Im Zeichen des Blutes von Franck Thilliez

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel La mémoire fântome, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich, 1990 - 2009.
Folge 2 der Lucie-Hennebelle-Serie.

  • Paris: Le Passage, 2007 unter dem Titel La mémoire fântome. 429 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2008. Übersetzt von Ingrid Kalbhen. ISBN: 978-3-548-26896-5. 393 Seiten.

'Im Zeichen des Blutes' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Als die Ermittlerin Lucie Hennebelle der verwirrten Manon begegnet, begreift sie sofort: Der »Professor« ist wieder aufgetaucht. Sein Zeichen ist die blutige Schrift auf Manons Handfläche. Nur Manon kann Lucie zu ihm führen, doch diese leidet unter einer unheilbaren Gedächtnisstörung. Die Lösung des Rätsels scheint in einem Abgrund des Vergessens verschwunden.

Das meint Krimi-Couch.de: »(Noch) keine Konkurrenz für Maxime Chattam« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

In einem Wohnheim findet Polizeileutnant Lucie Henebelle eine junge Frau vor, die offenbar an Händen und Füßen gefesselt war. Die Frau kann zwar ihren Namen Manon Moinet angeben, ist aber ansonsten völlig orientierungslos. Aufgrund einer Einritzung in ihrer Hand »Pr wieder da« behauptet sie, ein Opfer des »Professors« gewesen zu sein. Mit einem Schlag ist Lucies Interesse erweckt, denn der Professor ist ein schon legendärer Serienmörder, der bis vor ungefähr vier Jahren sein Unwesen trieb und sechs Menschen ermordete, darunter auch Manons Schwester. Bis heute wurde er nicht gefasst.

»Hast du ihre aktuelle Adresse herausfinden können?«
»Hm, ja. Der Boulevard der Verblichenen.«
»Was?«
»Nun, der Friedhof.«

Lucie findet heraus, dass Manon unter einer unheilbaren und seltenen Form der Amnesie leidet, die von einem Überfall herrührt, bei der ihr vor Jahren der Hals zugedrückt wurde. In der Annahme sie umgebracht zu haben, lies der Täter voreilig von ihr ab. Seitdem kann sich Manon zwar an die Ereignisse vor dem Überfall erinnern, alles was danach passierte ist jedoch weg und was in der Gegenwart geschieht, vergisst sie augenblicklich.

»Und worum geht es bei diesem Strychnin genau?«
»Haben Sie nie Agatha Christie gelesen?«
»Ist nicht so mein Fall.«
»Sollte es aber. Dieses Gift war in den 50er Jahren sehr in Mode, da man es leicht bekommen konnte. Strychnin gehört zu den Rodentiziden, man benutzt es zur Bekämpfung von Schädlingen.«

Als sich Lucie den Ort ansieht, an dem Manon gefangen gehalten wurde, entdeckt sie eine geheime Botschaft, wonach in wenigen Stunden ein weiterer Mord geschehen soll. Diese führt sie mit Manons Hilfe zu dem »Geisterhaus von Hem«, in dem es eine Reihe unerklärlicher Morde gab. Dort stoßen Lucie und Manon auf ein weiteres Rätsel, welches die beiden letztlich zu dem Haus der 79-jährigen Renée Dubreuil, dem »Teufel vom See«, bringt. Dubreuil hatte ihre drei Töchter getötet bevor diese von ihrem Mann erschossen wurden. Nach jahrelanger Haft bewohnt sie nun ein abgelegenes Haus am See. Dort angekommen findet Lucie nur ihre grausam entstellte und skalpierte Leiche. Sollte nach mehreren Jahren der Professor wieder aktiv geworden sein?

Sehr viel Fantasie, aber leider auch nicht weniger Schwachstellen

Eines kann man Franck Thilliez’ zweitem Roman »Im Zeichen des Blutes« sicher nicht vorwerfen, denn an Fantasie fehlt es dem Autor sicher nicht. Das Buch beginnt mit ordentlichem Tempo und wird kurz nach dem Einstieg mit einem längeren Ausflug in die Welt unseres seltsamen Gehirns unterbrochen. Über Amnesie, Schizophrenie und die unterschiedlichen Gedächtnisregionen wie beispielsweise das autobiographische, das prozedurale und das semantische Gedächtnis lesen wir mehr, als unbedingt sein muss, um der weiteren Handlung folgen zu können. Aber sei es drum, der Autor hat sich mit dem Thema umfangreich befasst, also erkennen wir den guten Willen an.

Der Schreibstil?

Den guten Willen vermissen lässt mitunter der Schreibstil, vor allem in der zweiten Hälfte. Lag es am Autor selbst oder an der Übersetzung oder befand sich womöglich das gesamte Lektorat des Ullstein-Verlages im Urlaub? Nervtötend oft finden sich hier statt »Lucie« oder »Manon« immer und immer wieder »die junge Frau«, »die junge Polizistin«, »die junge Mathematikerin« und als besonders ätzende Krönung »die an Amnesie leidende Frau«. Ja leiden denn alle Leser/innen dieses Buches selbst an Amnesie, dass man diesen »Hinweis« alle paar Seiten ständig wiederholen muss? Nein, ganz sicher nicht und so leidet der Lesegenuss denn doch gewaltig aufgrund solcher völlig unnötiger Schwachstellen.

Und die Handlung?

Sagen wir so: Würde auf dem Buchcover Maxime Chattam als Autor stehen, man würde es glauben. So erfindungsreich war schon lange kein Autor mehr und dies ist jetzt gar nicht mal bösartig gemeint. Der entstehende Wirrwarr aus Amnesie und mathematischen Rätseln ist gefällig, wenngleich es nicht immer leicht ist, der Handlung zu folgen. Der Professor wird immer nur erwähnt, ohne selber in Erscheinung zu treten und bekommt in Anspielungen zunehmend Konkurrenz von dem Rothaar-Mörder. So jagt man also gleich zwei Serienmörder und hat es zusätzlich noch mit der Frage zu tun, wer damals bei Manon eingebrochen ist, denn dieser Fall tritt erneut ein, und wer sie zu beschützen versucht. Dass der Autor bei dem ganzen Durcheinander weitgehend den Überblick behält ist eine anerkennenswerte Leistung.

Und die Charaktere?

Beschränken wir uns aus Platz- und Zeitgründen auf die beiden Protagonistinnen. Die Darstellung der an Amnesie leidenden Manon ist glaubwürdig gelungen. In einem Moment geht sie mit Lucie noch auf Erkundungstour, nur um sie zwei Minuten später niederzuschlagen, da sie sich von ihr bedroht fühlt. Dass sich etliche Gesprächsverläufe ständig wiederholen stört nicht, sondern sorgt ganz im Gegenteil für Authentizität, denn da Manon alles sofort wieder vergisst, erscheint es logisch, dass sie sich ständig nach dem aktuellen Geschehen erkundigt. Bliebe Lucie: Au, da ging ja dann doch einiges schief. Als allein erziehende Mutter zweier vierjähriger Mädchen, will sie sich natürlich in erster Linie um den Nachwuchs kümmern. Schade, dass sie dies an keiner einzigen Stelle des Romans praktiziert, sondern stattdessen zur teamunfähigen Alleingängerin mutiert, die mit zunehmender Handlungsdauer immer unrealistischere Heldentaten vollbringt oder besser gesagt vollbringen will. Daneben gibt es etliche klischeehafte Randfiguren, aber lassen wir das.

Und das Ende?

Da gibt Franck Thilliez wirklich alles und stellt selbst den schon angesprochenen Kollegen Chattam so locker in die Ecke, dass einem mehrfach der Atem stockt. Die »besondere Originalität« ist – wie schon erwähnt – mehr als »beeindruckend«, ansonsten ist »Im Zeichen des Blutes« jedoch ein Mainstream-Thriller mit erheblichen Schwachstellen. Gelingt es dem Autor diese abzustellen, dann darf man sich auf weitere Werke freuen.

Jörg Kijanski, Oktober 2008

Ihre Meinung zu »Franck Thilliez: Im Zeichen des Blutes«

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Katja zu »Franck Thilliez: Im Zeichen des Blutes« 28.04.2010
Der Anfang des Buches hat mir gut gefallen, von Seite zu Seite fiel das Buch dann in sich zusammen.
Die Sprache von Thilliez gefällt mir ganz und gar nicht, es klingt hölzern und eckig. Die Dialoge konnten mich nur zum Teil überzeugen.

Die Hauptfigur Lucie, die auf mich teilweise wenig glaubwürdig wirkte(z.B. Verhalten gegenüber Kindern usw.), konnte mich nicht recht überzeugen,die Figur der Manon, anfangs noch überzeugend, wurde zunehmend ein Spannungskiller.

Die seitenlangen Abhandlungen über Amnesie, Paläontologie, mathematische Zahlen+Spiralen und die Wirkungsweise des menschlichen Gehirns sollen dem Buch anscheinend Tiefenwissen geben, auf mich wirkte dieses jedoch langweilig und drückte den eh schon geringen Spannungsbogen weiter nach unten. Die hölzerne Sprache und die mangelnde Handlung konnte es jedoch nicht ausgleichen.

Das Ende wiederum hat mich etwas überrascht und gelangweilt zu gleich.

Fazit:Ein teils langatmiger"Möchtegern-Thriller" mit aufgeblähter Handlung und teils unglaubwürdigen Charakteren. Von mir gibts 40°
koepper zu »Franck Thilliez: Im Zeichen des Blutes« 03.09.2009
Anfangs hat im „Zeichen des Blutes“ mir gut gefallen. Neben der Handlung des Thrillers hat der Autor ausführliche und interessante Ausführungen zum Phänomen der Amnesie und zur Forschung über das Gedächtnis gemacht. Darüber hinaus präsentiert er mathematische Rätsel, die anscheinend gelöst werden müssen, um einem Serienmörder auf die Spur zu kommen.
Die Hauptakteure Lucie, die Ermittlerin und Manon sind interessante Charaktere, vor allem das Eintauchen in die Welt der an Amnensie leidenden Manon fand ich sehr spannend.
Leider wird die Handlung in Laufe des Buches immer verzwickter und komplizierter. Dabei hat Thilliez übertrieben und das Gefühl vermittelt, dass er den Plot überkonstruiert hat. Mit der Zeit fand ich den Fortgang der Handlung ermüdend, die Spannung, die anfangs vorhanden war, verflüchtigte sich.
Die Auflösung der Geschicht ist ihm jedoch wieder gelungen, hier bietet er Überaschendes. Schade, dass das Buch in der Mitte Längen hat, sonst wäre es ein wirklich guter Thriller.
stephenie zu »Franck Thilliez: Im Zeichen des Blutes« 03.05.2009
Mein erstes Buch von Thilliez, bis dato wird es auch kein weiteres geben...

Ich hatte am Anfang echt Mühe, zu verstehen, wer, wie, wo, was. Dann diese ganze Mathematik. Sicher, man hat einiges über das Gedächtnis & Co. gelernt. Mir war das aber echt zuviel.

Das Ende hat mich dann doch wieder überrascht. Ich vergeb 67°.
Sonny zu »Franck Thilliez: Im Zeichen des Blutes« 26.10.2008
Vorweg, Thilliez hat sich zu dem Vorgänger merklich gesteigert. Die Charaktere hat er besser gezeichnet. Lucie wirkt nicht mehr ganz so unglaubwürdig. Der Spannungsbogen ist durchweg nicht sonderlich hoch, aber gradlinig.

Die Story an sich ist mal was Neues. Man bekommt viele Einblicke in einen Bereich, der sonst eher nebensächlich mal genannt wird (Amnesie).
Gerade dies sorgt für ein völlig unerwartetes Ende.

Fazit: Kann man, muss man nicht. Interessanter Plot, der unterm Strich aber 08/15 – Ware ist.
Gibt 70°
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Quickmix zu »Franck Thilliez: Im Zeichen des Blutes« 06.09.2008
Die Geschichte knüpft nahtlos an dem vorherigen Psychothriller an (man muss aber nicht das erste Buch gelesen haben). Der Zweite Fall der sympathischen Ermittlerin Lucie Hennebelle ist auch dieses Mal nicht einfach zu lösen.
Der Autor schafft hier noch mal eine deutliche Steigerung zum ersten Roman. Jetzt liegt die Betonung mehr auf Psycho (obwohl es hier auch ein paar härtere Stellen gibt - hält sich aber in Grenzen).
Hilfe bekommt Lucie diesmal von Manon die unter einer Gedächtnisstörung leidet aber eine ausgezeichnete Mathematikerin ist. Dies macht die Geschichte auch so spannend. Es dreht sich hier einiges um Zahlen und Rätsel. Da Manon aber vieles Dinge immer nach einigen Minuten vergessen hat ist das alles nicht einfach.
Ab Seite 250 zieht die Spannung dann noch einmal richtig an und das Buch wird zu einem echten Psychothriller.
Wem das erste Buch gefallen hat sollte auf jeden Fall auch dieses lesen. Man bekommt hier auch noch einige sehr interessante Antworten zu offenen Fragen was Lucie betrifft.
Ein Psychothriller der im Laufe der Geschichte auch einiges an Gänsehaut mitbringt.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Schrodo zu »Franck Thilliez: Im Zeichen des Blutes« 28.08.2008
Das zweite Werk des Herrn Thilliez und mein erstes von ihm. Auf dem Cover meines Buches befindet sich ein Aufkleber „… Krimi Tipp“, und der gehört da auch hin.
Die schöne Mathematikerin Manon leidet an einer Gedächtnisstörung und vergisst ihre jüngste Vergangenheit, die schöne Ermittlerin Lucie leidet unter ihrer Vergangenheit und möchte sie am liebsten vergessen (ziemlich ungerecht verteilt, oder). Dann gibt es noch einen Serienmörder, den Professor, und noch einen Serienmörder den Rothaar – Jäger. Das Buch ist von der ersten bis zu letzten Seite spannend, verliert nie den roten Faden, und der Schreibstil des Herrn Thilliez liest sich flüssig. Es gibt einige Erklärungen über Mathematik (nein, nicht so wie in der Schule), über Fossilien und über die Gedächtnisstörung der schönen Manon (allein das ist schon lesenswert!). Zu guter letzt hat sich der gute Franck noch mal so richtig angestrengt und ein Ende geschrieben welches sie überraschen wird…bestimmt!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
sue82 zu »Franck Thilliez: Im Zeichen des Blutes« 19.08.2008
Das Buch war an für sich wirklich etwas anderes. Man erfährt viel über Amnesie und wie Menschen damit Leben sich nie mehr etwas merken zu können. Ich finde das ist dem Autor sehr gut gelungen, v.a. erklärte es der Autor verständlich.

Was mich nervte, waren die ständigen "die schöne Polizisten", Die schöne junge Frau" etc. War meines Erachtens etwas übertrieben.

Das Buch war spannend und gut geschrieben. Ein Ende, das ich so nicht erwartet habe und dadurch viele Punkte gut gemacht hat.

Fazit: Empfehlenswert. Man sollte aber vorher "die Kammer der toten Kinder" lesen, da die Hauptprotagonistin die gleiche ist und auch öfters darauf Bezug genommen wird.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mase zu »Franck Thilliez: Im Zeichen des Blutes« 11.08.2008
Eine erfrischende Serienmörderjagd in ungewöhnlichem Gewandt. Ohne Sternenbanner-Patriotismus, dafür mit französischem Charme.

Die hübsche Ermittlerin wird von einer schönen amnesiekranken bei ihren Ermittlungen unterstützt. Durch die Amnesie kann sich Manon nicht daran erinnern was vor 30 Sekunden geschehen ist und muss sich darum ständig alles aufschreiben. Ein gewisser Unterhaltungswert ist also gewährleistet.

Das Thema Amnesie, sowie das Gehirn mit seinen verschiedenen Gedächtnissen wird ausführlich behandelt und sehr interessant und verständlich beschrieben.

Das Buch bietet alles, was der Leser von einem solchen erwartet, nämlich viele Verdächtige, brutale Morde, Ermittler die ständig dem oder den Täter(n) hinterlaufen und als Bonuspunkt lässt der Killer an den Tatorten Rätsel zurück, die gelöst werden müssen. Da die amnesiekranke Manon der Schlüssel zu diesen Rätseln ist, kann man sich leicht vorstellen, welche Schwierigkeiten die Fortschritte der Ermittlung machen.

Am Schluss gibt es noch eine Überraschung und rundet somit dieses Buch ab. Thilliez ist eine angenehme Alternative zu den US-Autoren dieses Genres.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
jacqueline zu »Franck Thilliez: Im Zeichen des Blutes« 17.07.2008
Hab das Buch vorgestern gekauft und kann es abends beim lesen kaum aus den händen legen. bin jetzt mit 3/4 durch. bis jetzt sehr spannend. bin schon auf die lösung gespannt
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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