflichen Zukunft von Süden

Der Kriminalfall in diesem Roman ist keinesfalls unwichtig, aber es geht daneben auch in ausgedehnten Passagen um Tabor Süden – und um seine Kolleginnen. Der versierte Ermittler hat vor Jahren bereits seinen besten Freund und Kollegen durch Selbstmord verloren, und muss nun abermals den Tod eines Kollegen und Freundes verarbeiten. Und es stellen sich grundsätzliche Fragen nach seiner persönlichen und beruflichen Zukunft, denn seine Chefin Edith Liebergesell könnte zu dem Entschluss kommen, die Detektei zu schließen. Mir haben diese sehr persönlichen Einblicke gut gefallen, sie heben sich deutlich davon ab, was man sonst gerne als Background der Ermittler in Kriminalromanen geboten bekommt.

Süden würde gerne Erinnerungen an seine Vergangenheit auslöschen

Tabor Süden und seine junge Kollegin Patrizia Roos versuchen immerhin, sich von der Ungewissheit nicht beeindrucken zu lassen und nehmen die Suche nach Justus Greve auf. Das Aufspüren des verschwundenen Gemüsehändlers gestaltet sich allerdings überaus schwierig. Seine ehemaligen Geliebten, von denen es mehr gibt, als Tabor zunächst ahnt, sind als Zeuginnen recht widerspenstig – sogar die Auftraggeberin Emma Fink. Irgendwann will sie den Auftrag sogar beenden, weil sich Greve gemeldet hat, aber da hat sich Tabor Süden bereits entschlossen, die Sache in jedem Fall zu Ende zu bringen – denn seine Spürnase sagt ihm, dass hier etwas oberfaul ist.

Zeitweise vermutet der erfahrene Detektiv, dass der Geschäftsmann bewusst untergetaucht sein könnte, weil er mit seinem bisherigen Leben brechen möchte. Das hat er mit Süden teilweise gemeinsam, denn auch der Ermittler würde sehr gerne viele Erinnerungen an seine Vergangenheit einfach auslöschen.

Ein in vielerlei Hinsicht überaus bemerkenswerter Protagonist

Friedrich Ani legt großen Wert darauf, die Menschen in seinem Roman und ihre Gefühle eingehend zu beschreiben.Tabor Süden stellt er als ausgezeichneten Beobachter und Zuhörer dar. Der Detektiv kann Äußerungen und auch Lebensumstände perfekt analysieren und einordnen, und vermag daraus messerscharfe Schlüsse zu ziehen. Ein in vielerlei Hinsicht überaus bemerkenswerter Protagonist.

Der Roman und die in ihm erzählte Geschichte vermögen zu fesseln, auch deshalb, weil sich Friedrich Ani intensiv mit seiner wichtigsten Figur auseinander setzt, von der man als Leser – wie bereits erwähnt – eben viele persönliche Dinge erfährt. Der Erzählstil mag manchen Leser und Rezensenten nerven, mich hat er überzeugt. Wer noch keinen Tabor-Süden-Roman gelesen hat – es ist nie zu spät für den Einstieg.

Andreas Kurth, Februar 2016

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Kolk zu »Friedrich Ani: Der einsame Engel« 04.10.2016
Nicht das beste aus der Reihe wenn man "Verzeihen", "Gottes Tochter", "Süden"oder "M", nicht zu vergessen "German Angst", gelesen hat, aber doch wieder ein gelungener Tabor Süden. Jedoch hatte ich mich nach "M" auf etwas mehr Fortsetzung gefreut, ein bisschen wenig dies' mal.
Da Polonius und Jonas wohl zuende geschrieben sind, kommen nun Jakob und Anna; und die brauchen auch Zeit...
Aber wer weiß, vielleicht ist ja die Geschichte von Tabor, Patrizia und Edith doch noch nicht vorbei. Zu hoffen wär's...
Reiner Grünter zu »Friedrich Ani: Der einsame Engel« 01.03.2016
Das Buch "der einsame Engel" ist das beste aus der Tabor Süden Reihe und außerdem ein literarisches Kunstwerk. Friedrich Anis Bücher gefallen einigen wahrscheinlich nicht, da sie sich mehr Aussen- als Innenwelt vorstellen. Das ist hier umgekehrt. Anis Action findet im Kopf statt und nicht in anderen Körperteilen wie dem nervös juckenden Zeigefinger am Abzug des Dienstrevolvers. Ich denke auch hier wird wieder eine Preisverleihung folgen.
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