Herzlos von Franz Zeller

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Pendragon.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Franco-Moll-Serie.

  • Bielefeld: Pendragon, 2009. ISBN: 978-3865321497. 256 Seiten.

'Herzlos' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine alte Frau stirbt in einem Salzburger Spital an einem klinischen Versuche. Aber niemand merkt’s – fast niemand. Ein junger Arzt wird im Keller der Herzklinik ermordet. Ein Obdachloser, der immer dort nächtigt, soll’s gewesen sein. Und ist selber bald tot. Und dann noch eine Leiche, die alles aufklären soll. Der aber das Wichtigste fehlt: das Herz. Chefinspektor Franco Moll hat seines noch, aber es ist liebeswund. Und sein Saufkumpan Weinmeister ist in Herzensdingen sowieso ein Einzeller.

Der urbane Moll und der wuchtig-rustikale Oberhollenzer ermitteln gegen den Willen ihres eitlen Vorgesetzen Gokl und gegen ein unausgesprochenes Gesetz der Stadt, wonach die tonangebende Schicht über jeden Verdacht erhaben ist und in Ruhe gelassen werden soll.

Das meint Krimi-Couch.de: »Dialoge Hop, Handlung Flop« 75°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Wenn ein Oberösterreicher, den es nach Wien verschlagen hat, in einem Bielefelder Verlag einen Salzburg-Krimi veröffentlicht, dann kann man dem Pendragon-Verlag für sein Vertrauen in den Newcomer Franz Zeller nur gratulieren und darf sich auch ein wenig wundern; denn die 250 Seiten Herzlos sind so ganz und gar nicht von nordrhein-westfälischem Charakter, dafür bieten sie deutlich ursprünglichen österreichischen Verbalschmäh aus der Festspielstadt.

 Die Handlung ist nicht gerade weltbewegend spannend inszeniert. Franco Moll, alleinerziehender Vater des kleinen Felix, und sein dauerhungriger und –durstiger Kollege Oberhollenzer,  fälschlich auch hier immer wieder als Kommissare oder Inspektor bezeichnet, haben eine Leiche im Keller, und die war in ihrem früheren Leben Arzt. Und zwar an einer renommierten Herzklinik, in der auch geforscht wird. Aber wie? Offensichtlich nicht ganz legal, denn der alten Dame, die man exhumieren lässt, fehlt das Herz, an dem man nachweisen könnte, was wirklich passiert ist. Leider ist der Obdachlose, der vielleicht Aufschlüsse geben könnte, inzwischen auch (mund)tot.

Zwischen den Mordermittlungen möchte Moll seinen Hormonhaushalt mit einer Verdächtigen auffrischen, und sein Sohn bräuchte dringend ein Kaninchen. Ein Freund von Franco wurde von seiner Frau verlassen, also zieht er kurzerhand bei diesem ein und vervollständigt das Chaos. Bei diesen Zuständen ist es nicht leicht, sich auch noch auf Ermittlungen zu konzentrieren …

 Franz Zeller schreibt zwar nicht Mundart und auch nicht so konfus, wie ein Wolf Haas, aber dennoch könnte gelegentlich der etwas derbe Humor, für Leser aus anderen Regionen, ein wenig zu viel des Guten sein. Hierzulande unterhält man sich bei solchem Ambiente, das einem Fernseh-Kottan kaum nachsteht. Denn wenn schon die Handlung nicht übermäßig originell ist, und auch Spannung nur sehr spärlich aufblitzt, dann muss der Roman von den Figuren leben. Und das tut er!

Wobei Franco Moll eher ein Durchschnittstyp ist, aber die Personen um ihn herum, sind herrlich karikiert. Oberhollenzer; Weinmeister, der Wirt der Kantine ums Eck; die Frau des Oberarztes und die Krankenschwester … lauter Personen, die man so oder ähnlich schon mal getroffen hat, und ein Original ist witziger als das Vorhergehende. Da kann man dem Autor schon verzeihen, dass er in seinem Schnürlregen-Krimi nicht das Vorzeige-Salzburg beschreibt, obwohl er gelegentlich zum Fremdenführer durch die Touristenzonen von Untersberg bis zum Domplatz wird.

  Herzlos ist ein gelungener Kleinkrimi von regionalem Charakter, der vor allem von seinen Dialogen lebt. Was sich die Damen und Herren zu sagen haben, unterhält durch den Wortwitz, den Rest der Handlung kann man dabei getrost vergessen. Wenn Franz Zeller seine Figuren konstant weiter entwickelt, könnten sie Kultstatus erreichen; ähnlich dem Lemming von Stefan Slupetzky oder dem Brenner von Wolf Haas. Wobei angemerkt werden muss, dass Moll und Oberhollenzer keine depressiven Alkoholiker sind, was allein schon sehr positiv beim Lesen auffällt.

Wolfgang Weninger, November 2009

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