Die Nacht des Zorns von Fred Vargas

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel L'Armée furieuse, deutsche Ausgabe erstmals 2012 bei Aufbau.
Folge 10 der Kommissar-Adamsberg-Serie.

  • Paris: V. Hamy, 2011 unter dem Titel L'Armée furieuse. 426 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2012. Übersetzt von Waltraud Schwarze. ISBN: 978-3-351-03380-4. 432 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Lübbe Audio, 2012. Gesprochen von Volker Lechtenbrink. ISBN: 3-7857-4700-4. 6 CDs.

'Die Nacht des Zorns' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Glühend steht die Sonne über Paris, als eine verängstigte Dame Kommissar Adamsberg aufsucht: Ihre Tochter Lina hat das »Wütende Heer« gesehen  der Legende nach kündigt dieser Geisterzug kommende Todesfälle an. Vier Opfer sah Lina, und als der erste Mann spurlos verschwindet, zögert Adamsberg nicht. Er bricht in die kühlen Wälder der Normandie auf, doch bevor er die Fährte aufnehmen kann, wird ein Anschlag auf einen einflussreichen Pariser Geschäftsmann verübt, man ruft ihn in die Metropole zurück. Da erfüllt sich Linas Vision erneut. Adamsberg ist sicher: Jemand bedient sich des mittelalterlichen Mythos, um ungestört zu morden. Für den Kommissar beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

Das meint Krimi-Couch.de: »Zuckerpapiere« 93°Treffer

Krimi-Rezension von Dieter Paul Rudolph

Auf die kleinen Dinge kommt es an, im Leben wie in der Literatur. Auf Brotkrümel, Tauben, denen man die Beine zusammengebunden hat, falsch geschnürte Turnschuhe, kleine Zuckerbriefchen, auf die vor allem. Die sind wie Nadeln in einem Heuhaufen, sie liegen versteckt in all dem Wichtigen, dem Gehypten, den großen Themen eben. Aber nun …Nadeln in Heuhaufen zu finden, das ist gar nicht so schwer, weiß der komische Polizist Jean-Baptiste Adamsberg:

»Es reichte, das Heu zu verbrennen, dann hatte man die Nadel.«

Und so ermittelt er auch, zum wiederholten Male in einem Roman von Fred Vargas, er bleibt sich treu  und wir bleiben auch nach der Lektüre von Die Nacht des Zorns Vargas und ihrem Kommissar treu, das steht fest.

Aber kommen wir zunächst zu den großen Dingen. Die sind nicht nur groß, die sind gigantisch und mystisch. Im normannischen Dorf Ordebec hat Lina Vendermot in einem halluzinatorischen Anfall das »Wütende Heer« gesehen, einen seit 1000 Jahren durch den Wald jagenden Reitertrupp verstümmelter Gestalten, die sogenannte »Ergriffene« mit sich führen, böse Menschen, Todgeweihte. Diesmal sind es vier, drei hat die Frau erkannt, einer davon ist bereits verschwunden. Eine irre Geschichte, finsterster Aberglaube, also genau das Richtige für Adamsberg, als er davon erfährt. Er fährt nach Ordebec, lernt auf einem Waldweg, den das »Wütende Heer« bevorzugt frequentiert, die alte Léo kennen, die soeben die Leiche des Verschwundenen gefunden hat. Schon ist der Fall real. Jemand macht sich die Gespenstergeschichte zunutze, um Richter zu spielen und Bösewichte zu exekutieren.

Was nun folgt, ist im Großen und Ganzen absehbar: Von den »Ergriffenen« beißt einer nach dem anderen ins Gras, die hellseherische Frau (sie hat drei reichlich seltsame Brüder) gibt Rätsel auf, zudem ist der Fall mit dem »Wütenden Heer« nicht der einzige, der Adamsberg beschäftigt. Ein Großindustrieller ist in seiner Luxuslimousine abgefackelt worden, ein junger Sündenbock schnell gefunden, dem aber Adamsberg kurzentschlossen zur Flucht verhilft, damit er die wahren Mörder überführen kann. Dann wäre da noch die Sache mit der Taube, der man die Füße zusammengebunden hat …ach ja, und der Fall mit der alten Frau, die an Brot erstickt ist, aber eigentlich ist das geklärt …Typisch Fred Vargas also, mythisch, verspielt, bizarr, so wie Adamsberg und sein Team, allesamt Menschen mit außergewöhnlichen Eigenschaften, Versehrte, kann man sagen, nicht von dieser Welt und doch die einzigen, die uns die normale Welt erklären können. Wenn auch anders als wir erwarten.

Es ist, nach dem inzwischen achten Band mit dem Protagonisten Adamsberg, ziemlich müßig, auf die speziellen Qualitäten dieses Helden hinzuweisen. Adamsberg ist ein »Wolkenschaufler«, was immer man sich auch darunter vorstellen mag, ein Mensch, der mit einer anderen Logik als andere vorgeht, kein schneller präziser Denker, eher das Gegenteil. Zum Ende von Die Nacht des Zorns  Adamsberg hat den Fall scheinbar gelöst, allerdings plagen ihn berechtigte Zweifel  beschreibt Vargas, wie der Kommissar vorzugehen pflegt:

» …er warf die vernünftigen Sachen weg und machte sich danach an die Untersuchung der unbrauchbaren Teile seines persönlichen Haufens«.

Genau darauf muss sich die Leserin, der Leser bei Vargas einlassen. Analysiert man etwa Die Nacht des Zorns nach den überkommenen Gesetzen des Genres, entdeckt man einen Krimi vom Whodunit-Typ, der wie jeder seiner Art zu funktionieren scheint. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen, es tauchen nach und nach Verdächtige auf, Fallen werden gestellt, Morde können nicht verhindert werden, ein bisschen Privatleben und Eigenheiten der agierenden Ermittlerpersonen  und am Ende eine mehr oder weniger wasserdichte Beweisführung, die zur Täterentlarvung führt. Letztere ist bei Vargas im Allgemeinen und bei Die Nacht des Zorns im Besonderen eher weniger wasserdicht. Ein paar Zuckertütchen sind es, die Adamsberg inneres Lämpchen zum Leuchten bringen und das Dunkel lichten. Diese Zuckertütchen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch, man ahnt schnell, dass es eine besondere Bewandtnis mit ihnen haben muss, ebenso mit Adamsbergs Angewohnheit, sich keine Namen von Lokalen und so weiter merken zu können, oder bei Gesprächen notorisch falsche Bezüge herzustellen. Als »Normalkrimi«, nein, korrekter: Als von einer »Normalautorin« verfasster Krimi wäre Die Nacht des Zorns bestenfalls eine Dutzendarbeit.

Aber Fred Vargas ist keine Normalautorin, weil ihr Adamsberg, ja, weil keine der handelnden Personen ein Normalmensch ist. Man nennt ihre Art zu schreiben gerne »magischen Realismus«, ein Etikett, unter dem man sich nichts und alles vorstellen kann, wie das nun einmal bei Etiketten so üblich ist. Die Nacht des Zorns erklärt den Begriff aber vielleicht noch besser als die Vorgängerromane und zwar durch die Art, wie Adamsberg und die anderen Figuren des Romans mit den Rationalitäten und den Irrationalitäten umgehen. Der Kommissar nimmt den alten Mythos um das »Wütende Heer« stets ernst, er macht sich nicht lustig darüber  und glaubt dennoch keinen Moment daran. Beides gehört zur Wirklichkeit, so wie all die traumatisierten Menschen, die in diesem Roman auftauchen, zur Wirklichkeit gehören und daher »normal« sind. Für die Leser bedeutet das schlicht: Sie sind ständig irritiert, beginnen ihrer Logik zu misstrauen und entwickeln, bestenfalls, eine besondere Toleranz für all die Abseitigkeiten, die in diesem Buch auftauchen. Die Romane sind folglich eine Erweiterung der Grenzen von Wirklichkeit und der Schlussfolgerungen, die wir aus ihnen ziehen.

Genau dieser Effekt ist es, der Kriminalliteratur legitimiert. Die Bücher von Fred Vargas als »mehr als Krimi« zu apostrophieren, wäre also grundverkehrt. Sie sind, gerade weil sie so anders daher kommen als die üblichen Serienkiller- und Ermittlernichtigkeiten, die wahren Kriminalromane. Spannend, verwirrend, vor allem in den Details reich an Bedenkenswertem, originell sowieso. Kleine Zuckerpapierchen.

PS1: Ach ja, die Geschichte mit den Brotkrümeln. Gleich zu Beginn des Romans überführt Adamsberg einen jahrelang von seiner Frau reglementierten Ehemann des Mordes an seiner Gattin. Er hat sie mit Brotteig erstickt, eine Krümelspur verrät ihn. Der Mann, ein begeisterter Kreuzworträtsler, Vertreter der faktischen Logik, ist also durch einen Vertreter der verqueren Denkungsart überführt worden. Aber der Mörder gibt nicht auf. Er wird plädieren, seine kranke Frau aus Mitleid getötet zu haben. Wieder ein Sieg der Kreuzworträtsel-Krimi-Logik über die viel komplexere des Kommissars. In Ordnung, sagt Adamsberg. Das werde ihm aber auch nichts nützen, seine Verhaltensweisen würden die gleichen bleiben wie unter der Knute seiner Frau. Abermals hat Adamsbergs absonderliche Logik die Oberhand behalten. Am Ende des Romans erfahren wir, dass der Mann im Gefängnis bereits Kreuzworträtselturniere organisiert und sich pudelwohl fühlt. Beide, der Vertreter der nüchternen Logik und der des labyrinthischen Denkens, hatten also Recht. Der Mörder bleibt auf ewig ein Gefangener, aber er fühlt sich wohl dabei, seine Rechnung ist aufgegangen, obwohl sie nicht aufgegangen ist. Auch in dieser Nebenszene also stehen das Nüchterne und das Adamsbergisch Phantastische versöhnt nebeneinander.

PS2: Wer Fred Vargas schon einmal im Original gelesen hat, wird bestätigen können, dass Waltraud Schwarze gute Übersetzerinnenarbeit zu bescheinigen ist. Sie bringt das Eigentümliche von Vargas’ Stil, der wiederum eine Mischung aus Nüchternheit und Verspieltheit ist, sehr schön ins Deutsche.

Dieter Paul Rudolph, April 2012

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HeleneZakorzki zu »Fred Vargas: Die Nacht des Zorns« 21.09.2014
Um es gleich ganz deutlich zu sagen: Der Kommissar hat eine Dalle und keine kleine. Was ihn mir sympathisch macht ist, dass ich eine ähnliche Dalle habe. Was mir das Buch sympathisch macht ist, dass er Mitarbeiter um sich gesammelt hat, die auch verschiedenen Dallen, wenn auch ganz andere haben. Aber welcher Mensch ist schon ganz normal? Es gibt eine Ansicht, wonach Menschen im Wesentlichen gleich begabt sind. Deren ausgeprägte Schwächen werden durch ausgeprägte Stärken auf anderen Gebieten ausgeglichen. Der Kommissar sammelt gezielt solche Menschen um sich und benutzt klug ihre Stärken, auch um seine eigenen Schwächen, deren er sich bewusst ist, auszugleichen. Ich habe kaum einmal einen spannenderen Krimi gelesen, vielleicht auch nur weil ich zu viele Seelenverwandte im Buch erkannt habe. Man muss sich darauf einlassen. Was mich ganz besonders persönlich berührt hat, ist die Geschichte mit der Taube. Ich habe so ziemlich das Gleiche erlebt und die Taube besucht mich immer wieder.
JaneM. zu »Fred Vargas: Die Nacht des Zorns« 25.01.2014
"Die Nacht des Zorns" hat wieder alles, was Vargas ausmacht: einen mystischen Fall in einer Umgebung voller skurriler Gestalten; verzweigt, spannend, atmosphärisch, verschroben. Vargas gelingt es wieder mal brutale Morde auf liebenswerte und verspielte Art zu schildern. Nichts fehlt: das Team der Pariser Mordkommission in Bestform ( besonders eindruckvoll: Danglards menschelnde Eifersucht), bekannte Nebenfiguren ( z.B. Lucio- hombre), Anspielungen auf andere Vardas Werke und neue beeindruckende Charaktere. Wieder durchziehen scheinbar nebensächliche Kleinigkeiten die Handlung (wie die Zuckerstückchen oder Kühe, die sich nicht bewegen wollen).
Mich hat einzig nur eins gestört: wer hat der Taube denn nun die Beine zusammengebunden?
Grandios.
OHombre zu »Fred Vargas: Die Nacht des Zorns« 05.01.2014
Auch der 10. (!) - ein kleines Jubiläum – Roman um Kommissar Adamsberg knüpft nahtlos an seine Vorgänger an und ist für den geneigten Leser einfach ein Juwel.

DIE STORY:

Bereits bei seinen „Ermittlungen“ am Tatort – nach Auffinden der Leiche - überführt ADAMSBERG den Täter in seiner unnachahmlichen intuitiven Art. Anschließend erhält der Kommissar Besuch aus der Normandie. Eine ältere Dame aus Ordebec sucht ADAMSBERG auf Geheiß des Dorfpfarrers auf. Ihre Tochter Lina hat im Wald das „Wütende Heer“ vorüberziehen sehen. Die Legende sagt, dass der „Geisterzug“ Todesopfer ankündigt. Tatsächlich kann Lina auch vier potentielle „Opfer“ ausmachen, von denen sie drei erkennen kann. ADAMSBERGs Neugier ist geweckt. Als dann tatsächlich das erste Opfer verschwindet, macht ADAMSBERG sich auf den Weg in die Provinz. Bevor ADAMSBERG richtig loslegen kann, wird er nach Paris zurückgerufen. Zurückgekehrt wird der Kommissar damit konfrontiert, dass die Leiche eines wichtigen Industriellen in seinem ausgebrannten Mercedes aufgefunden wurde. Alles spricht dafür, dass „Momo“ der Täter ist; er zündelt regelmäßig Autos an, um auf soziale Mißstände aufmerksam zu machen. Allerdings hat „Momo“ noch nie getötet, was ADAMSBERGs Mißtrauen weckt. Gleichzeitig erfüllt sich in Ordebec Lina's Vision ein zweites Mal und ADAMSBERG drängt es in die Normandie, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Es gelingt ihm, „Momo's“ Fall mit dem Fall in Ordebec zu „verbinden“ und begibt sich, in die Höhle die Löwen in Ordebec.

FAZIT:

Einfach nur klasse! Wer es schrullig und skurril mag, ist bei FRED VARGAS super aufgehoben. Die Phantasie der Autorin scheint unerschöpflich, wobei sie das Universum ihrer fiktiven Welt konsequent immer weiter ausbaut. Soviele Anspielungen auf vorangegangene Romane wie in DIE NACHT DES ZORNS gab es bislang in dem ADAMSBERG-Zyklus noch nicht. Aber keine Angst: man muß die vorherigen Romane nicht kennen, um diesen Roman genießen zu können, also nicht abschrecken lassen! Die Konsequenz in Stil und Ensemble VARGAS' führt aber auch hier, wie bei den anderen Büchern dieser Autorin zu der Quintessenz: entweder man mag das oder man mag das nicht – einen Kompromiss dazwischen gibt es wohl nicht. Deshalb sollte man bereit sein, sich generell einmal auf diese Autorin einzulassen! Für mich gehört FRED VARGAS schon lange zu meinen Lieblingsautor(innen).

Viel Spaß dabei!
Theo zu »Fred Vargas: Die Nacht des Zorns« 13.11.2013
ZU PS2: Wer Fred Vargas schon einmal im Original gelesen hat, wird bestätigen können, dass Waltraud Schwarze gute Übersetzerinnenarbeit zu bescheinigen ist. Sie bringt das Eigentümliche von Vargas’ Stil, der wiederum eine Mischung aus Nüchternheit und Verspieltheit ist, sehr schön ins Deutsche.

Eben im Original:"L'armée furieuse" gelesen. Schön zu wissen, dass Frau Schwarze dass Ganze auf deutsch so gut rüberbringt. Ich hab schon beim Lesen gedacht, wie wird ein Uebersetzer wohl das Problem der Umkehrung der Wörter bei Hippo lösen. Es sind ja nicht wenige, etwa für "drannoc".

Theo (welsche Schweiz)
heike strate zu »Fred Vargas: Die Nacht des Zorns« 10.06.2012
Endlich sind sie wieder da: Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg, der Pariser Kommissar mit seiner äußerst merkwürdigen Brigade als da wären: Danglard, das Weißwein trinkende wandelnde Lexikon, Retancourt, der weibliche Fels in der Brandung mit durchaus männlichem Format, Froissy, immer hungrig und deshalb stets über unglaublich kulinarische Köstlichkeiten in der Schreibtischschublade verfügend, die vorzugsweise auf dem Kopierer lebende Revierkatze mit dem bildhaften Namen „Die Kugel“, Adamsbergs erwachsener Sohn Zerk, der eigentlich Armel heißt und den er erst seit seinem letzten Fall kennt, Veyrenc, Adamsbergs Jugendfreund und Neuling in der Truppe – es ist ein Fest des Wiedersehens mit Typen, die der eingefleischte Fan aus den zahlreichen Vorgänger-Romanen (u.a. „Die dritte Jungfrau“, „Der verbotene Ort“) bereits hinreichend kennt und die jeder Vargas-Erstleser schnell ins Herz schließen wird. Und eben dieses Team von schrägen Charakteren, als weitere Erzählstränge getarnte Ablenkungsmanöver wie verletzte Tauben, Kreuzworträtsel lösende Weißbrotfans und pyromanische Jugendliche sowie ein Plot, der sich der abergläubischen Urängste unseres Kulturkreises bedient, all das sind die wichtigsten Zutaten für einen typischen Fred-Vargas-Roman. Ihr neuestes Werk „Die Nacht des Zorns“ ist soeben erschienen. Doch gute Zutaten allein genügen nicht, es bedarf eines talentierten Kochs, der die Feinheiten einer jeden Ingredienz geschickt nutzt, um einen Leckerbissen zu kreieren. Und genau dieses Talent stellt die französische Autorin wieder einmal unter Beweis. Ihr eigensinniger Kommissar tritt diesmal die Reise in die Normandie an, um sich dort dem „wütenden Heer“ in den Weg zu stellen, das seit Jahrhunderten die Menschen eines kleinen Dorfes erschreckt. Doch bald schon erkennt er, dass sich da jemand unangenehmer Zeitgenossen entledigt – und dies dem mittelalterlichen Mythos in die Schuhe schiebt. Intelligente, literarisch wertvolle Krimikost, serviert mit humorig-absurdem Tiefgang und einer Spannung, die wahrhaftig nicht allein dem immer wieder zitierten, im Westen aufziehenden Sommergewitter zuzuschreiben ist. Doch Achtung: Man sollte der sich zwangsläufig einstellenden Lese-Gier keinesfalls nachgeben - sonst ist diese 453 Seiten starke Köstlichkeit allzu schnell verputzt!

Heike Strate
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Berlin-Krimi zu »Fred Vargas: Die Nacht des Zorns« 31.05.2012
Vargas lesen ist eine Form von Hypnose - für mich zumindest.

Hinzu kommt bei diesem Roman, dass der "Wolkenschaufler" Adamsberg noch besonders unter Druck steht, anders als in den sonst eher im Kleinen stattfindenden Mordfällen bei Fred Vargas's Krimis.

Hinzu kommt außerdem, dass Vargas hier ihr berühmtes Anliegen an Märchen und Sagen und deren Verarbeitung zu einer modernen Kriminalgeschichte besonders schön gelungen ist.

Am meisten aber suhle ich mich in den Beschreibungen, was Lebensart ist in Frankreich und dazu noch - als kleines Tüpfelchen auf dem "I" - den in sich ruhenden Adamsberg als Original.

Ein Buch für Frankophile und anderweitig Hypnotisierte - und solche, die es werden wollen.
Sagota zu »Fred Vargas: Die Nacht des Zorns« 29.04.2012
Ich danke der Autorin (und auch der Übersetzerin - auch wenn deren Leistungen sehr kritisch von Grete bemäkelt wurden!) für den Vargas-eigenen Humor und Skurrilität: Für die Nadel im (abgebrannten) Heuhaufen und andere Wortspiele mehr... (Das Leben ist. - aber wir müssen durch den shit durchwaten.:-)

Mit einem so köstlichen Lesegenuss ist das Waten viel schöner!!! Die bildhaften Beschreibungen der Teammitglieder von Adamsberg bringen mich auch immer zum abheben - besonders die "göttliche" Retancourt, die in wahrlich jedem Vargas-Krimi eine gute (Rubens-) figur macht und besonders auch der weißweinliebende und dafür sehr gute Verstecke findende Danglard - rien ne vas plus - um es noch besser zu machen bzw. zu be-schreiben, den ganz alltäglichen normalen Wahnsinn, der sich natürlich auch in Adamsbergs Pariser Kommissariat eingenistet hat!
Die Aufklärung hat mich etwas überrascht - aber selber lesen, da wird nix verraten.
Ich würde es überaus begrüßen ;-) - wenn Fred Vargas SEHR oft und auch LANGE Urlaub nimmt, um bald den Nachfolger zu schreiben: 3 Jahre warten ist hart, très dure!!!

A la prochaine ;-)
grete zu »Fred Vargas: Die Nacht des Zorns« 25.04.2012
zu »Fred Vargas: Die Nacht des Zorns«


und wieder so eine betuliche, biedere, kreuzbrave übersetzung!
schon auf der ersten seite wird mir schlecht. schade um die sprachlich raffinierten vargas-texte. und
schade, dass nicht jeder das original lesen kann.
warum klebt der verlag an dieser übersetzerin, die zwar perfekt französisch sprechen mag, aber keinen pepp im pencil hat
Karolinde zu »Fred Vargas: Die Nacht des Zorns« 19.04.2012
Ich habe alle Romane gelesen und auch dieser hat mich wieder in seinen Bann gezogen, Poesie, Witz, Figuren die man liebt, schmunzeln bei einem Krimi, ja sogar herzhaft lachen, einfach wunderbar und geistreich.
Adamsberg in Hochform, Danglard deprimiert, ein Kater der nicht zum Fressen läuft, wunderbare Menschen, Toleranz im miteinander so einfach beschrieben und doch so schwer, jetzt noch ein Toast auf die wunderbare Göttin Retancourt, diese Frau wünscht man sich in jedes Team, herzlichen Dank Fred Vargas, ich Verlass die Zeit wenn ich Ihre Romane lese
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
chef des pied zu »Fred Vargas: Die Nacht des Zorns« 17.04.2012
Welch ein Genuss, die Handlung brilliant, der Plot genial, zwischen den Zeilen wird eine Landschaft beschrieben worauf wir uns schon jetzt freuen, dort die Menschen etwas verschroben begrüßen zu dürfen.
Die Biographie von adamsberg wird mit all seinen Faceten sehr gut beschrieben und wir werden wieder in das Buch hineingezogen ohne den Ausgang finden zu wollen.
Wir sind gespannt wie es weiter geht.

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