Die Liebermann-Papiere von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2005
unter dem Titel Mortal Mischief,
deutsche Ausgabe erstmals 2006
bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: Österreich / Wien, 1890 - 1909.
Folge 1 der Liebermann-Serie.
- London: Century, 2005 unter dem Titel Mortal Mischief. 512 Seiten.
-
München: btb, 2006.
Übersetzt von Holger Wolandt, Lotta Rüegger.
ISBN:
978-3-442-73463-4. 512 Seiten. -
München: btb, 2008.
Übersetzt von Holger Wolandt, Lotta Rüegger.
ISBN:
978-3-442-73771-0. 512 Seiten.
'Die Liebermann-Papiere' ist erschienen als
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In Kürze:
Wien, Anfang des 20. Jahrhunderts: Der Tod des jungen Mediums Charlotte Löwenstein gibt Rätsel auf. Es gibt keine Spuren von Gewalt, ein Abschiedsbrief deutet auf Selbstmord hin. Der Polizist Reinhardt glaubt weder daran noch an übersinnliche Kräfte und bittet den jungen Arzt und Psychoanalytiker Max Liebermann um Hilfe. Der ist bekannt für seinen kühlen Verstand. Und für seine unkonventionellen Methoden …
Das meint Krimi-Couch.de: »Mit Akribie und Geistesblitz«
Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger überspringen
Sigmund Freud verkündet gerade seine revolutionären Erkenntnisse der Psychoanalyse. Von vielen verachtet und geschmäht, aber von einer kleinen Schar von Ärzten, zu denen auch Doktor Max Liebermann gehört, ob seiner neuen, spektakulären Ansichten verehrt. Denn nicht mehr das Bekämpfen von seelischen Krankheiten mit Elektroschocks soll zum ärztlichen Alltag gehören, sondern das Eingehen auf die Lebensumstände des Erkrankten und die Suche nach den Ursachen im eigenen Erleben.
Davon ist Inspektor Rheinhardt von der Wiener Polizei allerdings weit entfernt, als er in die Wohnung der jungen und hübschen Charlotte Löwenstein gerufen wird. Madame Löwenstein hatte sich einen Zirkel von Menschen aufgebaut, die in ihr ein Medium sahen und mit den Toten rege Zwiesprache hielten. Doch jetzt ist sie wie eine Puppe aufgebahrt auf ihrer Couch und ein Abschiedsbrief liegt daneben. Rheinhardt kann aber an die Theorie eines Suizids nicht glauben. Denn der Raum, in dem die junge Frau dahinschied, war von innen verschlossen. Das Loch in ihrer Brust stammt zweifellos von einem Schuss, aber nirgendwo findet sich eine Waffe. Und wie der Gerichtsmediziner zweifelsfrei feststellt, findet sich im leblosen Leib der Toten weder ein Austrittsloch für eine Kugeln, noch das Projektil selbst.
Nur gut, dass Rheinhardt mit Max Liebermann befreundet ist, mit dem er des Öfteren musikalische Entspannungsübungen abhält und sich den Werken Schuberts widmet. Max Liebermann kombiniert messerscharf. Gegen ihn sind Sherlock Holmes und Nick Knatterton absolute Waisenknaben. Durch seine Fähigkeiten als Psychoanalytiker und Gesprächen mit der Näherin des Opfers wird ihm schnell klar: die Tote muss schwanger gewesen sein. Und der Mörder aus dem Umfeld der Leiche muss davon gewusst haben …
Wenn ein Autor nebenbei Arzt und praktizierender klinischer Psychologe ist, dann liegt es ziemlich nahe, dass auch einer seiner Romanhelden dem Ruf Doktor Freuds Folge leistet. Und dabei bewegt sich Frank Tallis mit »Die Liebermann-Papiere« in bester Gesellschaft, denn in jüngster Vergangenheit haben sich auch Dr. Hans-Otto Thomashoff mit Die Notizen des Dr. Freud und Dr. Eva Rossmann in Freudsche Verbrechen dem kriminellen Trend zum Schauplatz Wien und dem Erbe Sigmund Freuds schreiberisch hingegeben. Von Frank Tallis soll es allerdings noch mehr über Max Liebermann und die Zeit nach der vorigen Jahrhundertwende im mörderischen Genre zu lesen geben, denn die über 500 Seiten starken Liebermann-Papiere sind nach Auskunft des btb-Verlages den Anfang einer Trilogie. Und da erhebt sich die Frage für den Leser: Lohnt sich das?
Und das kann man mit gutem Gewissen mit einem deutlichen Ja beantworten. Max Liebermann ist nicht nur eine sehr gut stilisierte Mischung aus Arzt und Kriminalist, er wirkt auch überaus sympathisch und hat durch seine beruflichen Kontakte die Möglichkeit sich seinem nicht ganz einfachen Liebesleben zu widmen. Solcherart lässt sich das gesamte Ambiente der frühen Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts an Hand der Person Max Liebermann und der Nebenfiguren sehr gut darstellen und das ist dem Autor auch hervorragend gelungen.
Aber es ist nicht nur die Atmosphäre dieser Epoche, die den Leser fesseln kann, sondern auch ein gut gestrickter Kriminalfall, bei dem bis zum Ende der Täter nicht vorhersehbar ist, denn der Autor präsentiert einige Personen, die sowohl Motiv, als auch Möglichkeit zur Ausführung der Tat gehabt hätten.
Die Spannungskurve ist allerdings eher mäßig. Wenig spektakulär, aber dafür mit Akribie und Geistesblitz löst der medizinische Ermittler seinen Fall und das macht diesen Krimi zu einem vergnüglichen Leseabenteuer, bei dem man sich jetzt schon auf die Fortsetzung freut.
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| O. Urban zu »Frank Tallis: Die Liebermann-Papiere« | 11.12.2010 |
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| Georg zu »Frank Tallis: Die Liebermann-Papiere« | 14.05.2008 |
| Achim P. zu »Frank Tallis: Die Liebermann-Papiere« | 18.01.2008 |
| Ellen2 zu »Frank Tallis: Die Liebermann-Papiere« | 26.07.2007 |
| Dani Meienberg zu »Frank Tallis: Die Liebermann-Papiere« | 02.04.2007 |
| Ellen Walter zu »Frank Tallis: Die Liebermann-Papiere« | 31.03.2007 |
| Christoph Fischer zu »Frank Tallis: Die Liebermann-Papiere« | 21.02.2007 |
| Sandra M. zu »Frank Tallis: Die Liebermann-Papiere« | 18.07.2006 |

