Schatten der Tiefe von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1978
unter dem Titel Um Crime na Exposição,
deutsche Ausgabe erstmals 2005
bei Lübbe.
300 Seiten.
ISBN-10: 3-7857-1569-2, ISBN-13: 978-3-7857-1569-7.
Übersetzt von Kirsten Brandt.
'Schatten der Tiefe' ist erschienen als
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In Kürze:
Portugal. Weltausstellung in Lissabon: Die Weltausstellung mit dem Thema »Ozeane« ist für das kleine Land am Atlantik ein bedeutendes Prestigeprojekt. Da kommt es den Veranstaltern und Politikern höchst ungelegen, dass innerhalb weniger Tage auf dem Expogelände drei Leichen entdeckt werden: der junge azorische Biologe Paulo Viveiros Costa, der auf der Suche nach einem äußerst seltenen Fisch, dem legendären azorischen Drachenkopf war, die mexikanische Biologin Elena Carreter, mit der Paulo ein Verhältnis hatte, und die Landschaftsarchitektin Rosa de Almeida Mendes. Ein Fall für Inspektor Jaime Ramos und seinen Freund, Unterinspektor Filipe Castanheira. Die Spur führt auf die Azoren, wo schließlich noch eine vierte Leiche, die eines Amerikaners, gefunden wird.
Ist es wahr, dass das amerikanische Militär hinter der bislang nicht entdeckten, legendären Fischart her ist, die ein tödliches Nervengift produzieren soll? Ist es wahr, dass der Biologe den Fisch gefunden und gefilmt hat? Warum aber hat der Täter der Leiche einen Zeh abgeschnitten? Der Schlüssel zur Aufklärung der Verbrechen scheint in einem verschollenen Video zu liegen. Doch es gibt auch Gerüchte, dass dieses Video kompromittierendes Material enthält. Steckt hinter den Morden noch mehr? Wie passen die Morde zusammen? Wo ist das Muster? Eine harte Nuss für das Ermittlerduo Jaime Ramos und Filipe Castanheira. Die Zeit drängt, und einflussreiche Kreise wollen jegliches Aufsehen vermeiden.
Das meint Krimi-Couch.de: »Viel portugiesisches Flair, zu wenig Spannung«
Krimi-Rezension von Eva Bergschneider
Wie man bereits an den sehr unterschiedlich ausfallenden Bewertungen der Krimi-Couch sehen kann, sind die Kriminalromane von Francisco Jose Viegas umstritten. Gelobt wirs seine literarische Begabung, die seinen Werken eine einzigartig dichte Atmosphäre verleiht, kritisiert wird hingegen die Spannungs- und Handlungsarmut seiner Romane. Nicht jedem Leser reicht seine lyrische Art der Charakterisierung von Land und Leuten aus, um sich gut unterhalten zu fühlen.
Der Klappentext zu »Schatten der Tiefe« verspricht durchaus eine interessante Geschichte mit überraschendenEntwicklungen. Ist es Francisco Jose Viegas in seinem neuesten Werk gelungen, atmosphärische Dichte und Spannung unter einen Hut zu bringen?
Expo in Lissabon von einer mysteriösen Mordserie überschattet
1998 fand die letzte Weltausstellung des 20. Jahrhunderts in Lissabon statt, für das kleine, international eher unbedeutende Portugal eine besondere Ehre mit hohem Prestige-Wert. Die Expo in Lissabon sollte ein perfekt organisiertes, innovatives Event verkörpern, wird jedoch von Morden an zwei Biologen und einer Landschaftsarchitektin überschattet. Der eigentlich in Porto agierende Inspektor Jame Ramos wird nach Lissabon geordert, um diese Mordserie zu untersuchen, die für die offiziellen Vertreter und Politiker ganz und gar ungelegen kommt.
Neben dem kirgisischen Pavillon findet man die schlammbedeckte Leiche von Rosa de Almeida Mendes. Die Landschaftsarchitektin wurde erschossen und ihrer Unterwäsche beraubt in einer Fahne des FC Barcelona eingewickelt, zurückgelassen. Sie ist nicht die erste Tote auf der Weltausstellung. Unmittelbar nach der Eröffnung trieb die Leiche des azorischen Biologen Paulo Costa in einem Becken des Ozeanariums, dem Toten war ein großer Zeh mit einem scharfen Messer abgeschnitten worden. Wenige Tage später wurde der reibungslose Ablauf der Expo ein weiteres mal durch einen Mord durcheinander gebracht, die mexikanische Biologin Elena Carter wurde erstochen in der Nähe ihres Appartements gefunden, unmittelbar bevor sie überraschend die Expo verlassen und in ihr Heimatland zurückkehren wollte.
Der Inspektor aus Porto an einem befremdlichen Einsatzort
Jaime Ramos gerät bald unter Druck, denn Presse und offizielle Vertreter fordern eine möglichst rasche Aufklärung der Ereignisse, da sie befürchten, die Expo könne in einem Desaster enden. Der intuitive Spürsinn des Inspektors lässt ihn anfangs im Stich, denn Lissabon ist nicht Ramos’ Revier, sondern eine laute Stadt, die ihn nicht schlafen lässt.
Der Fundort der Leiche von Paulo Costas scheint nicht der Tatort zu sein, denn der amputierte Zeh hat kaum Blut hinterlassen. Jaime Ramos und sein Assistent Insaltino de Jesus fragen sich, wie der Leichnam ungesehen in das Ozeanarium, das kontinuierlich von Videokameras kontrolliert wird, transportiert worden ist. Während die Polizei den Fundort der Leiche untersucht, beobachtet Elena Carter interessiert das Geschehen. Inspektor Ramos ist von der Mexikanerin sofort fasziniert und erhält einige Informationen über die Lebensumstände des Azoren. Trotzdem kann er Elena Carter nicht alle Geheimnisse entlocken, bevor sie überstürzt ihre Abreise ankündigt, die sie nicht antreten wird.
Die Morde an den beiden Wissenschaftlern scheinen in unmittelbarem Zusammenhang zu stehen, beide erforschten eine seltene Fischart, den Drachenkopf und hatten darüber hinaus eine Affäre.
Verbirgt sich hinter dem unscheinbaren Drachenkopf ein Geheimnis, dass beide Biologen ihr Leben kostete oder ist ein persönlich motiviertes Verbrechen geschehen?
Jaime Ramos hat gerade seinen Freund und Kollegen Filipe Castanheira, Unterinspektor auf den Azoren, zu den Ermittlungen hinzugezogen, als dort ein weiterer Toter in einer ehemaligen Zigarrenfabrik aufgefunden wird, der sich als Vertreter einer amerikanischen Biotechnologiefirma entpuppt.
Im Mittelpunkt: die portugiesische Lebensart
Die Charakterisierung der portugiesischen Lebensart liegt dem Autor Francisco Jose Viegas so sehr am Herzen, dass die eigentliche Geschichte seines Kriminalromans in den Hintergrund tritt.
Die Hauptpersonen Jaime Ramos und Filipe Castanheira sind außerordentlich detailiert charakterisiert, der Leser erfährt alles über ihre Vorlieben und Schwächen. Beide sind sehr eigenwillige, melancholische Typen, aber auch sympathische Genussmenschen. Darüber hinaus beschreibt Viegas Natur und landestypische Gewohnheiten ausführlich und liebevoll, das typisch portugiesische Flair wird dem Leser mit jeder Zeile nahe gebracht.
Dafür verwendet der Autor eine sehr bildhafte, beinahe lyrische Sprache mit intensiven Bildern. Die Schilderung der Atmosphäre und der Essgewohnheiten erinnern an den leidenschaftlichen Stil von Andrea Camilleri, fesselnde Handlung mit Spannungsmomenten sucht man allerdings vergeblich.
Die Geschichte wird sehr sprunghaft erzählt, Ereignisse werden vorweggenommen, Schauplätze und handelnde Personen scheinbar willkürlich variiert. Dieser Stil ist gewöhnungsbedürftig, der Autor kommt dem Leser aber entgegen, indem er vorweg genommene Aktionen an anderer Stelle nochmal erzählt oder erklärt.
Der Auftakt der Story ist durchaus gelungen, die Handlung versinkt allerdings immer wieder in ausschweifenden Schilderungen landestypischer Charakteristika, die nichts mit dem Geschehen zu tun haben. Die wesentlichen Ereignisse werden über weite Strecken etwas zu sporadisch erzählt und sind eher mühsam zu lesen, trotzdem ist das Ende relativ schnell vorhersehbar und gänzlich unspektakulär.
Eine Charakterstudie über Portugal, notdürftig in einer Kriminalgeschichte verpackt
»Schatten der Tiefe« von Francisco Jose Viegas ist ein Roman für eingefleischte Portugal-Fans, die nicht allzu hohe Erwartungen an eine spannende Geschichte und Freude an einer Charakterstudie über Land und Leute haben. Für Liebhaber spannender Kriminalgeschichten findet sich sicherlich einiges, was weniger zäh zu lesen ist.
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